DWS-Initiator erfindet offenbar IS-Flaggenfund in Stern Buchholz

Schwerin, 22.03.2016 (red/stm). Das Medien und ihre Vertreter nur die  „Lügenpresse“ sind, das steht für die Initiatoren von „Deutschland wehrt sich“ (DWS) fest. Dumm nur, dass einer ihrer Schweriner Hauptprotagonisten es offenbar mit der Wahrheit selber nicht so genau nimmt.

 

Bühring (2)
David Bühring (mit Megafon) verbreitete in den sozialen Netzwerken, dass in Stern Buchholz IS-Fahnen gefunden sein sollten. Diese Behauptung scheint frei erfunden zu sein. Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv

 

Seit einiger Zeit verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke: Im November des letzten Jahres habe die Polizei in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Stern Buchholz mehrere IS-Flaggen gefunden und sichergestellt.

 

Bühring
Screenshot des Postings von David Bühring

Öffentlich wurde dieser Vorfall durch David Bühring, der in Schwerin zu den Initiatoren des Bündnisses „Deutschland wehrt sich“ gehört, gemacht. In einem Posting auf Facebook behauptet Bühring, dass zwischen dem 15.11. und 22.11. des vergangenen Jahres IS-Fahnen in Stern-Buchholz in Anwesenheit von Polizeibeamten sichergestellt worden seien. Bühring geht in seinem Post davon aus, dass die Polizei nach dem Vorfall Ermittlungen eingeleitet habe. Die betreffenden Asylbewerber, so Bühring weiter, seien in der Einrichtung unter Beobachtung gestellt worden. Wie bei anderen Einsätzen auch, bliebe das „öffentliche Interesse unbeachtet“, schreibt der DWS-Aktivist. Zwischen den Zeilen klingt hier der Vorwurf durch, dass es nach Auffassung von Bühring ein breites Bündnis zwischen Polizei, Politik und Medien gibt, die solche Vorfälle systematisch totschweigen.

 

Auf persönliche Anfrage an den Ministerpräsidenten Erwin Sellering, so David Bühring weiter, habe dieser eine Aufklärung der Vorfälle zugesagt.

 

Für die Redaktion von Schwerin-Lokal war es nach Lesen der Behauptungen von David Bühring selbstverständlich, dass hier eine Berichterstattung erfolgen muss. Nach unser Auffassung wäre es nicht hinnehmbar, wenn hier tatsächlich durch Polizei oder Politik versucht worden ist, den Fund von IS-Fahnen auf dem Gelände der Zentralen Aufnahmestelle in Stern-Buchholz vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. Das Ergebnis unserer Recherche zeigt aber plötzlich ein ganz anderes Bild. Offenbar nimmt man es bei „Deutschland wehrt sich“ doch nicht ganz so genau mit dem Wahrheitsgehalt  von Meldungen.

 

Keine Flaggen gefunden und sichergestellt

 

Auf Anfrage, teilte Schwerins Polizeisprecher, Steffen Salow mit, dass der Polizei weder ein Fund von Fahnen der Organisation „IS“ gemeldet wurden, noch die Polizei selber Fahnen sichergestellt habe. „Es gab keinen Einsatz von Polizeibeamten und somit auch kein Ermittlungsverfahren“, so Salow weiter.

 

Allerdings habe man nach Bekanntwerden der Behauptungen von David Bühring sehr intensiv „Recherche“ betrieben und werde gegebenenfalls auf die Äußerungen Bührings reagieren. Im Klartext dürfte das bedeuten, dass sich die Polizei nun ihrerseits rechtliche Schritte gegen den DWS-Aktivisten vorbehält.

 
ANZEIGE

 

Der stellvertretende Regierungssprecher Oliver Kaiser teilte auf Anfrage der Redaktion mit, dass der Ministerpräsident auf einer öffentlichen Veranstaltung gefragt worden sei, ob er Kenntnis davon hat, dass IS-Flaggen in der Flüchtlingsunterkunft Stern Buchholz gefunden wurden.

 

„Ministerpräsident Sellering hat die Nachfrage zum Anlass genommen, sich über das Innenministerium bei den zuständigen Polizeibehörden nach dem Sachstand zu erkundigen.“, so Kaiser. Laut dem Bericht der Polizei seien aber keine solchen Flaggen in der Flüchtlingsunterkunft Stern Buchholz gefunden worden.

 

Vorfall frei erfunden?

 

 Zwei Stellen haben auf Anfrage mitgeteilt, dass es weder einen Fund, noch eine Sicherstellung von IS-Fahnen auf dem Gelände in Stern Buchholz gegeben hat. Blieb also nur noch der Autor des Posts selber, um Aufklärung zu schaffen und die Behauptungen zu belegen. Bühring hatte geschrieben, dass er im Moment noch entsprechende Originalbilder und Dokumente zurückhalten wolle, da er „den Wahrheitsgehalt des Vorfalls nicht gefährden möchte“.

 

Der Wahrheitsgehalt dürfte nach unseren Recherchen allerdings nun mehr als fraglich sein. Entsprechende Anfragen seitens der Redaktion, ob uns Beweisfotos und Dokumente, die den behaupteten Vorfall beweisen können, gezeigt werden können, blieben bis jetzt unbeantwortet. Ein Signal, das eigentlich nicht falsch verstanden werden kann.

 

 

Redaktion

der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Tel: (0385) 480 739 77 | E-Mail: redaktion@schwerinlokal.de

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published.