Gefährliche Mutprobe unter Jugendlichen:
Was Eltern über die Blackout-Challenge wissen müssen
Ein Zwölfjähriger lässt sich auf einem Schulhof in MV bis zur Bewusstlosigkeit würgen. Der Fall zeigt die Gefahren der „Blackout-Challenge“. Was Eltern über die lebensgefährliche Mutprobe wissen müssen.

In Kürze:
- Der Vorfall: Im Landkreis Ludwigslust-Parchim ließ sich ein Zwölfjähriger auf einem Schulhof von einem Mitschüler bis zur Bewusstlosigkeit würgen und musste im Krankenhaus untersucht werden.
- Die Gefahr: Bei der sogenannten Blackout-Challenge wird die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn unterbrochen. Mögliche Folgen reichen von Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen bis zu bleibenden Hirnschäden.
- Der Appell: Polizei und Mediziner rufen Eltern, Schulen und Vereine dazu auf, Kinder über die Risiken gefährlicher Online-Challenges aufzuklären und das Thema offen anzusprechen.
Es beginnt offenbar mit einer Bitte unter Mitschülern und endet im Krankenhaus: Auf einem Schulhof im Landkreis Ludwigslust-Parchim soll nach Polizeiangaben am vergangenenb Freitag ein zwölf Jahre alter Schüler einen 13-jährigen Mitschüler gebeten haben, ihn bis zur Bewusstlosigkeit zu würgen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei würgte der Jugendliche den Zwölfjährigen so lange, bis dieser tatsächlich das Bewusstsein verlor. Der Schüler fiel zu Boden und schlug mit dem Kopf auf. Ein alarmierter Rettungswagen brachte den Jungen gemeinsam mit seiner Mutter zur weiteren Untersuchung und Behandlung in ein Klinikum nach Schwerin.
Die Polizei bringt den Vorfall mit der sogenannten „Blackout-Challenge“ in Verbindung und warnt ausdrücklich vor der lebensgefährlichen Mutprobe. Die betroffene Schule arbeitete den Vorfall noch am selben Tag mit den Schülerinnen und Schülern auf. Doch was steckt hinter der „Blackout-Challenge“? Warum lassen sich Kinder und Jugendliche auf eine Mutprobe ein, die tödlich enden kann? Und was können Eltern tun?
Was ist die „Blackout-Challenge“?
Bei der „Blackout-Challenge“ versuchen Kinder und Jugendliche, die Sauerstoffversorgung des Gehirns gezielt zu unterbrechen. Das geschieht beispielsweise durch Würgen oder Luftanhalten. Das Ziel: eine kurze Bewusstlosigkeit oder den Zustand unmittelbar davor herbeizuführen.
Jugendliche versprechen sich davon einen kurzen Rausch oder „Kick“. Gleichzeitig kann der Wunsch nach Anerkennung innerhalb einer Gruppe eine Rolle spielen. Manche Mutproben werden gefilmt und anschließend über soziale Netzwerke verbreitet. Was dabei leichtfertig als „Challenge“ bezeichnet wird, ist aus medizinischer Sicht lebensgefährlich.
Warum ist die Mutprobe so gefährlich?
Die Notärztin Constanze Schwarz, Vorständin der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin in Sachsen, warnt vor schweren gesundheitlichen Folgen. Wird die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen, können zunächst Schwindel, Kribbelgefühle, Tunnelblick und Benommenheit auftreten. Das sind bereits Warnsignale des Gehirns.
Das sollten Eltern über die „Blackout-Challenge“ wissen
Was passiert bei der Challenge?
Kinder und Jugendliche versuchen durch Würgen oder Luftanhalten, die Sauerstoffversorgung des Gehirns zu unterbrechen und eine Bewusstlosigkeit oder einen Rauschzustand herbeizuführen.
Welche Gefahren drohen?
Möglich sind Schwindel, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Hirnschäden und schwere Verletzungen durch Stürze. Im schlimmsten Fall endet die Mutprobe tödlich.
Gibt es eine ungefährliche Variante?
Nein. Das absichtliche Unterbrechen der Sauerstoffversorgung kann innerhalb kürzester Zeit schwere Folgen haben.
Wie sollten Eltern reagieren?
Das Thema offen und möglichst ohne Vorwürfe ansprechen. Eltern können ihre Kinder fragen, welche Challenges sie kennen und ob entsprechende Videos in ihrem Freundeskreis oder in der Schule verbreitet werden.
Was sollten Kinder wissen?
Niemand muss bei einer Mutprobe mitmachen. Kinder und Jugendliche dürfen eine gefährliche Situation jederzeit verlassen und sollten sofort Erwachsene oder Rettungskräfte alarmieren, wenn jemand das Bewusstsein verliert.
Wann muss Hilfe gerufen werden?
Bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, Krampfanfällen oder anderen auffälligen Symptomen nach Würgen oder Luftanhalten sollte umgehend der Rettungsdienst verständigt werden.
Hält der Sauerstoffmangel an, drohen Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und schwere Hirnschäden. Im schlimmsten Fall kann die Mutprobe tödlich enden. Besonders gefährlich: Schwere Folgen können innerhalb weniger Minuten eintreten.
Selbst wenn ein Kind nach kurzer Bewusstlosigkeit wieder zu sich kommt, sind bleibende gesundheitliche Schäden möglich. Dazu können chronische Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Erinnerungslücken gehören. Hinzu kommt das Risiko schwerer Sturzverletzungen. Der aktuelle Fall aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt das deutlich: Der Zwölfjährige verlor das Bewusstsein, stürzte und schlug mit dem Kopf auf.
Wie verbreitet ist die „Blackout-Challenge“?
Wie viele Kinder und Jugendliche in Deutschland bereits an solchen Mutproben teilgenommen haben, ist unklar. Eine bundesweite Erfassung entsprechender Fälle gibt es nach Angaben von Medizinern nicht. Immer wieder werden jedoch Fälle bekannt. Anfang Juli verlor ein 13-Jähriger in Aachen das Bewusstsein und schlug mit dem Kopf auf. Er musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Im Sommer 2024 starb ein 13 Jahre altes Mädchen aus Nordhessen. Nach damaligen Erkenntnissen hatte sich die Jugendliche selbst bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Ihr Onkel fand sie später leblos in ihrem Kinderzimmer. Auch aus weiteren Bundesländern wurden bereits ähnliche Vorfälle bekannt.
Studien aus den USA zeigen, welches Ausmaß solche Mutproben erreichen können. Nach Angaben der Notärztin Constanze Schwarz kamen Untersuchungen dort zu dem Ergebnis, dass etwa sechs bis elf Prozent der Jugendlichen eine solche Challenge mindestens einmal ausprobiert hatten. Innerhalb von fünf Jahren seien 82 Jugendliche dabei ums Leben gekommen.
Warum machen Kinder bei solchen Challenges mit?
Für Erwachsene ist oft schwer nachvollziehbar, warum Kinder und Jugendliche wissentlich ein großes gesundheitliches Risiko eingehen. Dafür kann es verschiedene Gründe geben.
Jugendliche wollen Grenzen testen und neue Erfahrungen machen. Gleichzeitig wird die Anerkennung durch Gleichaltrige in diesem Alter besonders wichtig. In einer Gruppe kann die Hemmschwelle sinken, bei einer gefährlichen Mutprobe mitzumachen. Hinzu kommt die Wirkung sozialer Netzwerke.
Videos zeigen häufig nur wenige Sekunden einer vermeintlich spektakulären Aktion. Was danach passiert, bleibt unsichtbar: der Rettungswagen, die Behandlung im Krankenhaus oder mögliche langfristige gesundheitliche Schäden.
Auch der Begriff „Challenge“ kann die Gefahr verharmlosen. Eine potenziell tödliche Handlung klingt plötzlich wie ein Spiel oder eine Herausforderung.
Wie sollten Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen?
Die Polizei appelliert an Eltern, Schulen, Vereine und andere Erziehungsverantwortliche, Kinder und Jugendliche für die Gefahren solcher Online-Mutproben zu sensibilisieren. Eltern sollten dabei nicht warten, bis sie den Verdacht haben, dass das eigene Kind an einer gefährlichen Challenge teilgenommen hat.
Sinnvoll ist es, regelmäßig mit Kindern darüber zu sprechen, welche Videos und Trends ihnen in sozialen Netzwerken begegnen. Dabei kann es helfen, zunächst zuzuhören und nachzufragen: Welche Challenges sind gerade bekannt? Wird in der Schule darüber gesprochen? Haben Freunde solche Videos verschickt? Wie schätzt das eigene Kind die Gefahr ein?
Wer soziale Medien pauschal verurteilt oder sofort mit Verboten droht, riskiert dagegen, dass Kinder künftig weniger erzählen. Die wichtigste Botschaft sollte klar sein: Das absichtliche Herbeiführen von Sauerstoffmangel ist kein harmloses Experiment. Es gibt keine sichere Variante der „Blackout-Challenge“.
Kinder sollten außerdem wissen, dass sie eine gefährliche Situation jederzeit verlassen und Hilfe holen dürfen – auch wenn Freunde sie zum Mitmachen drängen oder eine Mutprobe bereits begonnen hat.
Was tun, wenn ein Kind bewusstlos wird?
Kommt es nach Würgen, Strangulieren oder absichtlichem Luftanhalten zu Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, Atemproblemen oder anderen auffälligen Symptomen, muss sofort professionelle Hilfe gerufen werden. Auch wenn das Kind nach kurzer Zeit wieder ansprechbar ist, sollten mögliche gesundheitliche Folgen ernst genommen werden. Der Fall im Landkreis Ludwigslust-Parchim zeigt, wie schnell aus einer vermeintlichen Mutprobe ein medizinischer Notfall werden kann.




