Zukunft des Drachenbootfestivals:
Wie es nach dem Rückzug der Organisatoren weitergehen könnte
2027 pausiert das Drachenbootfestival Schwerin. Nun beginnt die Suche nach einer neuen Organisationsstruktur. Stadt und Stadtwerke signalisieren Unterstützung für eine Rückkehr.

In Kürze:
- Das Drachenbootfestival Schwerin pausiert 2027 nach dem Rückzug der langjährigen Cheforganisatoren Michael Nowack und Chris Richter.
- Oberbürgermeister Sebastian Ehlers will die Beteiligten zusammenbringen. Im Mittelpunkt dürfte die Frage stehen, wie die Organisation künftig auf mehrere Schultern verteilt werden kann.
- Die Stadtwerke sind grundsätzlich zu weiterer Unterstützung bereit. Ob das Festival bereits 2028 zurückkehrt, ist noch offen.
Nach der angekündigten Pause 2027 beginnt die Suche nach einer Zukunft für das Drachenbootfestival Schwerin. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) will die Beteiligten in den kommenden Wochen an einen Tisch holen. Auch die Stadtwerke Schwerin signalisieren grundsätzlich Bereitschaft, eine Neuauflage weiterhin zu unterstützen.
Auslöser ist der Rückzug der langjährigen Cheforganisatoren Michael Nowack und Chris Richter. Beide hatten am Sonntag nach Abschluss des diesjährigen Festivals angekündigt, nach elf Jahren die Verantwortung abzugeben. Die Kanurenngemeinschaft Schwerin (KRG) steht damit vor der Aufgabe, die Organisation neu aufzustellen.
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Eine schnelle Lösung zeichnet sich bislang nicht ab. Die KRG ließ eine Anfrage von SNO zur künftigen Organisation zunächst unbeantwortet. Offen ist deshalb vor allem, ob innerhalb des Vereins neue Verantwortliche übernehmen können oder ob das Festival künftig auf eine breitere organisatorische Basis gestellt werden muss. Dabei könnte es nicht nur um die Organisation gehen, sondern auch um die grundsätzliche Form der Veranstaltung. Im Raum stehen unterschiedliche Möglichkeiten, von einer Fortsetzung des bisherigen Festivals über eine stärker auf den Sport konzentrierte Variante bis hin zu einem anderen Veranstaltungsort. Selbst die Frage, ob das Festival dauerhaft in seiner bisherigen Form fortbestehen kann, ist damit noch nicht beantwortet.
Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) macht deutlich, dass die Stadt an einer Rückkehr interessiert ist. „Als Stadt respektieren wir die Entscheidung der KRG, ein Jahr auszusetzen und sich neu zu organisieren. Ich habe den Organisatoren bereits am Sonntag die Unterstützung der Stadt für den weiteren Austausch zugesichert“, erklärte er auf Anfrage von SNO.
Stadt will Beteiligte zusammenbringen
In den kommenden Wochen soll es Gespräche über die Zukunft des Festivals geben. „Wir werden uns mit allen Beteiligten an meinem Tisch zusammensetzen“, kündigte Ehlers an. Wer genau daran teilnehmen soll und wann das Treffen stattfinden wird, ist im Moment offen. Konkrete Vorschläge für die künftige Organisation gibt es von der Verwaltung bislang ebenfalls nicht. Dafür sei es nach der Ankündigung der Pause noch zu früh. Ehlers formuliert jedoch das Ziel der Stadt klar: „Mir ist wichtig, dass dieses traditionsreiche Festival auch künftig Teil des sportlichen und kulturellen Lebens in Schwerin bleibt.“
Die Dimension der Aufgabe ist beträchtlich. Nach Angaben der Veranstalter kamen in diesem Jahr rund 35.000 Besucher an den Pfaffenteich, mehr als 2.000 Teilnehmer waren dabei. Hinter den drei Veranstaltungstagen steht entsprechend viel Vorbereitung. Das Festival ist dabei längst mehr als ein reiner Sportwettbewerb. Rund um die Rennen gehören Gastronomie, Unterhaltung und weitere Programmpunkte zum Veranstaltungskonzept. Eine Verkleinerung würde deshalb nicht nur den organisatorischen Aufwand reduzieren, sondern auch den Charakter des Festivals verändern.
Nachfolger allein könnten nicht reichen
Die zentrale Herausforderung dürfte darin liegen, die bisher bei wenigen Verantwortlichen gebündelte Arbeit künftig anders zu verteilen. Nowack und Richter haben über elf Jahre Erfahrungen, Kontakte und Wissen über die Abläufe aufgebaut. Bei einer Großveranstaltung dieser Dimension müssen unter anderem Rennbetrieb, Helfer, Sicherheit, Genehmigungen, Technik, Infrastruktur und Sponsoren koordiniert werden. Ein erheblicher Teil dieser Arbeit wird ehrenamtlich geleistet.
Bereits bei der Ankündigung ihres Rückzugs hatten die bisherigen Organisatoren auf diesen Aufwand hingewiesen. Damit geht es nicht nur um die Frage, wer Nowack und Richter ersetzt. Zu klären ist auch, ob die bisherige Struktur ohne die beiden langjährigen Organisatoren noch funktioniert. Eine Möglichkeit wäre, einzelne Aufgaben stärker zwischen der KRG, weiteren Partnern und externen Dienstleistern aufzuteilen. Eine andere Variante könnte darin bestehen, Umfang und Konzept des Festivals zu verändern. Auch ein Wechsel vom Pfaffenteich an den Faulen See, wo die Kanurenngemeinschaft ihr Vereinsgelände hat, wäre grundsätzlich denkbar. Damit würde sich allerdings eine der Besonderheiten der Veranstaltung verändern: Der Pfaffenteich bringt den Drachenbootsport unmittelbar in die Schweriner Innenstadt.
Stadtwerke bleiben grundsätzlich dabei
Zum Kreis möglicher Partner gehören weiterhin die Stadtwerke Schwerin. Das kommunale Unternehmen unterstützt das Drachenbootfestival seit vielen Jahren als Sponsor. Die Nachricht von der Pause sei überraschend gekommen und werde bedauert, teilten die Stadtwerke auf SNO-Anfrage mit.
Für die Zukunft gibt es ein klares Signal: „Grundsätzlich besteht in unserem Haus die Bereitschaft, einen Beitrag für zukünftige Drachenbootfestivals zu leisten“, so ein Sprecher der Stadtwerke. Sollte sich die Veranstalter- und Organisationsstruktur ändern, wolle das Unternehmen dies allerdings zunächst bewerten und in seine Entscheidung über ein künftiges Engagement einfließen lassen. Auch die Stadt unterstützt das Festival bislang finanziell und organisatorisch. Von 2019 bis 2024 erhielt die KRG insgesamt 7.000 Euro an direkten Fördermitteln. Für dieses Jahr wurden weitere 1.000 Euro beantragt. Hinzu kommen Vergünstigungen etwa bei der Nutzung städtischer Flächen und bei Ausnahmegenehmigungen für das Parken.
Die Finanzierung ist damit ein Faktor bei einer möglichen Neuaufstellung, aber nicht die einzige offene Frage. Für die Zukunft dürfte zunächst entscheidend sein, wer die organisatorische Verantwortung übernimmt, wie die zahlreichen Aufgaben verteilt werden und in welcher Form das Festival überhaupt fortgeführt werden soll.
Pause als Jahr für einen Neustart
Die Pause 2027 verschafft der KRG Zeit, die Organisation neu aufzustellen. Dabei wird zu klären sein, welche Aufgaben der Verein weiterhin selbst übernehmen kann und wo zusätzliche Partner oder professionelle Unterstützung notwendig sind. Auch Größe, Konzept und möglicherweise der Veranstaltungsort könnten Teil der Neuaufstellung werden. Auch die künftige Rolle der Stadt dürfte bei den angekündigten Gesprächen eine Rolle spielen.
Ob bereits 2028 wieder Drachenboote beim Festival über den Pfaffenteich fahren, ist deshalb offen. Die Voraussetzungen für Gespräche sind zumindest vorhanden: Die Stadt will die Beteiligten zusammenbringen, die Stadtwerke signalisieren weitere Unterstützung. Nun kommt es darauf an, ob die KRG und ihre Partner eine Struktur finden, die das Festival auch ohne die beiden langjährigen Cheforganisatoren tragen kann.
Die Pause könnte damit mehr werden als nur ein Jahr ohne Drachenbootfestival. Sie könnte darüber entscheiden, ob die Veranstaltung in ihrer bisherigen Form zurückkehrt, sich grundlegend verändert oder ein anderes Konzept für den Schweriner Drachenbootsport entsteht.




