Endspurt im Wahlkampf um das Schweriner Stadthaus:
AfD setzt auf „blaue Welle“ – 450 Teilnehmer bei Abschlusskundgebung zur OB-Wahl
450 Menschen bei AfD-Kundgebung auf dem Schweriner Marktplatz: OB-Kandidatin Petra Federau wirbt für politischen Wechsel. Parallel demonstrieren rund 30 Menschen in der Puschkinstraße dagegen.

Mit einer Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz hat die AfD am Freitag ihren Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl beendet. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 450 Teilnehmer vor der Bühne.
Parallel fand eine Gegenkundgebung am „Runden Tisch“ in der Puschkinstraße statt. Dort kamen laut Polizei etwa 30 Menschen zusammen. Sie protestierten lautstark gegen die AfD, der Protest blieb jedoch friedlich.
Ostdeutsche Spitzenkandidaten erstmals zusammen auf einer Bühne
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die AfD-Kandidatin Petra Federau, die vor den Anhängern für einen politischen Wechsel im Stadthaus warb. Unterstützt wurde sie an diesem Tag von den ostdeutschen Spitzenkandidaten zu den Landtagswahlen in diesem Jahr: Enrico Schult (Mecklenburg-Vorpommern), Leif-Erik Holm (Ministerpräsidentkandidat Mecklenburg-Vorpommern), Christine Brinker (Berlin) und Ulrich Siegmund, der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt.
Die letzte Umfrage für Sachsen-Anhalt aus dem März, sieht Siegmund und seine Partei bei 38 Prozent, klar vor der regierenden CDU (25 Prozent). Sollte die Partei weiter zulegen, könnte am Schluss die AfD als Alleinregierung in Sachsen-Anhalt mit Ulrich Siegmund den ersten Ministerpräsiden stellen. In Schwerin kamen alle Kandidaten das erste Mal zusammen und präsentierten sich auf einer Bühne.
AfD beschwört „Blaue Welle”
Mehrfach fiel während der Kundgebung der Begriff einer „blauen Welle“, mit der die AfD politische Veränderungen einleiten wolle. Auch OB-Kandidatin Petra Federau griff dieses Bild in ihrer Rede auf. Mit Blick auf die Wahl sagte sie: „Viele Menschen setzen jetzt ihre Hoffnung auf diese blaue Welle, die 2026 hier in Schwerin beginnt.“ Federau stellte die Wahl zugleich als Chance für einen politischen Wechsel dar. „Schwerin hat diese einmalige Chance“, sagte sie vor den Teilnehmern auf dem Marktplatz.
Federau begann ihre Rede mit einem persönlichen Bezug zur Landeshauptstadt. „Ich wurde 1969 hier in Schwerin geboren“, sagte sie und erinnerte an ihre Schulzeit und beruflichen Stationen in der Stadt. Schwerin sei ihre „Geburts- und Heimatstadt“, für die sie Verantwortung übernehmen wolle. „Ich möchte für Sie, ich möchte für euch Oberbürgermeisterin werden“, so die AfD-Politikerin.

Foto: Christoph Loose
Inhaltlich setzte sie mehrere Schwerpunkte: Sicherheit, Ordnung und wirtschaftliche Entwicklung. „Sicherheit in Schwerin muss endlich wieder konsequent in allen Stadtteilen hergestellt werden“, sagte Federau. Gewalt- und Drogenkriminalität seien gewachsen, weil Probleme nicht offen angesprochen worden seien.
Auch migrationspolitische Forderungen gehörten zu ihrer Rede. Eine ihrer ersten Maßnahmen als Oberbürgermeisterin wäre aus ihrer Sicht, „eine offizielle Überlastungsanzeige an das Land Mecklenburg-Vorpommern zu stellen, um hier für Schwerin einen Aufnahmestopp zu erwirken“.
Darüber hinaus sprach sie über Stadtentwicklung und Wirtschaftspolitik. Schwerin müsse stärker als Wirtschaftsstandort auftreten: „Schwerin soll endlich ein richtig toller Wirtschaftsstandort werden. Wirtschaft und Handwerk will ich kraftvoll voranbringen“, sagte Federau.
Kritik äußerte sie auch an früheren Beschlüssen der Stadtvertretung, etwa am ausgerufenen Klimanotstand. „Dieser unsinnige Notstandsbeschluss gehört endlich einkassiert. Schluss mit der ideologischen Bevormundung“, erklärte sie.
Unterstützung aus Berlin: „Schwerin braucht Petra Federau“
Zu Beginn der Kundgebung hatte die Berliner AfD-Politikerin Christine Brinker gesprochen. Sie stellte Federau als geeignete Kandidatin für das Amt dar „Schwerin braucht eine Bürgermeisterin, die mit Herz und Verstand Politik macht. Sie braucht Petra Federau“, sagte Brinker unter Applaus der Anwesenden.

In ihrer Rede ging sie vor allem auf bundespolitische Themen ein und kritisierte die Politik der Bundesregierung sowie steigende Energie- und Spritpreise. Deutschland brauche „eine echte politische Wende“, erklärte sie und fügte hinzu: „Die gibt es nur mit der AfD.“
Enrico Schult: „Diesmal wollen wir den Chefposten im Rathaus“
Auch Enrico Schult, AfD-Landtagsabgeordneter und Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, sprach auf dem Marktplatz. Er bezeichnete Federau als „eine gute Kollegin“ und sagte: „Diesmal reicht uns die Stichwahl nicht mehr. Diesmal wollen wir den Chefposten im Rathaus.“

Schult stellte die Oberbürgermeisterwahl zudem in einen größeren politischen Zusammenhang. Der mögliche Wahlsieg Federaus wäre aus seiner Sicht „der Aufschlag für eine blaue Wende“.
Leif-Erik Holm: Wahl als „wichtiger Baustein“
Der Schweriner Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm, Kandidat für das Amt des Ministerpräsidente der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, sprach ebenfalls vor den Teilnehmern. Er lobte Federau als „von ganzem Herzen Schwerinerin“ und sagte: „Wir könnten keine bessere Oberbürgermeisterin finden für diese Stadt als Petra Federau.“

Holm bezeichnete die Wahl als wichtigen politischen Schritt: „Wenn Petra Federau Oberbürgermeisterin von Schwerin wird, dann wird Leif-Erik Holm Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern“, sagte er und verwies damit auf die Landtagswahl im Herbst.
Ulrich Siegmund: „Deutschland ist in keinem Winkel aufzugeben“
Als weiterer Redner trat der AfD-Politiker Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt auf. Er sprach über bundespolitische Entwicklungen und rief die Zuhörer dazu auf, politisch aktiv zu bleiben. „Mecklenburg-Vorpommern ist ein wunderschönes Bundesland mit herzlichen Menschen. Verliert diesen Mut zur Wahrheit nicht“, sagte Siegmund.

Er betonte die Bedeutung der Kommunalpolitik: „Jeder Bürgermeister und jeder Landrat hat die Möglichkeit, Widerstand zu leisten“, erklärte er und warb für Unterstützung der AfD-Kandidaten.
Gegenkundgebung in der Puschkinstraße
Während die AfD ihre Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz abhielt, versammelten sich in der nahegelegenen Puschkinstraße rund 30 Menschen zu einer Gegenkundgebung.

Mit Sprechchören positionierten sie sich gegen die AfD. Die Polizei trennte beide Versammlungen räumlich voneinander. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.
Die Oberbürgermeisterwahl in Schwerin findet am Sonntag statt.




