Mehr Rechenleistung:
Neues Rechenzentrum in Schwerin – Das steckt hinter dem Millionenprojekt
In Schwerin entsteht ein neues Rechenzentrum für die Landesverwaltung. Es soll mehr Kapazität, höhere Ausfallsicherheit und zusätzliche Möglichkeiten für digitale und KI-basierte Anwendungen schaffen.

In Kürze:
- In Schwerin entsteht ein neues Rechenzentrum für zentrale IT-Systeme der Landesverwaltung mit 236 Server-Racks und rund 11.000 Höheneinheiten.
- Ausfallsichere Stromversorgung, effizientere Kühlung und zusätzliche Kapazitäten sollen die Landes-IT auf wachsende Anforderungen vorbereiten.
- Ursprünglich war die Inbetriebnahme bereits für 2026 vorgesehen. Aktuell nennt das DVZ das zweite Quartal 2027 als Fertigstellungstermin.
Das neue Rechenzentrum des Landes in Schwerin ist im Rohbau weitgehend fertig. An der Lübecker Straße wurde jetzt Richtfest gefeiert. Nach rund drei Jahren Planung entsteht dort zusätzliche IT-Infrastruktur für die Landesverwaltung. Fertiggestellt werden soll der Neubau im zweiten Quartal 2027.
Das Gebäude umfasst drei Geschosse sowie ein zusätzliches Technikgeschoss. In vier getrennten Computerräumen entstehen 236 Server-Racks mit insgesamt rund 11.000 Höheneinheiten. Die maximale IT-Last gibt das Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern (DVZ) mit rund 1,3 Megawatt an.
Für Finanz- und Digitalisierungsminister Heiko Geue geht es bei dem Neubau auch um die Kontrolle über die digitale Infrastruktur des Landes. „Wir wollen selbst über den Einsatz von digitalen Technologien und den Schutz unserer Daten entscheiden können“, sagte Geue beim Richtfest. Das neue Rechenzentrum schaffe zudem Kapazitäten, die das Land für eine KI-basierte digitale Verwaltung benötige.
Das DVZ ist der zentrale IT-Dienstleister des Landes. Es betreibt und entwickelt IT-Infrastrukturen und Fachverfahren für die Verwaltung und bindet diese in bestehende Systeme ein. DVZ-Geschäftsführer Hubert Ludwig sieht im Neubau die Voraussetzung dafür, die Landes-IT langfristig weiterzuentwickeln. „Hohe Leistungsfähigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen gehören für uns dabei zusammen“, erklärte Ludwig.
Mehr Kapazität für die Landesverwaltung
Der Neubau soll vor allem einen sicheren und möglichst ausfallsicheren Betrieb der IT-Systeme der Landesverwaltung ermöglichen. Damit unterscheidet sich das Projekt von privat finanzierten Rechenzentren, die ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern entstehen. Das DVZ verweist darauf, dass beide Entwicklungen unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Der Bedarf an Rechenleistung wächst. Verwaltungsverfahren werden digitalisiert, Anwendungen zentral betrieben und Daten in gemeinsamen Infrastrukturen verarbeitet. Hinzu kommen Cloud-Dienste und zunehmend Anwendungen künstlicher Intelligenz.
Frühere Projektunterlagen des DVZ zeigen zudem, warum eine Erweiterung der vorhandenen Infrastruktur nicht ohne Weiteres ausreicht. Beim bestehenden Rechenzentrum stoßen insbesondere Stromversorgung und Kühlleistung an Grenzen. Eine Erweiterung des Bestands wäre aufgrund der baulichen Gegebenheiten aufwendig.

Bereits im März 2025 erklärte die Landesregierung gegenüber dem Landtag, dass sich die Kapazitätsplanung des DVZ in erster Linie am Bedarf der Landesverwaltung orientiert. Dazu gehören unter anderem Fachverfahren der Behörden, zentrale Kommunikationsdienste und digitale Verwaltungsleistungen.
Ausfallsicherheit spielt zentrale Rolle
Besondere Anforderungen gelten für die Betriebssicherheit. Nach Angaben des DVZ werden die technischen Systeme redundant ausgelegt. Vereinfacht bedeutet das: Wichtige Komponenten sind mehrfach vorhanden, sodass beim Ausfall eines Systems ein anderes übernehmen kann.
Das Rechenzentrum wird nach der europäischen Norm DIN EN 50600 in Verfügbarkeitsklasse 3 ausgelegt. Diese definiert Anforderungen an die technische Infrastruktur von Rechenzentren und soll unter anderem sicherstellen, dass Wartungsarbeiten nicht zwangsläufig zu einer Unterbrechung des IT-Betriebs führen.
Frühere Projektplanungen sehen dafür unter anderem getrennte Stromversorgungswege und eine Notstromversorgung vor. Gerade für ein Rechenzentrum, über das zentrale Anwendungen von Landesbehörden laufen, soll so das Risiko größerer Ausfälle reduziert werden.
Weniger Energie für die Kühlung
Auch der Energieverbrauch spielt bei dem Neubau eine Rolle. Zur Kühlung soll unter anderem sogenanntes Free Cooling eingesetzt werden. Dabei können geeignete niedrige Außentemperaturen genutzt werden, sodass weniger Energie für die technische Erzeugung von Kälte benötigt wird. Außerdem wird das Gebäude für eine Wärmerückgewinnung vorbereitet.
Nach Angaben des DVZ gegenüber dem NDR soll die Kühlung mit einem geschlossenen Kreislauf arbeiten. Für den laufenden Kühlprozess werde dadurch kein zusätzliches Wasser benötigt. Die entstehende Abwärme könnte grundsätzlich weiterverwendet werden. Ein konkreter Abnehmer dafür ist bislang allerdings nicht öffentlich bekannt.
Auf dem Gelände des DVZ wird bereits ein Teil des benötigten Stroms selbst produziert. Eine Photovoltaikanlage soll nach Unternehmensangaben jährlich bis zu 585.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Sie deckt damit allerdings nur einen Teil des Energiebedarfs des Standorts.
Ursprünglich war 2026 vorgesehen
Dem Richtfest gingen nach Angaben des DVZ rund drei Jahre Planung voraus. Der Bauantrag wurde im März 2025 eingereicht. Anfang 2026 lag die Baugenehmigung vor, am 13. Mai 2026 wurde der Grundstein gelegt. Für die Umsetzung des Neubaus ist als Generalauftragnehmer die Data Center Group verantwortlich.

Der ursprüngliche Zeitplan sah allerdings eine frühere Inbetriebnahme vor. Noch im März 2025 teilte die Landesregierung dem Landtag mit, das neue Rechenzentrum solle 2026 in Betrieb gehen. Frühere Projektunterlagen des DVZ nannten den 30. Juni 2026 als Zieltermin. Nun ist die Fertigstellung für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Einen konkreten Grund für die Verschiebung nennt das DVZ in seiner Mitteilung zum Richtfest nicht.
Ralf Siefen, Geschäftsführer der mit dem Bau beauftragten Data Center Group, bezeichnete das Richtfest als „wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen und hochverfügbaren Rechenzentrum“. Nach dem Rohbau verlagern sich die Arbeiten nun zunehmend auf die technische Ausstattung.
Technik wird jetzt eingebaut
Nach dem Richtfest sollen zunächst Energie‑, Kälte- und Sicherheitstechnik installiert werden. Danach folgt die eigentliche IT-Infrastruktur. Anschließend ist vorgesehen, die Systeme aus dem bisherigen Rechenzentrum schrittweise in den Neubau zu übertragen.
Damit bedeutet die für das zweite Quartal 2027 angekündigte Fertigstellung noch nicht zwangsläufig, dass zu diesem Zeitpunkt sämtliche Systeme bereits im Neubau laufen. Einen Termin, bis wann die Migration vollständig abgeschlossen sein soll, nennt das DVZ bislang nicht.
Das Projekt wird vom Ministerium für Finanzen und Digitalisierung und dem DVZ gemeinsam umgesetzt. Nach Angaben des Unternehmens gibt das Ministerium die strategischen Rahmenbedingungen vor, während das DVZ für die technische Seite des Projekts zuständig ist.
Aktuelle Gesamtkosten nicht genannt
Wie hoch die Investitionskosten inzwischen sind, geht aus der Pressemitteilung zum Richtfest nicht hervor. Frühere öffentlich zugängliche Projektunterlagen nannten eine Kalkulation von rund 21,3 Millionen Euro netto. Da diese Zahl aus einer früheren Planungsphase stammt, lässt sie keinen sicheren Rückschluss auf die heutigen Gesamtkosten zu.
Auch die späteren Betriebskosten und der konkrete Stromverbrauch des Neubaus werden bislang nicht beziffert. Offen ist außerdem, ob und wie die bei den Servern entstehende Abwärme tatsächlich außerhalb des Rechenzentrums genutzt werden soll.



