Zurück im Boot:
Blues Brothers United feiern ihr Comeback auf dem Pfaffenteich
Einst kämpften sie bei Welt- und Europameisterschaften, dann zerfiel das Team. Jetzt sind die Blues Brothers United zurück auf dem Schweriner Pfaffenteich.

Die Blues Brothers United sind wieder da. Beim 33. Drachenbootfestival auf dem Schweriner Pfaffenteich tritt eine Mannschaft an, die beinahe vollständig auseinandergebrochen war und sich Jahre später neu zusammengefunden hat.
Rund die Hälfte des heutigen Teams besteht nach Angaben von René Schilloks, der schon in der Hochphase des Teams dabei gewesen ist, aus Paddlern der früheren Besetzung. Ergänzt werden sie durch neue Mitglieder, denen die erfahrenen Sportler wie Jan Fenner, Technik, Rhythmus und Zusammenspiel im Boot vermitteln.
Der Neustart begann bei einem Wiedersehen während des Schweriner Drachenbootfestivals vor drei Jahren. Ein früheres Teammitglied habe damals kurzerhand angekündigt: Im nächsten Jahr fahren wir wieder. „Wir holen den alten Mob zusammen, rufen alle zusammen“, erinnert sich Schilloks an den damaligen Startschuss des Comebacks.
Damit setzt die Mannschaft eine Geschichte fort, die einst bis zu Welt- und Europameisterschaften führte. Heute geht es den Blues Brothers United jedoch nicht mehr ausschließlich um Bestzeiten und Platzierungen, sondern ebenso um das gemeinsame Training und die Zeit als Team.
Blues Brothers United starten neu
Zweimal pro Woche treffen sich die Paddler zum Training. Die Einheiten sollen fordern und die Mannschaft schneller machen. Der Leistungsdruck früherer Jahre spielt jedoch keine vergleichbare Rolle mehr. „So ein Teamsport macht eben auch Geselligkeit aus. Das danach ist daher sehr wichtig“, beschreibt Schilloks die heutige Einstellung. Das gemeinsame Erlebnis soll nicht von einer Platzierung abhängig sein.
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Ganz ohne sportlichen Ehrgeiz geht das Team dennoch nicht auf das Wasser. Die Mitglieder haben über Monate trainiert und wollen beim Festival sehen, ob sie sich verbessert haben. Nach dem ersten Vorlauf fiel die Zwischenbilanz positiv aus. Die Mannschaft war schneller als zuvor. „Das Routinetraining macht sich bezahlt“, sagt Schilloks.
Erfahrung trifft auf neue Paddler
Die Rückkehr der früheren Mitglieder vollzog sich schrittweise. Viele hatten sich zunächst wegen ihrer Familien, ihrer Kinder oder beruflicher Verpflichtungen aus dem Sport zurückgezogen. Inzwischen haben sich ihre Lebensumstände verändert und es bleibt wieder mehr Zeit für das Drachenboot.

Gleichzeitig besteht die Mannschaft nicht nur aus Rückkehrern. Neue Paddler sind hinzugekommen und werden von den erfahrenen Mitgliedern an den Sport herangeführt.
Gerade im Drachenboot zählt nicht allein die Kraft. Die Besatzung muss gleichzeitig einsetzen, einen gemeinsamen Rhythmus finden und diesen bis ins Ziel halten. Schon kleine Abweichungen können das Boot bremsen. Von den sportlichen Grundlagen, die sich die älteren Teammitglieder in den Leistungssportjahren erarbeitet haben, profitiert die Mannschaft bis heute. Schilloks vermutet, dass das Team noch immer von den damaligen Erfahrungen lebt.
Drachenbootfestival ist der Höhepunkt
Früher nahmen die Blues Brothers United an sechs oder sieben Wettkämpfen im Jahr teil. Heute konzentriert sich die Mannschaft weitgehend auf das Drachenbootfestival in Schwerin. Das Wochenende auf dem Pfaffenteich ist damit der sportliche Höhepunkt der Saison. Hier trifft das Team auf Mannschaften, die Schilloks noch aus seiner früheren aktiven Zeit kennt.

Viele Namen seien über die Jahre gleich geblieben. Einige Teams, die heute um die vorderen Plätze fahren, standen bereits damals mit den Blues Brothers in Konkurrenz. Schilloks traut sich deshalb zu, einen Teil der späteren Finalisten vorherzusagen. Sicher sei im Drachenbootsport jedoch nichts. „Jedes Rennen ist anders“, sagt er.
Künftig würde die Mannschaft gern wieder an zwei oder drei Wettbewerben im Jahr teilnehmen. Noch lässt sich das für viele Mitglieder nicht mit Familie und Alltag vereinbaren.
Platz elf bis dreizehn wäre ein Erfolg
Die Blues Brothers United schätzen ihre heutigen Möglichkeiten realistisch ein. Mit Mannschaften, die fünfmal pro Woche trainieren, wollen sie sich nicht mehr messen. Schilloks beschreibt die neue Rolle mit einem Vergleich aus dem Fußball. Früher habe das Team in der „ersten Bundesliga“ mitgespielt, heute sehe es sich eher in der zweiten. Man könne noch ordentlich mithalten, nehme den Sport aber weniger verbissen.

Bei einer früheren Teilnahme am Schweriner Drachenbootfestival erreichte die Mannschaft Rang elf. Mit einem Platz zwischen elf und dreizehn wäre Schilloks auch diesmal zufrieden. Für einige Paddler ist der Wettkampf trotz ihrer Vorbereitung mit Nervosität verbunden. Sie haben das ganze Jahr trainiert und wollen nun in den wenigen Rennen zeigen, was sie können.
Schilloks selbst geht aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung gelassener an den Start. Für andere Teammitglieder sei die Anspannung deutlich größer: „Die wollen natürlich auch alles zeigen, was sie so können.“
Vom Leistungssport zum Neuanfang
Die Geschichte der Blues Brothers begann als eher lockerer Zusammenschluss von Wassersportlern. Mit den Erfolgen stiegen jedoch die Ansprüche und aus dem Freizeitteam wurde eine leistungsorientierte Mannschaft. Zeitweise gehörten 30 bis 35 Mitglieder zum Team. Die Schweriner starteten regelmäßig bei Deutschen Meisterschaften und qualifizierten sich für internationale Wettbewerbe.
Bei der Club-Weltmeisterschaft 2014 im italienischen Ravenna erreichten sie einen Platz unter den besten zehn Mannschaften ihrer Gruppe. Ein Jahr später bereiteten sie sich auf die Europameisterschaft im französischen Divonne vor. Damals ging das Team dreimal pro Woche aufs Wasser. Athletik- und Wassertests entschieden darüber, welche Paddler bei den internationalen Rennen im Boot sitzen durften.

Die Schweriner konkurrierten mit Mannschaften, die unter annähernd professionellen Bedingungen trainierten. Weiter nach vorn zu kommen, hätte deshalb einen erheblich höheren Aufwand und andere Rahmenbedingungen verlangt. Nach dem sportlichen Höhepunkt fiel das Team auseinander. Von den zeitweise mehr als 30 Mitgliedern blieben nur etwa zehn übrig. Ein regelmäßiger Wettkampfbetrieb war damit kaum noch möglich.
Der Name wurde wieder zum Programm
Der Mannschaftsname entstand während eines gemeinsamen Abends in einer Schweriner Altbauwohnung. Die späteren Teammitglieder suchten nach einer Bezeichnung, während im Fernsehen der Film „Blues Brothers“ lief. Die Geschichte einer Band, die zusammenfindet und gemeinsam auftritt, passte zur Gruppe. Jahre später erhielt der Name durch die Rückkehr der ehemaligen Mitglieder eine neue Bedeutung.
Anders als in den Leistungssportjahren entscheidet heute nicht mehr allein das Ergebnis über ein gelungenes Rennen. Der sportliche Anspruch ist geblieben, doch die Gemeinschaft nimmt einen größeren Raum ein. So ist das Comeback für die Blues Brothers United unabhängig von der Platzierung bereits ein Erfolg: Die Mannschaft tritt wieder gemeinsam auf dem Schweriner Pfaffenteich an.




