Zwischen Heldenmythen und Kriegsleid:
Galerist Stephan Schrör eröffnet Ausstellung zu Krieg und Propaganda im Dom
Zahlreiche Gäste kamen zur Vernissage in den Schweriner Dom. Dort eröffnete Galerist Stephan Schrör eine Ausstellung, die historische Kriegsbilder und moderne Skulpturen zu einem eindringlichen Appell verbindet.

Mit einer gut besuchten Vernissage ist am Sonntag die Ausstellung „Sowas kommt von Sowas“ im Schweriner Dom eröffnet worden. Bis zum 24. Juli zeigt die Schweriner FreshEggsGallery des Galeristen Stephan Schrör dort Skulpturen der polnischen Künstler Adriana Majdzińska und Czesław Podleśny sowie historische Grafiken aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und Arbeiten von Otto Dix.
Die Ausstellung verbindet zeitgenössische Kunst mit historischen Kriegsdarstellungen und will zum Nachdenken über Krieg, Propaganda und gesellschaftliche Entwicklungen anregen. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Konflikte in Europa sei das Thema von besonderer Aktualität, sagte Galerist Stephan Schrör bei der Eröffnung.
Kunst spreche Menschen unmittelbar an und offenbare „die guten wie die schlechten Seiten der menschlichen Natur“. Die ausgestellten Werke seien innerhalb eines Gotteshauses zu sehen, das seit Generationen Hoffnungen, Leidenschaften und Sehnsüchte der Schweriner begleite. „Ich hoffe, der positive Eindruck bleibt Ihnen lange in Erinnerung“, so Schrör.
„Die Kunst soll für sich selbst sprechen“
Galerist Stephan Schrör verzichtete bewusst auf eine ausführliche kunsthistorische Einordnung. Das Thema der Ausstellung sei zu komplex, um es mit wenigen Worten vollständig zu erfassen. „Ich würde sagen, hier soll die Kunst für sich selber sprechen“, erklärte er den Gästen.
Besonders stolz zeigte sich Schrör über die Zusammenarbeit mit der Danziger Bildhauerin Adriana Majdzińska. Ihre Werkreihe „Die sieben Todsünden“ sei nicht selbstverständlich für einen Ausstellungsort wie den Dom. „Ich habe mich kaum getraut zu fragen, ob ich diese Todsünden in die Kirche bringen darf“, sagte der Galerist mit einem Schmunzeln. Gerade die Auseinandersetzung mit menschlichen Schwächen passe jedoch hervorragend in den sakralen Raum.

Auch die Arbeiten des polnischen Bildhauers Czesław Podleśny stellte Schrör in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Dessen Figuren aus alten Metallteilen und Maschinenelementen seien für ihn Ausdruck einer ganz eigenen künstlerischen Sprache. „Mich hat diese eigene Sprache von Anfang an beeindruckt“, sagte Schrör.
Gegenüberstellung von Propaganda und Realität
Kern der Ausstellung ist die bewusste Gegenüberstellung historischer Kriegspropaganda mit den schonungslosen Darstellungen des Krieges durch Otto Dix. Gezeigt werden Original-Lithografien der Zeitschrift „Kriegszeit“, die während des Ersten Weltkriegs erschienen und patriotische Begeisterung verbreiteten.

Schrör erinnerte daran, dass sich damals selbst namhafte Künstler für den Krieg aussprachen. „In diesen Kriegszeiten wurde zum Krieg aufgerufen“, sagte er bei der Vernissage.
Dem gegenüber stehen die Radierungen von Otto Dix, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs selbst erlebt hatte. „Otto Dix zeigt die Realität“, betonte Schrör. Seine Arbeiten würden nicht den heroischen Mythos des Krieges darstellen, sondern Leid, Tod und Zerstörung sichtbar machen.
Mahnung für die Gegenwart
Dabei gehe es ihm nicht darum, das Recht auf Verteidigung infrage zu stellen, stellte der Schweriner Galerist klar. Vielmehr wolle die Ausstellung dazu anregen, aktuelle Entwicklungen kritisch zu reflektieren.
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„Wir sollten reflektieren, dass in der heutigen Zeit schon wieder eine Medienmaschine läuft, die das alles ein bisschen verwässert“, sagte Schrör. Er verwies auf Kriegsdarstellungen in Medien und Filmen, die Konflikte oft vereinfachten oder heroisierten. „Daraus versuche ich ein bisschen hinzuweisen und zum Nachdenken anzuregen.“
Die Ausstellung „Sowas kommt von Sowas“ ist bis zum 24. Juli täglich von 10 bis 17 Uhr im Schweriner Dom zu sehen. Neben den Werken von Adriana Majdzińska und Czesław Podleśny werden historische Grafiken der Zeitschrift „Kriegszeit“ sowie Arbeiten von Otto Dix gezeigt.




