Nach tödlicher Hundeattacke in Schwerin:
Brauchen wir einen Hundeführerschein?
Ein tödlicher Zwischenfall zwischen zwei Hunden wirft grundlegende Fragen zum Umgang mit Vierbeinern auf – und bringt die Forderung nach einem verpflichtenden Hundeführerschein erneut ins Spiel.

Am Montagabend kam es im Schweriner Stadtteil Großer Dreesch zu einem tragischen Zwischenfall: Ein angeleinter Mischlingshund griff einen Chihuahua an – das kleinere Tier überlebte den Angriff nicht. Unklar ist bislang, ob der Chihuahua ebenfalls angeleint war. Die beiden Hundehalter gerieten in einen lautstarken Streit, woraufhin ein Zeuge die Polizei verständigte.
Gegen die 38-jährige Halterin des größeren Hundes wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Der Verdacht: ein Verstoß gegen die Hundehalterverordnung. Diese verpflichtet Hundehalter dazu, Schäden durch ihre Tiere zu verhindern – gegenüber Menschen ebenso wie gegenüber anderen Tieren.
Tragischer Vorfall auf dem Großen Dreesch ruft Polizei auf den Plan
Die Szene sorgte nicht nur bei Anwohnenden für Bestürzung – auch Tierrechtsorganisationen meldeten sich zu Wort. Die Forderung an die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns: endlich einen verpflichtenden Hundeführerschein einzuführen. In anderen Bundesländern wie Niedersachsen, Bremen und Berlin ist dieser bereits in unterschiedlicher Form etabliert – mit nachweisbar positiven Effekten.
Laut Lisa Redegeld von PETA liegt das eigentliche Problem nicht bei den Tieren, sondern bei deren Haltern: „Viele Menschen können die Körpersprache und Signale von Hunden nicht richtig einschätzen – das führt zu gefährlichen Situationen.“
Sachkunde als Schlüssel zur Vermeidung von Beißvorfällen?
Der Hundeführerschein umfasst einen Theoriekurs zur artgerechten Haltung sowie ein Praxisseminar mit dem Hund. Ziel ist es, die Halter in ihrer Verantwortung zu schulen und impulsive Entscheidungen bei der Anschaffung eines Tieres zu verhindern. Eine repräsentative Umfrage von August 2023 zeigt: 68 Prozent der Deutschen befürworten eine solche Pflicht.
Neben mehr Sicherheit könnte ein verpflichtender Nachweis auch langfristig die Tierheime entlasten – denn jedes Jahr landen etwa 80.000 Hunde dort, viele davon aus Überforderung oder Fehlanschaffung.




