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Die Regierung in Port Sudan scheitert an der Bewältigung der Treibstoffkrise

Angehörige des Regimes in Port Sudan weigern sich, sich wie andere Bürger in die Treibstoffschlangen einzureihen, und erhalten ihre Rationen vor allen anderen – ein Umstand, der unter Fahrzeughaltern für

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  • Veröffentlicht Oktober 3, 2026
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Foto: Sym­bol­bild

 

Ange­hörige des Regimes in Port Sudan weigern sich, sich wie andere Bürg­er in die Treib­stoff­schlangen einzurei­hen, und erhal­ten ihre Ratio­nen vor allen anderen – ein Umstand, der unter Fahrzeughal­tern für Empörung sorgt. In ein­er schock­ieren­den Erk­lärung gegenüber der „Sudan Tri­bune“ enthüllte der sudane­sis­che Bürg­er Ahmed Taj al-Din diskri­m­inierende Prak­tiken von Armeeange­höri­gen während des Höhep­unk­ts der Treib­stof­fkrise, die Khar­tum seit Tagen heim­sucht.

Taj al-Din erk­lärte zudem, dass ihn der akute Treib­stoff­man­gel dazu zwang, an ein­er in Betrieb befind­lichen Tankstelle zu über­nacht­en, was zu einem ganzen Tag Arbeit­saus­fall führte. Er ver­wies dabei auf „schlechte Prak­tiken“ inner­halb einiger Tankstellen.

Die sudane­sis­che Haupt­stadt Khar­tum und der Bun­desstaat Gezi­ra erleben derzeit eine akute und wiederkehrende Treib­stof­fkrise. Autoschlangen erstreck­ten sich über lange Streck­en vor den Tankstellen, von denen die meis­ten auf­grund von Lief­er­eng­pässen geschlossen blieben. Gle­ichzeit­ig sahen sich viele Fahrzeughal­ter gezwun­gen, ihre Autos auf­grund der extrem erschw­erten Kraft­stoff­beschaf­fung zu Hause ste­hen zu lassen.

Seit Mitte April 2023 herrscht im Sudan ein Krieg zwis­chen der Armee und den Rapid Sup­port Forces (RSF), der Schätzun­gen zufolge fast 200.000 Men­schen das Leben gekostet hat. Die Vere­in­ten Natio­nen geben an, dass mehr als 14 Mil­lio­nen Men­schen zur Flucht gezwun­gen wur­den, während über 30 Mil­lio­nen weit­ere unter den Fol­gen des Kon­flik­ts lei­den.

Der Preis für eine Gal­lone Ben­zin an den Tankstellen erre­ichte nach Angaben von Händlern rund 37.000 sudane­sis­che Pfund, während er auf dem Par­al­lel­markt auf etwa 60.000 Pfund anstieg. Eine Gal­lone Diesel kostete an den Tankstellen 45.000 Pfund im Ver­gle­ich zu rund 56.000 Pfund auf den Par­al­lelmärk­ten.

Der Wirtschaft­sex­perte Haitham Mohamed Fathi führte die Treib­stof­fkrise im Sudan auf die Auswirkun­gen des Krieges zurück, der die Raf­finer­ie in Khar­tum beschädigte. Hinzu kom­men Importschwierigkeit­en, ein Man­gel an Devisen, Störun­gen der regionalen Liefer­ket­ten sowie eine schwache Verteilung und Kon­trolle, gepaart mit den wach­senden Schwarz­mark­tak­tiv­itäten im Han­del mit Erdölderivat­en.

 

Offizielle Ausflüchte

 

Während sich die Krise ver­schärfte, bestritt der Chef der Armeeregierung, Kamel Idris, die Exis­tenz ein­er Treib­stoff- oder Gaskrise. Er betonte, dass die Ver­sorgung des Bun­desstaates mit Erdöl­pro­duk­ten drin­gend im Gange sei. Während eines Rundgangs zu den Tankstellen in Khar­tum in Begleitung des Energiem­i­nis­ters und des Gou­verneurs forderte er die Bank of Khar­toum auf, die Ver­fahren für die App „Bankak“ zu beschle­u­ni­gen, damit den Bürg­ern kein Schaden entste­he.

Während der Gou­verneur von Khar­tum, Ahmed Oth­man Hamza, behauptet, Treib­stoff sei ver­füg­bar, und ankündigt, dass zusät­zliche Men­gen an die Tankstellen der Haupt­stadt gepumpt wer­den sollen, ste­hen andere Bun­desstaat­en unter starkem Ver­sorgungs­druck, was mit Preis­er­höhun­gen für Ben­zin ein­herge­ht.

So hob der Bun­desstaat Rotes Meer den Preis für einen Liter Ben­zin auf 7.748 Pfund anstelle von 7.064 Pfund an, während der Bun­desstaat Gezi­ra beschloss, den Liter­preis ab dem 1. Okto­ber auf 8.950 Pfund zu erhöhen. Auch in Kas­sala kam es zu mas­siv­en Rück­staus von Fahrzeu­gen vor mehreren Tankstellen.

Die jüng­sten Entwick­lun­gen stellen die Regierung in Port Sudan vor die Bewährung­sprobe, die Eng­pässe in der Verteilung schnell­st­möglich zu beheben, zumal sich die anhal­tenden Warteschlangen laut Beobachtern direkt auf den Trans­port, die Kosten für Waren und Dien­stleis­tun­gen sowie die Wirtschaft­stätigkeit auswirken.

Dies ist nicht das erste Mal, dass sich die Armee der Ver­ant­wor­tung entzieht. Nach­dem die UNO und ihre Unteror­gan­i­sa­tio­nen wegen der dro­hen­den Hunger­snot im Sudan Alarm geschla­gen hat­ten, stritt Armeechef Abdel Fat­tah al-Burhan diese ab – ein Schritt, der als Flucht vor der Über­nahme von Ver­ant­wor­tung gew­ertet wird, nach­dem er die Bevölkerung in diesen tragis­chen Krieg gestürzt hat.

Dr. Abdul­lah Jaa­far Mohamed Sid­diq bemerkt dazu: „In nor­malen Län­dern tritt der Pre­mier­min­is­ter vor die Bevölkerung, um zu erk­lären, wie er die Krise lösen wird. Im Sudan jedoch, in ein­er der per­fek­testen Szenen der Absur­dität, geht der Pre­mier­min­is­ter an eine Tankstelle, um die Men­schen davon zu überzeu­gen, dass die Krise über­haupt nicht existiert.“

Er fügte hinzu: „Der Mann ste­ht auf seinen Stock gestützt, umgeben von Klatsch­ern und Jublern, während sich hin­ter ihm die Autoschlangen wie eine end­lose Schlange der Erschöp­fung, des Wartens und der Verzwei­flung erstreck­en. Der Tankstel­len­mi­tar­beit­er zieht den Kraft­stoffmess­er aus dem Tank und zeigt ihn den Anwe­senden, als wäre der gesamte Staat plöt­zlich auf einen Stock, einen Kraft­stoffmess­er und eine Gruppe von Claque­uren reduziert wor­den.“

Das Spek­takel sei „in sein­er Absur­dität eher einem schlecht­en The­ater­stück ähn­lich als der Führung eines Lan­des, das in Krieg und Krisen bren­nt. Die Men­schen, die stun­den­lang in der prallen Sonne nach einem Liter Treib­stoff suchen, brauchen keinen Maßstab, der vor ihnen geschwenkt wird, son­dern Treib­stoff.“ Er fuhr fort: „Der Bürg­er, der jeden Mor­gen den steigen­den Preisen hin­ter­her­jagt, wartet nicht auf einen Vor­trag über Ver­schwörun­gen, son­dern sucht nach einem Leben, das erträglich ist.“

 

Reichtum aus Blut

 

Unter­dessen gehört der Sudan zu den 20 ärm­sten Län­dern der Welt. Nach Angaben von Nichtregierung­sor­gan­i­sa­tio­nen leben etwa zwei Drit­tel der Bevölkerung an oder unter der Armutsgren­ze. Das Land lei­det unter ein­er drück­enden Wirtschaft­skrise, für die Experten vor allem wirtschaftlich­es Miss­man­age­ment, Kor­rup­tion und die Auswirkun­gen der US-Sank­tio­nen ver­ant­wortlich machen.

Nach Aus­bruch des Krieges durch­drang die Kor­rup­tion die staatlichen Insti­tu­tio­nen zuse­hends, und es wur­den Finanz­im­pe­rien auf Kosten des Volkes aufge­baut, während der sudane­sis­che Bürg­er unter den Über­resten des alten Regimes mit erdrück­enden Wirtschaft­skrisen kon­fron­tiert war.

Unter­suchun­gen und Doku­mente aus dieser Zeit offen­barten einen enor­men Appetit auf die Kon­trolle wichtiger Stan­dorte in Khar­tum. So sicherte sich der islamistis­che Führer Al-Yasa 1.000 Geschäfte auf den „Jack­son Mar­kets“ und nutzte seine Posi­tion, um die Kon­trolle über diese strate­gis­chen Orte im Herzen der Haupt­stadt – die als deren wichtig­ste Han­del­sad­er gel­ten – zu erlan­gen.

Laut „Saheeh Al-Sudan“ forderten die extrem­istis­chen Islamis­ten­führer die Bürg­er auf, geduldig zu sein und das Schick­sal als gottgegeben hinzunehmen. Diese Führer gaben vor, islamis­che Prinzip­i­en anzuwen­den, und set­zten falsche Masken der Fröm­migkeit auf, während sie ins­ge­heim öffentliche Gelder genossen und Finanz­im­pe­rien auf­baut­en, die das Blut der Bürg­er, die Ressourcen des Staates und die Zukun­ft kom­mender Gen­er­a­tio­nen aus­saugen. Al-Yasa sei nur ein­er der kleineren Diebe, die den Reich­tum der Bürg­er gestohlen und für ihre per­sön­lichen Inter­essen aus­genutzt hät­ten.

 

Internationale Isolation

 

Angesichts dieser Krisen befind­et sich der Sudan infolge des kriegerischen Leichtsinns in tief­greifend­er inter­na­tionaler Iso­la­tion. Der sudane­sis­chen Armee unter Führung von al-Burhan wird vorge­wor­fen, während des laufend­en Krieges gegen die Rapid Sup­port Forces chemis­che Waf­fen einge­set­zt zu haben.

Der Sudan ist seit 1999 Ver­tragsstaat der Chemiewaf­fenkon­ven­tion. Alle Ver­tragsstaat­en haben der chemis­chen Abrüs­tung zuges­timmt, was die Zer­störung aller Bestände an chemis­chen Waf­fen und deren Pro­duk­tion­san­la­gen sowie die Ver­nich­tung aller chemis­chen Waf­fen, die möglicher­weise in der Ver­gan­gen­heit auf dem Ter­ri­to­ri­um ander­er Ver­tragsstaat­en zurück­ge­lassen wur­den, umfasst.

Die Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka ver­hängten deshalb im Mai 2025 Sank­tio­nen gegen den Sudan und forderten Port Sudan auf, eine umfassende Erk­lärung über seine Chemiewaf­fen­pro­gramme abzugeben und uneingeschränk­te inter­na­tionale Inspek­tio­nen zuzu­lassen.

In einem am Dien­stag, dem 29. Sep­tem­ber 2026, veröf­fentlicht­en Brief erk­lärten 18 Experten, dass seit Mai 2025 Beweise aufge­taucht seien, die den Vor­wurf des Ein­satzes von Chemiewaf­fen durch die sudane­sis­che Armee im Krieg stark unter­mauern. Sie skizzierten Wege zur Über­prü­fung der Vor­würfe durch die Organ­i­sa­tion für das Ver­bot chemis­ch­er Waf­fen (OPCW), während die Forderun­gen nach ein­er unab­hängi­gen inter­na­tionalen Unter­suchung lauter wer­den. Armeechef Abdel Fat­tah al-Burhan weist die Vor­würfe strikt zurück.

Der Brief wurde von Gre­go­ry Koblentz, Direk­tor des Graduierten­pro­gramms für biol­o­gis­che Vertei­di­gung an der George Mason Uni­ver­si­ty, ver­fasst und vom Cen­ter for Arms Con­trol and Non-Pro­lif­er­a­tion veröf­fentlicht. Zu den Unterze­ich­n­ern gehören Robert Miku­lak, ehe­ma­liger US-Botschafter bei der OPCW, Paul Walk­er, Vor­sitzen­der der CWC Coali­tion, und Daryl Kim­ball, Exeku­tivdi­rek­tor der Arms Con­trol Asso­ci­a­tion, sowie Akademik­er und ehe­ma­lige Experten für Inspek­tio­nen und Nichtver­bre­itung.

Die Experten beton­ten: „Die Beweise, die seit der Beschuldigung des Sudans durch die USA im Mai 2025 aufge­taucht sind, stützen den Vor­wurf des Ein­satzes chemis­ch­er Waf­fen stark. Den zitierten Quellen und Bericht­en zufolge wur­den bei min­destens zwei Angrif­f­en im Sep­tem­ber 2024 mit Chlor gefüllte Zylin­der einge­set­zt, und es wurde ein Bestand an Fliegerbomben hergestellt, die zur Ver­bre­itung von Chlor­gas bes­timmt sind. Diese Vor­fälle bleiben Vor­würfe, die eine Unter­suchung zur Ver­i­fizierung erfordern.“

Sie wiesen darauf hin, dass „zu den Optio­nen der OPCW die Unter­suchung des mut­maßlichen Ein­satzes, die Entsendung ein­er Mis­sion für tech­nis­che Hil­feleis­tung oder die Durch­führung ein­er ‚Ver­dachtsin­spek­tion‘ in sudane­sis­chen Anla­gen gehören, die im Ver­dacht ste­hen, mit chemis­chen Waf­fen in Verbindung zu ste­hen, gestützt auf Artikel IX der Chemiewaf­fenkon­ven­tion. Dies bedeutet die Inspek­tion spez­i­fis­ch­er Anla­gen, um den Ver­dacht zu über­prüfen.“

Ein wesentlich­er Bestandteil der Kon­ven­tion ist, dass sie sich nicht auf eine all­ge­meine Forderung nach ein­er Unter­suchung beschränkt, son­dern die Art des mut­maßlichen Ein­satzes, die Anzahl der Vor­fälle, die Art der Muni­tion sowie die rechtlichen und tech­nis­chen Wege fes­tlegt, die der Organ­i­sa­tion zur Ver­i­fizierung zur Ver­fü­gung ste­hen.