Kurioser Wahlkampf in Schwerin:
Linken-Kandidat Daniel Trepsdorf will Manuela Schwesig unterstützen – doch sein Rückzug kommt zu spät
Daniel Trepsdorf will zugunsten von Manuela Schwesig auf seine Direktkandidatur verzichten. Wahlrechtlich dürfte der Linken-Politiker jedoch weiter im Rennen bleiben.

In Kürze:
- Daniel Trepsdorf (Linke) ruft dazu auf, bei der Landtagswahl mit der Erststimme Manuela Schwesig (SPD) zu wählen, um einen Sieg von AfD-Kandidat Leif-Erik Holm zu verhindern.
- Ein formaler Rückzug ist nach der bereits erfolgten Zulassung des Wahlvorschlags nicht mehr möglich. Trepsdorf bleibt voraussichtlich auf dem Stimmzettel und kann gewählt werden.
- Die Zweitstimme sollen seine Unterstützer weiterhin der Linken geben. Trepsdorf will auch weiter Wahlkampf für seine Partei machen.
Der Schweriner Linken-Politiker Daniel Trepsdorf will bei der Landtagswahl am 20. September nicht mehr um das Direktmandat im Wahlkreis 8 kämpfen. Stattdessen ruft er dazu auf, mit der Erststimme Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zu wählen. Damit will er einen Wahlsieg des AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm verhindern. Einen Haken hat Trepsdorfs Entscheidung allerdings: Wahlrechtlich kann er seine Kandidatur nicht mehr zurückziehen. Sein Wahlvorschlag ist bereits zugelassen. Nach dem Landes- und Kommunalwahlgesetz Mecklenburg-Vorpommern ist eine Rücknahme danach ausgeschlossen. Trepsdorf bleibt damit voraussichtlich auf dem Stimmzettel und kann weiterhin gewählt werden.
Trepsdorf begründet seinen Schritt mit „politischer und arithmetischer Vernunft“. Demokratische Kräfte müssten zusammenstehen und eine Wahlempfehlung für die „versierteste und aussichtsreichste Kandidatin“ aussprechen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Seine Empfehlung lautet: Erststimme Schwesig, Zweitstimme Linke. Damit entsteht im Schweriner Wahlkreis 8 eine ungewöhnliche Situation: Ein offiziell zugelassener Direktkandidat wirbt nicht mehr um seine eigene Wahl, bleibt aber Teil des Wahlverfahrens. Die Stimmzettel sind bereits gedruckt, in dieser Woche wurden zudem die Wahlbenachrichtigungen verschickt.
Trepsdorfs Rückzug kommt zu spät
Entscheidend ist der Zeitpunkt der Zulassung der Wahlvorschläge. Nach Paragraf 19 des Landes- und Kommunalwahlgesetzes Mecklenburg-Vorpommern kann ein Wahlvorschlag nur zurückgenommen werden, solange über seine Zulassung noch nicht entschieden worden ist. Nach der Entscheidung des zuständigen Wahlausschusses ist eine Änderung oder Rücknahme grundsätzlich ausgeschlossen. Trepsdorf kann damit zwar öffentlich erklären, dass er nicht mehr um Erststimmen wirbt und stattdessen Schwesig unterstützt. Aus dem Wahlverfahren ausscheiden kann er auf eigenen Wunsch zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr. Sein Name bleibt auf dem Stimmzettel, sofern nicht einer der gesetzlich geregelten Ausnahmefälle eintritt.
Solche Ausnahmen gelten etwa, wenn ein zugelassener Bewerber stirbt oder seine Wählbarkeit verliert. Für einen freiwilligen politischen Verzicht sieht das Gesetz nach erfolgter Zulassung dagegen keine entsprechende Möglichkeit vor. Die bereits gedruckten Stimmzettel müssten wegen Trepsdorfs Erklärung damit nicht neu hergestellt werden. Auch Stimmen, die Wähler am 20. September für ihn abgeben, wären nicht allein wegen seiner öffentlichen Wahlempfehlung für Schwesig ungültig.
Trepsdorf will Holm-Sieg verhindern
Politisch begründet Trepsdorf seinen Schritt mit der besonderen Ausgangslage im Wahlkreis 8. Dort treffen mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm zwei der prominentesten Bewerber der Landtagswahl direkt aufeinander. Holm will Schwesig nach der Wahl als Ministerpräsident ablösen. Trepsdorf befürchtet nach eigener Darstellung, dass eine Verteilung der Erststimmen auf mehrere Kandidaten Holm nutzen könnte. Deshalb fordert er seine Unterstützer auf, bei der Direktwahl für Schwesig zu stimmen. Für die Linke will er dennoch weiter Wahlkampf machen und wirbt ausdrücklich um die Zweitstimme.
Eine Rolle spielt in Trepsdorfs Überlegungen auch die veränderte Situation bei der CDU. Sebastian Ehlers, der im April zum Schweriner Oberbürgermeister gewählt wurde, kandidiert nicht mehr für den Landtag. Für die CDU geht im Wahlkreis 8 nun Jascha Dopp ins Rennen. Trepsdorf sieht deshalb im konservativen Lager keinen ähnlich starken Kandidaten mehr, der Stimmen von der AfD binden könnte.
Erststimme Schwesig, Zweitstimme Linke
Trepsdorfs Wahlempfehlung setzt auf die unterschiedlichen Funktionen der beiden Stimmen bei der Landtagswahl. Mit der Erststimme entscheiden die Wähler darüber, welcher Kandidat den Wahlkreis direkt gewinnt. Die Zweitstimme ist dagegen maßgeblich für die Verteilung der Sitze zwischen den Parteien im Landtag. Trepsdorf setzt damit auf Stimmensplitting: Schwesig soll von Linken-Wählern bei der Direktwahl unterstützt werden, während die Zweitstimme an seine eigene Partei gehen soll. SPD und Linke bilden in Mecklenburg-Vorpommern derzeit gemeinsam die Landesregierung.
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Landesweit ist die Ausgangslage knapp. Nach einer aktuellen Insa-Umfrage kommen SPD und Linke zusammen auf 40 Prozent, 29 Prozent für die SPD und elf Prozent für die Linke. Die AfD erreicht demnach 36 Prozent. Aus einer landesweiten Umfrage lässt sich allerdings nicht ableiten, wie die Erststimmen im einzelnen Schweriner Wahlkreis 8 verteilt sein werden.
Was geschieht bei einem Trepsdorf-Sieg?
Sollte Daniel Trepsdorf trotz seiner Wahlempfehlung für Manuela Schwesig die meisten Erststimmen erhalten, würde er zunächst das Direktmandat im Wahlkreis 8 gewinnen. Sein zuvor erklärter politischer Rückzug ändert daran nichts. Trepsdorf könnte das Mandat annehmen und als direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag einziehen. Er könnte allerdings auch auf das Mandat verzichten. Das Landes- und Kommunalwahlgesetz sieht dafür eine entsprechende Erklärung gegenüber dem Landeswahlleiter vor.
In diesem Fall würde nicht der Kandidat mit den zweitmeisten Erststimmen nachrücken. Der Wahlkreis würde also nicht nachträglich an Schwesig, Holm oder einen anderen Mitbewerber fallen. Stattdessen würde der frei werdende Sitz nach den gesetzlichen Nachrückregeln über die Landesliste der Linken besetzt. Für Trepsdorf ist das von besonderer Bedeutung, weil er bei dieser Landtagswahl ausschließlich als Direktkandidat im Wahlkreis 8 antritt und keinen Platz auf der Landesliste der Linken hat. Ein Verzicht nach einem Wahlsieg würde deshalb nicht dazu führen, dass er selbst auf einem anderen Weg in den Landtag einzieht. Der Sitz würde an eine nachrückende Person der Linken-Landesliste gehen.
Damit könnte Trepsdorfs Kandidatur selbst nach seinem angekündigten Verzicht noch Auswirkungen auf die Zusammensetzung des neuen Landtags haben: Gewinnt er den Wahlkreis und nimmt das Mandat nicht an, bekommt nicht der Zweitplatzierte das Direktmandat. Stattdessen bliebe der Sitz bei der Linken und würde aus ihrer Landesliste nachbesetzt.




