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Streit um BSW und AfD:
Ver.di-Post sorgt in Schwerin für scharfe Reaktionen

Ver.di Schwerin warnt vor einer möglichen Annäherung von BSW und AfD. Der BSW-Kreisverband, Landtagskandidat Jens Kulbatzki und Stadtvertreter Karsten Jagau widersprechen.

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  • Veröffentlicht August 17, 2026
Wahlplakate von BSW und AfD in Schw­erin. Ver.di warnt vor ein­er möglichen Annäherung bei­der Parteien. Foto: Dario Rochow

 


In Kürze:

  • Ver.di Schw­erin warnt vor ein­er möglichen „Quer­front“ von BSW und AfD und fragt, ob das BSW nach der Land­tagswahl einem AfD-Min­is­ter­präsi­den­ten den Weg ebnen kön­nte.
  • Der BSW-Kreisver­band und Land­tagskan­di­dat Jens Kul­batz­ki weisen die Kri­tik zurück. Auch ASK-Stadtvertreter Karsten Jagau kri­tisiert den ver.di-Beitrag.
  • Hin­ter­grund ist der bun­desweite Stre­it über den Umgang des BSW mit der AfD und die Kri­tik Sahra Wagenknechts an der bish­eri­gen „Brand­mauer“.

 

Ein Face­book-Beitrag von ver.di Schw­erin zum Ver­hält­nis von BSW und AfD hat eine poli­tis­che Debat­te in Schw­erin aus­gelöst. Die Gew­erkschaft warnt darin vor ein­er möglichen „Quer­front“ bei­der Parteien und stellt die Frage, ob das Bünd­nis Sahra Wagenknecht nach der Land­tagswahl in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ein­er AfD-geführten Regierung den Weg ebnen kön­nte. Das BSW weist die Vor­würfe zurück.

 

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Hin­ter­grund sind aktuelle Äußerun­gen der BSW-Bun­desspitze zum Umgang mit der AfD. Sahra Wagenknecht kri­tisiert die bish­erige Abgren­zungsstrate­gie als „Brand­mauer-Irrsinn“. Für Sach­sen-Anhalt und Meck­len­burg-Vor­pom­mern hat die Parteispitze zudem einen über­parteilichen Min­is­ter­präsi­den­ten ins Gespräch gebracht.

Ver.di Schw­erin greift diese Entwick­lung in seinem Beitrag auf. Es werde immer deut­lich­er, „dass eine Quer­front zwis­chen BSW und der AfD nicht mehr aus­geschlossen wer­den kann“, heißt es dort. Die Gew­erkschaft fragt, ob das BSW zum „Steig­bügel­hal­ter“ eines AfD-Min­is­ter­präsi­den­ten in Meck­len­burg-Vor­pom­mern wer­den kön­nte. Zugle­ich ruft ver.di dazu auf, gemein­sam gegen Demokratiefeinde einzutreten.

Die Auseinan­der­set­zung hat in Schw­erin eine Vorgeschichte. Bere­its bei der Kundge­bung zum 1. Mai durfte das BSW in der Lan­deshaupt­stadt keinen eige­nen Stand auf­bauen. Als Begrün­dung wur­den damals unter anderem die aus Sicht der Ver­anstal­ter fehlende Abgren­zung zur AfD und migra­tionspoli­tis­che Posi­tio­nen genan­nt. In Ros­tock und Neubran­den­burg war eine Teil­nahme des BSW dage­gen möglich.

BSW widerspricht ver.di Schwerin

Der BSW-Kreisver­band Schw­erin wider­sprach ver.di direkt unter dem Face­book-Beitrag. Auf­gabe von Gew­erkschaften sei es, „gegen Sozial­ab­bau, Aufrüs­tung und für Frieden“ Men­schen parteiun­ab­hängig zusam­men­zubrin­gen, erk­lärte der Kreisver­band. Zugle­ich ver­wies das BSW auf sein Wahl­pro­gramm und erneuerte sein Ange­bot an ver.di, miteinan­der ins Gespräch zu kom­men.

Noch schär­fer reagierte Jens Kul­batz­ki, BSW-Land­tagskan­di­dat in Schw­erin. Er beze­ich­nete den Beitrag als „unqual­i­fiziert“ und warf ver.di vor, damit zu ein­er weit­eren Spal­tung der Gesellschaft beizu­tra­gen. Eine Gew­erkschaft müsse Men­schen mit unter­schiedlichen Ansicht­en und Ein­stel­lun­gen vertreten, schrieb Kul­batz­ki. Wäre er Mit­glied bei ver.di, wäre für ihn nach diesem Beitrag „Zeit für einen Aus­tritt“.

Auch Kul­batz­ki ver­wies auf den Auss­chluss des BSW von der Schw­er­iner Ver­anstal­tung zum 1. Mai. Zudem kri­tisierte er, dass ein Gespräch­sange­bot sein­er Partei aus sein­er Sicht bis­lang nicht aufge­grif­f­en wor­den sei.

 

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Mehr Infor­ma­tio­nen

 

Kri­tik an dem ver.di-Beitrag kommt auch von Karsten Jagau, Stadtvertreter der Wäh­lerge­mein­schaft ASK in Schw­erin. Jagau schreibt, er sei partei­los und seit 1978 gew­erkschaftlich aktiv. Er beze­ich­nete den Post als „unsäglich“ und ver­wies darauf, dass im BSW zahlre­iche DGB-Gew­erkschafter aktiv seien. Zudem warf er die Frage auf, ob ver.di Schw­erin mit dem Beitrag selb­st parteipoli­tisch in den Land­tagswahlkampf ein­greife.

Damit kommt der Wider­spruch gegen den ver.di-Beitrag nicht allein aus dem BSW. Die Reak­tio­nen zeigen zugle­ich, dass der Umgang mit der AfD inzwis­chen auch inner­halb des gew­erkschaftlichen Umfelds für Diskus­sio­nen sorgt.

Verhältnis von BSW und AfD sorgt bundesweit für Streit

Der Kon­flikt reicht weit über Schw­erin hin­aus. Vor allem in Sach­sen-Anhalt sorgt der kün­ftige Umgang des BSW mit der AfD für Auseinan­der­set­zun­gen. Die dor­tige AfD liegt in aktuellen Umfra­gen deut­lich vorn. Eine INSA-Erhe­bung sah sie zulet­zt bei 42 Prozent, während das BSW mit fünf Prozent um den Einzug in den Land­tag kämpft.

Beson­ders umstrit­ten ist die Wahl eines Min­is­ter­präsi­den­ten. Wagenknecht hat für Sach­sen-Anhalt angekündigt, dass sich das BSW in einem möglichen drit­ten Wahl­gang enthal­ten kön­nte, wenn andere Parteien das vorgeschla­gene Mod­ell eines über­parteilichen Regierungschefs ablehnen. Abhängig von den Mehrheitsver­hält­nis­sen kön­nte eine solche Enthal­tung einem AfD-Kan­di­dat­en den Weg ins Amt erle­ichtern.

Eine gemein­same Regierung von BSW und AfD hat die Parteispitze dage­gen aus­geschlossen. BSW-Bun­desvor­standsmit­glied Klaus Ernst erk­lärte zulet­zt, eine Zusam­me­nar­beit mit der AfD und ins­beson­dere eine gemein­same Regierung seien seit der Grün­dung des BSW aus­geschlossen.

Wagenknecht lehnt Höckes Angebot ab

Wie umstrit­ten der Kurs inner­halb des BSW ist, zeigt auch der Stre­it in Thürin­gen. Dort hat­te AfD-Lan­deschef Björn Höcke Wagenknecht ange­boten, sie mit Stim­men sein­er Frak­tion zur Min­is­ter­präsi­dentin zu wählen.

Wagenknecht lehnte die Offerte ab und beze­ich­nete sie als „wed­er ehrlich noch ser­iös“. Gle­ichzeit­ig hält sie an ihrer Kri­tik an der poli­tis­chen Brand­mauer fest. Sie forderte Höcke zu einem TV-Duell auf, bei dem Unter­schiede und Gemein­samkeit­en zwis­chen bei­den Parteien deut­lich wer­den soll­ten.

Auch inner­halb des Thüringer BSW gibt es Wider­stand gegen den Kurs der Bun­desspitze. Infra­struk­tur­min­is­ter Stef­fen Schütz kri­tisierte die Über­legun­gen öffentlich. Die dor­tige BSW-Frak­tion regiert seit 2024 gemein­sam mit CDU und SPD und ver­fol­gt damit einen anderen Kurs als die Bun­despartei.

Debatte erreicht den Wahlkampf in MV

Für Meck­len­burg-Vor­pom­mern ist die Diskus­sion beson­ders rel­e­vant, weil hier im Sep­tem­ber ein neuer Land­tag gewählt wird. Die Über­legun­gen der BSW-Bun­desspitze zum Umgang mit der AfD beziehen sich aus­drück­lich auch auf Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

Ob das BSW nach der Wahl tat­säch­lich Entschei­dun­gen ermöglichen kön­nte, von denen die AfD prof­i­tiert, hängt von den Mehrheitsver­hält­nis­sen und dem konkreten Abstim­mungsver­hal­ten ab. Der ver.di-Beitrag beschreibt damit ein möglich­es Szenario, keine bere­its vere­in­barte Zusam­me­nar­beit zwis­chen BSW und AfD.

In Schw­erin trifft diese bun­de­spoli­tis­che Auseinan­der­set­zung nun auf einen bere­its beste­hen­den Kon­flikt zwis­chen ver.di und dem BSW. Wenige Wochen vor der Land­tagswahl bekommt die Frage nach dem kün­fti­gen Umgang mit der AfD damit auch eine lokale Dimen­sion.