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„Das Leid vieler Menschen etwas lindern zu können, war und bleibt meine Priorität”

  (stm). Was haben Edward Snow­den, Gün­ter Wall­raff, der in Schw­erin ver­stor­bene WDR-Jour­nal­ist Klaus Bed­narz und Mari­na Schubarth gemein­sam? Alle sind Träger der Carl-von-Ossi­et­zky-Medaille. Dieser jährlich zu vergebene Preis der

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  • Veröffentlicht April 17, 2015
Schubarth
Mari­na Schubarth spricht im Inter­view mit Schw­erin-Lokal über ihr Engage­ment für Men­schen­rechte und warum sie nach Schw­erin kommt      Quelle: youtube

 

(stm). Was haben Edward Snow­den, Gün­ter Wall­raff, der in Schw­erin ver­stor­bene WDR-Jour­nal­ist Klaus Bed­narz und Mari­na Schubarth gemein­sam? Alle sind Träger der Carl-von-Ossi­et­zky-Medaille. Dieser jährlich zu vergebene Preis der Inter­na­tionalen Liga für Men­schen­rechte wird an Men­schen und Ini­tia­tiv­en ver­liehen, die sich nach Auf­fas­sung des Vere­ins in beson­der­er Art und Weise für die Ver­wirk­lichung der Men­schen­rechte einge­set­zt haben. Die Preisträger Mari­na Schubarth kommt am kom­menden Don­ner­stag nach Schw­erin.

 

An diesem Tag wird es im im Werk 3 ab 20.00 Uhr ein Bene­fizkonz­ert für die Ukraine geben. (mehr Infor­ma­tio­nen zu auftre­tenden Bands und Ange­boten hier)

 

Die Ukrainer­in Mari­na Schubarth, die sich vor Ort gut ausken­nt, wird in einem Licht­bilder­vor­trag über die momen­tane Sit­u­a­tion in der Ukraine bericht­en. Viele Jahre koor­diniert die Ossi­et­zky-Preisträgerin Hil­feleis­tun­gen für die dort leben­den Men­schen. Schw­erin-Lokal hat sie schon im Vor­feld ein Inter­view gegeben.

 

Schw­erin-Lokal: Guten Tag Frau Schubarth, am Don­ner­stag sind Sie in Schw­erin.  Was erhof­fen und erwarten Sie hier in Schw­erin an diesem Abend?

 

Mari­na Schubarth: Guten Tag. Als erstes möchte ich mich für diese wun­der­bare Idee eines Bene­fizkonz­ertes zu Gun­sten der Ukraine bedanken.

Es ist ein Zeichen der Sol­i­dar­ität gegenüber dem Nach­bar­land, der Ukraine und deren Men­schen. Ich würde mich freuen, wenn viele Inter­essierte vor­bei kom­men, um ein­er­seits ein wenig mehr über die Ukraine zu erfahren, und ander­seits durch die Spenden jenen helfen, welche heute auf jede Hil­fe angewiesen sind.

 

Schw­erin-Lokal: Wenn man nach Ihnen im Netz recher­chiert, find­et man schnell die Angabe, dass Sie Ossi­et­zky-Preisträgerin sind. Was ist die Ossi­et­zky-Medaille?

 

Sie haben die Ossi­et­zky-Medaille vor 13 Jahren für ihr Engage­ment zu den ehe­ma­li­gen Sow­jetlän­dern erhal­ten. Worin lag das Engage­ment?

 

Mari­na Schubarth: Diesen Preis erhielt ich für mein ehre­namtlich­es Engage­ment, für die Rechte der ehe­ma­li­gen Zwangsar­beit­er, Ghet­to und KZ Insassen, des II. Weltkrieges. Ich wollte sein­erzeit der Auf­schrift OST, welche die ehe­ma­li­gen Zwangsar­beit­er aus der Sow­je­tu­nion als Kennze­ichen tra­gen mussten, ein Gesicht geben.

 

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Mit dem Vere­in Kon­tak­te- Kon­tak­ty e.V. habe ich eine Ausstel­lung dazu ora­gan­isiert, um auch auf die müh­same Debat­te der Entschädi­gung hinzuweisen. Ich habe dann über Jahre für die ehe­ma­li­gen Zwangsar­beit­ern ihre notwendi­gen Doku­mente in Deutsch­land gesucht, damit diese eine human­itäre Hil­fe aus der deutschen Stiftung Erin­nerung, Ver­ant­wor­tung und Zukun­ft – EVZ – erhal­ten kon­nten. Dabei han­delte es sich nicht um ein paar Nach­weise, son­dern um mehrere Tausende, welche ich müh­sam hier zusam­men suchte. Durch den Spende­naufruf „Soforthil­fe” den ich betreute, kon­nten einige Spenden für die beson­ders Bedürfti­gen Men­schen in die Ukraine, nach Rus­s­land und Belaruß gebracht wer­den und somit den Men­schen tat­säch­lich geholfen wer­den. So bereiste ich über viele Jahre, oft mehrmals im Jahr, die gesamte Ukraine und kon­nte mir ein Bild über das Land und deren Men­schen machen. Diesen Preis zu bekom­men, war für mich natür­lich eine hohe Anerken­nung, jedoch das Leid viel­er Men­schen etwas lin­dern zu kön­nen, war und bleibt meine Pri­or­ität.

 

Schw­erin-Lokal: Was viele unsere Leser inter­essiert, was ist  in der Ukraine los?

 

Mari­na Schubarth: In der Ukraine herrscht Krieg. Keine Krise, son­dern ein Krieg. Und dieser Krieg find­et auf mehreren Ebe­nen statt, und das bere­its seit der Maj­dan-Rev­o­lu­tion. Ein­er­seits haben wir mil­itärische Kämpfe vor Ort, ander­seits ist die Gesellschaft in Europa durch die rus­sis­che Pro­pa­gan­da fast ges­pal­ten wor­den. So sind manche Fre­und­schaften und Fam­i­lien auseinan­der gebrochen, und das bet­rifft bei weit­em nicht nur die Ukrain­er, son­dern find­et auch hier im West­en Europas statt. Das Ziel der Pro­pa­gan­da ist ja ger­ade die Spal­tung der Gesellschaft, und diese greift tat­säch­lich Platz. Es wird wed­er der Faschis­mus in der Ukraine bekämpft, noch gab es ein Prob­lem mit der rus­sis­chen Sprache. Das waren alles vorgeschobene Gründe, um diesen Krieg zu ent­fal­ten. Diesen Krieg, welch­er uns Angst macht. Um die Hin­ter­rgründe bess­er zu ver­ste­hen, muss man in die ukrainis­che und eben­so in die rus­sis­che Geschichte ein­tauchen.

 

Schw­erin-Lokal: Was soll mit den Geld aus der Bene­fizver­anstal­tung passieren?

 

Mari­na Schubarth: Noch vor dem Krieg war die medi­zinis­che Ver­sorgung in der Ukraine katas­trophal. Auf einen Krieg war das Land wed­er mil­itärisch, noch medi­zinisch vor­bere­it­et. In den Kranken­häusern liegen viele Ver­wun­dete und oft fehlt es an Medika­menten, die entwed­er gän­zlich fehlen oder finanziell uner­schwinglich sind. Mit dem Erlös aus der Bene­fizver­anstal­tung wer­den wir nach der Anweisung der ver­sor­gen­der Ärzte vor Ort, Medi­zin und spezielle blut­stil­lende Ver­bände besor­gen und dieses per­sön­lich in die Ukraine brin­gen.

 

Schw­erin-Lokal: Wie kann man Sie und ihre Arbeit son­st noch, außer durch diese Bene­fizver­anstal­tung von hier aus helfen und unter­stützen?

 

Mari­na Schubarth: Ich leite seit 14 Jahren das Doku­men­tarthe­ater Berlin. Unsere aktuellen Auf­führun­gen behan­deln die The­men, wie die NSU und die Tsch­er­nobylkatas­tro­phe. Es sind wichtige The­men, welche an Aktu­al­ität nicht ver­lieren. Ich würde mich sehr freuen, wenn die The­ater­land­schaft Schw­erin uns einen Weg zu einem Gast­spiel ermöglichte, oder wenn Schulen mich zu dem The­ma der Ukraine, Zwangsar­beit­er des II. Weltkrieges oder die Reak­torkatas­tro­phe zu sich, zu ihren Schulk­lassen ein­laden wür­den. Das wäre eine schöne und wichtige Brücke zwis­chen Schw­erin, Berlin und der Ukraine, welche entste­hen kön­nte.

Frau Schubarth, wir danken Ihnen sehr für dieses Inter­view und freuen uns auf Don­ner­stag Abend.

Vie­len Dank. Ich freue mich eben­falls auf die Bene­fizver­anstal­tung und die Gäste ihrer Stadt!

 

large_Regie1_1Mari­na Schubarth

Seit 2003 Lei­t­erin und Regis­seurin des doku­men­tarthe­aters berlin e.V. Abgeschlossenes Studi­um des Tanzes in Budapest. 1987 – 1997 Engage­ments im Stadtthe­ater Karl­sruhe und The­ater des West­ens, Berlin. 1997 – 2012 als Chore­ografin bei ver­schiede­nen Pro­duk­tio­nen tätig, wie Volks­bühne Graz, Berlin­er Ensem­ble, Volks­bühne Wien, Magde­burg­er Opern­haus. Von 2003 – 2011 eigene Pro­duk­tio­nen, wie: „OST-Arbeit­er“, „Tänz­erin hin­ter Stachel­draht“, „Und der Name des Sterns heißt Tsch­er­nobyl“, „Holodomor – der unbekan­nte Völk­er­mord“, „Gesichter des Krieges“, „VERA“, „Vergessene Biografien“. Inter­na­tionale Ausze­ich­nun­gen für ihr Engage­ment für Men­schen­rechte und The­ater-Insze­nierun­gen. Trägerin der Ossi­et­zky-Medaille des Jahres 2002.

 

 

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