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Großer Nachholbedarf:
Nur sechs Prozent der Wohnungen in Schwerin sind altersgerecht

Pestel-Institut sieht erheblichen Nachholbedarf beim seniorengerechten Umbau. Experten fordern milliardenschwere Zuschüsse für die Generation der Babyboomer.

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  • Veröffentlicht Juni 24, 2026
Der alters­gerechte Umbau von Woh­nun­gen wird in Schw­erin zunehmend wichtiger. Experten sehen angesichts der altern­den Bevölkerung erhe­blichen Nach­holbe­darf. Sym­bol­bild: Kar­win Luo auf Unsplash

 

Schw­erin ist auf die bevorste­hende Rent­ner­welle nur unzure­ichend vor­bere­it­et. Nach ein­er aktuellen Unter­suchung des Pes­tel-Insti­tuts sind lediglich rund 3.600 der ins­ge­samt gut 59.700 Woh­nun­gen in Schw­erin so aus­ges­tat­tet, dass ältere Men­schen dort auch mit Rol­la­tor oder Roll­stuhl selb­st­ständig leben kön­nen. Das entspricht lediglich sechs Prozent des gesamten Woh­nungs­be­standes.

Die Analyse ent­stand im Auf­trag des Bun­desver­ban­des Deutsch­er Baustoff-Fach­han­del (BDB) und unter­sucht die soge­nan­nte Alter­stauglichkeit von Woh­nun­gen. Angesichts der demografis­chen Entwick­lung sehen die Experten drin­gen­den Hand­lungs­be­darf: In den kom­menden zehn Jahren wer­den allein in Schw­erin rund 14.100 Men­schen aus der Gen­er­a­tion der Baby­boomer in den Ruh­e­s­tand gehen.

„Der Bedarf an senioren­gerecht­en Woh­nun­gen wird in den näch­sten Jahrzehn­ten enorm steigen“, sagt BDB-Präsi­dentin Katha­ri­na Met­zger. Viele Men­schen woll­ten möglichst lange in den eige­nen vier Wän­den leben. Dafür müssten die Woh­nun­gen jedoch entsprechend angepasst wer­den.

Beson­ders kri­tisch fällt der Blick auf Bäder und Küchen aus. Nach Angaben des Pes­tel-Insti­tuts sind rund 27.000 Badez­im­mer in Schw­erin – und damit 45 Prozent – zu klein für Men­schen mit Mobil­ität­sein­schränkun­gen. Auch bei den Küchen gibt es Defizite: In etwa 18.000 Woh­nun­gen kön­nen Roll­stuhlfahrer nicht aus­re­ichend rang­ieren.

Viele Wohnungen scheitern bereits an einfachen Anforderungen

Als entschei­den­des Kri­teri­um für alters­gerecht­es Wohnen gilt eine boden­gle­iche Dusche. Doch genau daran man­gelt es vielerorts. Lediglich rund 11.900 Woh­nun­gen in Schw­erin ver­fü­gen über eine solche Dusche. Damit erfüllt nur jede fün­fte Woh­nung ein wesentlich­es Grund­kri­teri­um für das selb­st­ständi­ge Wohnen im Alter.

Prob­leme begin­nen nach Angaben der Wis­senschaftler oft bere­its am Hau­sein­gang. Rund 22 Prozent der Haus­flure seien zu schmal, um sie mit einem Roll­stuhl prob­lem­los zu nutzen. Betrof­fen seien etwa 12.300 Woh­nun­gen. „Schw­erin hat einen enor­men Nach­holbe­darf, um den Woh­nungs­be­stand fit fürs Alter zu machen“, sagt Insti­tut­sleit­er Matthias Gün­ther. Neubau könne zwar helfen, die eigentliche Lösung liege jedoch im Umbau beste­hen­der Woh­nun­gen. Vor allem Gebäude aus den 1950er-Jahren stell­ten dabei eine Her­aus­forderung dar. Dort seien die Deck­en oft zu dünn, um ohne größeren Aufwand boden­gle­iche Duschen einzubauen.

 


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Um den Umbau voranzutreiben, fordern das Pes­tel-Insti­tut und der Bun­desver­band Deutsch­er Baustoff-Fach­han­del deut­lich höhere staatliche Zuschüsse. Die bish­eri­gen Förder­pro­gramme seien zu kom­pliziert und finanziell nicht aus­re­ichend. Gün­ther spricht von einem „Place­bo-Zuschuss“, wenn beim Bad­um­bau lediglich zehn Prozent der Kosten über­nom­men wür­den.

Verbände fordern milliardenschwere Förderoffensive

Die Ver­bände plädieren deshalb für eine bun­desweite „Senioren-Umbau-Offen­sive“. Der Bund müsse einen Großteil der Kosten für alters­gerechte Umbaut­en übernehmen. Nur so könne rechtzeit­ig genü­gend senioren­gerechter Wohn­raum entste­hen, bevor die geburten­starken Jahrgänge voll­ständig in den Ruh­e­s­tand wech­seln.

Nach Ansicht der Experten ist die Rech­nung ein­fach: Jed­er erfol­gre­iche Umbau ermögliche älteren Men­schen ein län­geres Leben in der eige­nen Woh­nung – und könne damit teure Heimunter­bringun­gen ver­mei­den.