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Landtagswahl 2026:
Dorin Müthel-Brenncke will mehr Wirtschaftskompetenz in den Landtag bringen

Unternehmerin Dorin Müthel-Brenncke will für die CDU in den Landtag. Im Interview spricht sie über Wirtschaft, Bürokratie, Fachkräfte, Sicherheit und Schwerins Finanzen.

  • Veröffentlicht September 18, 2026
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Dorin Müthel-Bren­ncke für die CDU. Foto: Dorin Müthel-Bren­ncke

 

Im Vor­feld der Land­tagswahl in Meck­len­burg-Vor­pom­mern spricht Schw­erin-Lokal mit den Direk­tkan­di­datin­nen und Direk­tkan­di­dat­en der Lan­deshaupt­stadt. Im Mit­telpunkt ste­ht die Frage, was sie konkret für Schw­erin und das Land erre­ichen wollen.

Heute im Gespräch: Dorin Müthel-Bren­ncke (CDU). Die Schw­er­iner Unternehmerin führt seit 25 Jahren einen Handw­erks­be­trieb im Bauhandw­erk und engagiert sich seit vie­len Jahren poli­tisch für die CDU. Im Wahlkreis Schw­erin II bewirbt sie sich um das Direk­t­man­dat für den Land­tag.

Ihre beru­fliche Erfahrung will Müthel-Bren­ncke vor allem in die Wirtschafts- und Mit­tel­stand­spoli­tik ein­brin­gen. Sie fordert weniger Bürokratie, eine stärkere beru­fliche Aus­bil­dung und ver­lässlichere Rah­menbe­din­gun­gen für Unternehmen. Bei den kom­mu­nalen Finanzen sieht sie Bund und Land in der Ver­ant­wor­tung, beschlossene Leis­tun­gen auch voll­ständig zu finanzieren.

Im Inter­view spricht sie über den Wirtschafts­stan­dort Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Fachkräfte­man­gel und Aus­bil­dung, Schw­erins anges­pan­nte Haushalt­slage, Migra­tion und Sicher­heit sowie die Chan­cen des UNESCO-Wel­terbes.

 

Sie sind seit vie­len Jahren Unternehmerin in Schw­erin, waren lange Vor­sitzende der Schw­er­iner CDU und engagieren sich in der Mit­tel­stands- und Wirtschaft­sunion. Warum wollen Sie jet­zt in den Land­tag einziehen und was kön­nen Sie dort erre­ichen, was Ihnen außer­halb des Par­la­ments bis­lang nicht möglich war?

 Die Nähe zu den poli­tis­chen Entschei­dun­gen ist inner­halb des Par­la­mentes natür­lich viel größer als über das Engage­ment aus dem Ehre­namt her­aus.

Ich führe seit 25 Jahren einen Handw­erks­be­trieb im Bauhandw­erk in Schw­erin. Deshalb erlebe ich Wirtschaft nicht aus dem Hören­sagen, son­dern in der täglichen prak­tis­chen Umset­zung.

In mein­er Wahrnehmung klafft bisweilen ein großes Delta zwis­chen poli­tis­chen Entschei­dun­gen und wirk­lichen Erfordernissen. Deshalb würde ich sehr gern aus mein­er Erfahrung her­aus daran mitwirken, Wirtschaft­spoli­tik prax­is­tauglich­er zu gestal­ten und damit die Rah­menbe­din­gun­gen für unsere mit­tel­ständis­chen Betriebe bess­er zu set­zen.

 

Sie führen selb­st einen Handw­erks­be­trieb und ken­nen die Prob­leme klein­er und mit­tel­ständis­ch­er Unternehmen aus eigen­er Erfahrung. Was läuft für Unternehmer und Handw­erk­er in Meck­len­burg-Vor­pom­mern derzeit falsch und welche drei Dinge wür­den Sie als Land­tagsab­ge­ord­nete konkret verän­dern?

Jede Unternehmerin und jed­er Unternehmer erlebt täglich, dass wir uns in einem Labyrinth aus Bürokratie ver­loren haben. Dazu gehören u. a. Unmen­gen an Bericht­spflicht­en, Sta­tis­tiken und Daten­er­he­bun­gen, die jede Behörde für sich selb­st erfragt und ver­ar­beit­et.

Das muss umge­hend abgeschafft und, wenn im Detail über­haupt nötig, zen­tral­isiert wer­den.

Für die Besei­t­i­gung des in vie­len Branchen vorhan­de­nen Fachkräfte­man­gels wer­den wir ein wenig mehr Zeit brauchen. Die Favorisierung der akademis­chen Bil­dung im Ver­gle­ich zur beru­flichen Aus­bil­dung hat nicht uner­he­blich ihren Beitrag dazu geleis­tet.

Deshalb: Aus­bil­dung und Prax­is­bezug stärken statt Studi­um um jeden Preis. Dazu gehört auch eine bessere Verzah­nung von Schule, Beruf­ss­chule und Hochschule.

Gle­ichzeit­ig set­ze ich mich dafür ein, dass alle poli­tis­chen Entschei­dun­gen immer auf die Auswirkun­gen für unsere kleinen und mit­tel­ständis­chen Betriebe zu über­prüfen sind. Sie kön­nen nur solange das „Rück­grat der Wirtschaft“ sein, wenn wir ihnen nicht das oper­a­tive Han­deln erschw­eren.

 

Schw­erin befind­et sich erneut in ein­er schwieri­gen finanziellen Lage. Ist das aus Ihrer Sicht haupt­säch­lich ein haus­gemacht­es Prob­lem oder stat­tet das Land seine Lan­deshaupt­stadt struk­turell mit zu wenig Geld aus? Wo müsste Schw­erin selb­st sparen und wo müsste das Land stärk­er unter­stützen?

Schw­erin unter­liegt als Oberzen­trum beson­deren Her­aus­forderun­gen. Hier spiegeln sich finanzielle und gesellschaftliche Entwick­lun­gen beson­ders deut­lich wider.

Dazu gehört auch eine hohe Arbeit­slosen­quote von ca. 10 %, die zu immer weit­er steigen­den Sozialaus­gaben führt. Zusam­men mit weit­eren pflichti­gen Auf­gaben verengt sich der eigene finanzielle Gestal­tungsspiel­raum gegen Null.

Fakt ist, wenn Bund und Län­der Leis­tun­gen beschließen, müssen sie sie auch voll­ständig finanzieren.

 

Ihr Wahlkreis Schw­erin II umfasst sehr unter­schiedliche Stadt­teile, darunter Ostorf, Garten­stadt und Kreb­s­för­den, aber auch den Großen Dreesch, Neu Zip­pen­dorf und Mueßer Holz. Wo sehen Sie dort derzeit die größten Prob­leme und welche konkreten Verän­derun­gen wollen Sie in den kom­menden fünf Jahren erre­ichen?

Jed­er Stadt­teil von Schw­erin erzählt seine eige­nen Geschicht­en. Ich selb­st habe 15 Jahre in Zip­pen­dorf gelebt, das auch zum Wahlkreis gehört. Dort begann auch mein poli­tis­ches Engage­ment für die CDU, z. B. im Orts­beirat.

Nun, wichtig ist aus mein­er Sicht nicht, wo ich die Prob­leme iden­ti­fiziere, son­dern welche mir die Anwohner­in­nen und Anwohn­er schildern. Sie kön­nen am besten ihre Wohn- und Leben­squal­ität und die sich daraus ergeben­den Her­aus­forderun­gen wider­spiegeln.

Gern gehe ich dazu in per­sön­liche Gespräche und wir kön­nen gemein­sam über wün­schenswerte Verän­derun­gen berat­en. Und das auch ganz unab­hängig davon, ob ich Land­tagsab­ge­ord­nete bin oder nicht.

 

Meck­len­burg-Vor­pom­mern braucht Unternehmen, Investi­tio­nen und gut bezahlte Arbeit­splätze. Gle­ichzeit­ig kla­gen Betriebe über Bürokratie, hohe Energiepreise, Steuern und fehlende Fachkräfte. Was kann eine Lan­desregierung tat­säch­lich verän­dern, damit Schw­erin und Meck­len­burg-Vor­pom­mern als Wirtschafts­stan­dort attrak­tiv­er wer­den?

Unternehmen investieren nur dann, wenn sie sich auf eine Pla­nungssicher­heit ver­lassen kön­nen. Ein ständi­ger Strate­giewech­sel im Rhyth­mus der Leg­is­laturpe­ri­o­den ist da wenig hil­fre­ich.

Ich kann nicht erken­nen, dass jemals eine Idee oder Vision für unser wun­der­bares Meck­len­burg-Vor­pom­mern entwick­elt wurde, an der man dann seine strate­gis­chen Entschei­dun­gen aus­richtet.

Wir sind ein großes Flächen­land mit ein­er her­vor­ra­gen­den Lage zwis­chen Ham­burg und Berlin, direkt am Meer und ein­er großen Nähe zu Skan­di­navien und dem benach­barten Polen.

Es steck­en so unglaublich viele Poten­ziale in diesem Land. Gießkan­nen­poli­tik hil­ft auf Dauer nicht weit­er.

 

Ger­ade das Handw­erk lei­det unter Nach­wuchs- und Fachkräfte­man­gel. Sie ken­nen dieses Prob­lem aus Ihrem eige­nen Unternehmen. Braucht Meck­len­burg-Vor­pom­mern mehr Zuwan­derung von Fachkräften, eine stärkere beru­fliche Aus­bil­dung oder grund­sät­zlich andere Bedin­gun­gen für junge Men­schen, damit sie im Land bleiben?

Ich begrüße sehr, dass wir der beru­flichen Aus­bil­dung wieder mehr Aufmerk­samkeit und Wertschätzung ent­ge­gen­brin­gen.

Das machen wir als CDU deut­lich, indem wir in wichti­gen Aus­bil­dungs­feldern AZU­BI-Prämien aus­loben, einen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro zum Führerschein zahlen und die Meis­ter­aus­bil­dung kosten­frei stellen wer­den.

Darüber hin­aus wer­den wir Unternehmen über schnellere Anerken­nungsver­fahren und eine aktive inter­na­tionale Offen­sive bei der Gewin­nung qual­i­fiziert­er Fachkräfte unter­stützen.

 

Sicher­heit und Migra­tion gehören zu den bes­tim­menden The­men dieses Wahlkampfs. Auch in Schw­erin wird über den Marien­platz und andere Bere­iche der Stadt disku­tiert. Welche konkreten Verän­derun­gen brauchen Sie bei Polizei, Migra­tion und Inte­gra­tion und wo unter­schei­den Sie sich dabei von AfD und SPD?

Wenn Men­schen auf mich zukom­men und mir erzählen, dass sie sich abends nicht mehr auf die Straße trauen, dann läuft hier etwas total in die falsche Rich­tung.

Wenn das Sicher­heits­ge­fühl so stark ange­grif­f­en ist, müssen wir mit entsprechen­den Maß­nah­men reagieren. Dazu gehört nicht nur eine Ausweitung der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, son­dern auch eine ver­stärk­te Polizeipräsenz.

Gefährder müssen kon­se­quent in den Blick genom­men wer­den. Sicher­heit geht vor falsche Rück­sicht­nahme. Wir leben in einem Rechtsstaat, nicht in ein­er Kuscheljus­tiz.

Wer die Men­schen in unserem Land oder das Land selb­st bedro­ht oder Straftat­en bege­ht, muss unmit­tel­bar bestraft und/oder abgeschoben wer­den.

 

Die CDU will nach Jahren in der Oppo­si­tion wieder Regierungsver­ant­wor­tung übernehmen. Gle­ichzeit­ig kön­nte die Regierungs­bil­dung angesichts der aktuellen Parteien­land­schaft schwierig wer­den. Mit welchen Parteien wäre für Sie eine Zusam­me­nar­beit denkbar und wür­den Sie auch Anträ­gen von AfD oder BSW zus­tim­men, wenn Sie diese inhaltlich für richtig hal­ten?

Gesprächen und per­sön­lichem Aus­tausch ver­weigere ich mich generell nicht. Per­sön­lich folge ich kein­er Ide­olo­gie, son­dern ori­en­tiere mich auss­chließlich an der Sache.

Eine erfol­gre­iche Zusam­me­nar­beit ist also nur möglich, wenn es Schnittmen­gen gibt. Und die sehe ich bis­lang wed­er zur AfD noch zum BSW.

 

Sie engagieren sich seit Jahren für das Schw­er­iner Wel­terbe. Der Wel­ter­beti­tel bietet große Chan­cen für Touris­mus und Wirtschaft, verur­sacht aber auch Investi­tions- und Erhal­tungs­be­darf. Was muss das Land tun, damit Schw­erin wirtschaftlich stärk­er von seinem Wel­terbesta­tus prof­i­tiert und Touris­ten länger als nur einen Tages­be­such in der Stadt bleiben?

Schw­erin ist als Lan­deshaupt­stadt das „Flag­gschiff“ Meck­len­burg-Vor­pom­merns. Und das Schw­er­iner Schloss als Zen­trum des Res­i­den­zensem­bles ist der Arbeit­splatz unser­er Lan­desregierung.

Eine engere Verbindung zum UNESCO-Wel­terbe, aber auch die Ver­ant­wor­tung für dessen Bewahrung, kann man sich ja gar nicht wün­schen.

Es kommt jet­zt darauf an, mit erfol­gre­ichen Mar­ket­ingstrate­gien und in Zusam­me­nar­beit mit der Stadt Schw­erin und dem Wel­terbe Schw­erin Fördervere­in das Inter­esse der Men­schen an unseren Schätzen weit über die Lan­des­gren­zen bekan­nt zu machen.

 

Angenom­men, Sie ziehen in den Land­tag ein und wir führen dieses Inter­view 2031 erneut: Welche drei konkreten Verän­derun­gen müssten die Men­schen in Schw­erin sehen oder in ihrem All­t­ag spüren kön­nen, damit Sie sagen: Meine fünf Jahre im Land­tag waren erfol­gre­ich?

Die starke Reduzierung der Arbeit­slosigkeit und der Schul- und Aus­bil­dungsab­brech­er wären für mich sehr lohnenswerte Ziele.

Dazu müssen wir den Wirtschafts­stan­dort Schwerin/MV stärken, damit Unternehmen wieder in die Zukun­ft investieren und Arbeit­splätze schaf­fen.

Und wenn Kinder und Jugendliche die gesteck­ten Ziele nicht erre­ichen, müssen wir unsere Bil­dungspoli­tik hin­ter­fra­gen.

Darüber hin­aus würde ich mich sehr freuen, wenn wieder mehr Opti­mis­mus in unsere Gesellschaft Einzug hält. Daran kön­nen wir aber alle mitar­beit­en.

Vie­len Dank!

Das Inter­view führte Dario Rochow