ANKER Sozialarbeit: Niemand sollte mit seinen psychischen Problemen allein sein

Ein starkes Team ist ANKER.
Ein starkes Team ist ANKER.

(am). Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und auch deren Angehörige haben es schwer. Zu ihren eigentlichen Problemen mit sich selbst kommen oft noch die mit dem familiären oder beruflichen Umfeld. Wenn ein Bein ab ist, Fieber auf der Stirn steht oder ganz mechanische Leiden da sind, dann kann man das als Außenstehender gut nachvollziehen. Mit der Psyche ist das so eine Sache. Meist versteht man die eigene nicht mal ganz: Wie dann die des Nächsten? Die „Beratungsstelle ANKER Sozialarbeit Gemeinnützige GmbH“ ist deshalb in Schwerin neben dem Sozialpsychiatrischen Dienst eine wichtige Anlaufstelle.

Was vom Namen etwas sperrig klingen mag, ist für die Betroffenen auf den Kern verkürzt buchstäblich: ANKER. Denn hier finden die Ratsuchenden genau das, was andernorts oft fehlt. Was geschieht nämlich zwischen einer ärztlichen Beratung und einer therapeutischen Begleitung, was kommt nach oder zwischen Therapien? Die Wartelisten sind hier oft mega-lang. So stehen die Menschen mit ihren Problemen dann oft allein da. Das so genannte Case-Management versucht hier, Abhilfe zu schaffen. Die „Fall Manager“ kümmern sich ganz konkret als Mittler oder Schnittstelle zwischen den verschiedenen Bereichen im Gesundheitswesen. Dieses neue, wichtige Berufsfeld stammt aus den USA. Beim ANKER in Schwerin gibt es mittlerweile zehn systemisch ausgebildete Beraterinnen.

Neben der sozialpsychiatrischen Fachberatung helfen die Mitarbeiterinnen den Betroffenen, den Bürokratiedschungel des Gesundheitswesen sicher zu durchqueren. Sozialgesetzbücher sind für Normalsterbliche mit sieben Siegeln versehen. Leistungsträger bewilligen leider oft nicht freiwillig das, was nötig wäre. Und mit dem Thema „Tarifübergreifendes persönliches Budget“ muss man sich auch länger beschäftigen, bevor man das in Gänze begriffen hat. Schließlich hat man ja auch noch andere Sorgen…

Systemische Beratung

Die Beratung findet in den neuen Räumlichkeiten in der Lankower Straße statt. Wenn es nötig ist, machen sich Beraterinnen auf und besuchen die Betroffenen – ob nun zu Hause, in der Klinik oder wo auch immer. Bei den Beratungsgesprächen wird nicht einfach nur „geredet“. ANKER hat sich dem Leitbild der systemisch-lösungsorientierten Gesprächsführung verschrieben. Das bedeutet: Man geht nicht einseitig vor, so wie das klassischer Weise üblich ist. Jeder sieht einen Fall aus seinem Blickwinkel als Fachmann. So war es früher oft. Systemisch heißt: Verschiedene System und Standpunkte in Betracht ziehen, die für die Lösung eines Problems notwendig sind.

ANKER schafft Netzwerke zwischen den verschiedenen Institutionen und therapeutischen Ansätzen, und zwar mit dem einen Ziel: Der Hilfesuchende soll wieder eingegliedert werden. Und dafür besteht leider immer mehr Bedarf. Waren es 2002 noch 104 notwendige Beratungen, sind es 2012 bereits 290 gewesen. Psychische Probleme sind kein Randphänomen mehr. Entsprechende Belastungen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, sorgen für immer mehr Probleme. Wer selbst zur Lösung seines Problems zusätzlich in die Tasche greifen kann, für den bietet der ANKER auch längerfristige Begleitung in Lebenskrisen an. Für eine Entlastung bei der Arbeit gibt es etwa seit zwei Jahren das Angebot „Fit & motiviert am Arbeitsplatz.“

Einrichtungen wie der ANKER machen Mut. Denn niemand sollte mit psychischen Problemen allein sein.

Redaktion

der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Tel: (0385) 480 739 77 | E-Mail: redaktion@schwerinlokal.de

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published.