Vom Weihnachtsmarkt zur „Welttournee“:
Axel Sterns unglaubliche Schlagerreise
Axel Roller vereint drei Leben in einer Person: Werbeagenturbesitzer, Schlagerfigur Axel Stern und Online-Unterhalter. Mit Humor, Musik und Selbstironie entertaint er Schwerin. Und das gleich auf drei Bühnen.

Wenn man Axel Roller trifft, begegnet man nicht nur einem einzigen Menschen. Vielmehr stehen gleich drei Persönlichkeiten im Raum: der Inhaber einer Schweriner Werbeagentur, der selbstironische Schlagersänger Axel Stern und der digitale Unterhalter mit großer Online-Fangemeinde. Diese drei Rollen könnten unterschiedlicher kaum sein, dennoch verschmelzen sie in einer Person, die sich einer Mission verschrieben hat: Menschen zu unterhalten, egal auf welcher Bühne.
Vom Songschreiber zur strahlenden Kunstfigur
Der musikalische Weg des Entertainers begann nicht im Rampenlicht. Roller schrieb jahrelang Songs für andere Künstler, vor allem für Schlagersängerinnen. Er war der kreative Kopf im Hintergrund, nie die Person am Mikrofon. Das änderte sich, als ihm eines Tages ein Lied einfiel, das er selbst nur als „Männersong“ beschreibt. Freunde drängten ihn: „Sing den doch einfach mal selbst!“
Was als Scherz begann, wurde zum Beginn einer neuen Karriere. Roller entwickelte die Kunstfigur Axel Stern, eine Mischung aus Glitzer, Humor und Selbstironie. Goldweste, Basecap, dicke Kette und ein unerschütterlicher Wille, gute Laune zu verbreiten, gehören zu seinem Bühnenauftritt.
Seine Geburtsstunde als Schlagerkünstler schlug auf dem Schweriner Weihnachtsmarkt. Vor einem Jahr stand er dort zum ersten Mal auf der Bühne. „Hier begann meine Welttournee“, sagt er lachend. Und genau dort wird sie am 11. Dezember um 18.30 Uhr enden, mit dem großen Finale „Axel Stern & Friends“. Diesen Auftritt bezeichnet er selbst humorvoll als den größtmöglichen musikalischen Höhepunkt des Jahres.

Einer seiner skurrilsten Auftritte fand bei 34 Grad Mittagshitze statt – da stand er vor recht wenig Zusachauern auf dem Stadtfest in Ludwigslust. Eine Woche später in Hagenow sah die Welt schon anders aus: Der Platz war voll, die Stimmung ausgelassen. „Man weiß nie, was passiert. Und genau das macht es spannend“, sagt Roller.
20 Songs in einem Jahr
Im ersten Jahr als Axel Stern war er erstaunlich produktiv. 20 Titel sind entstanden. Darunter „Thrombosestrümpfe“, „Weinkönigin“, „Champagner im Dekolleté“ oder „Cola mit Korn“. Hinter der scheinbar leichten Partysprache verbirgt sich jedoch oft persönliche Bedeutung.
„Cola mit Korn“ widmete er seinem Vater, der als Diplomat auf zahlreichen Empfängen unterwegs war und dem Alkohol stets nahe stand. „Ich erzähle solche Geschichten lieber mit einem Augenzwinkern“, sagt Roller. Seine Musik bleibt dabei immer respektvoll, niemals derb. „Vulgäre Begriffe kommen in meinen Liedern nicht vor“, betont er.
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Gerade diese Haltung unterscheidet ihn von vielen Ballermann-Sängern, obwohl manche ihn in diese Richtung einordnen. „Meine Musik passt nicht in ein Festzelt, in dem alle sternhagelvoll sind. Man muss bei meinen Songs noch ein wenig hinhören.“
Sein nächstes Lied trägt den Arbeitstitel „Sondervermögen“. Wann es erscheint, lässt er offen. „Ich mache neue Songs, wenn mir im Alltag etwas Witziges begegnet.“ So entstand auch der „Gucci-Song“, inspiriert von jemandem, der ausschließlich Kleidung dieser Marke trägt.
Millionen Klicks für Generationenkonflikte
Während Axel Stern live eher selten auftritt, ist Rollers drittes Ich umso präsenter. Als online gefeierter Unterhalter parodiert er in kurzen Videos alltägliche Büroszenen. Die Clips zeigen Generationenkonflikte zwischen Boomer und Generation Z, liebevoll überspitzt, oft herrlich chaotisch und stets mit einer guten Portion Selbstironie.
Mit seinem Team spielt er Szenen nach, die so real wirken, dass Zuschauer schreiben: „Habt ihr eine versteckte Kamera im Büro?“
Roller lacht: „Manche glauben tatsächlich, es wäre ein Dokumentarfilm.“ Seine Videos erreichen monatlich mehrere Millionen Aufrufe und mehr als 230.000 Follower auf verschiedenen Plattformen.
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Diese Popularität entstand aus purer Freude am Erzählen. Dass daraus ein eigener Onlinecharakter wurde, verdankt Roller einem Zufall und einem Autoemblem. Da seine Figur in den Videos einen Mercedes-liebenden Chef spielt, kam ihm die Idee, als Schlagersänger den Namen „Stern“ zu verwenden. Ein kleiner Gag, der sich inzwischen fest etabliert hat.
Musik mit Wiedererkennungswert
Neben eigenen Liedern produziert Roller auch Musik für andere Künstler. Besonders intensiv arbeitet er mit der Schweriner Frauenband „7deLux“ zusammen. „Die Energie mit den Damen ist unfassbar. Da wirbelt alles durcheinander, im besten Sinne“, sagt er. Die Zusammenarbeit inspiriert ihn immer wieder zu neuen Projekten.
Seine Songs haben eine klare Handschrift: witzige Texte, eingängige Melodien und Musikvideos im Hochglanzformat, die dennoch immer humorvolle Momente enthalten.
Zurück auf die Bühne
Der große Abschlussauftritt am 11. Dezember bedeutet Roller viel. Die Weihnachtsmarktbühne findet er „richtig hübsch“, bedauert jedoch, dass dort in diesem Jahr aus Kostengründen nur an vier Tagen pro Woche Programm stattfindet.

Doch umso mehr freut er sich auf seinen Abend und darauf, anschließend auch privat über den Markt zu bummeln. Eine Kindheitserinnerung treibt ihn dabei besonders um: „Ich hoffe immer noch auf Bananen im Bierteig. Das habe ich früher geliebt.“
Schwerin erdet
Trotz aller Erfolge wirkt Roller bodenständig. Auf den sozialen Medien folgen ihm Hunderttausende Menschen, auf Konzertbühnen wird er gefeiert, und dennoch sagt er: „Die Leute hier kennen mich. In Schwerin wird einem sofort gesagt, wenn etwas nicht gut ist. Das erdet ungemein.“
Ob als Musiker, Produzent, digitaler Entertainer oder Inhaber seiner Werbeagentur: Roller bewegt sich souverän zwischen all diesen Welten. Vielleicht ist genau diese Mischung aus Kreativität, Mut zum Humor und bodenständiger Selbstironie sein Erfolgsgeheimnis.
Das Publikum darf entscheiden, welche seiner drei Rollen gerade die liebste ist. Für Roller selbst gibt es diese Entscheidung nicht. Alle gehören zu ihm. Und solange er Menschen unterhalten kann, macht er genau das weiter, ohne Pause, ohne Allüren und immer mit einem Lächeln hinter der goldenen oder roten Basecap.



