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Diplomaten und Wissenschaftler beraten in Ankara über die Verhinderung eines großen Krieges

Auf einer zweitägigen Konferenz haben Teilnehmer aus 19 Ländern die Eskalationsrisiken in der Ukraine und die Notwendigkeit neuer Verhandlungen erörtert.

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  • Veröffentlicht Juli 28, 2026

 

ANKARA- Die vom Forschungszen­trum der World Civil­i­sa­tions Ini­tia­tive organ­isierte Alliance Con­fer­ence to Pre­vent a Major War brachte am 7. und 8. Juli Regierungsvertreter, Botschafter, Gen­eräle im Ruh­e­s­tand, Repräsen­tan­ten poli­tis­ch­er Parteien und Intellek­tuelle aus 19 Län­dern in der türkischen Haupt­stadt zusam­men.

Unter den Teil­nehmern waren Delegierte aus den Vere­inigten Staat­en, dem Vere­inigten Kön­i­gre­ich, Deutsch­land, Spanien, der Schweiz und Griechen­land. Im Mit­telpunkt stand die Frage, wie sich eine Ausweitung des Krieges ver­hin­dern lässt. Zudem beri­eten die Teil­nehmer über eine engere Zusam­me­nar­beit zwis­chen der Türkei, Rus­s­land, Chi­na und Iran.

Red­ner war­nen vor wach­sender Eskala­tion­s­ge­fahr

Der frühere CIA-Ana­lyst Lar­ry John­son beze­ich­nete die Ukraine als beson­ders gefährlichen Krisen­herd. Eine direk­te Beteili­gung der NATO kön­nte sein­er Ein­schätzung nach das Risiko ein­er nuk­learen Eskala­tion erhöhen. Unter bes­timmten Umstän­den könne Rus­s­land den Ein­satz tak­tis­ch­er Atom­waf­fen in Betra­cht ziehen.

Der türkische Kon­ter­ad­mi­ral im Ruh­e­s­tand Deniz Kut­luk skizzierte mehrere Szenar­ien für eine Ausweitung des Krieges. Im schlimm­sten Fall kön­nte eine weit­ere Eskala­tion zum Ein­satz tak­tis­ch­er Atom­waf­fen gegen europäis­che Haupt­städte und schließlich zu einem umfassenderen Kon­flikt führen. Europa und Rus­s­land wären Kut­luk zufolge mit ein­er geopoli­tis­chen Part­ner­schaft bess­er berat­en. Stattdessen seien ihre Beziehun­gen inzwis­chen von wach­sender Insta­bil­ität geprägt.

Dim­itris Kon­stan­ta­kopou­los, ehe­ma­liger Berater des griechis­chen Min­is­ter­präsi­den­ten Andreas Papan­dreou, warnte davor, dass eine Eskala­tion in der Ukraine und in Wes­t­asien das Risiko ein­er nuk­learen Kon­fronta­tion erhöhen kön­nte. Er forderte eine Poli­tik der Deeskala­tion und kri­tisierte, dass nur wenige poli­tis­che Kräfte in Europa das Aus­maß der Gefahr voll­ständig erkan­nten.

Plä­doy­er für Diplo­matie und eine eigen­ständi­gere europäis­che Poli­tik

Die deutsche Poli­tik­wis­senschaft­lerin Ulrike Guérot forderte eine Neube­w­er­tung der Rolle der NATO und eine rasche Rück­kehr zur Diplo­matie. Der Kon­flikt lasse sich ihrer Ansicht nach nicht allein mit dem Vorge­hen Rus­s­lands erk­lären. Auch die Beteili­gung der NATO und die langfristige Strate­gie der Vere­inigten Staat­en hät­ten zu sein­er Entste­hung beige­tra­gen.

Guérot bezweifelte zudem, dass Europas derzeit­iger Kurs den eige­nen Inter­essen des Kon­ti­nents dient. Einen voll­ständi­gen mil­itärischen Sieg hält sie für unre­al­is­tisch. An die Stelle ein­er Poli­tik, die den Kon­flikt ihrer Ein­schätzung nach ver­längert, müsse deshalb diplo­ma­tis­ch­er Aus­tausch treten.

Javier Hur­ta­do Mira, Präsi­dent der Euro­pean Demo­c­ra­t­ic Youth Com­mu­ni­ty, warf der Europäis­chen Union vor, in der Ukrainepoli­tik keine eigen­ständi­ge außen­poli­tis­che Lin­ie zu ver­fol­gen. Er forderte, sowohl die Rolle der NATO als auch die Entschei­dung­sprozesse in Brüs­sel zu über­prüfen.

Mira ver­wies außer­dem darauf, dass vor allem jün­gere Gen­er­a­tio­nen den men­schlichen Preis von Kriegen zahlten. Regierun­gen müssten Ver­hand­lun­gen und Dia­log Vor­rang vor ein­er Poli­tik geben, die beste­hende Span­nun­gen weit­er ver­schärfe.

NATO-Strate­gie gerät in die Kri­tik

Der britis­che Pro­fes­sor Richard Sak­wa unterteilte die Entwick­lung der NATO in drei Phasen. Sein­er Ein­schätzung nach tritt das Bünd­nis derzeit in eine neue Phase ein, die er als „NATO 3.0“ beze­ich­net. Europa müsse dabei mehr mil­itärische Ver­ant­wor­tung übernehmen. Dies würde es den Vere­inigten Staat­en ermöglichen, ihren strate­gis­chen Fokus stärk­er auf Regio­nen außer­halb Europas zu richt­en, darunter das Süd­chi­ne­sis­che Meer und Tai­wan.

Sak­wa zufolge rückt damit zugle­ich das Ziel erneut in den Mit­telpunkt, den Ein­fluss Rus­s­lands zu begren­zen. Die Kon­ferenz in Ankara habe keinen nach­halti­gen Ansatz zur Beendi­gung des Ukrainekriegs her­vorge­bracht. Der Ver­such, Rus­s­land vor allem durch mil­itärischen Druck an den Ver­hand­lungstisch zu zwin­gen, berge vielmehr die Gefahr ein­er weit­eren Eskala­tion.

Der deutsche Vizead­mi­ral im Ruh­e­s­tand Kai-Achim Schön­bach, der die Deutsche Marine bis 2022 führte, erk­lärte, Europa sei einem großen Krieg so nahe wie zu keinem Zeit­punkt seit der Kubakrise. Der Kon­flikt hätte sein­er Ansicht nach möglicher­weise ver­hin­dert wer­den kön­nen. Als Gründe für die Eskala­tion nan­nte er unzure­ichende Risikobe­w­er­tun­gen, Macht­poli­tik und eine man­gel­nde Auseinan­der­set­zung mit den his­torischen Ursachen.

Aus sein­er mil­itärischen Erfahrung her­aus betonte Schön­bach, dass eine auf gegen­seit­igem Respekt und Gle­ich­berech­ti­gung beruhende Diplo­matie weit­er­hin das wirk­sam­ste Mit­tel sei, um einen größeren Krieg zu ver­hin­dern.