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Meinung | Kommentar:
In Schwerin paddelt die Politk erst los, wenn andere aufhören

Kaum soll das Drachenbootfestival pausieren, kommt Schwerins Politik in Bewegung. Hilft nur noch die Absage? Und was hat die Paulshöhe damit zu tun? Unser Samstagskommentar: ein Meinungsbeitrag mit Biss.

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  • Veröffentlicht September 26, 2026
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Das Tor ist zu. Fra­gen bleiben erlaubt. Unser Lei­t­en­der Redak­teur Ste­fan Rochow über die Paulshöhe, die Kanuten und eine Stadt, die bei ein­er Absage plöt­zlich in Bewe­gung kommt. Fotomon­tage mit KI-Unter­stützung: Schw­erin Lokal.

 

 

Ich habe die Bedeu­tung des Drachen­boot­sports für die kom­mu­nale Wil­lens­bil­dung bis­lang unter­schätzt. Man muss dafür offen­bar nicht ein­mal pad­deln. Es genügt, das Pad­del hinzule­gen. Schon kommt Bewe­gung ins Stadthaus und in die Stadtvertre­tung.

Das Schw­er­iner Drachen­boot­fes­ti­val soll 2027 pausieren. Das hat­ten die Organ­isatoren am Ende des diesjähri­gen Fes­ti­vals über­raschend angekündig. Daraufhin hat sich die Stadtvertre­tung ein­stim­mig für seinen Erhalt aus­ge­sprochen. Ein­stim­mig! So viel Einigkeit würde man sich bei den städtis­chen Finanzen wün­schen. Vielle­icht sollte man die näch­ste Haushalts­ber­atung eben­falls absagen. Wenn die Aus­sicht auf einen Aus­fall der­art zusam­men­schweißt, wäre es einen Ver­such wert.

Inzwis­chen sitzen Stadt, Ver­anstal­ter und Spon­soren zusam­men. Ein Finanz­plan soll her, zunächst sollen die sportlichen Wet­tkämpfe für 2027 gesichert wer­den. Es geht also etwas. Die Aus­sicht, dass nichts stat­tfind­et, ist offen­bar ein her­vor­ra­gen­der Ver­anstal­tungsmo­tor.

Ehrenamt mit Kündigungsverbot?

Nun wäre es bil­lig, den Organ­isatoren vorzuw­er­fen, sie hät­ten bloß keine Lust mehr. Die langjähri­gen Ver­ant­wortlichen haben ihren Rück­zug mit der Belas­tung durch das Ehre­namt begrün­det. Wer neben seinem Beruf ein solch­es Fes­ti­val organ­isiert, darf erschöpft sein. Er darf sog­ar aufhören, ohne vorher die Zus­tim­mung sämtlich­er Men­schen einzu­holen, die ein­mal im Jahr beim Feuer­w­erk ste­hen.

Das Ehre­namt ist eine bemerkenswerte Ein­rich­tung. Men­schen arbeit­en kosten­los, damit andere Men­schen anschließend fest­stellen kön­nen, dass die Ver­anstal­tung unverzicht­bar ist. Unverzicht­bar wer­den dabei gele­gentlich auch die Helfer. Das erfahren sie spätestens, wenn sie nicht mehr helfen möcht­en.

Ein Stück vom Kuchen Paulshöhe

Trotz­dem inter­essiert mich eine zweite Geschichte. Sie spielt ein Stück vom Pfaf­fen­te­ich ent­fer­nt, auf der Paulshöhe. Auch dort hat­te die Kanuren­nge­mein­schaft Erwartun­gen. Im Nutzungskonzept der Wal­dor­fvere­ini­gung von 2020 tauchen eine Logis­tik­fläche und san­itäre Ein­rich­tun­gen für den Vere­in auf. Die Empfehlun­gen des Dialog­fo­rums in der Fas­sung vom Sep­tem­ber 2024 sehen vor, dass während der Regat­ten Flächen für Boot­strail­er und Camp­ing zeitweise genutzt wer­den kön­nen.

Die Kanuten hat­ten also dur­chaus Grund zu hof­fen, bei der Neu­verteilung der Paulshöhe berück­sichtigt zu wer­den. Das ist zunächst wed­er unanständig noch erstaunlich. Ein Vere­in benötigt Platz. Er meldet seinen Bedarf an. Dafür gibt es Pla­nungsver­fahren. Und dann gibt es noch die Hoff­nung. Sie benötigt keinen Bebau­ungs­plan und lässt sich deshalb beson­ders lange aufrechter­hal­ten.

Hat die angekündigte Fes­ti­val­pause etwas mit diesen Erwartun­gen zu tun? Soll damit Druck auf die Stadt aus­geübt wer­den? Belegt ist das bis­lang nicht. Wer aus einem Flächen­wun­sch und ein­er Fes­ti­val­pause kurz­er­hand einen fer­ti­gen Kuh­han­del zusam­menset­zt, hat zwar eine schöne Geschichte. Ihm fehlt lediglich der Nach­weis.

Die Wirkung der Pause lässt sich dage­gen ger­ade sehen. Die Poli­tik beschäftigt sich mit dem Vere­in und sein­er Ver­anstal­tung. Es gibt Gespräche, öffentliche Beken­nt­nisse und die Suche nach Lösun­gen. Ob beab­sichtigt oder nicht: Die Ankündi­gung hat Druck erzeugt. Das ist der inter­es­sante Punkt. Offen­bar kann eine dro­hende Lücke im Ver­anstal­tungskalen­der eine erstaunliche Betrieb­samkeit aus­lösen. Man stelle sich vor, ein For­mu­lar kön­nte so etwas.

Applaus ersetzt keine Antworten

Für die Kanuren­nge­mein­schaft ist diese Aufmerk­samkeit eine Chance. Sie sollte deshalb möglichst genau sagen, was sie braucht. Geld? Helfer? Einen pro­fes­sionellen Ver­anstal­ter? Flächen? Welche davon, wo und wofür? Das mag unro­man­tisch klin­gen. Aber eine fehlende Toi­lette lässt sich mit einem Beken­nt­nis zum gesellschaftlichen Zusam­men­halt nur unzure­ichend erset­zen.

Die Stadt wiederum sollte erk­lären, welche Per­spek­tive die Kanuten auf der Paulshöhe tat­säch­lich haben. Eine vorge­se­hene Nutzung ist noch keine ver­füg­bare Fläche. Ein Konzept ist noch keine Zusage. Und ein fre­undlich­es Gespräch wird auch durch mehrma­lige Wieder­hol­ung nicht zum Ver­trag. Falls die Paulshöhe bei den Ver­hand­lun­gen über das Fes­ti­val mit auf dem Tisch liegt, sollte man das erfahren dür­fen. Schließlich gehört der Tisch eben­so wie die Fläche let­ztlich der Öffentlichkeit.

Man muss dafür nie­man­dem böse Absicht­en unter­stellen. Es reicht, nach seinen Inter­essen zu fra­gen. Auch ein ver­di­en­stvoller Vere­in sollte das aushal­ten.  Zumal die Kanuren­nge­mein­schaft nach unseren bish­eri­gen Erfahrun­gen mit Auskün­ften gern etwas sparsamer umge­ht. Ver­di­en­ste ver­di­enen Anerken­nung. Eine Befreiung von Nach­fra­gen gehört nicht dazu.

Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers (CDU) ist zugutezuhal­ten, dass er die Beteiligten zusam­menge­bracht hat. Jet­zt muss aus der Gespräch­srunde allerd­ings mehr wer­den als eine zweite Gespräch­srunde. Ein Spon­sor kann eine Rech­nung bezahlen. Die näch­ste Schicht beim Auf­bau übern­immt er damit noch nicht.

Ich möchte das Drachen­boot­fes­ti­val behal­ten. Ich möchte auch, dass Men­schen, die es organ­isieren, noch ein Leben außer­halb dieses Fes­ti­vals führen kön­nen. Bei­des sollte sich in ein­er Lan­deshaupt­stadt hin­bekom­men lassen. Was ich weniger überzeu­gend finde, ist die Vorstel­lung, dass ein Anliegen erst dann richtig wichtig wird, wenn seine Träger erk­lären, sie macht­en nicht mehr weit­er.

Das spricht sich herum. Am Ende sagen sämtliche Vere­ine ihre Ver­anstal­tun­gen vor­sor­glich ab, damit rechtzeit­ig mit den Vor­bere­itun­gen begonnen wer­den kann.