Diebstähle gehen weiter:
Metalldiebe schlagen erneut auf Altem Friedhof in Schwerin zu
Nach dem Diebstahl von 23 Messingplatten fehlen auf dem Alten Friedhof in Schwerin weitere fünf. Die Friedhofsverwaltung sichert nun 202 verbliebene Grabplatten.

In Kürze:
- Erneuter Diebstahl: Auf dem Alten Friedhof in Schwerin wurden weitere fünf Messinggrabplatten gestohlen – damit fehlen innerhalb weniger Tage insgesamt 28.
- Stadt reagiert: Die Friedhofsverwaltung baut 202 noch vorhandene Metallplatten vorsorglich ab und lagert sie ein.
- Neue Tafeln geplant: Für das gesamte Gräberfeld wird ein Ersatzmaterial geprüft, das für Metalldiebe weniger attraktiv sein soll.
Auf dem Alten Friedhof in Schwerin haben Metalldiebe erneut Grabplatten einer Kriegsgräberstätte gestohlen. Am 10. August wurde festgestellt, dass weitere fünf Messingplatten mit den Namen von Kriegsopfern von ihren Granitsockeln entfernt worden waren. Erst vier Tage zuvor waren 23 Platten als gestohlen gemeldet worden.
Damit sind innerhalb weniger Tage insgesamt 28 Messingplatten verschwunden. Nach Angaben der Stadt liegt der materielle Wert einer Platte bei rund 3.000 Euro. Rechnerisch entspricht das einem Gesamtwert von etwa 84.000 Euro. Beide Diebstähle wurden bei der Polizei angezeigt.
Oberbürgermeister Sebastian Ehlers verurteilte die Zerstörung der Gräber, die an zivile und militärische Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnern, als beschämenden Akt des Vandalismus und der Respektlosigkeit: „Ich selbst engagiere mich regelmäßig als Spendensammler für den Volksbund. Kriegsgräber erinnern uns daran, die brutalen Folgen von Krieg und Gewalt nicht zu vergessen. Sie sind nicht nur Orte der Trauer, sondern auch ein Auftrag, uns für Frieden und Völkerverständigung einzusetzen.“
Die Stadt reagiert nun auf die Serie von Diebstählen. In Abstimmung mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge lässt die Friedhofsverwaltung die noch vorhandenen 202 Metallplatten abbauen und vorerst einlagern. Damit soll verhindert werden, dass weitere Namenstafeln gestohlen werden.
Ersatz für Metallplatten wird geprüft
Nach Angaben der Stadt wird erwogen, die Namenstafeln auf dem gesamten betroffenen Gräberfeld durch Platten aus einem anderen Material zu ersetzen. Dieses soll für Metalldiebe weniger attraktiv sein. Welches Material infrage kommt und wann neue Tafeln angebracht werden könnten, steht bislang nicht fest.
Der aktuelle Fall setzt eine Serie fort, über die SNO bereits berichtet hatte. Am 6. August war festgestellt worden, dass 23 Messingplatten fehlten. Bereits etwa eineinhalb Wochen zuvor waren drei Platten entfernt worden. Diese wurden einen Tag später in einem Gebüsch in der Nähe wiedergefunden.

Ob zwischen den einzelnen Vorfällen ein Zusammenhang besteht, ist bislang nicht bekannt. Auch gibt es derzeit keine Angaben dazu, ob die 23 am 6. August als gestohlen gemeldeten Platten inzwischen wiedergefunden wurden oder ob die Polizei Tatverdächtige ermittelt hat.
Volksbund verurteilte Diebstahl
Nach Bekanntwerden des Diebstahls der 23 Platten hatte bereits der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge reagiert. „Hier wurden bewusst Erinnerungszeichen von Kriegsgräbern entfernt und damit Orte des Gedenkens und der Trauer geschändet“, erklärte Landesgeschäftsführer Philipp Schinschke damals.
Es gehe um „die Würde der Toten, um die Erinnerung an die Opfer und um die Verantwortung unserer Gesellschaft, diese Orte des Gedenkens zu bewahren“, so Schinschke weiter. Der Volksbund hatte zugleich die Absicht der Schweriner Friedhofsverwaltung begrüßt, die betroffenen Kriegsgräber wiederherzustellen. Nach den neuerlichen Diebstählen haben sich Friedhofsverwaltung und Volksbund nun dazu entschlossen, die verbliebenen 202 Metallplatten zunächst zu sichern.
Mehr als 2.300 Gräber auf dem Grabfeld
Betroffen ist das Grabfeld XIV a/b auf dem Alten Friedhof. Dort befinden sich mehr als 2.300 Gräber von Soldaten, Heimkehrern, Zivilpersonen und Kindern, die zwischen Januar 1945 und Ende 1946 bestattet wurden.
1999 wurde die Fläche als Kriegsgräberfeld wiederhergestellt. Dabei wurden Kissensteine aus Granit mit Namenstafeln für die dort bestatteten Menschen aufgestellt. Mögliche Zeugen, die auf dem Alten Friedhof verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder Hinweise zu den gestohlenen Platten geben können, sollen sich direkt an die Polizei wenden.
Wer nach einer auf dem Grabfeld bestatteten Person sucht, kann sich unter 0385/64108–0 oder per E‑Mail an friedhof@sds-schwerin.de an die Friedhofsverwaltung wenden.
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