Stadtpräsident Sebastian Ehlers im Interview:
Haushalt, Landesgartenschau, Hochschule: Diese Entscheidungen prägen Schwerins Zukunft
Die Sommerpause ist vorbei – für die Schweriner Stadtvertretung stehen nun Themen wie Haushaltsfragen und die mögliche Landesgartenschau auf der Tagesordnung.

Stadtpräsident Sebastian Ehlers (CDU) spricht im Interview über Herausforderungen, Perspektiven und die Entwicklung von Schwerin. Ab diesem Monat wird in regelmäßigen Sitzungen der Stadtvertretung wieder über wichtige wirtschaftliche und politische Aufgaben gesprochen und diskutiert. Auch Bürger können sich einbringen.
SNO: Welche wichtigen Entscheidungen kommen nach der Sommerpause auf die Stadtvertretung zu?
Sebastian Ehlers: Es braucht ein Haushaltssicherungskonzept für die nächsten Jahre, da die Zahlen nochmal schlechter ausfallen. Das andere Thema ist die Landesgartenschau. Die Initiative des Vereins Pro Schwerin hat bereits Unterstützer. Wenn die Stadt ein gutes Konzept vorlegt und die Finanzierung klar ist, möchte das Land unterstützen. Wir werden im September dazu in der Stadtvertretung einen Grundsatzbeschluss fassen, damit die Verwaltung und der Oberbürgermeister weiter an dem Thema arbeiten können – gemeinsam mit dem Land und den Initiatoren.
SNO: Welche Weichen müssen jetzt für einen stabilen Schweriner Haushalt gestellt werden?
Sebastian Ehlers: Die steigenden Sozialkosten belasten bundesweit die kommunalen Haushalte. Es braucht andere gesetzliche Lösungen im Bund und im Land, damit es zu einer Einsparung kommt. Bei den Kosten für die beitragsfreie Kita müssen die Kommunen vom Land stärker unterstützt werden. Hinzu kommen höhere Personalkosten durch aktuelle Tarifabschlüsse. Perspektivisch sehe ich Einsparpotenzial durch den Einsatz von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz – nicht, um Leute zu entlassen, sondern um freiwerdende Stellen nicht neu zu besetzen. Bei den freiwilligen Leistungen sind wir ohnehin auf einem niedrigen Niveau.
Potentiale müssen genutzt werden
SNO: Was muss jetzt für die Stadt auf den Weg gebracht werden, um in zehn Jahren davon zu profitieren?
Sebastian Ehlers: Wir müssen die Potenziale, die wir haben, nutzen. Wir brauchen ein stärkeres Wirtschaftswachstum und müssen schauen, dass die Arbeitslosigkeit zurück geht. Es gilt, bestehende Unternehmen zu unterstützen und neue Ansiedlungen voranzutreiben. Im Industriepark ist einiges in Bewegung und mit der Erweiterung von Ypsomed haben wir bereits gute Signale gesetzt.
SNO: Was muss die Stadtverwaltung aus Ihrer Sicht tun, um Schwerin wirtschaftlich zu stärken? Welche Rolle spielt das Land dabei?
Sebastian Ehlers: Ich glaube, es geht nur zusammen – Stadt und Land. Wir brauchen die Förderung des Landes bei bestimmten Investitionsprojekten. Ein stärkerer Fokus müsste auf die Investitionsfreundlichkeit gelegt werden. Wir brauchen private Investitionen, da wir als Stadt gar nicht alles alleine machen können. Bei manchen Diskussionen über Bauprojekte habe ich Zweifel daran, ob es bei allen so klar ist.
SNO: Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit der Fraktionen in der Stadtvertretung?
Sebastian Ehlers: Seit der Kommunalwahl ist der Ton rauer geworden. Die Stadtvertretung ist bunter und mit verschiedenen Interessen vertreten. Diese müssen unter einem Hut gebracht werden. Wir haben nicht mehr so klare Mehrheiten und teils sehr knappe Entscheidungen. Bei wichtigen Themen, wie die Haushaltsfrage, kommen wir zu gemeinsamen Lösungen. Das ist wichtig, um bei allen politischen Unterschieden gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen. Am Ende geht es darum, was Schwerin voranbringt.
SNO: Wie können Bürger noch besser an der politischen Arbeit beteiligt werden?
Sebastian Ehlers: Die Bürger können sich in der Stadtvertretung oder den Ausschüssen einbringen. Hier gibt es die Fragestunde oder ein Rederecht. Unsere Aufgabe ist es dann aus den verschiedenen Interessen eine gute Lösung zu finden. Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr Leute einbringen. Die Bürger können sich auch an die Ortsteilvertretung wenden, die sich um die Themen vor Ort kümmern.
Schwerin muss sich international besser aufstellen
SNO: Wie schätzen Sie die Entwicklung von Schwerin in Bezug auf den Welterbestatus ein?
Sebastian Ehlers: Es gab einen guten ersten Schwung in der touristischen Entwicklung – für den Bekanntheitsgrad und das Image der Stadt. Doch es gibt immer noch zu wenig Hotelkapazitäten. An vielen Stellen müssen wir uns auch international besser aufstellen – wie Stadtführungen in Fremdsprachen oder in mehrsprachige Speisekarten. Es ist eine wichtige Aufgabe, mit der Bausubstanz vernünftig und sorgfältig umzugehen. Das haben wir in den vergangenen Jahren schon gut gemacht.
SNO: Schwerin eignet sich als Hochschulstandort, stellte jüngst das Land fest. Mit welchen Maßnahmen sollte die Politik jetzt durchstarten, damit sich eine staatliche Hochschule ansiedeln kann?
Sebastian Ehlers: Die Stadtvertretung hat klare Beschlüsse und ist klar in ihrer Positionierung. Eine staatliche Hochschule ist wichtig für die Entwicklung der Stadt. Die Landesregierung hat den Punkt als Prüfantrag in den Koalitionsvertrag aufgenommen – doch aufgrund von Geld- und Verteilungsfragen ist seit vier Jahren nichts passiert. Schwerin hat das Potenzial, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Hochschule Wismar eine Fakultät aufzumachen. Das wird ein Auftrag für die nächste Landesregierung nach der Landtagswahl sein.


