Sa, 14. Februar 2026
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Hier zählt der Mensch – nicht der Minutentakt:
Eine Stunde für jeden Bewohner: So arbeitet Pflege, die Zeit gibt

Eine Stunde nur für einen Menschen – in der WABE ist das kein Luxus, sondern gelebter Alltag. Hier beginnt Pflege dort, wo Zeit, Nähe und Teamgeist den Unterschied machen.

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  • Veröffentlicht September 8, 2025

 

Neu Zip­pen­dorf, ein Mor­gen Anfang August. Das Haus „Am Grü­nen Tal“ ist noch still, nur das gedämpfte Sum­men der Beat­mungs­geräte durchzieht die Flure. In einem der hellen Zim­mer beugt sich Pflege­fachkraft Clau­dia über das Bett von Her­rn S., prüft vor­sichtig die Lagerung, stre­icht ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. „Wir haben hier mor­gens für jeden Bewohn­er eine volle Stunde“, sagt sie leise, „das verän­dert alles.“

Wer den Wachko­ma- und Beat­mungs­bere­ich – kurz WABE – betritt, spürt schnell: Hier herrscht kein Pflegestress wie in manch anderem Haus. Es ist ein ander­er Rhyth­mus. Hier zählt nicht, wie viele Hand­griffe in kürzester Zeit erledigt wer­den. Hier zählt der Men­sch.

Zeit als Prinzip, nicht als Luxus

In der WABE, einem Bere­ich der Soz­ius gGmbH, leben Men­schen mit schw­er­sten neu­rol­o­gis­chen Schädi­gun­gen. Viele sind auf Beat­mung angewiesen, manche kön­nen nicht sprechen, manche bleiben über Jahre in einem Zus­tand zwis­chen Schlaf und Wach­sein. Der Pflegeall­t­ag ist anspruchsvoll, kör­per­lich wie emo­tion­al. Und doch ist er hier anders gestal­tet.

 

Jane Witt ist die Pflege­di­en­stleitung für den Fach­pflege­bere­ich Wachko­ma und Beat­mung. Foto: SOZIUS Pflege- und Betreu­ungs­di­en­ste Schw­erin gGmbH

 

Jede Pflegekraft hat am Morgen eine volle Stunde für einen Bewohner. Zeit, um zu pflegen, zu beobachten, zu spüren. „Manchmal reicht ein Stirnrunzeln, um zu wissen: Etwas stimmt nicht“, erzählt eine Pflegekraft. In der WABE ist das kein Luxus, sondern Alltag.

„Eine Stunde pro Bewohn­er am Mor­gen – das klingt für Außen­ste­hende vielle­icht selb­stver­ständlich, ist es aber in der Pflege heute nicht mehr“, erk­lärt Jane Witt, Pflege­di­en­stleitung und seit 15 Jahren Teil des Teams. „Diese Zeit gibt uns die Möglichkeit, die kleinen Verän­derun­gen wahrzunehmen. Manch­mal ist es nur ein Stirn­run­zeln oder eine verän­derte Muskelspan­nung, die uns sagt: Irgen­det­was stimmt nicht.“

In vie­len Ein­rich­tun­gen bleibt für solche feinen Beobach­tun­gen kaum Raum. In der WABE dage­gen ist diese Acht­samkeit Teil des Konzepts – und Grund­vo­raus­set­zung, um Bewohner­in­nen und Bewohn­er opti­mal zu ver­sor­gen.

„Hart im Nehmen und weich im Herzen“

Wer in der WABE arbeit­et, braucht Fach­wis­sen – und eine beson­dere Hal­tung. „Hart im Nehmen und weich im Herzen“, so beschreibt Witt ihr Team. Der Beruf hier ist her­aus­fordernd: Schwere Krankheits­bilder, kom­plexe Geräte, oft lange Krankheitsver­läufe. Aber die Arbeit wird getra­gen von einem aus­geprägten Zusam­men­halt.

„Wir lassen nie­man­den allein – wed­er unsere Bewohn­er noch unsere Kol­legin­nen und Kol­le­gen“, sagt Witt. Ihre Bürotür ste­ht für alle offen: für Sor­gen, für Fra­gen, für ein kurzes Dur­chat­men nach einem belas­ten­den Moment.

 

Stef­fen Dahl bei der Ergother­a­pie. Foto: SOZIUS Pflege- und Betreu­ungs­di­en­ste Schw­erin gGmbH
Die Arbeit fordert, körperlich und seelisch. Aber niemand trägt sie allein. „Wer hier arbeitet, ist nie allein“, sagt Jane Witt, Pflegedienstleitung seit 15 Jahren. Neue Kolleginnen und Kollegen werden monatelang eingearbeitet, flexible Arbeitszeitmodelle von 30 bis 40 Stunden sind selbstverständlich. Schichtbeginn? Kann angepasst werden.

Auch neue Team­mit­glieder wer­den nicht ins kalte Wass­er gewor­fen. Die Einar­beitung dauert Monate, erfahrene Kol­legin­nen begleit­en Schritt für Schritt. Wer noch keine Fach­weit­er­bil­dung für außerklin­is­che Beat­mung hat, kann sie direkt im Haus absolvieren.

Flexibilität, die ins Leben passt

Anders als in vie­len sta­tionären Ein­rich­tun­gen gibt es in der WABE keine starre Dien­st­plan­poli­tik. Ob 30, 35 oder 40 Stun­den – das Arbeit­spen­sum richtet sich nach den Leben­sum­stän­den. Auch der Schicht­be­ginn ist flex­i­bel. „Wer seine Kinder erst zur Schule brin­gen will, kann später anfan­gen. Wir ver­suchen, Lösun­gen zu find­en, die für alle passen“, so Witt.

Diese Flex­i­bil­ität sei nicht nur ein Vorteil für die Mitar­bei­t­en­den, son­dern auch für die Ein­rich­tung. „Zufriedene Pflegekräfte bleiben länger – und das ist entschei­dend für die Kon­ti­nu­ität in der Betreu­ung unser­er Bewohn­er.“

 

Der Ein­gangs­bere­ich des Haus­es „Am Grü­nen Tal“. Foto: SOZIUS Pflege- und Betreu­ungs­di­en­ste Schw­erin gGmbH

 

Zwei Geschichten, die bleiben

Manch­mal sind es einzelne Schick­sale, die zeigen, warum die Arbeit in der WABE mehr ist als ein Beruf.

Im Novem­ber 2023 wird eine Frau im Wachko­ma hier aufgenom­men. Die Prog­nose ist ungewiss. Monat für Monat wird sie gepflegt, gelagert, beobachtet. Gespräche, Berührun­gen, Musik – auch wenn nie­mand weiß, ob sie etwas davon mit­bekommt. Im Okto­ber 2024 dann das Uner­wartete: Sie öffnet die Augen. Es ist der Beginn ein­er langsamen Rück­kehr. Heute kann sie wieder selb­st­ständig essen, seit dem Früh­jahr spielt sie Klavier. Ihr größter Wun­sch: „Ich will nach Hause.“

Eine andere Geschichte: Ein Mann, der nach einem schw­eren Unfall zu uns kommt. Wach, aber kör­per­lich stark eingeschränkt. Das Team begleit­et ihn monate­lang – Schritt für Schritt, Bewe­gung für Bewe­gung. Nach sieben Monat­en kann er gehen. Als er die Ein­rich­tung ver­lässt, lädt er das gesamte Team ein Jahr später zu ein­er Dankesfeier ein – Span­fer­kel inklu­sive. „Das war sein zweit­er Geburt­stag“, erin­nert sich eine Pflegekraft.

Gesetzlicher Rückenwind für mehr Personal

Die Rah­menbe­din­gun­gen in der Inten­sivpflege haben sich in den let­zten Jahren verbessert. Mit dem Inten­sivpflege- und Reha­bil­i­ta­tion­sstärkungs­ge­setz (IPReG) gilt seit Juli 2023 ein neuer Per­son­alschlüs­sel: Auf eine Vol­lzeit-Pflege­fachkraft kom­men max­i­mal 0,71 Ver­sicherte. Dieser Ori­en­tierungswert stellt sich­er, dass in Ein­rich­tun­gen wie der WABE genug qual­i­fiziertes Per­son­al für die kom­plex­en medi­zinis­chen Anforderun­gen vorhan­den ist.

„Das IPReG hat uns geholfen, unsere Stan­dards nicht nur zu hal­ten, son­dern auszubauen“, so Witt. „Es gibt uns die Möglichkeit, das zu tun, was wir am besten kön­nen: Zeit für unsere Bewohn­er zu haben.“

Mehr als ein Arbeitsplatz

 

Das WABE-Team. Foto: SOZIUS Pflege- und Betreu­ungs­di­en­ste Schw­erin gGmbH

 

Wer hier arbeit­et, begleit­et Men­schen oft über Jahre. Manche haben keine Ange­höri­gen, dann wird das Team zur Fam­i­lie. Es sind Beziehun­gen, die entste­hen – getra­gen von Geduld, Respekt und Zuwen­dung.

„Die WABE ist kein ein­fach­er Arbeit­splatz“, sagt Witt zum Schluss, „aber es ist ein­er der sinns­tiften­sten, die ich kenne. Und wer ein­mal hier war, weiß: Pflege kann mehr sein als Ver­sorgung. Sie kann Leben verän­dern.“

 

 


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