Erste gemeinsame Tagung der nordkirchlichen Kirchengeschichtsvereine

Sieben Impulsvorträge erwarten die Zuhörerinnen und Zuhörer der ersten gemeinsamen Tagung der drei Kirchengeschichtsvereine der Nordkirche am kommenden Samstag (25. Juni 22) in Schwerin. Los geht's um 10 Uhr, und die Veranstaltung steht allen Interessierten offen.

Der Dom in Schwerin. | Foto: privat

Die Nordkirche feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag. Damit ist sie nicht nur in Kirchenjahren noch sehr jung. Anders als es bei einem zehnjährigen Kind der Fall ist, und als es die Mathematik vermittelt, stehen diese zehn Jahre doch für eine sehr viel längere Zeit. Denn die drei Landeskirchen, die sich 2012 in Ratzeburg zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland – so der offizielle Name  – vereinigten, blickten schon 2012 auf eine reiche Kirchengeschichte und entsprechend eigene Traditionen zurück.

 

Offen für alle historisch Interessierten

Unter dem Motto „Historische Prägungen in der Nordkirche“ findet am kommenden Samstag (25. Juni 22) im Schweriner Wichernsaal (Apothekerstraße 48) erstmals eine gemeinsame Tagung der drei Kirchengeschichtsvereine der Nordkirche statt. Die beiden Arbeitsgemeinschaften für Mecklenburgische und für pommersche Kirchengeschichte, der Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte sowie das Forum Geschichte in der Nordkirche laden dabei zu zahlreichen Vorträgen ein. Diese reichen von „Einflüssen der internationalen Erweckungsbewegung auf die lutherische Kirche Hamburgs“ (Prof. Dr. Ruth Albrecht aus Hamburg) bishin zu „Selbstbehauptung und Selbstverlust. Prägungen der pommerschen Kirche in den DDR-Jahren“ (Irmfried Garbe). „Die Veranstaltung richtet sich dabei ausdrücklich nicht nur an ein Fachpublikum, sondern alle historisch Interessierten“, sagt Johann Peter Wurm, Vorsitzender der Mecklenburgischen Arbeitsgemeinschaft und Organisator der Tagung.

 

Jede Kirchengemeinde hat ihre eigene Geschichte

Allein die Historie der drei Geschichtsvereine sei bezeichnend für die unterschiedlichen Traditionen, die in der Nordkirche zusammen kommen. Während der Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte gerade sein 125-jähriges Jubiläum feierte, entstanden die beiden östlichen vor rund 60 Jahren. „Um das restriktive DDR-Vereinsrecht zu umgehen, wurden sie als ‚Werke‘ der Kirche gegründet. Damit haben die Kirchen einen historischen Freiraum geschaffen, in dem sie weitgehend ideologiefrei Geschichtsforschung betreiben konnten“, erläutert Johann Peter Wurm. Dass die Nordkirche mehr als nur drei Kirchengeschichten der ehemaligen Landeskirchen vereint, macht der Vortrag von Robert Harlaß aus Kiel deutlich. Titel: „Das Klosterbuch für Pommern. Ein interdisziplinäres Projekt von europäischer Tragweite.“ Arbeiten hier doch deutsche und polnische Forschende eng zusammen. Johann Peter Wurm: „Kirchengeschichte bricht sich runter bis in die einzelnen Gemeinden. Das kann man gut in der Reformationszeit oder dem Kirchenkampf im Nationalsozialismus sehen, wo jede Gemeinde ihren eigenen Weg gegangen ist.“

 

Kirche hat Denken und Kultur geprägt

Der Archivar sieht es als Aufgabe der Kirchengeschichte, „auf die gesellschaftliche Relevanz von Kirche aufmerksam zu machen, den Leuten zu zeigen, wie sehr die Kirche unser Denken und unsere Kultur geprägt haben. Auch die Kirchengebäude selbst, die für unsere Dörfer und Städte prägend sind. Das können wir nicht negieren, indem wir von allgemein menschlichen oder Werten der Aufklärung sprechen.“

 

Bischof Jeremias: Nordkirche bringt ost- und westdeutsche Traditionen zusammen

Den Vortrag zum Auftakt wird Bischof Tilman Jeremias halten. Thema: „10 Jahre Nordkirche – gemeinsam unterwegs als unterschiedlich Geprägte.“ Die Nordkirche mit ihrem zarten Alter habe durchaus schon eine Geschichte, so der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. „Es gibt die zehn Jahre und die Phase der Verhandlungen davor, in denen wir gemeinsam unterwegs sind als Kirche und damit sehr bewusst ostdeutsche und westdeutsche Traditionen zusammengebracht haben. Bis jetzt haben wir eine Zusammenschau wie auf dieser Tagung noch etwas vernachlässigt. Unsere Kirche sollte möglichst viele Gelegenheiten bieten, dass Menschen aus Ost und West, aus der Stadt und der ländlichen Region einander ihre Geschichten erzählen und auch ihre Kirchengebäude und Kirchenschätze zeigen. Ein Vorteil der Nordkirche liegt darin, dass man durch den Blick des anderen sich selbst besser erkennen kann.“

 

Sieben Impulsvorträge – Anmeldung erbeten

Die Kirchengeschichtstagung beginnt am Samstag, 25. Juni, um 10 Uhr und dauert mit sieben Impulsvorträgen bis etwa 17:30 Uhr. Sie sind herzlich eingeladen zur Berichterstattung. Die Vorträge werden auch aufgezeichnet und im Anschluss veröffentlicht.

Anmeldungen sind per Post, Fax, E-Mail oder telefonisch möglich:

Landeskirchliches Archiv Schwerin
Am Dom 2, 19055 Schwerin
Tel.: (0385-) 20223-292, Fax: –299
Mail: peter.wurm@archiv.nordkirche.de

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