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Schwerin zeigt Flagge:
Anti-Gewalt-Woche mit vielfältigen Angeboten

Vom Flaggehissen über Lichteraktion bis zum Online‑Workshop – in der Landeshauptstadt machen Stadt, Netzwerke und Beratungsstellen sichtbar: Gewalt gegen Frauen geht uns alle an.

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  • Veröffentlicht November 26, 2025
Orange Lichter und gehisste Fahnen vor dem Rathaus in Schwerin symbolisieren am 25. November das klare Zeichen: Für ein Leben ohne Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
Orange Lichter und gehisste Fah­nen vor dem Rathaus in Schw­erin sym­bol­isieren am 25. Novem­ber das klare Zeichen: Für ein Leben ohne Gewalt gegen Frauen und Mäd­chen, Foto: max­press

Die Lan­deshaupt­stadt Schw­erin nimmt den Inter­na­tionalen Tag zur Besei­t­i­gung von Gewalt gegen Frauen am 25. Novem­ber zum Anlass, um mit ein­dringlichen Aktio­nen auf die anhal­tende Prob­lematik häus­lich­er und part­ner­schaftlich­er Gewalt aufmerk­sam zu machen und ein deut­lich­es Zeichen der Sol­i­dar­ität zu set­zen. Die Ver­anstal­tun­gen in Schw­erin wer­den dabei unter dem Mot­to „Nein zu Gewalt an Frauen und Kindern“ zusam­menge­fasst.

Gewalt gegen Frauen bleibt ein brisantes The­ma – glob­al wie lokal. Dass die Stadt und Hil­f­s­net­zw­erke gemein­sam aktiv wer­den, zeigt: Es geht nicht nur um indi­vidu­elle Hil­fe, son­dern um gesellschaftliche Ver­ant­wor­tung, Sol­i­dar­ität und Präven­tion. Die Aktio­nen vor Ort geben Raum, um Betrof­fene zu zeigen: Es gibt Hil­fe. Und sie machen sicht­bar: „Wir ste­hen zusam­men.” Denn egal ob Selb­st­be­haup­tungskurs, Austausch‑Treffen oder dig­i­tale Fort­bil­dung – jedes Ange­bot zählt.

Schwerin setzt leuchtendes Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Kindern

Am Nach­mit­tag fand vor dem Rathaus eine sym­bol­trächtige Ver­anstal­tung statt, die das Engage­ment der Stadtver­wal­tung und des lokalen Hil­fenet­zw­erks unter­strich. Los ging es mit ein­er bewe­gen­den Lichter­ak­tion, die an die Opfer von Gewalt erin­nert und Betrof­fene unter­stützt. Daran schloss sich das feier­liche Hissen von drei Fah­nen mit der klaren Auf­schrift „Stopp – für ein Leben ohne Gewalt“ an.

Die Stadtver­wal­tung war promi­nent vertreten, darunter der stel­lvertre­tende Ober­bürg­er­meis­ter Bernd Not­te­baum sowie die Gle­ich­stel­lungs- und Fam­i­lien­beauf­tragte Clau­dia Wen­dorf. Auch Vertreter des Hil­fe- und Beratungsnet­zw­erks Schw­erin, der Stadtvertre­tung und des Land­tags Meck­len­burg-Vor­pom­mern nah­men an der Aktion teil, um die gesamt­ge­sellschaftliche Bedeu­tung des The­mas zu beto­nen.

Als beson­ders sicht­bares Zeichen der Sol­i­dar­ität wur­den einige Häuser der Stadt Orange anges­trahlt. Diese Aktion ist Teil der inter­na­tionalen Kam­pagne „Orange The World“ von UN Women, die vom 25. Novem­ber bis zum 10. Dezem­ber (dem Tag der Men­schen­rechte) weltweit auf Gewalt gegen Frauen und Mäd­chen aufmerk­sam macht.

Flaggehissen vor dem Rathaus im Rahmen der Anti-Gewalt-Woche
Flagge­hissen vor dem Rathaus im Rah­men der Anti-Gewalt-Woche, Foto: max­press

Weitere Aktionen in Schwerin

Über die zen­trale Rathaus-Aktion hin­aus ergänzten zahlre­iche weit­ere Ver­anstal­tun­gen den Tag in Schw­erin: Im Café Kränzchen fand unter dem Titel „Muskelkatze“ ein Selb­st­be­haup­tungskurs statt. In der Schmiedestraße/Ecke Bischof­s­traße startete die Aktion „Rote Schuhe“, inklu­sive Kundge­bung, Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und Möglichkeit­en zur Ver­net­zung. Im Café Rosa im Kom­plex gibt es um 18 Uhr außer­dem ein Get Togeth­er für FLINTA-Per­so­n­en (Frauen, Les­ben, intergeschlechtliche, nicht‑binäre, trans und agen­der), bei dem Spenden für das Frauen­haus gesam­melt wer­den.

Am Mittwoch sind junge Frauen ab 14 Uhr in den Mäd­chen­Tr­e­ff in der Dr.-Külz-Straße 3 zum Kochen & Schnack­en ein­ge­laden – ein Aus­tausch zum Umgang mit der Bedro­hung durch Gewalt. Am Don­ner­stag startet zudem das Kun­st­pro­jekt „Inner­er Garten“ der AWO Frauen in Not (nicht öffentlich). Und am 4. Dezem­ber fol­gt ein Online‑Workshop „Frauen und Tech­nik“ mit Luisa Gör­lach zur Stärkung der Dig­italkom­pe­tenz und Selb­st­bes­tim­mung von Frauen (Anmel­dung bis 1.12. unter anmeldung@frauenbildungsnetz.de.

Cafés und Bäck­ereien beteili­gen sich beispiel­sweise mit der Verteilung von Brötchen­tüten, die die Auf­schrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ tra­gen.

Das „Signal for Help“ ist eine einfache, nonverbale Handgeste, die weltweit still und diskret signalisiert, dass eine Person Unterstützung benötigt, ohne digitale Spuren zu hinterlassen.
Das „Sig­nal for Help“ ist eine ein­fache, non­ver­bale Handgeste, die weltweit still und diskret sig­nal­isiert, dass eine Per­son Unter­stützung benötigt, ohne dig­i­tale Spuren zu hin­ter­lassen, Foto: max­press

Das „Signal for Help“: Ein stiller Ruf nach Hilfe

In Sit­u­a­tio­nen häus­lich­er Gewalt, ins­beson­dere wenn Betrof­fene überwacht wer­den oder sich in Iso­la­tion befind­en, kann ein offen­er Hil­fer­uf unmöglich sein. Hier set­zt das „Sig­nal for Help“ an: eine ein­fache, non­ver­bale Handgeste, die weltweit still und diskret sig­nal­isiert, dass eine Per­son Unter­stützung benötigt, ohne dig­i­tale Spuren zu hin­ter­lassen.

Das Sig­nal ist leicht zu merken und schnell auszuführen:

  • Hand öff­nen: Halte die Hand­fläche dem Gesprächspart­ner zuge­wandt oder sicht­bar.
  • Dau­men einknick­en: Lege den Dau­men in die Hand­in­nen­fläche.
  • Fin­ger schließen: Schließe die vier übri­gen Fin­ger über dem Dau­men ein.

Das Sig­nal wurde 2020 von der Cana­di­an Women’s Foun­da­tion während der Coro­na-Pan­demie entwick­elt. Krisen erhöhen oft das Risiko geschlechtsspez­i­fis­ch­er Gewalt, und häus­liche Iso­la­tion kann Betrof­fene zusät­zlich gefährden.

Was tun, wenn man das Handzeichen sieht?

Die Reak­tion ist entschei­dend, muss aber immer die Sicher­heit der betrof­fe­nen Per­son in den Vorder­grund stellen. Wichtig ist, wed­er sich selb­st noch die betrof­fene Per­son in Gefahr zu brin­gen.

Emp­foh­lene Reak­tion je nach Sit­u­a­tion:

  • In der Öffentlichkeit: Wenn es sich­er ist, den Notruf (110) rufen. Es ist die schnell­ste und sich­er­ste Option. Oder sich­er und leise nach­fra­gen, z. B. „Ist alles in Ord­nung?”
  • Über Videoanruf/Nachricht: Sicheren Kon­takt aufnehmen (Anruf, E‑Mail, Social Media – aber nur, wenn die Überwachung unwahrschein­lich ist). Vor­sicht: Betrof­fene wer­den oft überwacht und kön­nen nicht offen antworten.
  • Kom­mu­nika­tion: Ja/Nein-Fra­gen stellen, damit die Per­son schnell und diskret antworten kann, zum Beispiel „Soll ich den Notruf wählen?”, „Soll ich eine Schutzstelle für dich kon­tak­tieren?”, „Soll ich dir Hil­f­sange­bote her­aus­suchen?”

Wichtig ist auch: Die Per­son, die das Sig­nal zeigt, entschei­det selb­st, welche Hil­fe sie benötigt – sei es Zuhören, die Kon­tak­tauf­nahme zu Beratungsstellen oder das Ein­schal­ten von Not­fall­dien­sten.

Beratung und Hilfe vor Ort

Die Aktion­stage dienen auch dazu, auf die lokalen Hil­f­sange­bote aufmerk­sam zu machen, die Betrof­fe­nen schnelle und unkom­plizierte Unter­stützung bieten:

  • Inter­ven­tion­sstelle gegen häus­liche Gewalt und Stalk­ing:
    Platz der Jugend 8, 19053 Schw­erin
    Tele­fon: (0385) 52 19 05 41 / (0385) 52 19 05 43 (Kinder- und Jugend­ber­atung)
    E‑Mail: interventionsstelle@awo-schwerin.de / kinderjugendberatung@awo-schwerin.de
  • Beratungsstelle gegen sex­u­al­isierte Gewalt:
    Platz der Jugend 8, 19053 Schw­erin
    Tele­fon: (0385) 555 73 52
    E‑Mail: bgsg@awo-schwerin.de
  • AWO Frauen in Not – Frauen­haus Schw­erin:
    Post­fach: 11 05 63, 19053 Schw­erin
    Tele­fon: (0385) 555 73 56
    E‑Mail: frauenhaus@awo-schwerin.de
  • ZORA – Fach­ber­atungsstelle für Betrof­fene von Men­schen­han­deln zum Zwecke der sex­uellen Aus­beu­tung und Zwangsver­heiratung:
    Post­fach: 11 01 34, 19001 Schw­erin
    Tele­fon: (0385) 52 19 05 42
    E‑Mail: zora@awo-schwerin.de
  • Hil­fetele­fon “Gewalt gegen Frauen”: 116 016
    Kosten­freie und anonyme Online-Beratung rund um die Uhr, für Betrof­fene, Ange­hörige, Feunde sowie Fachkräfte
  • Kinder­schutz-Hot­line: (0800) 14 14 007
    Rund um die Uhr. Beratung bei Auf­fäligkeit­en wie Ver­nach­läs­si­gung, häus­lich­er Gewalt sowie famil­iären Kon­flik­ten.
  • Frauen­hausko­or­dinierung e.V.:
    Daten­bank zur bun­desweit­en Frauen­haus­suche unter “Schutz und Hil­fe bei Gewalt” auf www.frauenhauskoordinierung.de
  • Frauen gegen Gewalt e.V.:
    Daten­bank zu Frauen­ber­atungsstellen und Frauen­notrufen unter “Hil­fe & Beratung” und “Hil­fe vor Ort” auf www.frauen-gegen-gewalt.de
  • Bun­desweit­er Koor­dinierungskreis gegen Men­schen­han­del e.V.:
    Beratungsange­bote für Betrof­fene von Men­schen­han­del und für von Gewalt betrof­fene Migranten auf
    www.kok-gegen-menschenhandel.de
  • Opfer­am­bu­lanz zu gerichts­festen Befund­doku­men­ta­tion nach Gewalt­tat­en:
    Insti­tut für Rechtsmedi­zin der Uni­ver­sität Ros­tock – Außen­stelle Schw­erin
    Obotriten­ring 247, 19053 Schw­erin
    Tele­fon: (0385) 73 26 80
    Ruf­bere­itschaft: (0172) 95 06 148
  • Helios Kliniken Schw­erin
    Klinik für psy­cho­so­ma­tis­che Medi­zin und Psy­chother­a­pie
    Klinik für Kinder- und Jugendpsy­chi­a­trie,
    Psy­cho­so­matik und Psy­chother­a­pie
    Wis­marsche Straße 393–397, 19049 Schw­erin
    Tele­fon: (0385) 52 03 391