Kunst gegen Krieg und Propaganda:
Galerist Stephan Schrör zeigt polnische Künstler und Werke von Otto Dix im Dom
Wie aktuell sind die Lehren aus den Weltkriegen? Eine neue Ausstellung im Schweriner Dom verbindet Kunst aus Polen mit historischen Kriegsdarstellungen und Werken von Otto Dix.

Während in Europa wieder über Aufrüstung, Verteidigungsfähigkeit und militärische Abschreckung diskutiert wird und der Krieg in der Ukraine den Kontinent seit mehr als drei Jahren prägt, setzt die Schweriner FreshEggsGallery mit einer ungewöhnlichen Ausstellung ein Zeichen. Unter dem Titel „Sowas kommt von Sowas“ sind vom 15. Juni bis 24. Juli im Schweriner Dom Skulpturen zeitgenössischer polnischer Künstler sowie historische Grafiken aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu sehen.
Für Galerist Stephan Schrör ist die Ausstellung weit mehr als eine klassische Kunstschau. Sie versteht sich als Kommentar zu einer Zeit, in der Krieg und seine Folgen wieder Teil des europäischen Alltags geworden sind. Viele Bilder aus aktuellen Konflikten erinnern an Darstellungen, die Künstler bereits vor mehr als 100 Jahren geschaffen haben. Genau diesen Zusammenhang möchte die Ausstellung sichtbar machen.
„100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bestimmen Verteidigung und Kriegstüchtigkeit die Medien sowie die öffentliche Meinung“, heißt es im Ausstellungstext. Die Schau soll einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen und zugleich Raum für Reflexion über die Gegenwart schaffen.
Kunst als Spiegel aktueller Konflikte
Die beiden ausstellenden Künstler gehören zu den profilierten Vertretern der zeitgenössischen polnischen Kunst. Die Bildhauerin Adriana Majdzińska aus Danzig arbeitet mit klaren, symbolhaften Formen und setzt sich in ihren Werken mit menschlichen Eigenschaften und gesellschaftlichen Fragen auseinander. Ihr Landsmann Czesław Podleśny beschäftigt sich kritisch mit Heldenbildern, Macht und Erinnerungskultur. Beide können auf zahlreiche internationale Ausstellungen zurückblicken und arbeiten seit vielen Jahren mit dem Schweriner Galeristen Stephan Schrör zusammen.

Für die aktuelle Ausstellung holte Schrör die Werke persönlich aus Danzig nach Schwerin. Im Mittelpunkt stehen die Werkgruppen „Die sieben Todsünden“ von Adriana Majdzińska und „Alte Helden mit Gefährten“ von Czesław Podleśny. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Macht, menschlichen Schwächen, Heldenmythen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Von Kriegsbegeisterung bis Kriegsleid
Den zeitgenössischen Skulpturen stellt Kurator Stephan Schrör bewusst historische Grafiken gegenüber. Gezeigt werden Original-Lithografien der Zeitschrift „Kriegszeit“, die während des Ersten Weltkriegs erschienen. Die Blätter dokumentieren die patriotische Euphorie und Kriegsbegeisterung jener Jahre und zeigen, wie Medien und Kunst zur Verherrlichung des Krieges beitragen konnten.
Demgegenüber stehen Arbeiten von Otto Dix. Der Künstler erlebte den Ersten Weltkrieg selbst als Soldat an der Front. Seine Radierungsfolge „Der Krieg“ gilt bis heute als eine der eindringlichsten künstlerischen Auseinandersetzungen mit den Schrecken bewaffneter Konflikte. Während die „Kriegszeit“-Blätter den Krieg als heroisches Ereignis inszenieren, zeigen die Werke von Dix Tod, Leid und Zerstörung.

Für Stephan Schrör schließt sich damit ein Kreis. Der Schweriner Galerist beschäftigt sich seit Jahren mit Kunst, die gesellschaftliche Entwicklungen spiegelt und kommentiert. Seine FreshEggsGallery hat ihren Sitz in Schwerin und organisiert regelmäßig viel beachtete Ausstellungen in der Hyperschale. Darüber hinaus pflegt die Galerie internationale Kontakte zu Kunstschaffenden und Partnergalerien.
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Die aktuelle Ausstellung knüpft zugleich an frühere Projekte an. Die bislang letzte große Präsentation der FreshEggsGallery in Schwerin fand 2016 im Marstall statt. Damals zeigte Schrör rund 70 Originale bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts, darunter Otto Dix, Käthe Kollwitz, Karl Schmidt-Rottluff, Oskar Kokoschka, Ernst Barlach und Gerhard Marcks. Zehn Jahre später kehrt Dix nun in eine Ausstellung der Galerie zurück – eingebettet in eine Schau, deren Themen kaum aktueller sein könnten.
Die Vernissage findet am Sonntag, 14. Juni, um 11.30 Uhr im Schweriner Dom, direkt nach dem Gottesdienst, statt. Die Künstler werden anwesend sein. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 24. Juli täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.




