Am Donnerstag starten die neuen Schlossfestspiele in Schwerin

Generalintendant Hans-Georg Wegner spricht von einem "opulenten Sommertheater-Festival" und meint damit die diesjährigen Schlossfestspiele in Schwerin. Diese kommen in vollkommen neuem Gewand daher und versprechen Vielfalt an verschiedenen Orten. Der traditionelle Festspiel-Platz - der Alte Garten - bleibt leer.

Das Motiv der diesjährigen Schlossfestspiele. | Quelle: Mecklenburgisches Staatstheater

Vorbei ist es mit großen Bühnenbildern und durchaus oppulenten Inszenierungen. Die Schlossfestspiele Schwerin bekommen mit dieser Spielzeit ein vollkommen neues Gesicht. Ob es sich auch wirklich auszahlt, ob es weiter Touristen nach Schwerin lockt und wie es die Schwerinerinnen und Schweriner selbst annehmen, das dürften die nächsten Wochen zeigen.

 

Erstmals ein buntes Programm aller sechs Sparten

Vielfalt lautet nun das neue Konzept der Schlossfestspiele Schwerin. Statt mit bisher einer Inszenierung des Musiktheaters und einer weiteren des Schauspiels steht ab 23. Juni 2022 erstmals ein künstlerisches Programm auf dem Programm, an dem alle sechs Sparten beteiligt sind. Mehr als 50 Aufführungen auf vier Bühnen sind bis zum 17. Juli geplant. Erstmals wird dabei auch die Schwimmende Wiese mit Blick auf das Schloss zum Spielort für die Schlossfestspiele Schwerin. Der Tarditionsplatz „Alter Garten“ bleibt ungenutzt. Nicht zuletzt ein Ergebnis der Welterbebemühungen Schwerisn. Ob die Entscheider, ob die Bewerbungam Ende Erfolg hat, gern hören werden, dass Kultur und Leben vom Platz wegziehen mussten zugunsten des potenziellen Welterbe-Status, wird sich zeigen.

 

Oper auf Platt eröffnet Schlossfestspiele

Eine Oper auf Platt eröffnet die diesjährigen Schlossfestspiele Schwerin. Die Fritz-Reuter-Bühne zeigt mit „Bastian un Barbara“ eine niederdeutsche Version des Singspiels „Bastien und Bastienne“ von Mozart im sommerlichen Freilichtmuseum Schwerin-Mueß. Die Premiere ist am kommenden Donnerstag (23. Juni 22). Im mecklenburgischen Platt und in den folk-poppigen Musikarrangements von Michael Ellis Ingram findet Mozarts Schäferstündchen, das er mit 12 Jahren komponierte, für 13 Vorstellungen hier seinen Schauplatz.

 

Opern-Uraufführung und Shakespeare-Kommödie gleich zu Beginn im Programm

Am 24. Juni begibt sich das Musiktheater mit der Opern-Uraufführung „Wölfe“ der estnischen Komponistin Helena Tulve und Hausregisseurin Nina Gühlstorff auf Spurensuche nach dem umstrittensten Großraubtier des Landes. Für diese dokumentarische Naturoper unter der Musikalischen Leitung von Eckehard Stier verwandelt sich das Große Haus für sieben Vorstellungen in eine Mecklenburgische Weidelandschaft, in der auch die Tiefen des Waldes ergründet werden.

Als dritte Premiere am Eröffnungswochenende der Schlossfestspiele Schwerin steht die Shakespeare-Komödie „Wie es euch gefällt“ im Innenhof des Schweriner Schlosses am 25. Juni im Plan. Nina Mottenklotz inszeniert mit dem Schauspielensemble das lustvoll-turbulente, melancholisch-philosophische Spiel mit Geschlechterrollen im historischen Innenhof mit 16 Vorstellungen unter freiem Himmel.

 

Auch das Große Haus ist Spielort der diesjährigen Schlossfestspiele. | Foto: © Silke Winkler

Ballett im Großen Haus – Carmina Burana auf der Schwimmenden Wiese

Am 1. und 2. Juli greift dann auch das Ballett in die Festspiele ein. Ballettdirektorin Xenia Wiest präsentiert im Rahmen der Schlossfestspiele zwei Vorstellungen der internationalen Ballettgala „Connexion“ im Großen Haus, zu der es nur noch Restkarten gibt. Mit „Carmina Burana – Oh Fortuna!“ wird die neue Bühne auf der Schwimmenden Wiese ebenfalls am 1. und 2. Juli eröffnet. Zu den beiden Aufführungen dieses vermutlich erfolgreichsten Chorwerks der Musikgeschichte gibt es nur noch wenige Sitzplätze. Allerdings werden noch preisgünstige Tickets im Picknickbereich angeboten, die auch für alle anderen Konzerte und Vorstellungen bis 16. Juli auf der Schwimmenden Wiese erworben werden können.

 

Silvester im Juli – Beethovens 9. am 7.7.22

Das Junge Staatstheater ist ab 3. Juli mit einem Familienmusical auf der Schwimmenden Wiese zu erleben. Zu „Dogs“, einem Musical rund um das beliebteste Haustier, sind nicht nur Menschen ab 6 Jahren herzlich eingeladen, sondern auch Hunde dürfen mitgebracht werden, wenn sie angeleint sind. Mit Beethovens 9. Sinfonie lässt die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin am 7. Juli – mitten im Sommer – an diesem neuen Spielort ihr traditionelles Silvesterkonzert erklingen, das Corona bedingt zum Jahresende entfiel. Der Opernchor des Mecklenburgischen Staatstheaters, die Schweriner Singakademie sowie Solist:innen des Musiktheaterensembles stimmen gemeinsam die Ode „An die Freude“ an „Freude schöner Götterfunken“!

 

Landespolizeiorchester groovt und „MeckProms“ laden zur musikalischen Welterkundung

Tags darauf, am 8. Juli, ist das Landespolizeiorchester Mecklenburg-Vorpommern bei „TA TA TA TÜ!“ mit sattem Bläsersound und groovigem Swing zu hören. Am 9. Juli spielt die Mecklenburgische Staatskapelle ihr beliebtes „MeckProms“-Konzert und lädt zu einer musikalischen Welterkundung ein: „In 80 Takten um die Welt“.

 

Steward Copeland. | Foto: Daniel Knighton

Zum Abschluss ein echter Kracher: „Stewart Copeland: Police Deranged for Orchestra“

Krönender Abschluss der Schlossfestspiele ist die Europa-Premiere von „Stewart Copeland: Police Deranged for Orchestra“ am 15. und 16. Juli. Der legendäre Schlagzeuger und Gründer von The Police wird mit Hits seiner Kultband auf dieser spektakulären Freilichtbühne zum ersten Mal mit diesem Konzertprogramm in Europa auftreten.

 

Intendant spricht von „Sommertheater-Festival“ – Hinweis auf Namenswechsel?

„Das wird ein wunderbarer Sommer für Schwerin und seine Gäste: Unter freiem Himmel oder im festlichen Großen Haus – es ist für jeden Geschmack etwas dabei in unserem opulenten Sommertheater-Festival“, ist sich Generalintendant Hans-Georg Wegner sicher. Es mag Zufall sein, vielleicht aber ist es auch ein Signal, dass Wegner nicht den Begriff „Schlossfestspiele“ nutzt, sondern von einem „Sommertheater-Festival“ spricht. Das vielfältige Programm erinnert tatsächlich eher an ein Festival als an Festspiele. Ist es also vielleicht schon ein Wink mit einem kleinen Zaunpfahl, der nach der Konzeptänderung auch einen neuen Namen ankündigt? Es wird sich zeigen – ebenso wie die Frage, ob das neue Konzept ein Erfolg wird.

 

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