Außengastronomie in Schwerin:
Stadt fördert Außengastronomie gezielt
Schwerin erweitert gezielt Flächen für Außengastronomie. Durch Umwidmung von Straßen entstehen neue Möglichkeiten – ein Balanceakt zwischen Stadtentwicklung, Wirtschaft und öffentlichem Raum.

Foto: Cssn – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link
Außengastronomie ist für viele Städte in Mecklenburg-Vorpommern ein fester Bestandteil urbanen Lebens. Auch in Schwerin nimmt ihre Bedeutung zu – nicht nur aus Sicht der Gastronomiebetriebe, sondern auch für das Stadtbild, die Aufenthaltsqualität und den Einzelhandel.
Außengastronomie als Teil städtischer Entwicklung
Lars Schwarz, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Mecklenburg-Vorpommern, betont die Rolle von Außengastronomie im städtischen Raum in MV. Sie sei nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern präge das Erscheinungsbild und das soziale Klima einer Stadt mit. „Die Bewilligung von Außenflächen ist kein Gefallen an die Gastronomie, sondern ein Beitrag zum Wohl der Stadt“, sagt Schwarz. Eine lebendige Gastronomieszene trage dazu bei, Städte für Bewohner und Besucher gleichermaßen attraktiver zu machen.
Da die wenigsten Gastronomen über eigene Außenflächen verfügen, sind sie auf Sondernutzungserlaubnisse angewiesen – also auf die Genehmigung, öffentliche Flächen wie Gehwege, Plätze oder Straßenbereiche für ihre Gäste zu nutzen.
Schwerin setzt auf Umgestaltung statt Ausweitung
In Schwerin erfolgt die Steuerung dieser Nutzung hauptsächlich über die Umwidmung bestimmter Straßen in Fußgängerzonen oder verkehrsberuhigte Bereiche. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa nennt Citymanager Stefan Purtz als Beispiel die Puschkinstraße, die Domstraße und den Domhof. Durch die Umnutzung entstehe zusätzlicher Raum, der gastronomisch nutzbar gemacht werden kann.
Auf klassischen Gehwegen ist das laut Stadtverwaltung oft schwierig – insbesondere, wenn die verbleibende Breite nicht mehr ausreicht, um alle Nutzergruppen gleichberechtigt zu berücksichtigen. Mobilität, Barrierefreiheit und Sicherheit hätten dabei Vorrang.
Ein konkretes Beispiel für die Entwicklung einer attraktiven Außengastronomie ist die Buschstraße. Dort hat sich in den vergangenen Jahren ein gastronomischer Schwerpunkt herausgebildet. Die Stadt hat dies unterstützt – etwa durch die Aufstellung von mobilen Stadtmöbeln. Diese Maßnahmen sollen die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern, ohne andere Nutzungen zu verdrängen.
Schwerin betont, dass Außengastronomie an klare Bedingungen geknüpft bleibt. Gestaltung, Verkehrsfluss und Barrierefreiheit müssen berücksichtigt werden. Die Stadt sieht sich hier in einer vermittelnden Rolle – zwischen wirtschaftlichem Interesse der Betriebe und der öffentlichen Nutzung von Flächen.
Thema im Land unterschiedlich bewertet
Auch andernorts im Land wird das Thema unterschiedlich bewertet. Während Neubrandenburg aktiv neue Flächen erschließt und Gastronomen zur Nutzung ermutigt, gibt es in Städten wie Greifswald oder Stralsund derzeit keine Pläne zur allgemeinen Ausweitung. In Wismar wurden immerhin sieben neue Genehmigungen für erweiterte Außenflächen erteilt.
Aus Sicht des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern ist Außengastronomie ein wichtiger Faktor für die Attraktivität von Städten. Verbandspräsidentin Birgit Hesse hebt hervor, dass viele Restaurants im Land eine besondere Lage haben – etwa mit Blick auf Wasserflächen. Gerade Schwerin könne durch seine Topografie mit solchen Lagen punkten.
Ob sich Schwerins Ansatz zur Außengastronomie langfristig bewährt, hängt auch davon ab, wie die zusätzlichen Flächen angenommen werden – und ob ein tragfähiger Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen im öffentlichen Raum gelingt. Die Stadt jedenfalls zeigt, dass sich Gestaltungsspielräume im Rahmen bestehender Infrastruktur nutzen lassen – ohne umfassende Neubauten oder größere Eingriffe.



