Schwerin: Baumfällungen auf Freilichtbühne

Als Konsequenz aus dem Unglück vom 27. Juli wurden auf dem Gelände der Freilichtbühne Schwerin sieben Bäume gefällt. Wirklich nur eine Präventionsmaßnahme?

Blick auf den Getränkewagen. Quelle: Freiwillige Feuerwehr Schlossgarten

Knapp zwei Wochen nach dem schweren Unglück auf der Freilichtbühne Schwerin bleiben noch Fragen offen. Kürzliche Fällungen von sieben Bäumen werden durch die Betreibergesellschaft als „präventive Vorsichtsmaßnahmen“ dargestellt. Die Tagespresse hingegen spricht von „sehr kranken“ Bäumen und zeigt einen ausgehöhlten Baumstamm.

Sieben Bäume gefällt

Wie die Schweriner Volkszeitung (SVZ) am gestrigen Freitag meldete, wurden in dieser Woche auf dem Gelände der Freilichtbühne Schwerin sieben Bäume gefällt. Im Artikel ist die Rede davon, beauftragte Firmen hätten die Bäume nicht nur untersucht. Es wurde „kurzer Prozess mit ihnen“ gemacht.  Ein Foto zeigt einen innen hohlen Baumstamm. Nicht einmal zwei Wochen nach dem schweren Unglück vom 27. Juli 2019 (schwerin-lokal berichtete) erfolgten nun die Fällungen. Einige der Bäume waren dem Bericht zufolge „scheinbar sehr krank“. Eine Beobachtung, die sich mit den Darstellungen der Besucher der Freilichtbühne Schwerin am Unglückstag deckt.

Fällungen „präventive Vorsichtsmaßnahme“?

Hintergrund der aktuellen Arbeiten sind nicht zuletzt auch die bevorstehenden weiteren Veranstaltungen auf Schwerins traumhafter Naturbühne. Diese wurden nicht abgesagt, sondern sollen planmäßig stattfinden. Bei diesen hat die Sicherheit der Besucher der Freilichtbühne Schwerin selbstverständlich „höchste Priorität“, unterstreicht Petra Blunk, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft. Bereits heute wird mit einer sehr gut besuchten Freilichtbühne beim Konzert von Michael Patrick Kelly gerechnet. Weitere Publikumsmagneten folgen.

Um die Veranstaltungen auf der Freilichtbühne Schwerin auch wirklich durchführen zu können, wurde nach dem Unglück sofort reagiert. „Nach dem Vorfall haben wir unverzüglich mit Sachverständigen, Experten und Gutachtern alle Bäume erneut prüfen und weitere Baumpflegemaßnahmen ausführen lassen.“ Mit Blick auf die Witterungsverhältnisse „der vergangenen zwei Jahre“ wurde die Entscheidung getroffen, „präventiv und zu Gunsten höchster Sicherheit neben dem Unfallbaum noch sechs weitere Bäume zu fällen“, so Blunk weiter.

Prävention oder doch Notwendigkeit?

Auch gegenüber unserer Redaktion unterstrich eine Mitarbeiterin der Betreibergesellschaft auf Nachfrage, dass die Fällungen auf der Freilichtbühne Schwerin reine Präventivmaßnahmen waren. Weitere Auskünfte waren unter Berufung auf das laufende Verfahren nicht möglich. Von Maßnahmen aufgrund erkrankter oder gar ausgehöhlter Bäume ist hingegen nicht die Rede. Mit Blick auf die Fotos und Beschreibungen der SVZ als auch auf die Schilderungen der Besucher am Unglückstag wirft diese Darstellung zumindest Fragen auf.

Die Freilichtbühne Schwerin

Staatsanwaltschaft erwartet Gutachten

Fragen, auf die auch die Staatsanwaltschaft sicherlich Antworten finden möchte. Sie hat Ermittlungen aufgenommen und auch ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Dessen Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet, wie die SVZ unter Berufung auf Oberstaatsanwältin Claudia Lange berichtet. Damit werden wir also hoffentlich schon bald mehr über die Umstände des Unglücks vom 27. Juli wissen. Eventuell werden dann auch die noch offenen Fragen beantwortet.

Ein Rückblick

Zur Erinnerung: Bei dem Unglück auf der Freilichtbühne Schwerin waren 29 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Ein baumgleicher Ast einer Buche – der von Augenzeugen als morsch beschrieben wurde – war auf einen Getränkewagen und die dort stehenden Besucher herabgestürzt. Schon kurz nach dem Unglück hatte Petra Blunk, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Concert & Management GmbH, auf erst kürzlich zurückliegende Untersuchungen der Bäume hingewiesen. Auch aktuell wiederholt sie diese Darstellung: „Der Baumbestand auf dem Gelände der Freilichtbühne wurde zuletzt im Juni 2019 durch eine Firma für Garten- und Landschaftsbau auf etwaige Schäden untersucht, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Sämtliche erforderliche Maßnahmen wurden daraufhin ausgeführt.“

Ob und wie diese Darstellungen mit den Beobachtungen der Tagespresse wie auch der Besucher am Unglückstag zusammenpasst, wird sich zeigen. Auf den ersten Blick bleiben vor dem Hintergrund der dargestellten Schilderungen wichtige Fragen offen.

 

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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