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Man müsste mal:
Als afrikanische Frau aus Kenia sich stark und selbstständig machen

„Hakuna Matata! Willkommen bei uns in Kenia! Hier haben wir keine Sorgen, keine Matata“, lacht Kerry Türk und singt den Refrain des bekannten Liedes.

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  • Veröffentlicht November 10, 2025
Kelly Türk aus Kenia behauptet sich selbstständig in Schwerin. Foto: Kelly Türk
Kel­ly Türk aus Kenia behauptet sich selb­st­ständig in Schw­erin. Foto: Kel­ly Türk

 

Sie stellt klar: den Song „Jam­bo Bwana“ gibt es schon seit 1982. Das Lied ist im Orig­i­nal von der keni­an­is­chen Band „Them Mush­rooms“ und ist durch den Zeichen­trick­film und das Musi­cal „König der Löwen“ hierzu­lande nach ein­mal sehr bekan­nt gewor­den.

„Haku­na Mata­ta!“ so heißt auch ihr klein­er Laden in Schw­erin. Im Okto­ber 2024 hat sie die Türen zu ihrem Geschäft in der Wit­ten­burg­er Straße 31 geöffnet. Hier bietet Ker­ry Türk einen beson­deren Ser­vice: Afrikanis­che Hair­styles.

„Ich flechte Braids und Ras­tas oder Corn­rows. Wer mag, bekommt Tressen oder eine Ver­längerung oder Verdich­tung der natür­lichen Haare. Unser­er Haare sind anders als die Haare der Men­schen von hier. Und da es hier in der Region keine Friseure gibt, die sich mit unseren Haaren ausken­nen, fahren die Leute nach Ham­burg, um sich dort die Haare machen zu lassen. Vor mein­er Hochzeit 2012 bin ich auch nach Ham­burg gefahren. Das war anstren­gend und teuer. Das muss doch nicht sein!“, sagt sie mit Überzeu­gung.

Die afrikanis­chen Hair­styles hat Ker­ry Türk von ihrer Mut­ter gel­ernt und schon mit ihren Schul­fre­undin­nen prak­tiziert und ver­fein­ert. Ihre Kun­den kom­men nicht nur aus der afrikanis­chen Com­mu­ni­ty in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. „Ich habe fest­gestellt, dass die Haare der Men­schen hier zwar anders sind als unsere, aber die Prob­leme damit sind ähn­lich und die Lösun­gen dafür auch. Die Leute wollen gut ausse­hen, schön sein. Eine hüb­sche Frisur gehört dazu. Da sind Frauen und Män­ner gle­ich“, schmun­zelt sie. Lösun­gen anbi­eten, wo Lösun­gen gefragt sind. Das gefällt ihr gut.

In ihrem Geschäft find­en ihre Kun­den auch Klei­dung in kräfti­gen Far­ben und mit tra­di­tionellem Muster. Es gibt Taschen, Schmuck und zahlre­iche andere Dinge aus Ker­rys Heimat Kenia und den ostafrikanis­chen Län­dern Ugan­da und Tansa­nia-

 

Viele Vorurteile erlebt Kerry Türk

 

In ihrem Dorf in Kenia war sie das erste Mäd­chen, das an die Uni­ver­sität gegan­gen ist. Sie hat Betrieb­swirtschaft studiert und an der Uni­ver­sität ehre­namtlich als Radiomod­er­a­torin gear­beit­et. „Das war toll und hat mir viel Spaß gemacht. Wir haben dabei gel­ernt, wie man gut präsen­tiert,“ erin­nert sie sich. „Manche Leute denken, wir leben dort alle in irgendwelchen Hüt­ten. Ehrlich gesagt, ich habe nie eine Hütte von innen gese­hen und bin mit meinen Geschwis­tern in einem ganz nor­malen Haus aufgewach­sen. Mein Sohn sagt, in Nairo­bi gibt es mehr Wolkenkratzer als in Frank­furt. Und er hat damit recht.“

Nach dem Studi­um macht sie sich schon in Kenia selb­st­ständig. Als sie nach Deutsch­land kommt, gefall­en ihr die Kindergärten und Horte beson­ders gut. „Das gibt es in Kenia natür­lich auch und auch Nan­nys, also Kin­der­mäd­chen, die sich um die Kleinen küm­mern. In der Regel haben diese Frauen keine Aus­bil­dung im Umgang und der Erziehung und Bil­dung von Kindern. Ich habe dann ein US-amerikanis­ches Diplom in „Child­care Man­age­ment“ – gemacht und damit begonnen keni­an­is­che Frauen zu qual­i­fizieren und das Net­zw­erk „Moth­er Goose“ – „Mut­ter Gans“ gegrün­det.“

Sie hat wirk­lich viele Tal­ente. Als Lehrerin für Englisch unter­richtet sie an ver­schiede­nen Schulen in Schw­erin, Greves­mühlen und Wis­mar. Sie schließt neben der Arbeit an der Schule auch ihr Studi­um „Soziale Arbeit“ mit ein­er Mas­ter­ar­beit über Ras­sis­mus in Schul­büch­ern ab. „Da habe ich gutes Geld ver­di­ent und hat­te einen sicheren Job. Aber ich möchte selb­st­ständig und unab­hängig sein. Zurück in den Lehrerjob kann ich immer noch.“, sagt sie und es wird schnell klar, was ihr lieber ist. 

Völ­lig sor­gen­frei war das Leben von Ker­ry Türk ganz sich­er nicht. In dieser Pod­cast-Folge von „Man müsste mal …“ mit Andreas Lußky und Claus Oellerk­ing gibt Ker­ry Türk einen span­nen­den Ein­blick in ihren Lebensweg, erk­lärt nicht nur die beson­deren Her­aus­forderun­gen der Haarpflege. Sie lässt auch durch­blick­en, was sie näch­stes Jahr vorhat.