AfD MV: Machtkampf spitzt sich zu

Nach einer Wahlkampfrede des Landessprechers Dennis Augustin in Warnemünde spitzt sich der Machtkampf in der Landes-AfD zu.

Zwischen den AfD-Landessprechern Leif -Erik Holm (li.) und Dennis Augustin (re.) knirscht es schon länger. Nun scheint der Machtkampf ausgebrochen zu sein.

Der Machtkampf in der AfD Mecklenburg-Vorpommern hat sich noch einmal zugespitzt. Seit Monaten bekämpfen sich die Landeschefs Leif-Erik Holm und Dennis Augustin. Letzterem ist der Kurs der AfD im Lande zu lasch. So hatte Augustin in einer Wahlkampfrede in Rostock-Warnemünde   am vergangenen Donnerstag die Landtagsfraktion angegriffen. Nach Einschätzung des 48-jährigen Unternehmers aus Ludwigslust hätten seine Parteifreunde im Parlament auf Glückwünsche und Blumen für die neuen Minister Bettina Martin und Reinhard Meyer verzichten müssen. „Wer sich wie ein Wurm verhält, der darf sich nicht wundern, wenn er wie ein Wurm behandelt wird”, sagte Augustin. Der AfD-Landeschef favorisiert offensichtlich einen fundamentaloppositionellen Weg und setzte in Richtung des politischen Gegners noch einen drauf. „Wir sind gekommen, um die Altparteien aus den Ämtern zu jagen”, so Augustin. 

 

Landessprecher stört massiv innerparteilichen Frieden

 

Da der Unternehmer auch schon in der Vergangenheit immer wieder durch aggressive Tönen gegenüber seinen Parteifreunden aufgefallen ist, scheint er nun eine Linie überschritten zu haben. In einem offenen Brief an die AfD-Mitglieder in Mecklenburg-Vorpommern teilen Leif-Erik Holm und der Fraktionsvorsitzende Nikolaus Kramer mit, dass ihnen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Dennis Augustin nicht mehr möglich ist. Hier ist eine rote Linie überschritten, heißt es in dem Schrieben, dass der Redaktion vorliegt. „Schlimm genug, dass unsere Mitstreiter von Altparteienpolitikern und Medien als ‚Ratten‘ oder ‚Rattenfänger‘ beschimpft werden. Aber dass nun auch in der eigenen Partei solche Beleidigungen ausgestoßen werden, und das von einem Landessprecher, stört massiv den innerparteilichen Frieden und ist nicht hinzunehmen.“, schreiben beide Landespolitiker weiter. 

 

AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer kann sich nach der Attacke auf die Fraktion keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr mit Dennis Augustin vorstellen.

Dennis Augustin war schon kurz nach seiner Rede in Warnemünde teilweise zurückgerudert. „Ich betone nochmals, dass ich niemanden persönlich als Wurm bezeichnet habe. Es ging mir um aus meiner Sicht völlig inakzeptable Verhaltensmuster, die auch niemals zu Akzeptanz oder Wohlwollen bei unseren Gegnern führen werden, sondern allenfalls zu Verachtung. Wir werden uns den Respekt des Gegners ausschließlich durch konsequentes Eintreten für unsere Ziele und durch Standhaftigkeit und Prinzipientreue erkämpfen”, schrieb er in einer Mail an die Mitglieder des Landesvorstandes. Diese Erklärung reicht Holm und Kramer aber nicht. „Da hilft auch eine scheinbar entschuldigende Mail im Nachgang nichts, die in Wirklichkeit die Vorwürfe sogar bekräftigt. Nein, dies ist kein vernünftiger Umgang in unserer Partei! Und es ist ein schwerer Schlag ins Gesicht der vielen Mitglieder und Förderer, die sich in den letzten Wochen den Allerwertesten für unseren Erfolg aufgerissen haben.“, schreiben beide Politiker in ihrem Brief.  Für Leif Erik Holm und Nikolaus Kramer kann es nach dieser Rede nur eine Konsequenz geben: Dennis Augustin muss zurücktreten.

 

Showdown spätestens im November

 

Parteiintern rechnet man aber nicht damit, dass der Bauunternehmer seinen Rücktritt erklären wird. Hinter ihm steht Philip Steinbeck, ein umtriebiger Unternehmer, der als Geldgeber und einflussreicher Strippenzieher in der Landes-AfD gilt. Schon im Januar konnte mit Hilfe von Steinbeck, der entsprechende Mehrheiten für Augustin auf dem Landesparteitag in Lübtheen organisierte, ein damals geforderter Rücktritt abgewendet werden.

Hinter den Kulissen werden sich nun die entsprechenden Lager sammeln. Zum Showdown wird es spätestens im November auf einem ordentlichen Parteitag kommen. Auf diesem soll turnusgemäß eine neue Landesspitze gewählt werden. Wer im Machtkampf den Kürzeren ziehen wird, das ist im Moment noch offen. 

 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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