Der gemeinsame Weg bleibt auch weiter möglich

Depressionen sind, auch wenn es noch immer bei so manchem - vor allem nicht unmittelbar Betroffenem - nicht angekommen zu sein scheint, eine ernsthafte und ernst zu nehmende Erkrankung. Aufgrund ihrer Symptomatik hat sie zweifellos auch Einfluss auf Familienleben, Freundschaften und Partnerschaften. Sie ist aber letztlich kein unbedingter Trennungsgrund. Gemeinsam angegangen, finden sich Wege - und nicht selten kann ein solcher Weg Beziehungen sogar zusätzlich stärken.

Depression ist eine schwere Krankheit – ob es mancher nun wahrhaben will, oder nicht. | Foto: Symbolbild

Auch wenn es viele, vor allem vermeintlich Nicht-Betroffene, noch immer nicht verstanden haben, nicht verstehen wollen oder sich vor der Wahrheit drücken wollen: Auch nach medizinisch-therapeutischer Betrachtung handelt es sich bei einer Depression um eine tatsächlich ernsthafte Erkrankung. Auch wenn man vielleicht keine unmittelbar optischen „Belege“ wahrnimmt. Die Depression nimmt unmittelbar Einfluss auf das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen, ist mit Störungen der Körperfunktionen verbunden und verursacht nicht selten ganz erhebliches Leid. Häufiger als man glaubt endet die Erkrankung auch heute noch tödlich. Im Suizid, weil die Betroffenen keine anderen Ausweg finden. Damit ist sie eben nicht, wie es gern getan wird, mit einem gebrochenen Bein, sondern eher mit im Zweifelsfall tödlich verlaufenden Krankheiten „vergleichbar“. Wenn dann der Vergleich erforderlich ist, damit auch bislang eher Unbelehrbare eben den Umstand „Depression = Krankheit“ auch akzeptieren.

 

Depression ist eine ernsthafte Erkrankung

Wichtig ist dabei anzuerkennen, dass Symptome der Depression eben nicht, wie in der umgangssprachlichen Verwendung gern angenommen, bloße (nachvollziehbare) Reaktionen auf bestehende Lebensprobleme darstellen. Sie sind vielmehr Ausdruck einer eigenständigen, überwiegend behandelbaren Erkrankung. Sehen Betroffene und Angehörige dies nicht, besteht das Risiko, dass die Suche nach professioneller Hilfe ausbleibt. Ohne diese – psychologisch wie medikamentös – ist es für die allerdings Erkrankten schwer, sich aus der Niedergeschlagenheit, der Antriebslosigkeit und den negativen Gedanken zu befreien. Auch das ist, verglichen mit „herkömmlichen“ Erkrankungen, aber keine Besonderheit. Auch bei diesen sind Ärzte verschiedenster Fachbereiche und oftmals sogar zusätzlich psychologische Therapien erforderlich.

 

Anzeichen einer Depression

Ob möglicherweise eine eine Depression vorliegt, das lässt sich an bestimmten Symptomen erkennen.

Die drei wichtigsten Anzeichen sind dabei:

  • gedrückte, depressive Stimmung
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel und Ermüdbarkeit

Sollten zwei dieser drei Anzeichen länger als 2 Wochen bestehen, kann dies auf eine Depression hinweisen.

Hinzu können aber noch weitere Beschwerden auftreten. Dies sind beispielsweise:

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • übertriebene Zukunftsängste und „Schwarzsehen“
  • Gedanken oder Versuche, sich selbst zu töten
  • Schlafstörungen
  • verminderter Appetit

Aber auch körperliche Beschwerden sind häufig Teil einer Depression. Vielfach treten dabei Magen-Darm-Probleme, Schmerzen oder auch Luftnot auf.

In Abhängigkeit davon, wie viele Symptome auftreten, erfolgt eine Unterscheidung der Depression in drei Schweregrade: leicht, mittelschwer und schwer. Um eine erste Richtung zu bekommen, ob eine Depression vorliegen könnte, kann ein recht einfacher Test dienen. Es sind lediglich zwei Fragen – allerdings sehr ehrlich – zu beantworten: Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos? Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun? Kann man beide Fragen mit „Ja“ beantworten und erkennt möglicherweise einige der o.g. Symptome, ist der Weg zum Hausarzt sinnvoll.

 

Depressionen sind keine Frage des Alters. Sie können auch Kinder, jugendliche und junge Erwachsene treffen.| Foto: Dana Tentis

Betrifft auch die Partnerschaft – Stärkung durchaus nicht selten

Klar ist natürlich auch, dass von einer Depression sowohl die Erkrankten selbst als auch ihr Umfeld betroffen sind. Gerade auch in Partnerschaften bedeutet dies, zueinander zu stehen, füreinander da zu sein und aufeinander – auf die bzw. den anderen sowie sich selbst – zu achten. So distanzieren sich depressive Menschen häufig vollkommen ungewollt von ihrem Partner – obwohl sie ihn lieben. Grund dafür sind eben Symptome wie Niedergeschlagenheit und emotionale Leere, die die Beziehung belasten.  Sie müssen und sollten aber kein Grund zu einer Trennung sein. Die Bindung kann durchaus für beide Seiten erfüllend weiter bestehen und stabilisiert sowie „normalisiert“ sich in den meisten Fällen auch wieder. Oft geht sie geht in nicht wenigen Fällen sogar gestärkt aus der Situation hervor, wie Klaus-Dirk Kampz, Geschäftsführer der My Way Psychiatrischen Klinik in Eckenhagen, weiß. Eine Trennung, wie manche denken, ist also alles andere als erforderlich.

 

Zunehmende Distanz in Partnerschaft und vom Umfeld sollte alarmieren

Depressionen äußern sich auf unterschiedliche Weise und können viele verschiedene Auslöser haben. Dazu zählen unter anderem genetische Veranlagungen und negative Erlebnisse. Bemerken gesunde Menschen, dass sich der Partner verändert und die Harmonie in der Beziehung nachlässt, kann dies eventuell auf Depressionen hinweisen. Zumindest dann, wenn sich der Eindruck verstärkt, dass sich die Partnerin oder der Partner aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen. Denn dies ist ein doch zentrales Zeichen einer Depression

„Einige distanzieren sich von Angehörigen, um beispielsweise Auseinandersetzungen zu meiden oder die Liebsten nicht zu belasten. Zu den weiteren Anzeichen zählt, dass viele alltägliche Aufgaben für depressive Personen plötzlich große Herausforderungen darstellen und selbst positive Erlebnisse bei ihnen nicht für bessere Gedanken und Gefühle sorgen“, weiß Kampz. Betroffene reagieren durch ihre dauerhaft negativen Empfindungen zudem schneller als normal auch gereizt. Das sorgt dann häufig – nachvollziehbarer Weise – für angespannte Stimmung und erschwert eine gesunde Kommunikation. Es kann so durchaus vermehrt zu Konflikten in der Partnerschaft kommen.

 

Gemeinsam ist die schwere Zeit zu bewältigen

Für die Streitigkeiten und emotionale Distanz gibt der gesunde Partner meist sich selbst oder eben dem Liebsten die Schuld. „Doch bei einer Erkrankung kann keiner etwas dafür. Depressive Menschen wollen sich oft liebevoll in die Partnerschaft einbringen, schaffen es aber häufig einfach nicht. Durch das mentale Leiden fehlt ihnen oft die notwendige Energie, emotionale Kraft oder Lebensfreude“, erklärt Kampz. Um die entstandenen Beziehungsprobleme zu lösen, gilt es daher, die Krankheit zu behandeln. „Dabei ist es besonders wichtig, den Liebsten mit viel Geduld zu unterstützen. Beispielsweise ermutigen Partner die erkrankte Person zu kleinen Aktivitäten wie einem Spaziergang in der Sonne oder sportlicher Betätigung. Motivieren, aber nicht überfordern, lautet dabei die Devise“, weiß Kampz.

 

Hilfe in Anspruch nehmen

Mit professioneller Unterstützung lassen sich Depressionen gut behandeln. Haben Betroffene jedoch selbst keinerlei Krankheitseinsicht, sollten Partner versuchen, sie behutsam auf die Symptome aufmerksam zu machen. Auch wenn die Gesellschaft noch immer unberechtigter Weise schnell ein anderes Bild malt, so „ist es keine Schwäche, sich helfen zu lassen. Angehörige sollten depressive Menschen aber auf keinen Fall zur Therapie drängen. Kommt es hingegen zu Äußerungen über suizidale Gedanken, ist ein Eingreifen berechtigt und dringend erforderlich“, betont Kampz. Damit die Beziehung den Belastungen der Depressionen standhält, müssen beide Parteien sich gegenseitig aufmerksam zuhören und offen über ihre Sorgen sprechen. So spielen auch die Interessen und Gefühle des gesunden Partners eine wichtige Rolle und dürfen aufgrund der Erkrankung des anderen nicht zu kurz kommen. Um wieder zu einem liebevollen Umgang miteinander zu finden, können auch Paartherapien oder Paarcoachings helfen.

 


Hinweise für Betroffene und Angehörige im Krisenfall

Ein Angehöriger scheint in einer ausweglosen Situation zu sein? Sie fürchten um die Gesundheit dieses Menschen oder befürchten gar Schlimmeres? Sie sind selbst in einer scheinbar ausweglosen Situation? Das Gefühl, ja eine vermeintliche Gewissheit, es gäbe keinen Ausweg mehr, nimmt Überhand? Sie denken gar darüber nach, ob ein Suizid nicht möglicherweise ein Ausweg wäre? Dann suchen Sie sich Hilfe! Sofort jetzt oder auch zu jedem anderen Zeitpunkt können Sie sich als Betroffene wie auch als Angehörige – auch anonym – an die Telefonseelsorge wenden. Diese ist kostenlos zu jeder Tages- und Nachtzeit unter den folgenden Telefonnummern zu erreichen:

  • 0800 1110111
  • 0800 1110222

Im unmittelbaren Krisenfall wenden Sie sich bitte direkt an die nächstliegende Klinik oder rufen einen Notarzt: 112. 

Die Telefonseelsorge hat zudem für Menschen mit Suizidgedanken und Personen, die sie begleiten, die kostenfreie App „Krisen Kompass“ veröffentlicht. Sie steht in den gängigen App-Stores unterstützend zur Verfügung und gewährleistet ebenfalls absolute Vertraulichkeit.

Beratung bei Suizidgefährdung ist auch im Internet möglich, zum Beispiel durch die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de) und andere Institutionen. Einige Angebote richten sich speziell an Jugendliche und junge Erwachsene in Krisen:

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