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Gefährliche Mutprobe unter Jugendlichen:
Was Eltern über die Blackout-Challenge wissen müssen

Ein Zwölfjähriger lässt sich auf einem Schulhof in MV bis zur Bewusstlosigkeit würgen. Der Fall zeigt die Gefahren der „Blackout-Challenge“. Was Eltern über die lebensgefährliche Mutprobe wissen müssen.

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  • Veröffentlicht Juli 14, 2026
Blackout-Challenge
 Nach­dem sich ein Schüler am Fre­itagvor­mit­tag auf einem Schul­hof im Land­kreis Lud­wigslust-Parchim von einem anderen Schüler bis zur Bewusst­losigkeit wür­gen ließ, warnt die Polizei vor der gefährlichen „Black­out Chal­lenge”.

 


In Kürze:

  • Der Vor­fall: Im Land­kreis Lud­wigslust-Parchim ließ sich ein Zwölfjähriger auf einem Schul­hof von einem Mitschüler bis zur Bewusst­losigkeit wür­gen und musste im Kranken­haus unter­sucht wer­den.
  • Die Gefahr: Bei der soge­nan­nten Black­out-Chal­lenge wird die Sauer­stof­fzu­fuhr zum Gehirn unter­brochen. Mögliche Fol­gen reichen von Bewusst­losigkeit und Kramp­fan­fällen bis zu bleiben­den Hirn­schä­den.
  • Der Appell: Polizei und Medi­zin­er rufen Eltern, Schulen und Vere­ine dazu auf, Kinder über die Risiken gefährlich­er Online-Chal­lenges aufzuk­lären und das The­ma offen anzus­prechen.

 

Es begin­nt offen­bar mit ein­er Bitte unter Mitschülern und endet im Kranken­haus: Auf einem Schul­hof im Land­kreis Lud­wigslust-Parchim soll nach Polizeiangaben am ver­gan­genenb Fre­itag ein zwölf Jahre alter Schüler einen 13-jähri­gen Mitschüler gebeten haben, ihn bis zur Bewusst­losigkeit zu wür­gen. Nach bish­eri­gen Erken­nt­nis­sen der Polizei würgte der Jugendliche den Zwölfjähri­gen so lange, bis dieser tat­säch­lich das Bewusst­sein ver­lor. Der Schüler fiel zu Boden und schlug mit dem Kopf auf. Ein alarmiert­er Ret­tungswa­gen brachte den Jun­gen gemein­sam mit sein­er Mut­ter zur weit­eren Unter­suchung und Behand­lung in ein Klinikum nach Schw­erin.

Die Polizei bringt den Vor­fall mit der soge­nan­nten „Black­out-Chal­lenge“ in Verbindung und warnt aus­drück­lich vor der lebens­ge­fährlichen Mut­probe. Die betrof­fene Schule arbeit­ete den Vor­fall noch am sel­ben Tag mit den Schü­lerin­nen und Schülern auf. Doch was steckt hin­ter der „Black­out-Chal­lenge“? Warum lassen sich Kinder und Jugendliche auf eine Mut­probe ein, die tödlich enden kann? Und was kön­nen Eltern tun?

Was ist die „Blackout-Challenge“?

Bei der „Black­out-Chal­lenge“ ver­suchen Kinder und Jugendliche, die Sauer­stof­fver­sorgung des Gehirns gezielt zu unter­brechen. Das geschieht beispiel­sweise durch Wür­gen oder Luftan­hal­ten. Das Ziel: eine kurze Bewusst­losigkeit oder den Zus­tand unmit­tel­bar davor her­beizuführen.

Jugendliche ver­sprechen sich davon einen kurzen Rausch oder „Kick“. Gle­ichzeit­ig kann der Wun­sch nach Anerken­nung inner­halb ein­er Gruppe eine Rolle spie­len. Manche Mut­proben wer­den gefilmt und anschließend über soziale Net­zw­erke ver­bre­it­et. Was dabei leicht­fer­tig als „Chal­lenge“ beze­ich­net wird, ist aus medi­zinis­ch­er Sicht lebens­ge­fährlich.

Warum ist die Mutprobe so gefährlich?

Die Notärztin Con­stanze Schwarz, Vorständin der Deutschen Gesellschaft für Not­fallmedi­zin in Sach­sen, warnt vor schw­eren gesund­heitlichen Fol­gen. Wird die Sauer­stof­fver­sorgung des Gehirns unter­brochen, kön­nen zunächst Schwindel, Kribbel­ge­füh­le, Tun­nel­blick und Benom­men­heit auftreten. Das sind bere­its Warnsignale des Gehirns.

 


Das sollten Eltern über die „Blackout-Challenge“ wissen

Was passiert bei der Chal­lenge?
Kinder und Jugendliche ver­suchen durch Wür­gen oder Luftan­hal­ten, die Sauer­stof­fver­sorgung des Gehirns zu unter­brechen und eine Bewusst­losigkeit oder einen Rauschzu­s­tand her­beizuführen.

Welche Gefahren dro­hen?
Möglich sind Schwindel, Bewusst­losigkeit, Kramp­fan­fälle, Herzrhyth­musstörun­gen, Hirn­schä­den und schwere Ver­let­zun­gen durch Stürze. Im schlimm­sten Fall endet die Mut­probe tödlich.

Gibt es eine unge­fährliche Vari­ante?
Nein. Das absichtliche Unter­brechen der Sauer­stof­fver­sorgung kann inner­halb kürzester Zeit schwere Fol­gen haben.

Wie soll­ten Eltern reagieren?
Das The­ma offen und möglichst ohne Vor­würfe ansprechen. Eltern kön­nen ihre Kinder fra­gen, welche Chal­lenges sie ken­nen und ob entsprechende Videos in ihrem Fre­un­deskreis oder in der Schule ver­bre­it­et wer­den.

Was soll­ten Kinder wis­sen?
Nie­mand muss bei ein­er Mut­probe mit­machen. Kinder und Jugendliche dür­fen eine gefährliche Sit­u­a­tion jed­erzeit ver­lassen und soll­ten sofort Erwach­sene oder Ret­tungskräfte alarmieren, wenn jemand das Bewusst­sein ver­liert.

Wann muss Hil­fe gerufen wer­den?
Bei Bewusst­losigkeit, Atem­prob­le­men, Kramp­fan­fällen oder anderen auf­fäl­li­gen Symp­tomen nach Wür­gen oder Luftan­hal­ten sollte umge­hend der Ret­tungs­di­enst ver­ständigt wer­den.


 

Hält der Sauer­stoff­man­gel an, dro­hen Bewusst­losigkeit, Kramp­fan­fälle, Herzrhyth­musstörun­gen und schwere Hirn­schä­den. Im schlimm­sten Fall kann die Mut­probe tödlich enden. Beson­ders gefährlich: Schwere Fol­gen kön­nen inner­halb weniger Minuten ein­treten.

Selb­st wenn ein Kind nach kurz­er Bewusst­losigkeit wieder zu sich kommt, sind bleibende gesund­heitliche Schä­den möglich. Dazu kön­nen chro­nis­che Kopf­schmerzen, Konzen­tra­tionsstörun­gen und Erin­nerungslück­en gehören. Hinzu kommt das Risiko schw­er­er Sturzver­let­zun­gen. Der aktuelle Fall aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern zeigt das deut­lich: Der Zwölfjährige ver­lor das Bewusst­sein, stürzte und schlug mit dem Kopf auf.

Wie verbreitet ist die „Blackout-Challenge“?

Wie viele Kinder und Jugendliche in Deutsch­land bere­its an solchen Mut­proben teilgenom­men haben, ist unklar. Eine bun­desweite Erfas­sung entsprechen­der Fälle gibt es nach Angaben von Medi­zin­ern nicht. Immer wieder wer­den jedoch Fälle bekan­nt. Anfang Juli ver­lor ein 13-Jähriger in Aachen das Bewusst­sein und schlug mit dem Kopf auf. Er musste in einem Kranken­haus behan­delt wer­den. Im Som­mer 2024 starb ein 13 Jahre altes Mäd­chen aus Nord­hessen. Nach dama­li­gen Erken­nt­nis­sen hat­te sich die Jugendliche selb­st bis zur Bewusst­losigkeit gewürgt. Ihr Onkel fand sie später leb­los in ihrem Kinderz­im­mer. Auch aus weit­eren Bun­deslän­dern wur­den bere­its ähn­liche Vor­fälle bekan­nt.

Stu­di­en aus den USA zeigen, welch­es Aus­maß solche Mut­proben erre­ichen kön­nen. Nach Angaben der Notärztin Con­stanze Schwarz kamen Unter­suchun­gen dort zu dem Ergeb­nis, dass etwa sechs bis elf Prozent der Jugendlichen eine solche Chal­lenge min­destens ein­mal aus­pro­biert hat­ten. Inner­halb von fünf Jahren seien 82 Jugendliche dabei ums Leben gekom­men.

Warum machen Kinder bei solchen Challenges mit?

Für Erwach­sene ist oft schw­er nachvol­lziehbar, warum Kinder und Jugendliche wissentlich ein großes gesund­heitlich­es Risiko einge­hen. Dafür kann es ver­schiedene Gründe geben.

Jugendliche wollen Gren­zen testen und neue Erfahrun­gen machen. Gle­ichzeit­ig wird die Anerken­nung durch Gle­ichal­trige in diesem Alter beson­ders wichtig. In ein­er Gruppe kann die Hemm­schwelle sinken, bei ein­er gefährlichen Mut­probe mitzu­machen. Hinzu kommt die Wirkung sozialer Net­zw­erke.

Videos zeigen häu­fig nur wenige Sekun­den ein­er ver­meintlich spek­takulären Aktion. Was danach passiert, bleibt unsicht­bar: der Ret­tungswa­gen, die Behand­lung im Kranken­haus oder mögliche langfristige gesund­heitliche Schä­den.

Auch der Begriff „Chal­lenge“ kann die Gefahr ver­harm­losen. Eine poten­ziell tödliche Hand­lung klingt plöt­zlich wie ein Spiel oder eine Her­aus­forderung.

Wie sollten Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen?

Die Polizei appel­liert an Eltern, Schulen, Vere­ine und andere Erziehungsver­ant­wortliche, Kinder und Jugendliche für die Gefahren solch­er Online-Mut­proben zu sen­si­bil­isieren. Eltern soll­ten dabei nicht warten, bis sie den Ver­dacht haben, dass das eigene Kind an ein­er gefährlichen Chal­lenge teilgenom­men hat.

Sin­nvoll ist es, regelmäßig mit Kindern darüber zu sprechen, welche Videos und Trends ihnen in sozialen Net­zw­erken begeg­nen. Dabei kann es helfen, zunächst zuzuhören und nachzufra­gen: Welche Chal­lenges sind ger­ade bekan­nt? Wird in der Schule darüber gesprochen? Haben Fre­unde solche Videos ver­schickt? Wie schätzt das eigene Kind die Gefahr ein?

Wer soziale Medi­en pauschal verurteilt oder sofort mit Ver­boten dro­ht, riskiert dage­gen, dass Kinder kün­ftig weniger erzählen. Die wichtig­ste Botschaft sollte klar sein: Das absichtliche Her­beiführen von Sauer­stoff­man­gel ist kein harm­los­es Exper­i­ment. Es gibt keine sichere Vari­ante der „Black­out-Chal­lenge“.

Kinder soll­ten außer­dem wis­sen, dass sie eine gefährliche Sit­u­a­tion jed­erzeit ver­lassen und Hil­fe holen dür­fen – auch wenn Fre­unde sie zum Mit­machen drän­gen oder eine Mut­probe bere­its begonnen hat.

Was tun, wenn ein Kind bewusstlos wird?

Kommt es nach Wür­gen, Stran­gulieren oder absichtlichem Luftan­hal­ten zu Bewusst­losigkeit, Kramp­fan­fällen, Atem­prob­le­men oder anderen auf­fäl­li­gen Symp­tomen, muss sofort pro­fes­sionelle Hil­fe gerufen wer­den. Auch wenn das Kind nach kurz­er Zeit wieder ansprech­bar ist, soll­ten mögliche gesund­heitliche Fol­gen ernst genom­men wer­den. Der Fall im Land­kreis Lud­wigslust-Parchim zeigt, wie schnell aus ein­er ver­meintlichen Mut­probe ein medi­zinis­ch­er Not­fall wer­den kann.