Großer Nachholbedarf:
Nur sechs Prozent der Wohnungen in Schwerin sind altersgerecht
Pestel-Institut sieht erheblichen Nachholbedarf beim seniorengerechten Umbau. Experten fordern milliardenschwere Zuschüsse für die Generation der Babyboomer.

Schwerin ist auf die bevorstehende Rentnerwelle nur unzureichend vorbereitet. Nach einer aktuellen Untersuchung des Pestel-Instituts sind lediglich rund 3.600 der insgesamt gut 59.700 Wohnungen in Schwerin so ausgestattet, dass ältere Menschen dort auch mit Rollator oder Rollstuhl selbstständig leben können. Das entspricht lediglich sechs Prozent des gesamten Wohnungsbestandes.
Die Analyse entstand im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und untersucht die sogenannte Alterstauglichkeit von Wohnungen. Angesichts der demografischen Entwicklung sehen die Experten dringenden Handlungsbedarf: In den kommenden zehn Jahren werden allein in Schwerin rund 14.100 Menschen aus der Generation der Babyboomer in den Ruhestand gehen.
„Der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen wird in den nächsten Jahrzehnten enorm steigen“, sagt BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Viele Menschen wollten möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben. Dafür müssten die Wohnungen jedoch entsprechend angepasst werden.
Besonders kritisch fällt der Blick auf Bäder und Küchen aus. Nach Angaben des Pestel-Instituts sind rund 27.000 Badezimmer in Schwerin – und damit 45 Prozent – zu klein für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Auch bei den Küchen gibt es Defizite: In etwa 18.000 Wohnungen können Rollstuhlfahrer nicht ausreichend rangieren.
Viele Wohnungen scheitern bereits an einfachen Anforderungen
Als entscheidendes Kriterium für altersgerechtes Wohnen gilt eine bodengleiche Dusche. Doch genau daran mangelt es vielerorts. Lediglich rund 11.900 Wohnungen in Schwerin verfügen über eine solche Dusche. Damit erfüllt nur jede fünfte Wohnung ein wesentliches Grundkriterium für das selbstständige Wohnen im Alter.
Probleme beginnen nach Angaben der Wissenschaftler oft bereits am Hauseingang. Rund 22 Prozent der Hausflure seien zu schmal, um sie mit einem Rollstuhl problemlos zu nutzen. Betroffen seien etwa 12.300 Wohnungen. „Schwerin hat einen enormen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit fürs Alter zu machen“, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Neubau könne zwar helfen, die eigentliche Lösung liege jedoch im Umbau bestehender Wohnungen. Vor allem Gebäude aus den 1950er-Jahren stellten dabei eine Herausforderung dar. Dort seien die Decken oft zu dünn, um ohne größeren Aufwand bodengleiche Duschen einzubauen.
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Um den Umbau voranzutreiben, fordern das Pestel-Institut und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel deutlich höhere staatliche Zuschüsse. Die bisherigen Förderprogramme seien zu kompliziert und finanziell nicht ausreichend. Günther spricht von einem „Placebo-Zuschuss“, wenn beim Badumbau lediglich zehn Prozent der Kosten übernommen würden.
Verbände fordern milliardenschwere Förderoffensive
Die Verbände plädieren deshalb für eine bundesweite „Senioren-Umbau-Offensive“. Der Bund müsse einen Großteil der Kosten für altersgerechte Umbauten übernehmen. Nur so könne rechtzeitig genügend seniorengerechter Wohnraum entstehen, bevor die geburtenstarken Jahrgänge vollständig in den Ruhestand wechseln.
Nach Ansicht der Experten ist die Rechnung einfach: Jeder erfolgreiche Umbau ermögliche älteren Menschen ein längeres Leben in der eigenen Wohnung – und könne damit teure Heimunterbringungen vermeiden.




