Sa, 17. Januar 2026
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Neujahrsempfang in Kreisgeschäftsstelle:
BSW startet in ein politisch anspruchsvolles Jahr

BSW Neujahrsempfang Schwerin: Vor vollem Haus stimmt sich die junge Partei auf Wahlkämpfe ein, übt scharfe Regierungskritik und fordert mehr Vernunft in der Politik.

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  • Veröffentlicht Januar 5, 2026
BSW Neujahrsempfang Schwerin
Mit einem Neu­jahrsemp­fang startete das BSW in das Wahl­jahr. Foto: Ste­fan Rochow

Volles Haus in der Kreis­geschäftsstelle: Mit einem gut besucht­en Neu­jahrsemp­fang ist das Bünd­nis Sahra Wagenknecht (BSW) in Schw­erin am Son­ntag ins neue Jahr ges­tartet. Vertreterin­nen und Vertreter der Partei nutzten die Ver­anstal­tung, um poli­tis­che Posi­tio­nen zu schär­fen und sich geschlossen auf die anste­hen­den Wahlkämpfe einzus­tim­men.

Begrüßt wur­den die Gäste von Jens Kul­batz­ki, der auf die Bedeu­tung des Jahres 2026 ver­wies. Die Hoff­nun­gen lägen auf ein­er Ober­bürg­er­meis­ter­wahl, wo sich die Partei einen Achtungser­folg erhofft, sowie auf einem starken Abschnei­den bei der kom­menden Land­tagswahl. Die let­zte Umfrage aus dem Sep­tem­ber sah den BSW bei sieben Prozent. Für einen Einzug in das Schw­er­iner Schloss würde es damit reichen.

Als Gäste kon­nte der Kreisver­band an diesem Nach­mit­tag den ehe­ma­li­gen Spitzendiplo­mat­en und jet­zi­gen Europaab­ge­ord­neten Michael von der Schu­len­burg sowie die ehe­ma­lige Bun­destagsab­ge­ord­nete Zàk­lin Nas­tic begrüßen.

Themen des BSW wichtiger den je

In ihrer Rede zeich­nete Nas­tic ein selb­st­be­wusstes Bild der jun­gen Partei. Das BSW sei die erfol­gre­ich­ste Parteineu­grün­dung seit Beste­hen der Bun­desre­pub­lik, sagte sie. Die poli­tis­chen The­men der Partei seien „wichtiger denn je“. Scharfe Kri­tik übte Nas­tic an der Bun­desregierung. Mit Blick auf inter­na­tionale Poli­tik sprach sie von Dop­pel­moral im Umgang mit Men­schen­recht­en und warnte vor ein­er zunehmenden Kriegs­ge­fahr. „Die Gefahr eines drit­ten Weltkrieges ist immens“, so Nas­tic. In den kom­menden Wahlkämpfen werde man nichts geschenkt bekom­men – umso wichtiger sei ein starkes BSW, das „ver­lo­gene Poli­tik” immer wieder klar benenne.

Zàk­lin Nas­tic ging mit der Bun­de­spoli­tik hart ins Gericht. Foto: Ste­fan Rochow

Einen grund­sät­zlicheren Blick auf die Welt­lage warf Michael von der Schu­len­burg. Er sprach von men­schengemacht­en Prob­le­men, die die Gegen­wart bes­timmten: Krieg, Umweltzer­störung und der Umgang mit Men­schen­recht­en. Es brauche wieder mehr Ver­nun­ft in der Poli­tik. Keine Partei im Bun­destag ver­füge derzeit über eine echte Ver­nun­ftsstrate­gie, kri­tisierte er. Prob­leme ließen sich nicht durch Abgren­zung lösen – das BSW müsse bere­it sein, mit allen demokratis­chen Kräften zu reden. Auch Gespräche mit der Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) schloss er nicht aus, sofern es inhaltliche Schnittmen­gen gebe. Die frak­tion­süber­greifende Zusam­me­nar­beit im EU-Par­la­ment beze­ich­nete von der Schu­len­burg als beson­ders prob­lema­tisch. Schlim­mer als vieles, was er in sein­er Zeit als Diplo­mat in Krisen­re­gio­nen erlebt habe.

Als Beispiel nan­nte der Abge­ord­nete einen von ihm mitent­wor­fe­nen Antrag, Liefer­un­gen von medi­zinis­chen Gütern nach Gaza und die Behand­lung der Ver­wun­de­ten vor Ort zu ermöglichen. Im EU-Par­la­ment habe man dafür neun weit­ere EU-Par­la­men­tari­er ander­er Frak­tio­nen gewin­nen kön­nen. Der Antrag schaffte es dann nicht auf die Tage­sor­d­nung. Für Schu­len­burg wäre so eine Ini­tia­tive ein „Gebot der Human­ität” gewe­sen.

BSW wird OB-Kandidaten für Schwerin stellen

Prak­tis­ch­er wurde es in den Beiträ­gen der Lan­des- und Kreisebene. Kreisvor­sitzen­der Frank Haber­landt blick­te auf ein bewegtes erstes Jahr zurück, in dem das BSW bere­its erste Erfahrun­gen im Straßen­wahlkampf gesam­melt habe. Der Fokus liege nun klar auf der Land­tagswahl. Ziel sei es, über­all Direk­tkan­di­dat­en aufzustellen. Bere­its am kom­menden Son­ntag ste­he die erste Nominierung an. Auch für die Ober­bürg­er­meis­ter­wahl am 12. April laufe die Kan­di­date­nauswahl, kündigte Haber­land an – das BSW werde mit ein­er eige­nen Kan­di­datin oder einem eige­nen Kan­di­dat­en antreten. Noch liefen allerd­ings noch entsprechende Gespräche im Kreisver­band.

Ähn­lich äußerte sich Gerold Lehmann, stel­lvertre­tender Lan­desvor­sitzen­der. Der Wahlkampf werde inten­siv vor­bere­it­et, das Ziel laute eben­falls: Direk­tkan­di­dat­en in allen Wahlkreisen. „Und das wer­den wir auch schaf­fen”, so Lehmann.

Zum Abschluss wurde noch ein­mal der Blick auf die Bun­de­spoli­tik gelenkt. Ein Friedensvorschlag, erar­beit­et unter anderem von von der Schu­len­burg, wurde eben­so the­ma­tisiert wie die Sorge vor einem nuk­learen Kon­flikt. Zàk­lin Nas­tic ging auch noch ein­mal auf die vom BSW geforderten Neuauszäh­lung der Stim­men zur Bun­destagswahl ein.

Neuauszählung sollte demokratische Selbstverständlichkeit sein

Bei der Bun­destagswahl 2025 war das Bünd­nis Sahra Wagenknecht mit 4,981 Prozent der gülti­gen Zweit­stim­men knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheit­ert. Es fehlten nach Parteiangaben 9.529 Stim­men für den Einzug in den Bun­destag. Das BSW hat­te deshalb Ein­spruch gegen die Gültigkeit der Wahl ein­gelegt. Die Partei bezweifelt die Kor­rek­theit des amtlichen Endergeb­niss­es und ver­weist auf zahlre­iche Auszäh­lungs­fehler sowie sta­tis­tis­che Auf­fäl­ligkeit­en, die nicht aus­re­ichend kor­rigiert wor­den seien. Gefordert wird eine Neuauszäh­lung, wobei aus Sicht des BSW bere­its eine Neube­w­er­tung ungültiger Stim­men aus­re­ichen kön­nte, um die Fünf-Prozent-Hürde zu über­schre­it­en. Mitte Dezem­ber lehnte der Bun­destag die Neuauszäh­lung ab. Der BSW wird nun vor das Bun­desver­fas­sungs­gericht in Karl­sruhe ziehen und hofft dort auf eine Unter­stützung ihres Ansin­nens.

Der BSW-Europaab­ge­ord­nete und frühere Spitzendiplo­mat Michael von der Schu­len­burg beze­ich­nete die Zusam­me­nar­beit der Frak­tio­nen und Grup­pen im EU-Par­la­ment als „prob­lema­tisch”.
Foto: Ste­fan Rochow

„Wer Demokrat ist, muss für eine Neuauszäh­lung sein“, machte Ex-Bun­destagsab­ge­ord­nete Nas­tic in Schw­erin deut­lich. Gle­ichzeit­ig warnte sie ihre Partei vor einem „über­triebe­nen Opti­mis­mus”, was eine Neuauszäh­lung bet­rifft. Das Ver­fahren kön­nte sich län­gere Zeit in Karl­sruhe hinziehen. Im Bun­destag habe die Mehrheit der Abge­ord­neten ein Inter­esse daran, dass der BSW draußen bleibt. Mit dem Einzug wür­den sich die Mehrheitsver­hält­nisse im Par­la­ment verän­dern. Das kön­nte am Ende die Kan­zler­schaft von Friedrich Merz (CDU) in Frage stellen. Mehrmals beze­ich­nete Zàk­lin Nas­tic Bun­deskan­zler Merz an diesem Nach­mit­tag als „ille­git­imer Kan­zler”.

Der Neu­jahremp­fang des BSW in Schw­erin machte deut­lich: Die Partei sieht sich gut aufgestellt und bere­it für ein poli­tisch anspruchsvolles Wahl­jahr.