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Caffier fassungslos über Einschätzung zur Schwimmhalle Lankow

(pm/red) Angesichts des Datums der Veröf­fentlichung (1. April) strit­ten sich die poli­tis­chen Beobachter, ob es sich bei der Aussendung der Stadtver­wal­tung über eine Ein­schätzung des Lan­desamtes für Kul­tur und Denkmalpflege

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  • Veröffentlicht April 3, 2015
Bild: schwimmhalle-lankow.de
Bild: schwimmhalle-lankow.de

(pm/red) Angesichts des Datums der Veröf­fentlichung (1. April) strit­ten sich die poli­tis­chen Beobachter, ob es sich bei der Aussendung der Stadtver­wal­tung über eine Ein­schätzung des Lan­desamtes für Kul­tur und Denkmalpflege hin­sichtlich der Schwimmhalle Lankow um einen Aprilscherz han­delte oder nicht. Zu klar schien zu sein, wohin die Reise hin­sichtlich der Schwimmhalle gehen würde.

Der Inhalt der­sel­ben gibt jeden­falls all jenen Bürg­erin­nen und Bürg­ern, die sich für einen Erhalt der Schwimmhalle Lankow als Bau­denkmal ein­set­zen, Hoff­nung – und Innen- und Kom­mu­nalmin­is­ter Lorenz Caffi­er zeigte sich zumin­d­est so weit alarmiert, dass er zu der Mel­dung umge­hend namens seines Haus­es Stel­lung nahm.

Am Mittwoch hat dem­nach das Amt die Lan­deshaupt­stadt über das Ergeb­nis der Über­prü­fung des Denkmal­w­ertes der Schwimmhalle Lankow informiert. Dem­nach seien die Lan­des­denkmalschützer in ihrer Prü­fung zum Ergeb­nis gekom­men, dass es sich bei der 1976 fer­tig gestell­ten und erst kür­zlich still­gelegten Schwimmhalle am Nor­dostufer des Lankow­er Sees um ein schutzwürdi­ges Bau­denkmal han­delt.

„Das öffentliche Inter­esse an der Erhal­tung und der sin­nvollen Nutzung der Schwimmhalle ist gegeben, da die bau- und lokalgeschichtlichen Qual­itäten des Objek­ts bis in die Gegen­wart fortwirken und zu großen Teilen unmit­tel­bar wahrnehm­bar sind“, heißt es in dem Gutacht­en. „Als his­torisch-sozialer Bezug­sort prägte und prägt die Schwimmhalle das gemein­schaftliche Gedächt­nis ver­schieden­er Gen­er­a­tio­nen in Schw­erin.“

OB Gramkow wolle Thema im Hauptausschuss beraten

Die Kon­se­quenz daraus könne nur laut­en, die Halle als Bau­denkmal zu erhal­ten. Die Lan­deshaupt­stadt wird deshalb aufge­fordert, das Bauw­erk in die Denkmalliste der Stadt aufzunehmen.

„Wir prüfen zurzeit Rechtsmit­tel und wer­den am kom­menden Dien­stag mit dem Haup­tauss­chuss über diesen neuen Sach­stand berat­en“, reagierte Ober­bürg­er­meis­terin Ange­li­ka Gramkow auf die Mit­teilung. Den Antrag für die Unter­schutzstel­lung der Schwimmhalle hat­te ein Schw­er­iner Architekt gestellt.

„Schwimmhalle vom Typ Bitterfeld mit erhaltener HP-Schale“

In der Begrün­dung der Denkmal­würdigkeit führt das Lan­desamt an, dass es sich bei dieser Schwimmhalle vom Typ Bit­ter­feld um ein zu DDR-Zeit­en zwar weit ver­bre­it­etes Type­n­pro­jekt han­delt. Die in ihrer Zeit inno­v­a­tive, wellen­för­mige Dachkon­struk­tion habe zu DDR-Zeit­en das Erschei­n­ungs­bild zahlre­ich­er Baut­en und Orte geprägt, sei aber nach heutigem Ken­nt­nis­stand in Meck­len­burg-Vor­pom­mern lediglich in einem Exem­plar, dem­jeni­gen in Schw­erin-Lankow, erhal­ten.

Aus der Begrün­dung der Lan­des­denkmalpflege:

„Zusam­men­fassend ist festzustellen, dass die Schwimmhalle Lankow auf­grund ihrer bau- und lokalgeschichtlichen Bedeu­tung ein Denkmal darstellt. Das Bauw­erk doku­men­tiert die serielle Pla­nung und Umset­zung von gesellschaftlichen Bau­vorhaben in der Ära Honeck­er. Auf der Grund­lage von Wiederver­wen­dung­spro­jek­ten in Bezirks- und Kreis­städten sollte das Niveau der Ver­sorgung mit Sportan­la­gen beträchtlich erweit­ert wer­den. Eines dieser Wiederver­wen­dung­spro­jek­te stellte der auf Grund­lage des Typs Anklam mod­i­fizierte Typ Bit­ter­feld vor, der in Schw­erin real­isiert wurde. Zudem besitzt das Bauw­erk nach dem Ver­lust ander­er Schwimmhallen und gesellschaftlich­er Baut­en mit sein­er erhal­te­nen HP-Schale ein Alle­in­stel­lungsmerk­mal in Meck­len­burg-Vor­pom­mern.
Für Schw­erin stellt das Bauw­erk ein Doku­ment der Orts­geschichte dar, in dem die verbesserte Ausstat­tung an Sport- und Gesund­heitsstät­ten während der 1970er Jahre zum Aus­druck kommt. Zudem zeigt die eigene Pro­duk­tion der ursprünglich für Halle-Neustadt entwick­el­ten HP-Schalen im Plat­ten­werk in Lankow, die Leis­tungs­fähigkeit der Baupro­duk­tion in der Stadt.“

Caffier: „Eingriff in kommunale Selbstverwaltung“

Kom­mu­nal- und Innen­min­is­ter Caffi­er reagierte auf die Mit­teilung hinge­gen eher pikiert. Die erst kür­zlich still­gelegte Schwimmhalle am Nor­dostufer des Lankow­er Sees in Schw­erin als schutzwürdi­ges Bau­denkmal in die Denkmalliste der Stadt aufzunehmen, sei für ihn in kein­er Weise nachvol­lziehbar.

„Mehrere Mil­lio­nen Euro För­der­mit­tel von Bund und Land sowie städtis­ches Geld sind in den Neubau der Halle auf dem Großen Dreesch geflossen. Die Schw­er­iner Stadtvertreter haben sich ein­deutig für diesen einen neuen Schwimmhallen-Stan­dort aus­ge­sprochen. Deshalb ist das Ansin­nen der Denkmalschützer für mich auch vor dem Hin­ter­grund der notwendi­gen Haushalt­skon­so­li­dierung unvorstell­bar und ein Ein­griff in die kom­mu­nale Selb­stver­wal­tung“, so der Min­is­ter. „Sollte es soweit kom­men, muss der Denkmalschutzbe­hörde klar sein, welche Kosten entste­hen. Diese wird die Stadt nicht tra­gen kön­nen!“

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