Interview mit dem Vorsitzenden des Welterbefördervereins:
Ein Jahr UNESCO-Welterbe
Am Sonntag feiert Schwerin ein Jahr UNESCO-Weltkulturerbe. Joachim Brenncke, Vorsitzender des Welterbefördervereins blickt auf die Zeit zurück und spricht auch über die Entwicklung der Stadt.

Am Sonntag gehört das Residenzensemble Schwerin offiziell seit einem Jahr zur UNESCO-Welterbeliste. Im Rahmen dieses besonderen Jubiläums wird der neue „Welterbeplatz” an der Graf-Schack-Allee feierlich eingeweiht. Besucher erwartet ein stimmungsvolles Nachmittagsprogramm mit musikalischen Beiträgen, Führungen durch ausgewählte Schlossbereiche und kulinarischen Angeboten im historischen Innenhof.
Einer, der den Weg bis zum Titel UNESCO-Weltkulturerbe intensiv begleitet hat, ist Joachim Brenncke. Im Interview mit der SNO-Redaktion blickt der Vorsitzende des Welterbefördervereins auf die Zeit zurück, spricht aber auch darüber, wie sich die Stadt seitdem entwickelt hat.
SNO: Wie lang hat der Weg zum Welterbe für den Verein insgesamt gedauert und wie würden Sie ihn beschreiben?
Joachim Brenncke: Der Weg des Schweriner Residenzensembles zum UNESCO-Weltkulturerbe war schon ein langer und in Teilen beschwerlicher. Von der Idee bis zum Titelerhalt erscheinen mehr als 20 Jahre ein sehr langer Zeitraum zu sein. Gemessen an der Bedeutung des Weltkulturerbe-Titels relativiert sich das aber wieder.
SNO: Wie hat sich der positive Bescheid für Sie angefühlt?
Joachim Brenncke: Den Moment der Anerkennung als Weltkulturerbe am 27. Juli 2024 haben sehr viele Bewohner dieser Stadt live erlebt. Es war damals eine sehr emotionale Situation, das Gefühl ist bis heute geblieben.
SNO: Die Förderung des Welterbes ist ja nun mit dem Bescheid streng genommen vorbei. Was sind jetzt die Aufgaben des Fördervereins?
Joachim Brenncke: Ja, das stimmt. Mit dem Erhalt des Weltkulturerbe-Titels war des Satzungszwecks unseres Fördervereins erreicht. In der Mitgliederversammlung unseres Fördervereins im Dezember 2024 haben wir aber gemeinsam entschieden, dass es im Zusammenhang mit dem Welterbetitel auch im bürgerschaftlichen Engagement noch genug konkrete Aufgaben gibt. Hier sehen wir als Hauptthema die Unterstützung der Stadt bei der Errichtung des Welterbe-Informationszentrums, aber auch eine weitergehende Einbeziehung der sogenannten „sozialen Randgruppen“. Wir wollen, dass immer mehr Schwerinerinnen und Schweriner stolz auf unsere Stadt sind, auch vermittelt durch das Weltkulturerbe.
SNO: Was hat sich aus Ihrer Sicht seither in der Stadt verändert?
Joachim Brenncke: Augenscheinlich nicht viel. Im Detail wird aber immer mehr an der Kommunikation des Themas von unterschiedlichen Akteuren gearbeitet. Was aber im Stadtbild zu bemerken ist, dass die Zahl der internationalen Touristen mehr geworden ist.
SNO: Wo sehen Sie noch Bedarfe. Was wünschen Sie sich für Schwerin als Welterbestadt?
Joachim Brenncke: Bedarf gibt es sicherlich in einer verstärkten Kommunikation zum Welterbethema, insbesondere mit einem Welterbeinformationszentrum. Ja und wünschen: immer ausreichend Herzblut bei allen Akteuren.
SNO: Wie schätzen Sie die Identifikation der Schweriner mit dem Welterbe ein?
Joachim Brenncke: Die Frage, die sich stellt: Was ist in diesem Zusammenhang Identifikation? Was sich in den letzten Jahren in der Stadtgesellschaft positiv verändert hat, ist das Wissen um das Welterbe-Thema. Woran wir als Förderverein zukünftig aber auch weiterarbeiten wollen, ist das im positiven Sinn „stolz sein“ auf unsere Stadt, befördert durch das Weltkulturerbe.



