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Außengastronomie in Schwerin:
Stadt fördert Außengastronomie gezielt

Schwerin erweitert gezielt Flächen für Außengastronomie. Durch Umwidmung von Straßen entstehen neue Möglichkeiten – ein Balanceakt zwischen Stadtentwicklung, Wirtschaft und öffentlichem Raum.

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  • Veröffentlicht Juli 14, 2025
Außengastronomie Schwerin
Die Außen­gas­tronomie ist kein Gefall­en an die Gas­tronomie sagt DEHOGA-Präsi­dent in MV, Lars  Schwarz. (Archiv­bild)
Foto:  CssnEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Außen­gas­tronomie ist für viele Städte in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ein fes­ter Bestandteil urba­nen Lebens. Auch in Schw­erin nimmt ihre Bedeu­tung zu – nicht nur aus Sicht der Gas­tronomiebe­triebe, son­dern auch für das Stadt­bild, die Aufen­thalt­squal­ität und den Einzel­han­del.

Außengastronomie als Teil städtischer Entwicklung

Lars Schwarz, Präsi­dent des Hotel- und Gast­stät­ten­ver­ban­des (Dehoga) Meck­len­burg-Vor­pom­mern, betont die Rolle von Außen­gas­tronomie im städtis­chen Raum in MV. Sie sei nicht nur wirtschaftlich rel­e­vant, son­dern präge das Erschei­n­ungs­bild und das soziale Kli­ma ein­er Stadt mit. „Die Bewil­li­gung von Außen­flächen ist kein Gefall­en an die Gas­tronomie, son­dern ein Beitrag zum Wohl der Stadt“, sagt Schwarz. Eine lebendi­ge Gas­tronomieszene trage dazu bei, Städte für Bewohn­er und Besuch­er gle­icher­maßen attrak­tiv­er zu machen.

Da die wenig­sten Gas­tronomen über eigene Außen­flächen ver­fü­gen, sind sie auf Son­der­nutzungser­laub­nisse angewiesen – also auf die Genehmi­gung, öffentliche Flächen wie Gehwege, Plätze oder Straßen­bere­iche für ihre Gäste zu nutzen.

Schwerin setzt auf Umgestaltung statt Ausweitung

In Schw­erin erfol­gt die Steuerung dieser Nutzung haupt­säch­lich über die Umwid­mung bes­timmter Straßen in Fußgänger­zo­nen oder verkehrs­beruhigte Bere­iche. Gegenüber der Nachricht­e­na­gen­tur dpa  nen­nt City­man­ag­er Ste­fan Purtz als Beispiel die Puschkin­straße, die Dom­straße und den Domhof. Durch die Umnutzung entste­he zusät­zlich­er Raum, der gas­tronomisch nutzbar gemacht wer­den kann.

Auf klas­sis­chen Gehwe­gen ist das laut Stadtver­wal­tung oft schwierig – ins­beson­dere, wenn die verbleibende Bre­ite nicht mehr aus­re­icht, um alle Nutzer­grup­pen gle­ich­berechtigt zu berück­sichti­gen. Mobil­ität, Bar­ri­ere­frei­heit und Sicher­heit hät­ten dabei Vor­rang.

Ein konkretes Beispiel für die Entwick­lung ein­er attrak­tiv­en Außen­gas­tronomie ist die Buschstraße. Dort hat sich in den ver­gan­genen Jahren ein gas­tronomis­ch­er Schw­er­punkt her­aus­ge­bildet. Die Stadt hat dies unter­stützt – etwa durch die Auf­stel­lung von mobilen Stadt­mö­beln. Diese Maß­nah­men sollen die Aufen­thalt­squal­ität im öffentlichen Raum verbessern, ohne andere Nutzun­gen zu ver­drän­gen.

Schw­erin betont, dass Außen­gas­tronomie an klare Bedin­gun­gen geknüpft bleibt. Gestal­tung, Verkehrs­fluss und Bar­ri­ere­frei­heit müssen berück­sichtigt wer­den. Die Stadt sieht sich hier in ein­er ver­mit­tel­nden Rolle – zwis­chen wirtschaftlichem Inter­esse der Betriebe und der öffentlichen Nutzung von Flächen.

Thema im Land unterschiedlich bewertet

Auch ander­norts im Land wird das The­ma unter­schiedlich bew­ertet. Während Neubran­den­burg aktiv neue Flächen erschließt und Gas­tronomen zur Nutzung ermutigt, gibt es in Städten wie Greif­swald oder Stral­sund derzeit keine Pläne zur all­ge­meinen Ausweitung. In Wis­mar wur­den immer­hin sieben neue Genehmi­gun­gen für erweit­erte Außen­flächen erteilt.

Aus Sicht des Touris­musver­bands Meck­len­burg-Vor­pom­mern ist Außen­gas­tronomie ein wichtiger Fak­tor für die Attrak­tiv­ität von Städten. Ver­band­spräsi­dentin Bir­git Hesse hebt her­vor, dass viele Restau­rants im Land eine beson­dere Lage haben – etwa mit Blick auf Wasser­flächen. Ger­ade Schw­erin könne durch seine Topografie mit solchen Lagen punk­ten.

Ob sich Schw­erins Ansatz zur Außen­gas­tronomie langfristig bewährt, hängt auch davon ab, wie die zusät­zlichen Flächen angenom­men wer­den – und ob ein tragfähiger Aus­gle­ich zwis­chen unter­schiedlichen Inter­essen im öffentlichen Raum gelingt. Die Stadt jeden­falls zeigt, dass sich Gestal­tungsspiel­räume im Rah­men beste­hen­der Infra­struk­tur nutzen lassen – ohne umfassende Neubaut­en oder größere Ein­griffe.