Die fünf Wirtschaftskammern in MV schärfen gemeinsam Forderungen an die Politik

Wirtschaftskammern in MV: Die drei Industrie- und Handelskammern und die beiden Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern haben gemeinsam ihre wirtschaftspolitischen Positionen geschärft und richten ihre Forderungen an die politischen Vertreter unmittelbar nach dem Ergebnis der Landtagswahl. Aus Sicht der Wirtschaft besteht damit eine konkrete Vision zur Entwicklung des Landes in der kommenden Legislaturperiode. Die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer haben sich am Tag nach der Landtagswahl MV dazu verständigt.

Zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik für das Land

Den Wirtschaftskammern geht es um eine ambitionierte Wirtschaftspolitik, die besonders die Bedarfe und Chancen der kleinen und mittleren Unternehmen aufgreift. Langfristig muss es das Ziel sein, die Wertschöpfungsketten im Land gezielt, nachhaltig und innovativ zu ergänzen und auszubauen. Alle Ressorts der künftigen Landesregierung müssen dazu an einem Strang ziehen und sich zum Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern bekennen.

„Grundlegend für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaftspolitik ist für die Unternehmen im Land eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sowie der umgehende flächendenkende Ausbau an Breitband- und Mobilfunkangeboten“, äußert Matthias Belke, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin. „Wenn wir von Digitalisierungsprozessen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sprechen, Innovationszentren für Startups einrichten und erfolgreich dringend benötigte Neuansiedlungen umsetzen wollen, müssen diese Grundlagen dringend geschaffen werden. Auch die Verwaltungen müssen in ihrer Effizienz und Effektivität hinterfragt werden und eigene Verfahren mit digitalen Angeboten und Lösungen optimieren.“

Innovationen und Wertschöpfung sind Motor für Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit

„Es gilt nun, alle Kraft daran zu setzen, unser Bundesland zukunftsfähig aufzustellen und unsere Innovationskraft zu stärken. Dazu gehört die konsequente Umsetzung der Regionalen Innovationsstrategie und die Aufwertung des Transfers aus den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in die Unternehmen. Es muss uns in allen Bereichen gelingen, mehr Wertschöpfung im Land zu generieren. Dies betrifft die Zukunftsthemen Green Deal, Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien genauso wie die Bereiche Bio- und Medizintechnik sowie Förderung und Beschleunigung des Wissens- und Technologietransfers. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung ist und bleibt ein Umdenken im Bildungsbereich. Wir benötigen in allen Bereichen qualitativ gut ausgebildete Nachwuchskräfte, qualifizierte und motivierte Lehrkräfte sowie Bildungsangebote in der Region, um die jungen Menschen in unserem Land zu halten“, betont Dr. Wolfgang Blank, Präsident der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern.

Qualitativ hochwertige Bildungspolitik und aktive Fachkräfteoffensive

Eine konsequent qualitativ hochwertige Bildungspolitik und eine aktive Fachkräfteoffensive sind die Grundsteine, um die fachlichen Kompetenzen im Land kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu halten. Die Schulen sowie Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen sind bedarfsgerecht auszustatten. Die Lehrkräfte müssen ebenfalls befähigt sein, die Möglichkeiten der Digitalisierung anzuwenden.

Ein solide Fach- und Arbeitskräftebasis war vor Corona und wird auch nach der Pandemie eines der wichtigsten wirtschafts-, arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Themen in Mecklenburg-Vorpommern sein. Die duale Berufsausbildung ist das zentrale Instrument für die Sicherung und Gewinnung von Nachwuchskräften. Des Weiteren müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass sich das Land nach innen und außen als attraktiver Standort zum „Leben und Arbeiten“ positioniert.

„In MV fehlen im Handwerk aktuell 2.000 Fachkräfte, mehr als 500 Lehrstellen blieben in diesem Jahr bislang unbesetzt. Deshalb muss die Sicherung des fachlichen Nachwuchses ein wirtschaftspolitischer Schwerpunkt für die kommende Landesregierung werden. Der handwerkliche Mittelstand fordert mehr Unterstützung, mehr finanzielle Mittel für die duale Berufsausbildung und die Entlastung der Ausbildungsbetriebe. Die Berufsorientierung an den Schulen muss dringend ausgebaut und mehr Praktika angeboten werden. Wichtigste Aufgabe bleibt die lang versprochene Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung. Die Politik muss hier endlich handeln und den Worten auch Taten folgen lassen“, so Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern.

„Die Sicherung der hochwertigen dualen Berufsausbildung setzt eine umfassende Modernisierung der Berufsschulen und der beruflichen Bildungsstätten voraus. Wir müssen jetzt zügig vorankommen mit Blick auf die digitale Ausstattung von Bildungsstätten und Berufsschulen und auf die Steigerung der digitalen Kompetenzen von Lehrkräften und Ausbildern“, sagt Uwe Lange, Präsident der Handwerkskammer Schwerin.

Corona wird die Wirtschaft noch lange beschäftigen

Die Corona-Krise hat in der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns zur tiefsten Rezession der letzten Jahrzehnte geführt. Viele Wirtschaftszweige und Betriebe haben erhebliche, teils auch existenzbedrohende Verluste erlitten. Diese Unternehmen stehen daher in den nächsten Jahren noch vor großen Herausforderungen: eine angespannte Liquidität, aufgezehrtes Eigenkapital, gestörte Lieferketten und stark gestiegene Einkaufspreise belasten die Wirtschaft.

„Gerade die besonders betroffenen Betriebe benötigen weiter öffentliche Unterstützung zur Bewältigung und Überwindung der wirtschaftlichen Folgen. Es dürfen den Betrieben keine weiteren Lasten auferlegt werden. Die Chancen, die die Corona-Pandemie trotz Allem aufgezeigt hat, müssen genutzt werden. Im Fokus stehen zudem die Stärkung der Innenstädte und Ortszentren.“ fordert Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock.

„Dazu gehört auch, die Zentren als vielfältige und attraktive Lebensstandorte weiterzuentwickeln. Das Elixier vitaler Städte ist die funktionsfähige Symbiose aus Gastronomie, Handel, Dienstleistungen, Veranstaltungen sowie Besuchern, Fachkräften und ihren Familien.“

Die Wirtschaftskammern betonen, dass sie für die anstehenden Herausforderungen der Landespolitik als Gesprächspartner auf Augenhöhe mit Sachverstand und Expertise zur Verfügung stehen. Ihrem Selbstverständnis folgend werden die IHKs und HWKs auch künftig ihren Beitrag leisten, um die wirtschaftliche Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns partnerschaftlich gemeinsam mit Politik und Verwaltung voranzubringen.

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