Wohnprojekt Kranweg/Hafenpromenade bleibt umstritten:
Bürger kritisieren angepasste Pläne
„Baurechtlich ist es nicht denkbar, die Bauvoranfrage für das Projekt abzulehnen“, stellte der amtierende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum klar.

Das Bauprojekt Kranweg/Hafenpromenade sorgt auch weiterhin für lebhafte Diskussionen in der Werdervorstadt. Bei einer erneuten Bürgerversammlung am Mittwochabend stellte der Investor überarbeitete Pläne vor – doch die erhoffte Beruhigung der Gemüter blieb aus. Seit Monaten regt sich Widerstand gegen das geplante Wohnprojekt am Ziegelsee. Anwohner haben eine Bürgerinitiative gegründet und befürchten vor allem zunehmenden Verkehr, Parkplatzmangel sowie den Verlust wichtiger Sichtachsen in Richtung Speicherhotel. Bereits im vergangenen Jahr war das Vorhaben öffentlich diskutiert worden, nun folgte eine weitere Runde. „Es hat sich eine Menge getan“, betonte Investor Dr. Michael Cratzius, Geschäftsführer der HTG – Hoch- und Tiefbau Gadebusch. Gemeinsam mit Architekt und Projektleiter Peter Focke präsentierte er die überarbeiteten Entwürfe für die Hafenpromenade/Kranweg.

Weniger Geschosse, weniger Wohnungen
Kernpunkt der Anpassungen ist die reduzierte Geschossigkeit. Statt der ursprünglich geplanten Höhe sollen die Gebäude nun maximal fünfeinhalb Geschosse umfassen. „Dadurch haben wir zehn Wohnungen weniger“, erklärte Focke. Insgesamt sinkt die Zahl der Wohneinheiten von ursprünglich 190 auf nun 166. Geplant sind 59 Eigentumswohnungen – vor allem mit größerer Wohnfläche und höherer Deckenhöhe direkt am Wasser – sowie 107 Mietwohnungen in der winkelförmigen Bebauung. Auch das Verhältnis von Miet- und Eigentumswohnungen wurde damit zugunsten des Mietwohnraums verändert. Der Innenhof soll begrünt und mit Spielflächen ausgestattet werden, große Teile des Areals bleiben unbebaut.

Kritik reißt nicht ab
Trotz dieser Änderungen blieb die Resonanz im Saal verhalten. Vertreter der Bürgerinitiative kritisierten unter anderem zu geringe Abstände der Balkone zur Grundstücksgrenze sowie Abweichungen von Baugrenzen in Richtung Wasser. Aus Sicht der Initiative seien dem Investor zu viele Ausnahmen vom Bebauungsplan genehmigt worden – von „Geschenken“ war die Rede. Diese Vorwürfe wies der amtierende Oberbürgermeister und Baudezernent Bernd Nottebaum deutlich zurück. Rechtlich sei eine Ablehnung der Bauvoranfrage nicht möglich. Sowohl die untere als auch die Landesdenkmalbehörde hätten dem Vorhaben zugestimmt. „Nur aufgrund von Bürgerprotesten kann ich diese nicht ablehnen“, so Nottebaum. Investor Cratzius rechnet indes damit, dass der Bauvorentscheid bis Ende Januar erteilt wird. Der Bauantrag soll anschließend folgen, eine Baugenehmigung bis Ende September gilt als Ziel. Bei einer Bauzeit von rund 20 Monaten könnte das Projekt im Mai 2028 abgeschlossen sein. Ein Teil der Zuhörer verließ die Versammlung vorzeitig. Die verbliebenen Teilnehmer dankten am Ende dennoch für den Dialog – auch wenn viele Fragen aus ihrer Sicht offenblieben.




