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Bürgerentscheid mobilisiert:
Schon jeder Dritte hat abgestimmt – Kinder sprechen sich klar für den Spielplatz aus

Der Bürgerentscheid zum Spielplatz an der Kieler Straße mobilisiert Schwerin stärker als erwartet. Schon jeder Dritte hat abgestimmt, das Quorum rückt näher. Selbst Kinder und Jugendliche beziehen klar Position.

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  • Veröffentlicht Januar 20, 2026
Bürgerentscheid Spielplatz Schwerin
Spielplatz oder Neubau? Über diese Frage kön­nen die Schw­er­iner im Moment abstim­men. Foto: Ste­fan Rochow

 

Der Bürg­er­entscheid zum Erhalt des Spielplatzes an der Kiel­er Straße in Schw­erin-Lankow stößt auf deut­lich mehr Res­o­nanz als zunächst erwartet. Bere­its Ende let­zter Woche hat­ten nach Angaben der Stadtver­wal­tung rund 25.300 Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner ihre Stim­men abgegeben. Das entspricht etwa 32 Prozent der Wahlberechtigten. Das ist ein bemerkenswert hoher Wert, zumal der Entscheid mit­ten im Win­ter stat­tfind­et. Beobachter hat­ten deshalb eher mit ein­er gerin­geren Wahlbeteili­gung gerech­net. Aus dem Umfeld der Befür­worter der Umwid­mung des Spielplatzes war immer wieder zu hören gewe­sen, dass man den Entscheid am besten tot­laufen lässt, indem man in der Öffentlichkeit über­haupt keine Stel­lung bezieht.

Nun rückt  das notwendi­ge Quo­rum in greif­bare Nähe und die Strate­gie der Baube­für­worter scheint nicht aufzuge­hen. Der Bürg­er­entscheid gilt allerd­ings  nur dann als erfol­gre­ich, wenn nicht nur eine Mehrheit mit „Ja“ stimmt, son­dern diese Mehrheit zugle­ich min­destens 25 Prozent aller Wahlberechtigten umfasst. Konkret sind dafür 19.631 Ja-Stim­men erforder­lich. Aus dem Rathaus heißt es, dass über das Woch­enende weit­ere tausende Abstim­mungs­briefe einge­gan­gen sein sollen.

Spielplatz oder Neubau eines Wohn-und Geschäftshauses

Abges­timmt wird über eine zen­trale Frage der Stad­ten­twick­lung: Soll das Grund­stück an der Kiel­er Straße, auf dem sich derzeit ein parkähn­lich­er und stark genutzter Spielplatz befind­et, im Eigen­tum der Stadt bleiben und der Spielplatz erhal­ten wer­den? Oder darf die Fläche an die Unternehmer­fam­i­lie Stein verkauft wer­den, die dort ein Wohn- und Geschäft­shaus mit Arzt­prax­en und Tief­garage erricht­en möchte? Als Aus­gle­ich sind drei Ersatzspielplätze in der Nähe vorge­se­hen – ein Vorschlag, der in der Stadt seit Monat­en kon­tro­vers disku­tiert wird.

Auf­fäl­lig ist, dass der Abstim­mungskampf im Stadt­bild bis­lang eher ver­hal­ten aus­fällt. Kosten­lose Plakat­flächen für die beteiligten Seit­en stellt die Stadt nicht zur Ver­fü­gung. Kri­tik daran kommt unter anderem vom Vere­in „Mehr Demokratie“. Für Aufmerk­samkeit sorgt derzeit vor allem ein großes Trans­par­ent am his­torischen Kun­st­gewer­be­haus in der Innen­stadt, das für ein „Ja“ zum Spielplatz wirbt. Der Haus­be­sitzer wurde vom Ord­nungsamt aufge­fordert, das Ban­ner zu ent­fer­nen; ein Ord­nungs­geld ste­ht im Raum.

Kinder und Jugendliche mit klarem JA zum Spielplatzerhalt

Par­al­lel zur offiziellen Briefwahl haben sich auch Kinder und Jugendliche inten­siv mit der Abstim­mungs­frage auseinan­derge­set­zt – obwohl sie selb­st nicht stimm­berechtigt sind. In ein­er Beteili­gungsak­tion der Sozial-Diakonis­chen Arbeit – Evan­ge­lis­che Jugend gGmbH (SoDA-EJ) gemein­sam mit dem Schw­er­iner Kinder- und Jugen­drat wurde ein deut­lich­es Stim­mungs­bild erhoben. In der Pressemit­teilung vom Mon­tag heißt es wörtlich: „Viele Stim­men und eine ziem­lich klare Mei­n­ung – so kann man die Rück­mel­dung der knapp 860 Kinder und Jugendlichen zum anste­hen­den Bürg­er­entscheid über den Erhalt oder den Verkauf der Grün­fläche an der Kiel­er Straße in Schw­erin-Lankow knapp zusam­men­fassen.“

Tat­säch­lich fällt das Ergeb­nis mehr als klar aus: „Denn mit 93 Prozent hat sich eine klare Mehrheit der jun­gen Men­schen für den Erhalt („Ja“) des Spielplatzes aus­ge­sprochen“, heißt es in der Mit­teilung. Befragt wur­den dabei vor allem Kinder und Jugendliche aus Lankow und der West­stadt, die direkt vom Aus­gang des Bürg­er­entschei­ds betrof­fen wären. „Für uns ist es Auf­gabe und Anliegen zugle­ich, dass Kinder und Jugendliche angemessen über sie betr­e­f­fende gesellschaftliche und poli­tis­che The­men informiert wer­den und sie die Möglichkeit haben, ihre Sichtweisen und Mei­n­un­gen dann auch entsprechend einzubrin­gen“, erk­lärt der Geschäfts­führer der SoDA-EJ, Olaf Hagen. „Im Grunde genom­men kon­nten wir gar nicht anders, als anlässlich dieses ersten Schw­er­iner Bürg­er­entschei­des eine solche Befra­gung gemein­sam mit dem Schw­er­iner Kinder- und Jugen­drat auf den Weg zu brin­gen.“

Um die Beteili­gung möglichst niedrigschwellig zu gestal­ten, wur­den alters­gerechte und aus­drück­lich neu­trale Infor­ma­tion­s­ma­te­ri­alien entwick­elt. Dem Vor­bere­itung­steam sei „ganz beson­ders wichtig“ gewe­sen, „dass die Info-Mate­ri­alien neu­tral for­muliert sind“. Auch die Abstim­mung selb­st ori­en­tierte sich am offiziellen Ver­fahren: „Auf den eigens entwick­el­ten Abstim­mungs-Plakat­en kon­nten die Kinder – ähn­lich wie beim Bürg­er­entscheid – ihre Stimme abgeben für ein ‚Ja – Erhalt‘ oder ein ‚Nein – Verkauf‘.“

Unter­stützt wurde das Pro­jekt unter anderem von Schul- und Jugend­sozialar­beit­ern sowie von Lehrkräften an mehreren Schw­er­iner Schulen. Teil­weise fan­den dort eigen­ständi­ge Abstim­mungen statt. Beson­ders deut­lich fiel das Ergeb­nis an der Hein­rich-Heine-Grund­schule aus. Laut Pressemit­teilung ent­fie­len dort „239 Stim­men für ‚Ja‘ und 14 Stim­men für ‚Nein‘“.

Mittel der „direkten Demokratie”

„Der Bürg­er­entscheid ist ein wichtiges Instru­ment der direk­ten Demokratie in Schw­erin“, kom­men­tiert eine Sprecherin des Kinder- und Jugen­drates das Ergeb­nis der Befra­gung. Sie weist zugle­ich darauf hin, „dass es sich beim Stadt­park um einen Ort han­delt, der häu­fig von jün­geren Kindern genutzt wird, die auf­grund ihres Alters vom Wahl­prozess aus­geschlossen sind“. Deshalb ruft sie alle Wahlberechtigten dazu auf, „sich bis zum 25. Jan­u­ar an diesem demokratis­chen Prozess zu beteili­gen und in ihrer Entschei­dung mitzu­denken, dass die Anliegen und Inter­essen der Kinder und Jugendliche klar und berechtigt sind, auch wenn sie selb­st noch kein Wahlrecht haben“.

Der Bürg­er­entscheid endet am Son­ntag. Die Stadtver­wal­tung kündigte an, den Briefkas­ten am Stadthaus let­zt­ma­lig um 18 Uhr zu leeren. Ein vor­läu­figes Ergeb­nis wird für den Abend erwartet. Unab­hängig vom Aus­gang zeigt sich bere­its jet­zt: Die Abstim­mung bewegt die Stadt, und das quer durch alle Alters­grup­pen.