Mi, 10. Dezember 2025
Close

Über 4.000 Unterzeichner:
Spielplatz-Initiative erreicht Ziel – Erster Bürgerentscheid in Schwerin kommt

Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Stadtparks Lankow hat über 4.000 Unterschriften gesammelt. Damit ist der Weg für den ersten Bürgerentscheid in Schwerin frei – eine Premiere für die Stadt.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht September 20, 2025
Bürgerentscheid Schwerin
Die nöti­gen Unter­schriften für einen Bürg­er­entscheid zur Zukun­ft des Spielplatz in Lankow sind zusam­mengekom­men.
Foto: Ste­fan Rochow

 

Der Weg für den ersten Bürg­er­entscheid in Schw­erin scheint frei zu sein. Wie aus Rei­hen der Bürg­erini­tia­tive zur Ret­tung des Stadt­parkes Lankow zu hören ist, sind mit Stand Donnner­stagabend 4.047 Unter­schriften für einen Bür­ge­nentscheid zusam­mengekom­men. Die laut Kom­mu­nalver­fas­sung nöti­gen 4.000 Unter­schriften wären damit erre­icht.

»Lesen Sie auch: Stadt verkauft Fläche an Investor – Bürg­er­begehren angekündigt

Der frak­tion­slose Stadtvertreter Stephan Mar­ti­ni beruft sich in einem Post im sozialen Net­zw­erk „Face­book” auf eine Infor­ma­tion aus der Stadtvertre­tung, namentlich vom stel­lvertre­tenden Stadt­präsi­den­ten Daniel Mes­lien (SPD).

Mar­ti­ni schreibt:

Ich vertraue einfach mal drauf, wenn der stellvertretende Stadtptäsident Daniel Meslien es mir schreibt. 4047 gültige Unterschriften. Stand – gestern Abend (Donnerstag) 19 Uhr.

Eine offizielle Bestä­ti­gung durch die Lan­deshaupt­stadt, dass die Bürg­erini­tia­tive das notwendi­ge Quo­rum erre­icht hat, ste­ht allerd­ings zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch aus.

Sie sehen ger­ade einen Platzhal­ter­in­halt von Face­book. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzu­greifen, klick­en Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beacht­en Sie, dass dabei Dat­en an Drit­tan­bi­eter weit­ergegeben wer­den.

Mehr Infor­ma­tio­nen

Träfen die Angaben Mar­ti­nis zu, würde nun im näch­sten Schritt das Innen­min­is­teri­um prüfen, ob das Anliegen der Bürerini­tia­tive formell zuläs­sig ist. Daran beste­ht allerd­ings kaum Zweifel, wie aus der Stadtver­wal­tung zu hören ist.

Stadtpark soll Wohn- und Geschäfstgebäuden weichen

In Schw­erin gibt es Stre­it um ein knapp 5.000 Quadrat­meter großes Grund­stück, das die Stadt an die Quar­ta GmbH & Co. KG  verkaufen will. Im Juli hat­te die Stadtvertre­tung diesen Plä­nen zuges­timmt. Hin­ter dem Unternehmen ste­hen laut Angaben von „North Data” Hans Wern­er Stein und sein Sohn Till­mann Stein, die in Lankow das Ärztehaus und eine Apotheke betreiben.

Auf dem Gelände, das für den Verkauf freigegeben wurde, soll ein Wohn- und Geschäfts­ge­bäude mit Arzt­prax­en gebaut wer­den. Im Moment wird es noch als parkähn­lich­er Spielplatz genutzt und ist ein beliebter Tre­ff­punkt der Lankow­erin­nen  und Lankow­er.

Eine Bürg­erini­tia­tive, unter­stützt von der Wäh­lerliste Aktion Stadt- und Kul­turschutz (ASK), fordert daher die Rück­nahme des Verkaufs­beschlusses. Der Spielplatz sei für die Leben­squal­ität im Vier­tel unverzicht­bar, heißt es. Die ange­bote­nen Ersatzflächen der Stadt seien nicht aus­re­ichend.

Zulet­zt hat­te sich auch das Kinder­hil­f­swerk mit einem Brief an Innen­min­is­ter Pegel in die Debat­te eingeschal­tet und kri­tisiert, dass im Zuge der Beschlussfas­sung geset­zlich vorgeschriebene Mitbes­tim­mungsrechte von Kindern und Jugendlichen mis­sachtet wur­den. Das Werk sprach von einem „fatal­en Sig­nal für  Demokratie und Kinder­rechte”.

»Lesen Sie auch: Kinder­hil­f­swerk wider­spricht Recht­sauf­fas­sung des Innen­min­is­teri­ums

Mit den nun vorgelegten über 4.000 Unter­schriften kön­nen die rund 77.000 wahlberechtigten Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner über die Zukun­ft des Gelän­des  abstim­men. Für Schw­erin wäre das eine Pre­miere: Erst­ma­lig in der Geschichte würde ein Bürg­er­begehren zu einem Bürg­er­entscheid führen.

Entscheid könnte mit OB-Wahl  zusammengelegt werden

Ein Ter­min für einen Entscheid gibt es noch nicht. Die Kosten für diesen wer­den bei der Stadt in sechsstel­liger Höhe ange­siedelt. Da es im näch­sten Jahr aber sowieso ein neue Wahl des Ober­bürg­er­meis­ters geben muss, nach­dem Amtsin­hab­er Rico Baden­schi­er (SPD) in dieser Woche seinen Rück­tritt zum Jahre­sende angekündigt hat, ist eine Zusam­men­le­gung des Bürg­er­entschei­ds mit der OB-Wahl im Moment die wahrschein­lich­ste Vari­ante, da das den Aufwand erhe­blich ver­ringern würde.

»Lesen Sie auch: Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er kündigt Rück­tritt an

Es liegt im Moment in der Hand der Stadtvertreter, einen Bürg­er­entscheid zu ver­hin­dern und den Weg zur Entschei­dung damit abzukürzen: Auf ihrer Sitzung am 29. Sep­tem­ber müssten sie nur den ursprünglichen Beschluss, das Grund­stück für knapp 450.000 Euro an das Unternehmen der Fam­i­lie Stein zu verkaufen, zurück­nehmen.