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Lernen ohne Grenzen:
Dr. Nabeel Farhan erklärt, wie der Freiburger Bund internationale Fachkräfte stärkt

Wer schon einmal versucht hat, sich in einem fremden Land beruflich neu zu etablieren, weiß: Es geht nicht nur um Qualifikationen auf dem Papier.

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  • Veröffentlicht April 15, 2026

 

Es geht um Sprache, um Sys­teme, um ungeschriebene Regeln und manch­mal schlicht darum, jeman­den zu ken­nen, der den Weg schon gegan­gen ist. Genau hier set­zt der Freiburg­er Bund an, ein Net­zw­erk, das sich auf inter­na­tionale Gesund­heits­fachkräfte in Deutsch­land spezial­isiert hat und inzwis­chen Mit­glieder aus mehr als 20 Län­dern vere­int. Was aus ein­er konkreten Erfahrungslücke ent­stand, entwick­elt sich zunehmend zu ein­er Com­mu­ni­ty, die weit über den klas­sis­chen Aus­tausch hin­aus­ge­ht und dabei direk­te Auswirkun­gen auf die Qual­ität der Gesund­heitsver­sorgung in Deutsch­land hat.

Ein Netzwerk, das aus eigener Erfahrung entstand

Was den Freiburg­er Bund von ein­er klas­sis­chen Berufsvere­ini­gung unter­schei­det, ist sein Selb­stver­ständ­nis. Das Net­zw­erk wurde von Men­schen gegrün­det, die diese Erfahrung selb­st gemacht haben: die Unsicher­heit beim Visa-Prozess, die zer­mür­bende Wartezeit auf Beruf­san­erken­nung, die Sprach­bar­riere im Klinikall­t­ag. Das ist kein Mar­ket­ingver­sprechen, son­dern der Kern, aus dem her­aus das Net­zw­erk ent­stand. Ärztin­nen und Ärzte, Zah­närztin­nen und Zah­närzte sowie Apothek­erin­nen und Apothek­er, die bere­its in Deutsch­land Fuß gefasst haben, ste­hen neu Zuge­zo­ge­nen mit konkretem Erfahrungswis­sen zur Seite. Das klingt sim­pel und ist dabei höchst effek­tiv.

Dr. Nabeel Farhan, Geschäfts­führer des Freiburg­er Bun­des und zugle­ich der Freiburg Inter­na­tion­al Acad­e­my (FIA), beschreibt das Grund­prinzip so: „Wis­sen, das jemand bere­its erwor­ben hat, sollte nicht ver­loren gehen. Wenn eine Ärztin aus Ägypten den gesamten Anerken­nung­sprozess durch­laufen hat, trägt sie einen Erfahrungss­chatz in sich, der für die näch­ste Per­son, die densel­ben Weg geht, Gold wert ist.” Dieser Gedanke der sys­tem­a­tis­chen Weit­er­gabe ist es, der das Net­zw­erk trägt. Weniger eine Insti­tu­tion, mehr ein lebendi­ger Kreis­lauf aus Geben und Nehmen.

Vielfalt als Lernprinzip: Mitglieder aus über 20 Ländern

Die Inter­na­tion­al­ität des Net­zw­erks ist dabei kein zufäl­liges Neben­pro­dukt, son­dern bewusst gestal­tet. Mit­glieder aus Län­dern wie Syrien, dem Irak, Tune­sien, der Ukraine, Indi­en oder Nige­ria brin­gen nicht nur unter­schiedliche medi­zinis­che Aus­bil­dungstra­di­tio­nen mit, son­dern auch ver­schiedene Kom­mu­nika­tion­sstile, Patien­ten­ver­ständ­nisse und klin­is­che Herange­hensweisen. Wer mit Kol­legin­nen und Kol­le­gen aus 20 Län­dern disku­tiert, denkt zwangsläu­fig bre­it­er. Aus der Vielfalt entste­ht dabei keine Beliebigkeit, son­dern Tiefe, ähn­lich wie ein Orch­ester erst durch das Zusam­men­spiel ver­schieden­er Instru­mente seinen vollen Klang ent­fal­tet.

Das wirkt sich auch auf den konkreten Lern­prozess aus. Eine Fachärztin aus Syrien, die ihr medi­zinis­ches Studi­um unter völ­lig anderen cur­ric­u­laren Bedin­gun­gen absolviert hat als ein Kol­lege aus Indi­en, bringt andere Denkmuster in eine klin­is­che Diskus­sion ein. Das bere­ichert nicht nur die Lern­gruppe, son­dern schärft auch das eigene fach­liche Pro­fil. Wer lernt, medi­zinis­che Sachver­halte aus ver­schiede­nen Per­spek­tiv­en zu betra­cht­en, ist im Klinikall­t­ag flex­i­bler und im Umgang mit ein­er het­ero­ge­nen Patien­ten­schaft bess­er vor­bere­it­et. Das ist kein weich­er Mehrw­ert, son­dern ein hand­fester Qual­itäts­fak­tor.

Für Dr. Farhan ist das keine roman­tis­che Idee, son­dern eine Notwendigkeit: „Das deutsche Gesund­heitssys­tem ist auf inter­na­tionale Fachkräfte angewiesen, das ist Real­ität. Die Frage ist nicht mehr ob, son­dern wie wir diese Inte­gra­tion gestal­ten. Ein Net­zw­erk wie der Freiburg­er Bund kann dabei eine Brücke sein, die wed­er Behör­den noch Kliniken allein bauen kön­nen.”

Digitale Infrastruktur für eine wachsende Community

Konkret arbeit­et der Freiburg­er Bund an ein­er Plat­tformer­weiterung, die kün­ftig drei Por­tale umfassen soll: ein Com­mu­ni­ty-Por­tal für den direk­ten Aus­tausch unter Mit­gliedern, sowie ein Job-Por­tal mit per­sön­lich­er Beratung bei der Stel­len­suche. Was sich nach Stan­dard-Fea­tures anhört, ist im Kon­text der Ziel­gruppe durch­dacht. Wer aus dem Aus­land nach Deutsch­land kommt und dabei gle­ichzeit­ig Sprachkurse absolviert, Behör­dengänge organ­isiert und seinen Beruf­sall­t­ag struk­turi­ert, braucht keine all­ge­meinen Kar­ri­ere­plat­tfor­men, son­dern Ange­bote, die exakt auf den eige­nen Weg zugeschnit­ten sind.

Das Info­por­tal des Freiburg­er Bun­des, das mehrsprachig in Deutsch, Englisch, Ara­bisch und Franzö­sisch ver­füg­bar ist wird, gibt dabei einen Vorgeschmack auf das, was entste­hen soll. The­men wie Rei­sevor­bere­itung, Beruf­san­erken­nung, Visumantrag und Stel­len­suche wer­den dort auf­bere­it­et. Das klingt nach Bürokratie, ist aber für viele Neuankömm­linge tat­säch­lich der erste ver­lässliche Ori­en­tierungspunkt in einem Sys­tem, das von außen undurch­sichtig wirkt. Wer nicht weiß, was eine Appro­ba­tion ist und warum sie sich von ein­er Beruf­ser­laub­nis unter­schei­det, find­et hier Antworten, ohne auf Behör­den­sprache angewiesen zu sein.

FIA Academy und Freiburger Bund: Zwei Seiten einer Medaille

Eng verzah­nt ist der Freiburg­er Bund mit der Freiburg Inter­na­tion­al Acad­e­my (FIA), die seit 2015 inter­na­tionale Gesund­heits­fachkräfte für die beru­fliche Anerken­nung in Deutsch­land qual­i­fiziert. Die FIA betreibt Schu­lungszen­tren unter anderem in Freiburg, Berlin, Frank­furt, Han­nover, Hei­del­berg und Land­shut und begleit­et Ärztin­nen und Ärzte, Zah­närztin­nen und Zah­närzte sowie Apothek­erin­nen und Apothek­er durch berufs­be­zo­gene Sprach- und Fachkurse sowie prü­fungsvor­bere­i­t­ende Qual­i­fizierungs­maß­nah­men. Als nach AZAV zer­ti­fiziert­er Bil­dungsträger deckt die FIA dabei den for­malen Weg zur Beruf­san­erken­nung ab, von der Sprach­prü­fung auf A1-Niveau bis hin zum Patien­tenkom­mu­nika­tion­stest auf C1-Niveau.

Während die FIA den for­malen Qual­i­fizierungsweg begleit­et, soll der Freiburg­er Bund die Brücke in die Com­mu­ni­ty schla­gen. Bei­de Struk­turen ergänzen sich: Die Akademie ver­mit­telt das fach­liche und sprach­liche Rüstzeug, das Net­zw­erk den men­schlichen Kon­text, in dem dieses Wis­sen erst wirk­lich wirk­sam wird. Man kön­nte sagen, die FIA öffnet die Tür zum deutschen Gesund­heitssys­tem, der Freiburg­er Bund sorgt dafür, dass man nicht allein durch sie hin­durchge­ht.

Dr. Farhan, der bei­de Ein­rich­tun­gen leit­et, sieht darin kein Zufall: „Es hat sich gezeigt, dass Qual­i­fizierung allein nicht aus­re­icht. Fachkräfte brauchen auch ein soziales Fun­da­ment, Gle­ich­gesin­nte, Ori­en­tierung, das Gefühl, nicht von vorne anz­u­fan­gen, son­dern auf etwas aufzubauen. Das ist der Punkt, an dem das Net­zw­erk anset­zt.”

Stimmen aus dem Netzwerk: Was Austausch im Alltag bewirkt

Stim­men aus dem Net­zw­erk selb­st zeigen, wie wertvoll dieser Aus­tausch im All­t­ag ist. Wer als Ärztin aus Tune­sien oder als Zah­narzt aus dem Irak nach Deutsch­land kommt, kämpft häu­fig nicht nur mit bürokratis­chen Hür­den, son­dern auch mit dem Gefühl, allein durch einen Dschun­gel zu navigieren, den alle anderen schon zu ken­nen scheinen. Ein Net­zw­erk, das in mehreren Sprachen kom­mu­niziert und in dem jemand antwortet, der dieselbe Aus­gangslage kan­nte, verän­dert diese Erfahrung grundle­gend. Aus der Iso­la­tion wird Zuge­hörigkeit, aus dem Einzelkampf ein gemein­samer Weg.

Das Net­zw­erk pflegt seinen Aus­tausch nicht nur über die geplante App-Plat­tform, son­dern auch aktiv über soziale Kanäle wie Telegram, Insta­gram, Tik­Tok und YouTube. Diese Präsenz ist kein Selb­stzweck. Sie ermöglicht es, Fachkräfte dort zu erre­ichen, wo sie bere­its sind: auf dem Smart­phone, im Kurs, auf dem Weg zur Behörde. Wer sich über einen Insta­gram-Post informiert und dann über Telegram Fra­gen stellt, nimmt einen anderen, nieder­schwelligeren Ein­stieg in das Net­zw­erk als über eine for­male Mit­glied­schaft. Diese Offen­heit ist gewollt.

Internationales Lernen als Zukunftsmodell für das Gesundheitswesen

Was der Freiburg­er Bund damit langfristig anstrebt, geht über das Net­zw­erk selb­st hin­aus. Wenn Ärztin­nen aus 20 Län­dern miteinan­der ler­nen, voneinan­der ler­nen und gemein­sam in die Ver­sorgung ein­treten, verän­dert das nicht nur ihre indi­vidu­elle Kar­riere. Es verän­dert auch, wie Gesund­heitsver­sorgung in einem Land aussieht, das auf genau diese Fachkräfte angewiesen ist. Dr. Farhan bringt es auf den Punkt: „Wir wollen keinen sicheren Hafen bauen, in dem inter­na­tionale Fachkräfte unter sich bleiben. Wir wollen eine Gemein­schaft, die sie so stark macht, dass sie das deutsche Gesund­heitssys­tem aktiv mit­gestal­ten kön­nen.”

Das ist ein Unter­schied, der zählt: zwis­chen Inte­gra­tion als Anpas­sungsleis­tung ein­er­seits und Inte­gra­tion als Beitrag ander­er­seits. Der Freiburg­er Bund ver­ste­ht sich als Plat­tform für Let­zteres. Und wer sich das wach­sende Net­zw­erk aus mehr als 20 Herkun­ft­slän­dern ansieht, bekommt einen konkreten Ein­druck davon, was entste­ht, wenn Ler­nen keine Gren­zen mehr ken­nt.