Die Paulshöhe gehört zur Sportseele unserer Stadt

Paulshöhe soll unter Denkmalschutz gestellt werden. schwerin lokal begleitet den Prozess
Dirk Rosehr wirft seinen Antrag in den Briefkasten des Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege

 

(sr). Wird der traditionsreiche Sportplatz »Paulshöhe« unter Denkmalschutz gestellt? Wenn es nach dem Politiker der LINKEN, Dirk Rosehr, Mitglied im Ortsbeirat Altstadt, Feldstadt, Paulsstadt, Lewenberg und im Aufsichtsgremium für die Schweriner Abwasserentsorgung, geht, dann soll das Landesamt für Denkmalschutz als zuständige Behörde, genau diese Entscheidung treffen. Einen entsprechenden Antrag hat der Politiker schon vor einigen Wochen gestellt und damit für einigen Wirbel in der Stadt gesorgt. Schwerin-Lokal traf Dirk Rosehr, um sich mit ihm über seine Beweggründe und seine perspektivischen Vorstellungen für das Sportareal, das nach jetzigen Stand der Dinge abgerissen werden soll, zu sprechen.

 

Schwerin-Lokal: Herr Rosehr, was verbindet Sie mit der Paulshöhe?

 

Dirk Rosehr: Ich fahre viel Fahhrad und so führt mich mein Weg immer wieder durch den Schlossgarten. Da komme ich ja dann immer schon fast zwangsläufig an der Paulshöhe vorbei. Für mich bildet der Sportplatz, zusammen mit dem Schloss und dem Schlossgarten, ein einheitliches Ensemble.

 

Eine Stadt wie Schwerin, die immer wieder von sich sagt, dass sie eine Kulturstadt sei, darf daher nicht nur an das Theater denken, sondern sollte auch die Breitensportkultur unserer Stadt im Blick haben. Würde die Paulshöhe abgerissen werden, dann würde auch ein wichtiges Stück Kulturgeschichte in unserer Stadt den Baggern zum Opfer fallen. Paulshöhe ist für mich ein Teil der Sportseele in unserer Stadt.

 

Schwerin-Lokal: Aber das Sportentwicklungskonzept von Schwerin, dass die Konzentration des Fußballs im neu zu bauenden Fußballzentrum Lankow vorsieht, ist doch schon vor einigen Jahren in der Stadtvertretung, auch mit der Stimme der LINKEN, verabschiedet worden? Gab es denn damals keine Diskussion in ihrer Partei?

 

Dirk Rosehr: Natürlich gab es eine Diskussion. Wie in anderen Parteien auch, gab es bei den LINKEN Befürworter und Gegner der Pläne, alles auf einen Sportplatz zu konzentrieren und die anderen Sportstätten abzureißen. Allerdings stimmte im Zuge der Kompromissverhandlungen mit den anderen Stadtfraktionen, die LINKE dann dem Konzept zu. Das schließt aber nicht aus, dass es für mich sehr wichtig ist, diese – so empfinde ich es – Fehlentscheidung nun im Nachhinein zu korrigieren.

 

Schwerin-Lokal: Und das glauben Sie nun mit dem Denkmalschutzantrag erreichen zu können?

 

Dirk Rosehr: Ich gebe zu, dass ich mich vorher kaum mit dem Thema Paulshöhe beschäftigt habe. Ich selber bin kein Sportfan und daher hatte ich sicherlich anfangs auch eine andere Sichtweise auf das Thema. Im vergangenen Jahr ging dann aber, nicht zuletzt auch im Zuge des Kommunalwahlkampfes in der Stadt, die öffentliche Diskussion über die Paulshöhe los. Da ich damals ja selber um einen Sitz in der Stadtvertretung beworben hatte, wurde ich von vielen Menschen immer wieder auf dieses Thema gestoßen. Dadurch angestoßen, arbeitete ich mich dann tiefer in die Geschichte der Paulshöhe ein. Ich stellte fest, dass sich auf der Paulshöhe eine der ältesten Stehtribünen Deutschlands befindet und dass eine ähnliche Tribüne in Köln bereits unter Denkmalschutz gestellt wurde.

 

Aber auch die historische Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Die Anlage hat nahezu unbeschadet drei Systeme und zwei Weltkriege überstanden. Auf dem Gelände spielten Ehrenbürger der Landeshauptstadt und arbeiteten Kriegsgefangene. Die SED-Diktatur scheiterte damals bei Abrissplänen am Widerstand der Schweriner Bevölkerung und leerer Stadtkassen. Nach und nach reifte in mir der Gedanke, dass ich hier etwas tun muss. Ich möchte verhindern, dass Bagger irgendwann über Nacht vollendete Tatsachen schaffen. Das kann nur das Stellen des Gesamtkomplex Paulshöhe unter Denkmalschutz erreichen.

 

Paulshöhe
Ginge es nach dem Willen der Stadtvertretung und der Verwaltung, soll die Paulshöhe abgerissen werden

 

Schwerin-Lokal: Warum dann aber dieser Alleingang? Wäre es nicht besser gewesen, sich parteiübergreifend Partner zu suchen, die sich ja auch schon für den Erhalt der Paulshöhe ausgesprochen haben?

 

Dirk Rosehr: Offen gesagt, hatte ich das bei der Antragsstellung so nicht im Kopf gehabt. Ich sah meinen Antrag damals eher unter juristischen Aspekten. Sollte der Antrag auf Denkmalschutz durchkommen und die Stadtverwaltung in ein Widerspruchsverfahren gehen, dann werde ich mir natürlich auch politische Verbündete suchen. Schließlich möchte ich ja in der Sache etwas bewegen. Hier werde ich aber neben Parteien und Wählervereinigungen auch auf Vereine und Verbände zugehen.

 

Darüber hinaus steht für mich aber auch fest, dass ich im Fall einer Ablehnung meines Antrags durch die Denkmalschutzbehörde, auch den juristischen Klageweg einschlagen werde. Hierbei werde ich von einer Anwaltskanzlei aus der Hansestadt Wismar beraten.

 

Schwerin-Lokal: Wie geht Ihre Partei mit der Situation um, dass Sie sich für die Paulshöhe stark machen. Verspüren Sie Druck?

 

Dirk Rosehr: Überhaupt nicht. Die LINKE ist meine politische Heimat und da fühle ich mich wohl. Natürlich sprechen wir über meinen Antrag und nicht jeder ist darüber glücklich, dass ich so einen Antrag gestellt habe. Das ist aber ein völlig normaler und demokratischer Prozess. Druck durch meine Partei, verspüre ich nicht im Geringsten.

 

Schwerin-Lokal: Nehmen wir mal an, dass die Paulshöhe unter Denkmalschutz gestellt wird. Schon heute erfüllt die Sportanlage Paulshöhe die Anforderungen an eine Spielstätte der Verbandsliga nicht. Eine Sanierung der Paulshöhe wäre also unumgänglich. Wie soll das angesichts der Kassenlage der Stadt finanziert werden?

 

Dirk Rosehr: Diese Argumente höre ich immer wieder. Bei der ganzen fiskalischen Diskussion wird aber vergessen, dass die Landeshauptstadt für ein Kulturdenkmal »Paulshöhe« Fördermittel des Bundes oder des Landes beantragen könnte. Daher kann ich den Argumenten so nicht folgen.

 

Die Paulshöhe ist ein Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche, die aus sozial schwachen Familien kommen, geworden. Sie trainiren dort und spielen Fußball. Nimmt man ihnen die Sportstätte weg, fahren sie nicht einfach nach Lankow, sondern stehen wieder auf der Straße. Die Stadt kann sich hier nicht mit dem Verweis auf die finazielle Situation, aus der Verantwortung stehlen.

 

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