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Neue EU-Regeln, alte Probleme:
Schwerin ordnet Altkleider-Sammlung neu

Der Altkleidermarkt ist eingebrochen, Container werden missbraucht. In Schwerin zieht sich das Diakoniewerk Kloster Dobbertin zurück – die Stadt organisiert die Sammlung nun neu.

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  • Veröffentlicht Mai 6, 2026
Altkleider Schwerin
(Sym­bol­bild) Über­füll­ter Altk­lei­der­con­tain­er: Immer häu­figer wer­den die Sam­mel­stellen zweck­ent­fremdet – ein Prob­lem, das auch in Schw­erin zu steigen­den Entsorgungskosten führt.

 

Wer in Schw­erin alte Klei­dung entsor­gen möchte, muss sich auf Verän­derun­gen ein­stellen. Der Markt für Altk­lei­der ist in den ver­gan­genen Jahren mas­siv unter Druck ger­at­en – mit spür­baren Fol­gen für die Stadt, soziale Träger und Entsorgung­sun­ternehmen. Sink­ende Erlöse, schlechte Mate­ri­alqual­ität und zunehmender Miss­brauch der Sam­mel­con­tain­er haben dazu geführt, dass sich viele Akteure aus dem Geschäft zurückziehen. Nun set­zt die Lan­deshaupt­stadt auf ein neues Sys­tem.

Seit dem 1. Mai übern­immt die Schw­er­iner Abfal­l­entsorgungs- und Straßen­reini­gungs­ge­sellschaft mbH (SAS) die Bewirtschaf­tung der Altk­lei­der-Con­tain­er im Stadt­ge­bi­et. Beauf­tragt wurde das Unternehmen von den Stadtwirtschaftliche Dien­stleis­tun­gen Schw­erin (SDS). Ins­ge­samt 45 Con­tain­er ste­hen aktuell in Schw­erin – sie wer­den nun zen­tral durch die SAS betreut.

Markt unter Druck: Fast Fashion als Problem

Hin­ter­grund der Umstruk­turierung ist ein grundle­gen­der Wan­del auf dem glob­alen Tex­til­markt. Während Altk­lei­der früher ein gefragtes Gut waren – ins­beson­dere in inter­na­tionalen Märk­ten –, ist die Nach­frage inzwis­chen stark gesunken. Ein entschei­den­der Fak­tor: die zunehmende Ver­bre­itung von soge­nan­nter Fast Fash­ion. Klei­dung wird heute oft bil­lig pro­duziert, schnell gekauft und eben­so schnell wieder entsorgt.

Diese Entwick­lung hat direk­te Auswirkun­gen auf die Wiederver­w­er­tung. Viele Klei­dungsstücke sind qual­i­ta­tiv so min­der­w­er­tig, dass sie sich kaum noch weit­er­verkaufen lassen. „Die Absatzpreise sinken kon­tinuier­lich“, heißt es aus der Branche. Gle­ichzeit­ig fehlen inter­na­tionale Abnehmer, die früher große Men­gen gebrauchter Klei­dung importierten.

Das Ergeb­nis: Das Geschäftsmod­ell Altk­lei­der­samm­lung rech­net sich für viele Organ­i­sa­tio­nen nicht mehr.

Container werden zur Müllhalde

Hinzu kommt ein weit­eres Prob­lem, das vor Ort immer deut­lich­er sicht­bar wird: der Miss­brauch der Sam­mel­con­tain­er. Immer häu­figer wer­den diese nicht nur für Klei­dung genutzt, son­dern als ille­gale Mül­lablade­plätze. Neben Tex­tilien lan­den dort auch Haus­müll, Elek­trogeräte oder Sper­rmüll.

Die Fol­gen sind gravierend. Über­füllte und ver­schmutzte Con­tain­er sor­gen nicht nur für Ärg­er bei Anwohn­ern, son­dern treiben auch die Entsorgungskosten in die Höhe. Für die Stadt Schw­erin bedeutet das eine zusät­zliche finanzielle Belas­tung.

Rückzug des Diakoniewerks

Die schwierige Lage hat bere­its konkrete Kon­se­quen­zen gehabt. Das Diakoniew­erk Kloster Dob­bertin hat seine Altk­lei­der-Samm­lung in Schw­erin zum 1. Mai eingestellt. Über viele Jahre hin­weg war dieser Bere­ich ein fes­ter Bestandteil der sozialen Arbeit des Trägers.

Doch zulet­zt wurde der Betrieb zunehmend unwirtschaftlich. Neben den sink­enden Erlösen spiel­ten auch steigende Kosten für Per­son­al, Logis­tik und Entsorgung eine Rolle. Zudem häuften sich Beschw­er­den über ver­schmutzte Stan­dorte und über­füllte Con­tain­er.

Ver­suche, gemein­sam mit der Stadt Lösun­gen zu entwick­eln, blieben ohne Erfolg. Bere­its zuvor hat­te das Diakoniew­erk seine Sam­me­lak­tiv­itäten in anderen Städten wie Parchim, Lübz und Gold­berg eingestellt. Mit dem Rück­zug aus Schw­erin und Mal­chow ist dieser Schritt nun abgeschlossen.

EU-Richtlinie verschärft die Lage

Par­al­lel dazu sorgt eine neue EU-Vor­gabe für zusät­zliche Dynamik. Seit Kurzem gilt eine verpflich­t­ende Getren­ntsamm­lung von Tex­tilien. Klei­dung darf nicht mehr über den Haus­müll entsorgt wer­den. Ziel der Richtlin­ie ist es, die Recy­clingquote in Europa deut­lich zu erhöhen und Ressourcen bess­er zu nutzen.

Was aus ökol­o­gis­ch­er Sicht sin­nvoll erscheint, stellt Kom­munen und Entsorg­er jedoch vor neue Her­aus­forderun­gen. Denn die Menge an gesam­melten Tex­tilien steigt – während die wirtschaftlichen Rah­menbe­din­gun­gen gle­ichzeit­ig schlechter wer­den. Für viele Organ­i­sa­tio­nen bedeutet das ein Ver­lust­geschäft.

SAS setzt auf zentrale Lösung

In Schw­erin soll nun die SAS für mehr Sta­bil­ität sor­gen. Das Unternehmen hat die Auf­gabe über­nom­men, die beste­hen­den Con­tain­er zu betreiben und die Samm­lung neu zu organ­isieren. „Von diesem Zeit­punkt an wer­den wir 45 Behäl­ter bewirtschaften“, erk­lärt SAS-Geschäfts­führer Andreas Lange.

In den ver­gan­genen Tagen wur­den die Con­tain­er entsprechend gekennze­ich­net und mit neuen Aufk­le­bern verse­hen. Für die Bürg­erin­nen und Bürg­er ändert sich zunächst wenig – die Stan­dorte bleiben erhal­ten. Neu ist jedoch die Organ­i­sa­tion im Hin­ter­grund.

Die Entleerung der Con­tain­er erfol­gt zunächst test­weise alle zwei Wochen. Ziel ist es, den tat­säch­lichen Bedarf zu ermit­teln und die Abläufe entsprechend anzu­passen. „Unsere Fahrzeuge sind ohne­hin im Stadt­ge­bi­et unter­wegs und kön­nen diese Auf­gabe effizient mit übernehmen“, so Lange. Neben den Con­tain­ern gibt es weit­er­hin zusät­zliche Möglichkeit­en, Altk­lei­der abzugeben. So kön­nen Bürg­er ihre nicht mehr benötigten Tex­tilien auch auf dem Wert­stoffhof in der Lud­wigslus­ter Chaussee abgeben. Dort wer­den die Säcke gesam­melt und anschließend zur Weit­er­ver­ar­beitung trans­portiert.

Auch die Klei­derkam­mern in der Per­leberg­er Straße, Güstrow­er Straße und im Ziegelei­weg bleiben beste­hen. Sie spie­len vor allem für sozial schwächere Men­schen eine wichtige Rolle und bieten weit­er­hin gut erhal­tene Klei­dung zu gün­sti­gen Preisen oder kosten­los an.

Vom Secondhand-Shop bis zur Industrie

Nach der Samm­lung begin­nt der eigentliche Ver­w­er­tung­sprozess. Die Tex­tilien wer­den in Sortier­an­la­gen gebracht und dort in ver­schiedene Kat­e­gorien eingeteilt. Gut erhal­tene Klei­dung wird gere­inigt und gelangt in den Sec­ond­hand-Han­del.

Was nicht mehr trag­bar ist, wird jedoch nicht ein­fach entsorgt. Stattdessen erfol­gt eine stof­fliche Weit­er­ver­w­er­tung. So wer­den aus alten Tex­tilien beispiel­sweise Dämm­stoffe für die Autoin­dus­trie hergestellt oder Put­zlap­pen pro­duziert. Ziel ist es, möglichst viele Mate­ri­alien im Kreis­lauf zu hal­ten und Ressourcen zu scho­nen.

Trotz der schwieri­gen Rah­menbe­din­gun­gen sehen die Ver­ant­wortlichen in Schw­erin die Neustruk­turierung als wichti­gen Schritt. „Wir freuen uns über diese gemein­same Lösung“, sagt SDS-Werklei­t­erin Ilka Wilczek. Durch die zen­trale Organ­i­sa­tion erhofft sich die Stadt mehr Kon­trolle, gerin­gere Kosten und eine bessere Abstim­mung der Abläufe.