Man müsste mal:
Dreeschkindflotte, mit anderen Augen auf den Dreesch schauen.
Im Postkast geht es heute um den Dreesch, seine Historie und wie Steffi Uhl und Michael Löwe diesen Ort sehen.
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Der Dreesch. Im Südwesten des Schweriner Sees. Ein Wohngebiet in Schwerin. Dort wo einst „wildes Land“, also eine große grasbewachsene Fläche war, dort wo Anfang des 19. Jahrhunderts die Russisch-Deutschen Legion für den Befreiungskampf gegen Napoleon übte und wo 1910 das Luftschiff Parseval landete, entstand seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die größte Plattenbausiedlung Norddeutschlands.
Die WBS 70-Plattenbauten waren modern und gut ausgestattet. Rund 60.000 Einwohner hatten hier vor der 1989 ihr Zuhause. Schulen, Kaufhallen, Poliklinik, Schwimmhalle, Tankstelle und die Straßenbahn, den Schweriner See, den Zoo und viel Wald vor der Haustür. Heute unterteilt man den Dreesch nach seinen Bauabschnitten in die drei Ortsteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz.
Hier leben und engagieren sich Steffi Uhl und Michael Löwe. „Für mich ist er Dreesch vor allem so ab dem Berliner Platz die Gegend von Neu Zippendorf und Mueßer Holz. Der erste Bauabschnitt, Großer Dreesch, hat so eine eigene Dynamik“, sagt Steffi Uhl. „Für einige Leute waren die neuen Wohnungen hier so etwas wie ein 6er im Lotto.“
Das hat sich geändert. Nach 1989 sank die Einwohnerzahl auf etwa 25.000. Große Betriebe verschwanden aus der Region. Gut ausgebildete Fachkräfte verloren den einst sicheren Arbeitsplatz. Viele verließen die Stadt. Das soziale Gefüge zerbrach. Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung, Arbeitslosigkeit, Armut und Kriminalität nahmen zu. Aus der sozialistischen Bilderbuch-Siedlung wird ein sozialer Brennpunkt.
Steffi Uhl und Michael Löwe kennen die weniger schönen Ecken und sie wissen auch, was an tollen Dingen so läuft. „Da gibt es eine Menge!“ sagt Steffi Uhl ziemlich begeistert und zählt mühelos eine bunte Reihe von Einrichtungen und Initiativen auf, die sich für ein gutes Leben auf dem Dreesch stark machen: ZiMT mit Fahrradwerkstatt und Mitmach-Café, der Verein „Die Platte lebt“, das Patchwork Center, der Verein UNA, die Sportvereine im Stadtteil, Schweriner Musical Club, die Petrusgemeinde, das Stadteilmanagement und viele, viele andere mehr.
Stadtverwaltung und Stadtpolitik haben längst erkannt, dass hier etwas geschehen muss. Und es passiert eine ganze Menge. Abriss, Sanierung, Neubau. „Das ist gut, denn es ist Vieles verloren gegangen, was einem Stadtteil guttut. Orte, an die man mal gehen kann. Eine Gaststätte zum Beispiel. Das fehlt. Da suchen sich die Leute dann ihre Plätze“, meint Steffi Uhl. Der Keplerplatz ist so ein Ort an dem sich die Leute treffen. „Da gibt es noch viel zu tun!“, meint Michael Löwe, „Der Platz ist nicht vernünftig beleuchtet. Im Dunkeln sieht man die glühenden Zigaretten von denen, die dort sitzen und rauchen, aber du kannst den Weg nicht erkennen.“
Für die Neugestaltung des Platzes macht sich die Initiative „Aktion Keplerplatz! gemeinsam. neu. gestalten.“ stark. Mit dabei sind Steffi Uhl und Michael Löwe. Und aus dieser Initiative heraus bilden sie die „Dreeschkindflotte“.
Rund 20 Leute aus dem Stadtteil gehören zum harten Kern der „Dreeschkindflotte“. Sie sind fast überall dabei, wenn im Stadtteil etwas läuft. „Es können ja nicht immer alle bei Konzerten und Veranstaltungen dabei sein. Aber wir versuchen unser Bestes!“, lacht Steffi Uhl und sprüht nur so vor Energie. Pfandbecher statt Plaste und Pappe, Kaffee, Kuchen, ein HAWAZUZI – Handwagen zum Ziehen für kleinere Transporte, die Sprechstunden in der „Alten Post“, praktische Hilfe hier und da. Die Liste ins lang.
„Mich stört es besonders, wenn Leute schlecht über den Dreesch reden, die selber noch nie hier gewesen sind. Ich bin ein Dreeschkind. Ich lebe jetzt seit 40 Jahren hier und möchte nirgendwo anders hin. – Ihr Herzenswunsch: den Schweriner Fernsehturm wiederbeleben. Und dazu hat sie auch Ideen. Jetzt ist aber erst einmal Weihnachten. „Ich könnte 24 Stunden Kochen, Backen und so. Und dieses Jahr mach ich das auch mal wieder. Am 25. Dezember in der „Alten Post“ sind alle willkommen, die mal gemütlich zusammensitzen wollen“, lädt Steffi Uhl ein.
Wer erfahren möchte, was Steffi Uhl und Michael Löwe am Dreesch so gut gefällt und wer einmal mit ihren Augen auf den Dreesch schauen möchte, kann das in dieser Folge vom Podcast „Man müsste mal …“ mit Andreas Lußky und Claus Oellerking zumindest schon mal akustisch tun. Hinzufahren und sich mit den Dreeschkindern zu treffen, wäre natürlich deutlich besser.



