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Man müsste mal:
Dreeschkindflotte, mit anderen Augen auf den Dreesch schauen.

Im Postkast geht es heute um den Dreesch, seine Historie und wie Steffi Uhl und Michael Löwe diesen Ort sehen.

  • Veröffentlicht Dezember 23, 2025

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Weit­ere Infor­ma­tio­nen

 

Der Dreesch. Im Süd­west­en des Schw­er­iner Sees. Ein Wohnge­bi­et in Schw­erin. Dort wo einst „wildes Land“, also eine große gras­be­wach­sene Fläche war, dort wo Anfang des 19. Jahrhun­derts die Rus­sisch-Deutschen Legion für den Befreiungskampf gegen Napoleon übte und wo 1910 das Luftschiff Par­se­val lan­dete, ent­stand seit den 70er Jahren des let­zten Jahrhun­derts die größte Plat­ten­bausied­lung Nord­deutsch­lands.

Die WBS 70-Plat­ten­baut­en waren mod­ern und gut aus­ges­tat­tet. Rund 60.000 Ein­wohn­er hat­ten hier vor der 1989 ihr Zuhause. Schulen, Kaufhallen, Polik­linik, Schwimmhalle, Tankstelle und die Straßen­bahn, den Schw­er­iner See, den Zoo und viel Wald vor der Haustür. Heute unterteilt man den Dreesch nach seinen Bauab­schnit­ten in die drei Ort­steile Großer Dreesch, Neu Zip­pen­dorf und Mueßer Holz.

Hier leben und engagieren sich Stef­fi Uhl und Michael Löwe. „Für mich ist er Dreesch vor allem so ab dem Berlin­er Platz die Gegend von Neu Zip­pen­dorf und Mueßer Holz. Der erste Bauab­schnitt, Großer Dreesch, hat so eine eigene Dynamik“, sagt Stef­fi Uhl. „Für einige Leute waren die neuen Woh­nun­gen hier so etwas wie ein 6er im Lot­to.“
Das hat sich geän­dert. Nach 1989 sank die Ein­wohn­erzahl auf etwa 25.000. Große Betriebe ver­schwan­den aus der Region. Gut aus­ge­bildete Fachkräfte ver­loren den einst sicheren Arbeit­splatz. Viele ver­ließen die Stadt. Das soziale Gefüge zer­brach. Hoff­nungslosigkeit und Ent­täuschung, Arbeit­slosigkeit, Armut und Krim­i­nal­ität nah­men zu. Aus der sozial­is­tis­chen Bilder­buch-Sied­lung wird ein sozialer Bren­npunkt.

Stef­fi Uhl und Michael Löwe ken­nen die weniger schö­nen Eck­en und sie wis­sen auch, was an tollen Din­gen so läuft. „Da gibt es eine Menge!“ sagt Stef­fi Uhl ziem­lich begeis­tert und zählt müh­e­los eine bunte Rei­he von Ein­rich­tun­gen und Ini­tia­tiv­en auf, die sich für ein gutes Leben auf dem Dreesch stark machen: ZiMT mit Fahrrad­w­erk­statt und Mit­mach-Café, der Vere­in „Die Plat­te lebt“, das Patch­work Cen­ter, der Vere­in UNA, die Sportvere­ine im Stadt­teil, Schw­er­iner Musi­cal Club, die Petrusge­meinde, das Stadteil­man­age­ment und viele, viele andere mehr.

Stadtver­wal­tung und Stadt­poli­tik haben längst erkan­nt, dass hier etwas geschehen muss. Und es passiert eine ganze Menge. Abriss, Sanierung, Neubau. „Das ist gut, denn es ist Vieles ver­loren gegan­gen, was einem Stadt­teil gut­tut. Orte, an die man mal gehen kann. Eine Gast­stätte zum Beispiel. Das fehlt. Da suchen sich die Leute dann ihre Plätze“, meint Stef­fi Uhl. Der Kepler­platz ist so ein Ort an dem sich die Leute tre­f­fen. „Da gibt es noch viel zu tun!“, meint Michael Löwe, „Der Platz ist nicht vernün­ftig beleuchtet. Im Dunkeln sieht man die glühen­den Zigaret­ten von denen, die dort sitzen und rauchen, aber du kannst den Weg nicht erken­nen.“

Für die Neugestal­tung des Platzes macht sich die Ini­tia­tive „Aktion Kepler­platz! gemein­sam. neu. gestal­ten.“ stark. Mit dabei sind Stef­fi Uhl und Michael Löwe. Und aus dieser Ini­tia­tive her­aus bilden sie die „Dreeschkind­flotte“.

Rund 20 Leute aus dem Stadt­teil gehören zum harten Kern der „Dreeschkind­flotte“. Sie sind fast über­all dabei, wenn im Stadt­teil etwas läuft. „Es kön­nen ja nicht immer alle bei Konz­erten und Ver­anstal­tun­gen dabei sein. Aber wir ver­suchen unser Bestes!“, lacht Stef­fi Uhl und sprüht nur so vor Energie. Pfand­bech­er statt Plas­te und Pappe, Kaf­fee, Kuchen, ein HAWAZUZI – Hand­wa­gen zum Ziehen für kleinere Trans­porte, die Sprech­stun­den in der „Alten Post“, prak­tis­che Hil­fe hier und da. Die Liste ins lang.

„Mich stört es beson­ders, wenn Leute schlecht über den Dreesch reden, die sel­ber noch nie hier gewe­sen sind. Ich bin ein Dreeschkind. Ich lebe jet­zt seit 40 Jahren hier und möchte nir­gend­wo anders hin. – Ihr Herzenswun­sch: den Schw­er­iner Fernse­hturm wieder­beleben. Und dazu hat sie auch Ideen. Jet­zt ist aber erst ein­mal Wei­h­nacht­en. „Ich kön­nte 24 Stun­den Kochen, Back­en und so. Und dieses Jahr mach ich das auch mal wieder. Am 25. Dezem­ber in der „Alten Post“ sind alle willkom­men, die mal gemütlich zusam­men­sitzen wollen“, lädt Stef­fi Uhl ein.

Wer erfahren möchte, was Stef­fi Uhl und Michael Löwe am Dreesch so gut gefällt und wer ein­mal mit ihren Augen auf den Dreesch schauen möchte, kann das in dieser Folge vom Pod­cast „Man müsste mal …“ mit Andreas Lußky und Claus Oellerk­ing zumin­d­est schon mal akustisch tun. Hinz­u­fahren und sich mit den Dreeschkindern zu tre­f­fen, wäre natür­lich deut­lich bess­er.