Bürgerentscheid zum Spielplatz Kieler Straße:
FDP wirbt für „Nein“, Kinderhilfswerk für „Ja“
Beim Bürgerentscheid in Schwerin ruft die FDP zum „Nein“ auf, das Deutsche Kinderhilfswerk wirbt für ein „Ja“ zum Erhalt des Spielplatzes an der Kieler Straße. Die Briefwahl läuft im Moment.

Über die Zukunft des Spielplatzes an der Kieler Straße im Stadtteil Lankow entscheiden die Schwerinerinnen und Schweriner derzeit per Briefwahl. Noch bis zum 25. Januar können die Stimmzettel abgegeben werden. Die Fronten in dieser Frage sind offensichtlich klar gezogen.
Deutsches Kinderhilfswerk für Erhalt des Spielplatzes
Auf der einen Seite steht eine Bürgerinitiative, die den traditionsreichen Spielplatz erhalten will. Mehr als 4.000 Unterschriften haben die Initiatoren gesammelt und damit den Bürgerentscheid auf den Weg gebracht. Unterstützung bekommen sie nun auch vom Deutschen Kinderhilfswerk. Dessen Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann ruft in einer Pressemitteilung alle Wahlberechtigten, ausdrücklich auch die 16- und 17-Jährigen, dazu auf, mit „Ja“ zu stimmen. „Der Spielplatz Kieler Straße muss erhalten bleiben“, so Hofmann. Spielflächen seien ein Grundpfeiler für die gesunde Entwicklung von Kindern, Spielen ein Grundbedürfnis, das in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sei.
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Das Kinderhilfswerk kritisiert zudem das bisherige Vorgehen der Stadt scharf. Der Beschluss zum Verkauf des Grundstücks sei ohne die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und ohne eine Prüfung des Kindeswohls gefasst worden. Das verstoße gegen das Kinder- und Jugendbeteiligungsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern sowie gegen die Kinderrechte insgesamt. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid könne diesen Rechtsverstoß nun korrigieren.
FDP Schwerin wirbt für „Nein”
Auf der anderen Seite wirbt der FDP-Kreisverband Schwerin in einer Pressemitteilung für ein „Nein“ beim Bürgerentscheid – also für den Verkauf des Areals und eine neue Nutzung. Lankow, so die Liberalen, sei lange von sozialer Segregation geprägt gewesen, befinde sich aber derzeit im positiven Wandel. Wohnblöcke würden saniert, die Infrastruktur modernisiert, immer mehr Menschen aller Altersgruppen entdeckten den Stadtteil neu für sich. Die geplante Neugestaltung des Areals an der Kieler Straße sei ein weiterer Schritt in diese Richtung. Auch die Ortsteilvertretung habe sich für das Projekt ausgesprochen.
Ein Investor plant dort unter anderem eine Verbesserung der fachärztlichen Versorgung, etwa im Bereich der Nuklearmedizin, sowie weitere infrastrukturelle Entwicklungen. Zudem sollen im direkten Umfeld drei neue Spielplätze entstehen, die den bisherigen ersetzen würden. Bauaufträge sollen nach Angaben der FDP vor allem an regionale Firmen gehen, wovon auch die lokale Wirtschaft profitieren könnte.
Investor bleibt fern – Dialog ohne die entscheidende Stimme
In einem von Mehr Demokratie e. V. moderierten „Sprechen & Zuhören“-Format am Montag trafen sich Bürgerinnen und Bürger in der Friedenskirche Lankow zum direkten Austausch auf Augenhöhe. Es waren sowohl Befürworter des Erhalts des Spielplatzes als auch Befürworter der Bebauung anwesend.
Doch ausgerechnet die Investorenseite bleib trotz Einladung fern und entzog sich dem moderierten Dialog, obwohl Mehr Demokratie e. V. aus Berlin ein professionelles Gesprächsformat organisiert hatte.
Dieses Fernbleiben wirkt wie Methode: Bereits Wochen zuvor hatte der Investor einen Gesprächstermin mit der SNO-Redaktion unentschuldigt platzen lassen, auch schriftliche Fragen blieben unbeantwortet.
Für viele Teilnehmende gestern wurde das Fernbleiben des Investors zum Symbol: Während Bürgerinnen und Bürger miteinander reden wollen, entzieht sich ausgerechnet der zentrale Akteur der öffentlichen Auseinandersetzung und verstärkt damit den Eindruck, dass Transparenz und echte Beteiligung nicht gewünscht sind.
Postlaufzeiten einkalkulieren
Entschieden ist noch nichts. Beim Bürgerentscheid gilt eine hohe Hürde: Die Vorlage ist nur dann angenommen, wenn die Mehrheit der gültigen Stimmen mit „Ja“ votiert und diese Mehrheit mindestens 25 Prozent aller Stimmberechtigten ausmacht. Da ausschließlich per Briefwahl abgestimmt wird und die Postlaufzeiten mehrere Tage betragen können, appellieren beide Seiten an die Bürgerinnen und Bürger, ihre Stimme rechtzeitig abzugeben.
Ob Lankow seinen Spielplatz behält oder ob an der Kieler Straße ein neues Stadtquartier entsteht – diese Entscheidung liegt nun in den Händen der Schweriner.



