Landtagswahl 2026:
Dorin Müthel-Brenncke will mehr Wirtschaftskompetenz in den Landtag bringen
Unternehmerin Dorin Müthel-Brenncke will für die CDU in den Landtag. Im Interview spricht sie über Wirtschaft, Bürokratie, Fachkräfte, Sicherheit und Schwerins Finanzen.

Im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern spricht Schwerin-Lokal mit den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten der Landeshauptstadt. Im Mittelpunkt steht die Frage, was sie konkret für Schwerin und das Land erreichen wollen.
Heute im Gespräch: Dorin Müthel-Brenncke (CDU). Die Schweriner Unternehmerin führt seit 25 Jahren einen Handwerksbetrieb im Bauhandwerk und engagiert sich seit vielen Jahren politisch für die CDU. Im Wahlkreis Schwerin II bewirbt sie sich um das Direktmandat für den Landtag.
Ihre berufliche Erfahrung will Müthel-Brenncke vor allem in die Wirtschafts- und Mittelstandspolitik einbringen. Sie fordert weniger Bürokratie, eine stärkere berufliche Ausbildung und verlässlichere Rahmenbedingungen für Unternehmen. Bei den kommunalen Finanzen sieht sie Bund und Land in der Verantwortung, beschlossene Leistungen auch vollständig zu finanzieren.
Im Interview spricht sie über den Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern, Fachkräftemangel und Ausbildung, Schwerins angespannte Haushaltslage, Migration und Sicherheit sowie die Chancen des UNESCO-Welterbes.
Sie sind seit vielen Jahren Unternehmerin in Schwerin, waren lange Vorsitzende der Schweriner CDU und engagieren sich in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. Warum wollen Sie jetzt in den Landtag einziehen und was können Sie dort erreichen, was Ihnen außerhalb des Parlaments bislang nicht möglich war?
Die Nähe zu den politischen Entscheidungen ist innerhalb des Parlamentes natürlich viel größer als über das Engagement aus dem Ehrenamt heraus.
Ich führe seit 25 Jahren einen Handwerksbetrieb im Bauhandwerk in Schwerin. Deshalb erlebe ich Wirtschaft nicht aus dem Hörensagen, sondern in der täglichen praktischen Umsetzung.
In meiner Wahrnehmung klafft bisweilen ein großes Delta zwischen politischen Entscheidungen und wirklichen Erfordernissen. Deshalb würde ich sehr gern aus meiner Erfahrung heraus daran mitwirken, Wirtschaftspolitik praxistauglicher zu gestalten und damit die Rahmenbedingungen für unsere mittelständischen Betriebe besser zu setzen.
Sie führen selbst einen Handwerksbetrieb und kennen die Probleme kleiner und mittelständischer Unternehmen aus eigener Erfahrung. Was läuft für Unternehmer und Handwerker in Mecklenburg-Vorpommern derzeit falsch und welche drei Dinge würden Sie als Landtagsabgeordnete konkret verändern?
Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer erlebt täglich, dass wir uns in einem Labyrinth aus Bürokratie verloren haben. Dazu gehören u. a. Unmengen an Berichtspflichten, Statistiken und Datenerhebungen, die jede Behörde für sich selbst erfragt und verarbeitet.
Das muss umgehend abgeschafft und, wenn im Detail überhaupt nötig, zentralisiert werden.
Für die Beseitigung des in vielen Branchen vorhandenen Fachkräftemangels werden wir ein wenig mehr Zeit brauchen. Die Favorisierung der akademischen Bildung im Vergleich zur beruflichen Ausbildung hat nicht unerheblich ihren Beitrag dazu geleistet.
Deshalb: Ausbildung und Praxisbezug stärken statt Studium um jeden Preis. Dazu gehört auch eine bessere Verzahnung von Schule, Berufsschule und Hochschule.
Gleichzeitig setze ich mich dafür ein, dass alle politischen Entscheidungen immer auf die Auswirkungen für unsere kleinen und mittelständischen Betriebe zu überprüfen sind. Sie können nur solange das „Rückgrat der Wirtschaft“ sein, wenn wir ihnen nicht das operative Handeln erschweren.
Schwerin befindet sich erneut in einer schwierigen finanziellen Lage. Ist das aus Ihrer Sicht hauptsächlich ein hausgemachtes Problem oder stattet das Land seine Landeshauptstadt strukturell mit zu wenig Geld aus? Wo müsste Schwerin selbst sparen und wo müsste das Land stärker unterstützen?
Schwerin unterliegt als Oberzentrum besonderen Herausforderungen. Hier spiegeln sich finanzielle und gesellschaftliche Entwicklungen besonders deutlich wider.
Dazu gehört auch eine hohe Arbeitslosenquote von ca. 10 %, die zu immer weiter steigenden Sozialausgaben führt. Zusammen mit weiteren pflichtigen Aufgaben verengt sich der eigene finanzielle Gestaltungsspielraum gegen Null.
Fakt ist, wenn Bund und Länder Leistungen beschließen, müssen sie sie auch vollständig finanzieren.
Ihr Wahlkreis Schwerin II umfasst sehr unterschiedliche Stadtteile, darunter Ostorf, Gartenstadt und Krebsförden, aber auch den Großen Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz. Wo sehen Sie dort derzeit die größten Probleme und welche konkreten Veränderungen wollen Sie in den kommenden fünf Jahren erreichen?
Jeder Stadtteil von Schwerin erzählt seine eigenen Geschichten. Ich selbst habe 15 Jahre in Zippendorf gelebt, das auch zum Wahlkreis gehört. Dort begann auch mein politisches Engagement für die CDU, z. B. im Ortsbeirat.
Nun, wichtig ist aus meiner Sicht nicht, wo ich die Probleme identifiziere, sondern welche mir die Anwohnerinnen und Anwohner schildern. Sie können am besten ihre Wohn- und Lebensqualität und die sich daraus ergebenden Herausforderungen widerspiegeln.
Gern gehe ich dazu in persönliche Gespräche und wir können gemeinsam über wünschenswerte Veränderungen beraten. Und das auch ganz unabhängig davon, ob ich Landtagsabgeordnete bin oder nicht.
Mecklenburg-Vorpommern braucht Unternehmen, Investitionen und gut bezahlte Arbeitsplätze. Gleichzeitig klagen Betriebe über Bürokratie, hohe Energiepreise, Steuern und fehlende Fachkräfte. Was kann eine Landesregierung tatsächlich verändern, damit Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern als Wirtschaftsstandort attraktiver werden?
Unternehmen investieren nur dann, wenn sie sich auf eine Planungssicherheit verlassen können. Ein ständiger Strategiewechsel im Rhythmus der Legislaturperioden ist da wenig hilfreich.
Ich kann nicht erkennen, dass jemals eine Idee oder Vision für unser wunderbares Mecklenburg-Vorpommern entwickelt wurde, an der man dann seine strategischen Entscheidungen ausrichtet.
Wir sind ein großes Flächenland mit einer hervorragenden Lage zwischen Hamburg und Berlin, direkt am Meer und einer großen Nähe zu Skandinavien und dem benachbarten Polen.
Es stecken so unglaublich viele Potenziale in diesem Land. Gießkannenpolitik hilft auf Dauer nicht weiter.
Gerade das Handwerk leidet unter Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Sie kennen dieses Problem aus Ihrem eigenen Unternehmen. Braucht Mecklenburg-Vorpommern mehr Zuwanderung von Fachkräften, eine stärkere berufliche Ausbildung oder grundsätzlich andere Bedingungen für junge Menschen, damit sie im Land bleiben?
Ich begrüße sehr, dass wir der beruflichen Ausbildung wieder mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbringen.
Das machen wir als CDU deutlich, indem wir in wichtigen Ausbildungsfeldern AZUBI-Prämien ausloben, einen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro zum Führerschein zahlen und die Meisterausbildung kostenfrei stellen werden.
Darüber hinaus werden wir Unternehmen über schnellere Anerkennungsverfahren und eine aktive internationale Offensive bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte unterstützen.
Sicherheit und Migration gehören zu den bestimmenden Themen dieses Wahlkampfs. Auch in Schwerin wird über den Marienplatz und andere Bereiche der Stadt diskutiert. Welche konkreten Veränderungen brauchen Sie bei Polizei, Migration und Integration und wo unterscheiden Sie sich dabei von AfD und SPD?
Wenn Menschen auf mich zukommen und mir erzählen, dass sie sich abends nicht mehr auf die Straße trauen, dann läuft hier etwas total in die falsche Richtung.
Wenn das Sicherheitsgefühl so stark angegriffen ist, müssen wir mit entsprechenden Maßnahmen reagieren. Dazu gehört nicht nur eine Ausweitung der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, sondern auch eine verstärkte Polizeipräsenz.
Gefährder müssen konsequent in den Blick genommen werden. Sicherheit geht vor falsche Rücksichtnahme. Wir leben in einem Rechtsstaat, nicht in einer Kuscheljustiz.
Wer die Menschen in unserem Land oder das Land selbst bedroht oder Straftaten begeht, muss unmittelbar bestraft und/oder abgeschoben werden.
Die CDU will nach Jahren in der Opposition wieder Regierungsverantwortung übernehmen. Gleichzeitig könnte die Regierungsbildung angesichts der aktuellen Parteienlandschaft schwierig werden. Mit welchen Parteien wäre für Sie eine Zusammenarbeit denkbar und würden Sie auch Anträgen von AfD oder BSW zustimmen, wenn Sie diese inhaltlich für richtig halten?
Gesprächen und persönlichem Austausch verweigere ich mich generell nicht. Persönlich folge ich keiner Ideologie, sondern orientiere mich ausschließlich an der Sache.
Eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist also nur möglich, wenn es Schnittmengen gibt. Und die sehe ich bislang weder zur AfD noch zum BSW.
Sie engagieren sich seit Jahren für das Schweriner Welterbe. Der Welterbetitel bietet große Chancen für Tourismus und Wirtschaft, verursacht aber auch Investitions- und Erhaltungsbedarf. Was muss das Land tun, damit Schwerin wirtschaftlich stärker von seinem Welterbestatus profitiert und Touristen länger als nur einen Tagesbesuch in der Stadt bleiben?
Schwerin ist als Landeshauptstadt das „Flaggschiff“ Mecklenburg-Vorpommerns. Und das Schweriner Schloss als Zentrum des Residenzensembles ist der Arbeitsplatz unserer Landesregierung.
Eine engere Verbindung zum UNESCO-Welterbe, aber auch die Verantwortung für dessen Bewahrung, kann man sich ja gar nicht wünschen.
Es kommt jetzt darauf an, mit erfolgreichen Marketingstrategien und in Zusammenarbeit mit der Stadt Schwerin und dem Welterbe Schwerin Förderverein das Interesse der Menschen an unseren Schätzen weit über die Landesgrenzen bekannt zu machen.
Angenommen, Sie ziehen in den Landtag ein und wir führen dieses Interview 2031 erneut: Welche drei konkreten Veränderungen müssten die Menschen in Schwerin sehen oder in ihrem Alltag spüren können, damit Sie sagen: Meine fünf Jahre im Landtag waren erfolgreich?
Die starke Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der Schul- und Ausbildungsabbrecher wären für mich sehr lohnenswerte Ziele.
Dazu müssen wir den Wirtschaftsstandort Schwerin/MV stärken, damit Unternehmen wieder in die Zukunft investieren und Arbeitsplätze schaffen.
Und wenn Kinder und Jugendliche die gesteckten Ziele nicht erreichen, müssen wir unsere Bildungspolitik hinterfragen.
Darüber hinaus würde ich mich sehr freuen, wenn wieder mehr Optimismus in unsere Gesellschaft Einzug hält. Daran können wir aber alle mitarbeiten.
Vielen Dank!
Das Interview führte Dario Rochow




