Hier zählt der Mensch – nicht der Minutentakt:
Eine Stunde für jeden Bewohner: So arbeitet Pflege, die Zeit gibt
Eine Stunde nur für einen Menschen – in der WABE ist das kein Luxus, sondern gelebter Alltag. Hier beginnt Pflege dort, wo Zeit, Nähe und Teamgeist den Unterschied machen.

Neu Zippendorf, ein Morgen Anfang August. Das Haus „Am Grünen Tal“ ist noch still, nur das gedämpfte Summen der Beatmungsgeräte durchzieht die Flure. In einem der hellen Zimmer beugt sich Pflegefachkraft Claudia über das Bett von Herrn S., prüft vorsichtig die Lagerung, streicht ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. „Wir haben hier morgens für jeden Bewohner eine volle Stunde“, sagt sie leise, „das verändert alles.“
Wer den Wachkoma- und Beatmungsbereich – kurz WABE – betritt, spürt schnell: Hier herrscht kein Pflegestress wie in manch anderem Haus. Es ist ein anderer Rhythmus. Hier zählt nicht, wie viele Handgriffe in kürzester Zeit erledigt werden. Hier zählt der Mensch.
Zeit als Prinzip, nicht als Luxus
In der WABE, einem Bereich der Sozius gGmbH, leben Menschen mit schwersten neurologischen Schädigungen. Viele sind auf Beatmung angewiesen, manche können nicht sprechen, manche bleiben über Jahre in einem Zustand zwischen Schlaf und Wachsein. Der Pflegealltag ist anspruchsvoll, körperlich wie emotional. Und doch ist er hier anders gestaltet.

Jede Pflegekraft hat am Morgen eine volle Stunde für einen Bewohner. Zeit, um zu pflegen, zu beobachten, zu spüren. „Manchmal reicht ein Stirnrunzeln, um zu wissen: Etwas stimmt nicht“, erzählt eine Pflegekraft. In der WABE ist das kein Luxus, sondern Alltag.
„Eine Stunde pro Bewohner am Morgen – das klingt für Außenstehende vielleicht selbstverständlich, ist es aber in der Pflege heute nicht mehr“, erklärt Jane Witt, Pflegedienstleitung und seit 15 Jahren Teil des Teams. „Diese Zeit gibt uns die Möglichkeit, die kleinen Veränderungen wahrzunehmen. Manchmal ist es nur ein Stirnrunzeln oder eine veränderte Muskelspannung, die uns sagt: Irgendetwas stimmt nicht.“
In vielen Einrichtungen bleibt für solche feinen Beobachtungen kaum Raum. In der WABE dagegen ist diese Achtsamkeit Teil des Konzepts – und Grundvoraussetzung, um Bewohnerinnen und Bewohner optimal zu versorgen.
„Hart im Nehmen und weich im Herzen“
Wer in der WABE arbeitet, braucht Fachwissen – und eine besondere Haltung. „Hart im Nehmen und weich im Herzen“, so beschreibt Witt ihr Team. Der Beruf hier ist herausfordernd: Schwere Krankheitsbilder, komplexe Geräte, oft lange Krankheitsverläufe. Aber die Arbeit wird getragen von einem ausgeprägten Zusammenhalt.
„Wir lassen niemanden allein – weder unsere Bewohner noch unsere Kolleginnen und Kollegen“, sagt Witt. Ihre Bürotür steht für alle offen: für Sorgen, für Fragen, für ein kurzes Durchatmen nach einem belastenden Moment.

Die Arbeit fordert, körperlich und seelisch. Aber niemand trägt sie allein. „Wer hier arbeitet, ist nie allein“, sagt Jane Witt, Pflegedienstleitung seit 15 Jahren. Neue Kolleginnen und Kollegen werden monatelang eingearbeitet, flexible Arbeitszeitmodelle von 30 bis 40 Stunden sind selbstverständlich. Schichtbeginn? Kann angepasst werden.
Auch neue Teammitglieder werden nicht ins kalte Wasser geworfen. Die Einarbeitung dauert Monate, erfahrene Kolleginnen begleiten Schritt für Schritt. Wer noch keine Fachweiterbildung für außerklinische Beatmung hat, kann sie direkt im Haus absolvieren.
Flexibilität, die ins Leben passt
Anders als in vielen stationären Einrichtungen gibt es in der WABE keine starre Dienstplanpolitik. Ob 30, 35 oder 40 Stunden – das Arbeitspensum richtet sich nach den Lebensumständen. Auch der Schichtbeginn ist flexibel. „Wer seine Kinder erst zur Schule bringen will, kann später anfangen. Wir versuchen, Lösungen zu finden, die für alle passen“, so Witt.
Diese Flexibilität sei nicht nur ein Vorteil für die Mitarbeitenden, sondern auch für die Einrichtung. „Zufriedene Pflegekräfte bleiben länger – und das ist entscheidend für die Kontinuität in der Betreuung unserer Bewohner.“

Zwei Geschichten, die bleiben
Manchmal sind es einzelne Schicksale, die zeigen, warum die Arbeit in der WABE mehr ist als ein Beruf.
Im November 2023 wird eine Frau im Wachkoma hier aufgenommen. Die Prognose ist ungewiss. Monat für Monat wird sie gepflegt, gelagert, beobachtet. Gespräche, Berührungen, Musik – auch wenn niemand weiß, ob sie etwas davon mitbekommt. Im Oktober 2024 dann das Unerwartete: Sie öffnet die Augen. Es ist der Beginn einer langsamen Rückkehr. Heute kann sie wieder selbstständig essen, seit dem Frühjahr spielt sie Klavier. Ihr größter Wunsch: „Ich will nach Hause.“
Eine andere Geschichte: Ein Mann, der nach einem schweren Unfall zu uns kommt. Wach, aber körperlich stark eingeschränkt. Das Team begleitet ihn monatelang – Schritt für Schritt, Bewegung für Bewegung. Nach sieben Monaten kann er gehen. Als er die Einrichtung verlässt, lädt er das gesamte Team ein Jahr später zu einer Dankesfeier ein – Spanferkel inklusive. „Das war sein zweiter Geburtstag“, erinnert sich eine Pflegekraft.
Gesetzlicher Rückenwind für mehr Personal
Die Rahmenbedingungen in der Intensivpflege haben sich in den letzten Jahren verbessert. Mit dem Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz (IPReG) gilt seit Juli 2023 ein neuer Personalschlüssel: Auf eine Vollzeit-Pflegefachkraft kommen maximal 0,71 Versicherte. Dieser Orientierungswert stellt sicher, dass in Einrichtungen wie der WABE genug qualifiziertes Personal für die komplexen medizinischen Anforderungen vorhanden ist.
„Das IPReG hat uns geholfen, unsere Standards nicht nur zu halten, sondern auszubauen“, so Witt. „Es gibt uns die Möglichkeit, das zu tun, was wir am besten können: Zeit für unsere Bewohner zu haben.“
Mehr als ein Arbeitsplatz

Wer hier arbeitet, begleitet Menschen oft über Jahre. Manche haben keine Angehörigen, dann wird das Team zur Familie. Es sind Beziehungen, die entstehen – getragen von Geduld, Respekt und Zuwendung.
„Die WABE ist kein einfacher Arbeitsplatz“, sagt Witt zum Schluss, „aber es ist einer der sinnstiftensten, die ich kenne. Und wer einmal hier war, weiß: Pflege kann mehr sein als Versorgung. Sie kann Leben verändern.“
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