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Bürgerentscheid zum Spielplatz Kieler Straße:
FDP wirbt für „Nein“, Kinderhilfswerk für „Ja“

Beim Bürgerentscheid in Schwerin ruft die FDP zum „Nein“ auf, das Deutsche Kinderhilfswerk wirbt für ein „Ja“ zum Erhalt des Spielplatzes an der Kieler Straße. Die Briefwahl läuft im Moment.

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  • Veröffentlicht Januar 13, 2026
Bürgerentscheid Schwerin
Spielplatz oder Neubau? Über diese Frage kön­nen die Schw­er­iner im Moment abstim­men. Foto: Ste­fan Rochow

Über die Zukun­ft des Spielplatzes an der Kiel­er Straße im Stadt­teil Lankow entschei­den die Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner derzeit per Briefwahl. Noch bis zum 25. Jan­u­ar kön­nen die Stim­mzettel abgegeben wer­den. Die Fron­ten in dieser Frage sind offen­sichtlich klar gezo­gen.

Deutsches Kinderhilfswerk für Erhalt des Spielplatzes

Auf der einen Seite ste­ht eine Bürg­erini­tia­tive, die den tra­di­tion­sre­ichen Spielplatz erhal­ten will. Mehr als 4.000 Unter­schriften haben die Ini­tia­toren gesam­melt und damit den Bürg­er­entscheid auf den Weg gebracht. Unter­stützung bekom­men sie nun auch vom Deutschen Kinder­hil­f­swerk. Dessen Bun­des­geschäfts­führer Hol­ger Hof­mann ruft in ein­er Pressemit­teilung alle Wahlberechtigten, aus­drück­lich auch die 16- und 17-Jähri­gen, dazu auf, mit „Ja“ zu stim­men. „Der Spielplatz Kiel­er Straße muss erhal­ten bleiben“, so Hof­mann. Spielflächen seien ein Grundpfeil­er für die gesunde Entwick­lung von Kindern, Spie­len ein Grundbedürf­nis, das in der UN-Kinder­recht­skon­ven­tion ver­ankert sei.


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Das Kinder­hil­f­swerk kri­tisiert zudem das bish­erige Vorge­hen der Stadt scharf. Der Beschluss zum Verkauf des Grund­stücks sei ohne die geset­zlich vorgeschriebene Beteili­gung von Kindern und Jugendlichen und ohne eine Prü­fung des Kindeswohls gefasst wor­den. Das ver­stoße gegen das Kinder- und Jugend­beteili­gungs­ge­setz in Meck­len­burg-Vor­pom­mern sowie gegen die Kinder­rechte ins­ge­samt. Ein erfol­gre­ich­er Bürg­er­entscheid könne diesen Rechtsver­stoß nun kor­rigieren.

FDP Schwerin wirbt für „Nein”

Auf der anderen Seite wirbt der FDP-Kreisver­band Schw­erin in ein­er Pressemit­teilung für ein „Nein“ beim Bürg­er­entscheid – also für den Verkauf des Are­als und eine neue Nutzung. Lankow, so die Lib­eralen, sei lange von sozialer Seg­re­ga­tion geprägt gewe­sen, befinde sich aber derzeit im pos­i­tiv­en Wan­del. Wohn­blöcke wür­den saniert, die Infra­struk­tur mod­ernisiert, immer mehr Men­schen aller Alters­grup­pen ent­deck­ten den Stadt­teil neu für sich. Die geplante Neugestal­tung des Are­als an der Kiel­er Straße sei ein weit­er­er Schritt in diese Rich­tung. Auch die Ort­steil­vertre­tung habe sich für das Pro­jekt aus­ge­sprochen.

Ein Investor plant dort unter anderem eine Verbesserung der fachärztlichen Ver­sorgung, etwa im Bere­ich der Nuk­learmedi­zin, sowie weit­ere infra­struk­turelle Entwick­lun­gen. Zudem sollen im direk­ten Umfeld drei neue Spielplätze entste­hen, die den bish­eri­gen erset­zen wür­den. Bauaufträge sollen nach Angaben der FDP vor allem an regionale Fir­men gehen, wovon auch die lokale Wirtschaft prof­i­tieren kön­nte.

Investor bleibt fern – Dialog ohne die entscheidende Stimme

In einem von Mehr Demokratie e. V. mod­erierten „Sprechen & Zuhören“-Format am Mon­tag trafen sich Bürg­erin­nen und Bürg­er in der Frieden­skirche Lankow zum direk­ten Aus­tausch auf Augen­höhe. Es waren sowohl Befür­worter des Erhalts des Spielplatzes als auch Befür­worter der Bebau­ung anwe­send.

Doch aus­gerech­net die Inve­storen­seite bleib trotz Ein­ladung fern und ent­zog sich dem mod­erierten Dia­log, obwohl Mehr Demokratie e. V. aus Berlin ein pro­fes­sionelles Gesprächs­for­mat organ­isiert hat­te.

Dieses Fern­bleiben wirkt wie Meth­ode: Bere­its Wochen zuvor hat­te der Investor einen Gespräch­ster­min mit der SNO-Redak­tion unentschuldigt platzen lassen, auch schriftliche Fra­gen blieben unbeant­wortet.

Für viele Teil­nehmende gestern wurde das Fern­bleiben des Investors zum Sym­bol: Während Bürg­erin­nen und Bürg­er miteinan­der reden wollen, entzieht sich aus­gerech­net der zen­trale Akteur der öffentlichen Auseinan­der­set­zung und ver­stärkt damit den Ein­druck, dass Trans­parenz und echte Beteili­gung nicht gewün­scht sind.

Postlaufzeiten einkalkulieren

Entsch­ieden ist noch nichts. Beim Bürg­er­entscheid gilt eine hohe Hürde: Die Vor­lage ist nur dann angenom­men, wenn die Mehrheit der gülti­gen Stim­men mit „Ja“ votiert und diese Mehrheit min­destens 25 Prozent aller Stimm­berechtigten aus­macht. Da auss­chließlich per Briefwahl abges­timmt wird und die Post­laufzeit­en mehrere Tage betra­gen kön­nen, appel­lieren bei­de Seit­en an die Bürg­erin­nen und Bürg­er, ihre Stimme rechtzeit­ig abzugeben.

Ob Lankow seinen Spielplatz behält oder ob an der Kiel­er Straße ein neues Stadtquarti­er entste­ht – diese Entschei­dung liegt nun in den Hän­den der Schw­er­iner.