Corona in MV: Erstmals auch Ausgangssperren vorgesehen

Gestern traf sich erneut der MV-Gipfenl und beriet über die neuen Corona-Maßnahmen. dabei kam es zu echten Überraschungen. Auch Ausgangssperren sind für Hochrisikogebiete nun vorgesehen. Auch gibt es nun mehr Klarheit zur Kontaktregelung. Parallel dazu stieg die 7-Tage-Inzidenz im Land erstmals auf knapp 125. In der mecklenburgischen Seenplatte gar auf über 240.

Die Corona-Pandemie zwingt auch in Schwerin weiter zu Kontaktreduzierungen. | Foto: Symbolbild

Keine Frage: Man muss die aktuellen Zahlen des Corona-Infektionsgeschehen noch ein wenig mit Vorsicht genießen. Denn noch wirken sich, wie auch das Robert-Koch-Institut bestätigt, die zurückliegenden Feiertage auf die täglichen Zahlen aus. Vor allem aber betrifft dies nun zunehmen die Werte, die mehrtägige Zahlen zur Grundlage haben. Den 7-Tage-R-Wert also, oder auch die 7-Tage-Inzidenz. Die auf 24 Stunden bezogenen Werte hingegen dürften so langsam von den Feiertagseinflüssen unabhängiger werden. Blickt man auf die gestern veröffentlichten Zahlen kann man allerdings nur hoffen, dass auch die 24-Stunden-Werte noch unter dem Einfluss stehen.

 

Neuer Höchstwert an Todesfällen für ganz Deutschland

Denn am gestrigen Freitagmorgen meldete das RKI für die Bundesrepublik Deutschland einen Anstieg der Infektionen binnen 24 Stunden von 31.849. Einer der bislang höchsten Tageswerte. Und, was noch viel schmerzhafter ist: Gestern kam es zu einem neuen Höchstwert an im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorbenen Personen in Deutschland: 1.188. Da parallel dazu zahlreiche Bundesländer die am Dienstag noch gemeinsam beschlossenen Maßnahmeverschärfungen aufweichen oder gar ganz kassieren, dürfte ein deutlicher Rückgang der Zahlen zumindest in Frage stehen. Aber die Hoffnung schwindet zuletzt.

 

Thüringens Ministerpräsident fordert „totalen Lockdown“

Aus dem derzeit stark betroffenen Thüringen aber kamen gestern allerdings bereits noch ganz andere Forderungen. Der dortige Ministerpräsident Bodo Ramelow forderte bereits einen totalen Lockdown, bei dem die gesamte deutsche Wirtschaft für einen begrenzten Zeitraum herunterfahren würde. Verschiedene Medien zitierten ihn gestern übereinstimmen dahingehend, dass Teile der Wirtschaft derzeit in Verantwortung genommen würden, während die gesamte weitere Wirtschaft so tue, als wäre nichts. Um die Infektionszahlen tatsächlich nachhaltig zu drücken, wäre dieser Weg der einzig richtige. In Bezug auf die schon sehr frühen Forderungen der Bundeskanzlerin erklärte er: „Die Kanzlerin hatte Recht, und ich hatte Unrecht.“ Wie manch andere Länderchefinnen und -chefs hatte er sich zu lange gegen deutlich härtere Maßnahmen gewehrt, die Angela Merkel bereits im Oktober gefordert hatte. Nun hat die zweite Welle Thüringen brutal erfasst.

 

Paukenschlag in Schwerin: Besonders harte Regelungen mit Ausgangssperre ab Inzidenz von 200

In Schwerin allerdings kam es am gestrigen Freitag auch durchaus zu einem Paukenschlag: Denn in die neue Landesverordnung findet nun unerwartet auch eine Ausgangssperre Einzug. Sie soll bei Inzidenzwerten von über 200 zwischen 21 Uhr und 6 Uhr gelten. Ob und inwieweit dies gerade in dieser Zeit eine Wirkung haben wird, in der aufgrund geschlossener Gastronomie-, Handels- und Freizeitangebote ohnehin abends und nachts nur eine geringe Mobilität in M-V zu verzeichnen ist, muss die Realität sicherlich zeigen. Dennoch aber ist dies eine neue Schärfe der Maßnahmen, die vollkommen unerwartet ins Gespräch kam.

 

Sehr strikte Regelungen gelten nun für Hochrisikogebiete in MV. | Foto: Symbolbild

Bewegungsradius und private Reiseverbote aus und in Hochrisikogebiete im Land

Auch gilt in Regionen mit Inzidenzen von über 200 der von Bund und Ländern beschlossene Bewegungsradius von maximal 15 Kilometern – um die eigene Wohnung herum. Ausnahmen bilden dabei Fahrten zu Ärzten zur Notversorgung von Schulen und Kitas, zur Arbeit oder auch zum Einkauf. Letzterer darf aber nur innerhalb des betroffenen Landkreises bzw. der betroffenen kreisfreien Stadt stattfinden. Den Landkreis darf man nicht dafür verlassen. Auch nicht für Tagesausflüge. Im Umkehrschluss gilt aber auch ein vor allem auf private Reisen ausgerichtetes Reiseverbot in die inländischen Hochrisikogebiete. Damit dürfen auch keine anderen Menschen aus MV oder anderen Regionen in die Landkreise oder kreisfreien Städte mit einer Inzidenz von über 200 für Ausflüge oder Besuche fahren. Ab Sonntag bedeutet dies, dass Ausflüge in die Mecklenburgische Seenplatte nicht mehr gestattet sind. Auch die Zweitwohnungen dürfen dort nicht mehr genutzt werden.

 

Schulen und Kitas schließen in Hochrisikogebieten ganz – Nur Notversorgung bleibt

Auch im Bereich von Schulen und Kitas gilt in Hochrisikogebieten eine Sonderregelung. Denn sie werden dort komplett geschlossen, und nur noch die Notversorgung für systemrelevante Bereiche steht zur Verfügung. Ansonsten sind die Schulen und Kitas bis einschließlich Klasse 6 für alle Schülerinnen und Schüler offen, die definitiv nicht zu Hause bleiben können. Zudem finden ab Montag dort für die Abschlussklassen wieder Unterrichte statt.

 

Regelungen zu neuen Kontaktbeschränkungen (1 Hausstand + 1 Person aus zweitem Hausstand) sind nun fixiert

Ein Hausstand und eine Person eines anderen Hausstandes dürfen sich nur noch treffen. | Foto: Symbolbild

Auch hatte sich nach entsprechenden Äußerungen von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und nach der Sondersitzung des Landtags am Donnerstag in Schwerin abgezeichnet, dass man Kinder aus den neuen Kontaktbeschränkungen herausnehmen wollte. Dies gilt nun auch – allerdings ist die Altersgrenze nun bei 12 Jahren. Grundsätzlich gilt, dass sich ein Hausstand maximal mit einer Person eines anderen Hausstandes treffen darf. In MV darf diese Person des anderen Hausstandes ihr(e) Kind(er) bis max. 12 Jahren dabei haben. Ebenso wies Ministerpräsidentin Schwesig gestern Abend darauf hin, dass die Kontaktregelung in beiden Richtungen gelte. Die eine Person darf den mehrköpfigen Haushalt ebenso besuchen, wie der mehrköpfige die eine Person.

 

Erneut über 400 Neuinfektionen an einem Tag im Land

Sicherlich haben auch die Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales M-V (LAGUS) für das gesamte Bundesland ihren Anteil an diesem abrupten Kurswechsel. Sie waren auch am gestrigen Freitagnachmittag erneut alles andere als positiv. Mit 404 gemeldeten Neuinfektionen kam es zum dritthöchsten Tageswert im Land während der gesamten Pandemie. Auch die beiden darüber liegenden Werte (487 bzw. 480) verzeichnete das Landesamt in dieser Woche. Diese allerdings ließen sich noch sehr gut mit den Feiertagen in Verbindung bringen. Ebenso der Umstand, dass die erste komplette Woche des neuen Jahres schon am Freitag die meisten Neuinfektionszahlen binnen Wochenfrist aufweist. Zwei Tage – allerdings regelmäßig eher mit geringeren Zahlen – stehen dabei noch bevor. Aus diesen Maximalwerten dieser Woche resultiert ein nun auch deutlich über der 100-erMarke liegender Inzidenzwert. Konkret weist die 7-Tage-Inzidenz für Mecklenburg-Vorpommern laut LAGUS aktuell 124,6 Fälle je 100.000 Menschen aus.

 

Impfungen bieten Hoffnungsschimmer

Impfungen kommen gut voran. | Foto: Symbolbild

Eine gewisse Hoffnung, dass das Infektionsgeschehen sich in den kommenden Wochen etwas stabilisieren könnte, dürften die im Land gut vorankommenden Impfungen bieten. Denn sie finden bekanntermaßen vorwiegend in der ältesten weil gefährdetsten Bevölkerungsgruppe statt. Die über Achtzigjährigen verzeichnen derzeit eine 7-Tage-Inzidenz von 212,5 und damit mit weitem Abstand den höchsten Wert aller Bevölkerungsgruppen im Land. Hier dürften sich die Impfungen demnächst doch spürbar positiv auswirken.

 

Seenplatte weiterhin Hochrisikogebiet

Aber ein Blick auf die Landeskarte zeigt derzeit auch, dass im gesamten Land ein Anstieg der Zahlen zu verzeichnen ist. Selbst in der Hansestadt Rostock, die seit Wochen entgegen jedem Trend kaum über eine 7-Tage-Inzidenz von 25 kam, verzeichnet man nun einen Wert von knapp 50. Besonders dynamisch aber bleibt die Situation im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Hier liegt dieser Wert nun bei 241,8. Damit bleibt der Kreis zum zweiten Mal in Folge Hochrisikogebiet.

 

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