Corona in Schwerin: Kita in Quarantäne – UB-Fraktion fordert Absagen von kommunalpolitischen Zusammenkünften

Zwar scheint sich das Infektionsgeschehen in Schwerin etwas zu stabilisieren, aber dennoch ist Vorsicht geboten. Gestern kamen wieder 28 neue Corona-Faälle hinzu. Ein Mensch verstarb leider im Zusammenhang mit dem Virus. Aus der UB-Fraktion kommt nun die begründete Forderung nach einem Aussetzen der Gremienarbeit.

Erneut ein Todesfall in Schwerin in Zusammenhang mit dem Corona-Virus. | Foto: Symbolbild

In der Mecklenburgischen Seenplatte liegt die 7-Tage-Inzidenz inzwischen bei einem Wert von über 240 Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Dort gelten ab Sonntag ein Bewegungsradius von maximal 15 Kilometern um die Wohnung, Ausgangsbeschränkungen zwischen 21 und 6 Uhr sowie eine Schließung aller Schulen und Kitas. Von dieser Situation ist die Landeshauptstadt Schwerin glücklicherweise noch deutlich entfernt.

Derzeit zeichnet sich eine solche auch nicht ab. Nach zwei Tagen mit jeweils 20 Neuinfektionen verzeichnete die Stadt gestern allerdings mit 28 neuen Fällen auch wieder einen höheren Tagesanstieg. Der 7-Tage-Inzidentwert liegt laut LAGUS nun bei 118,1 Fällen je 100.000 Einwohner. Erneut verstarb gestern in Schwerin eine Person im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion.

 

Umfangreiche Quarantäne in Kita „Anne Frank“

Etwas rückläufig sind derzeit die Meldungen von Neuinfektionen, die über Hausarztpraxen kommen. Gestern waren dies lediglich 7 Fälle. Dies ist durchaus ein gutes Zeichen, denn gerade in diesem Bereich handelt es sich oft um vollkommen neue und für das Gesundheitsamt besonders schwierig nachzuvollziehende Infektionsketten. Im Pflegeheim „Im Casino“ scheint sich das Infektionsgeschehen dagegen weiter seinen Weg zu suchen. Allerdings, und das ist auch hier ein eher gutes Signal für das gesamte Heim, bezieht sich das Geschehen abgegrenzt auf einen bereits unter Quarantäne stehenden Bereich. Hier kamen gestern zehn neue Fälle hinzu. Da auch bei einer als Kontaktperson ermittelten Beschäftigten der Kita „Anne Frank“ der Corona-Test positiv ausfiel, musste das Gesundheitsamt dort handeln. Denn in der Einrichtung fand noch eine Betreuung von 30 Kindern statt. Diese gelten nun, ebenso wie die anderen im Dienst befindlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als direkte Kontaktpersonen. Sie müssen daher alle bis zum 21. Januar in Quarantäne.

 

UB-Fraktion in Schwerin fordert möglichst Absage aller nicht zwingend erforderlichen Gremiensitzungen

Die aktuelle Corona-Situation hat nun auch die Kommunalpolitik der Landeshauptstadt nochmals erreicht. Denn bislang finden dort mehr oder minder planmäßig zumindest die meisten aller Ausschuss- und Beiratssitzungen statt, während zahlreiche Unternehmen geschlossen und die Menschen zur deutlichen Kontaktreduzierung aufgerufen sind. Es gibt letztlich einen Ermessensspielraum bei den jeweiligen Gremien. Ein echter Schutz und vor allem ein gutes Beispiel sieht allerdings doch eher anders aus. Diese Situation hat nun auch die Fraktion der Unabhängigen Bürger (UB) aufgegriffen. In einem Schreiben an Stadtpräsident Sebastian Wehlers und Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier bittet man „um stringente Prüfung auf Notwendigkeit von Ausschusssitzungen.“

 

Silvio Horn, Fraktionsvorsitzender Unabhängige Bürger (UB) Schwerin

„Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen.“

„Im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz am Dienstag dieser Woche wurde beschlossen, dass wegen weiter hoher Infektionszahlen der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie bis zum 31. Januar 2021 verlängert und sogar noch verschärft wird. […] Von jedem Bürger unseres Landes wird erwartet, seine Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Schon deswegen sollten wir als Kommune mit gutem Beispiel vorangehen und auch unsere Sitzungen und Kontakte auf das Notwendigste beschränken. Aus Sicht meiner Fraktion sollten die Ausschusssitzungen besser gänzlich abgesagt werden, sofern nicht absolut notwendige Vorlagen auf der Tagesordnung stehen, die unaufschiebbar sind. Wir als Fraktion haben derzeit alle eigenen Sitzungen abgesagt, um unsere Mitglieder keiner Ansteckungsgefahr auszusetzen“, so der Fraktionsvorsitzende Silvio Horn. Er fordert auch eine Verschiebung der nächsten Sitzung der Stadtvertretung, die für den 1. Februar vorgesehen ist.

Man kann gespannt sein, ob der Stadtpräsident, der Ältestenrat und der Oberbürgermeister dieser Argumentation folgen, und zum Schutz der direkt Beteiligten aber auch als gutes Beispiel für die Menschen in der Stadt die Gremienarbeit vorübergehend aussetzen.

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Zudem entwickelte, organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK ein Fashionevent in Schwerin. Heute arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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