Neue Perspektiven für das KIW-Gelände:
Erste Projektskizze für Landesgartenschau 2035
Das Gelände rund um den alten Güterbahnhof soll im Zuge der Landesgartenschau zu einem neuen urbanen Quartier entwickelt werden.

Die Landeshauptstadt Schwerin treibt ihre Pläne für die Landesgartenschau 2035 voran und hat nun erstmals eine umfassende Projektskizze vorgestellt. Unter dem Leitmotiv „Miteinander – Erbe bewahren – Wandel gestalten“ sollen nicht nur Grünflächen entstehen, sondern auch zentrale Impulse für Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Infrastruktur gesetzt werden.
Die Stadtvertretung steht nun vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Mit einer Absichtserklärung gegenüber dem Land könnten Fördermittel gebündelt und der Weg für die weitere Planung freigemacht werden. Parallel dazu ist eine Machbarkeitsstudie vorgesehen, deren Kosten in die Haushaltsplanungen der Jahre 2027 und 2028 einfließen sollen.
Ein Großprojekt mit vielen Chancen
Mit geschätzten Investitionen von rund 73 Millionen Euro und zusätzlichen Durchführungskosten von knapp 10 Millionen Euro zählt die geplante Gartenschau zu einem der größten Vorhaben der kommenden Jahre. Fest steht allerdings noch nicht, ob die Landesgartenschau tatsächlich 2035 stattfindet. Grund dafür ist, dass in demselben Jahr auch die Bundesgartenschau in Dessau-Roßlau geplant ist. Demnach könnte sich die Stadt vorstellen, die Landesgartenschau auf 2034 zu terminieren.
Für die Veranstaltung werden rund 440.000 Besucher erwartet. Die BUGA 2009 hatte im Vergleich 1,87 Millionen Gäste. „Von der BUGA profitiert die Stadt auch noch nach mehr als 15 Jahren”, so Baudezernent Bernd Nottebaum. Dazu zählt vor allem die Investition in die Infrastruktur – das will die Stadt auch mit der Landesgartenschau wieder schaffen.
Im Fokus der Planungen stehen das ehemalige KIW-„Vorwärts“-Gelände sowie der alte Güterbahnhof. Die rund 39 Hektar große Fläche gilt seit Jahren als bedeutendes Entwicklungsgebiet – allerdings auch als kostspielige Herausforderung aufgrund vorhandener Altlasten. Die Idee, das Areal mithilfe der Gartenschau für den Bau bezahlbaren Wohnraums vorzubereiten, stammt vom Verein Pro Schwerin und fand schnell Unterstützung in Verwaltung und Landespolitik. Ziel ist es, einen neuen innerstädtischen Stadtteil zu schaffen, der insbesondere Familien attraktiven Wohnraum bietet. „Außerdem steigert eine Landesgartenschau die Bekanntheit Schwerins und unseres Weltkulturerbes. Wir freuen uns, dass unser ehrenamtliches Engagement so großen Widerhall findet”, betont der Vorsitzende des Vereins Pro Schwerin Werner Hinz.
Grünes Band verbindet zentrale Orte
Neben dem Hauptareal sollen auch die Schwimmende Wiese sowie der ehemalige Küchengarten in das Konzept eingebunden werden. Die etwa zwei Kilometer voneinander entfernten Flächen sollen durch ein sogenanntes „Grünes Band“ verbunden werden – mit temporären Grünflächen, Aufenthaltsorten und Aktionsbereichen. Dieses Konzept verfolgt gleich mehrere Ziele: Besucher sollen gezielt in die Innenstadt gelenkt, der Einzelhandel gestärkt und neue Wegebeziehungen – insbesondere für Radfahrer und Fußgänger – dauerhaft etabliert werden. Darüber hinaus greift die Planung auf Erfahrungen und Strukturen der Bundesgartenschau 2009 zurück, deren Effekte bis heute im Stadtbild sichtbar sind.
Impulse weit über die Innenstadt hinaus
Die Landesgartenschau soll nicht auf das Zentrum beschränkt bleiben. Auch im Umland sind Projekte geplant: Entlang der Fahrradroute „Blaue Acht“ rund um den Schweriner See sollen acht Standorte zur „Grünen Acht“ weiterentwickelt werden – darunter touristisch und landschaftlich bedeutende Orte wie der Zippendorfer Strand oder das Freilichtmuseum Mueß.
Ziel des Gesamtprojekts ist es, Schwerin im Kontext seines Welterbe-Titels nachhaltig zu stärken, ökologische Stadtentwicklung voranzutreiben und neue touristische Angebote zu schaffen. Gleichzeitig sollen neue Frei- und Begegnungsräume entstehen, die den sozialen Zusammenhalt in der Stadt fördern.




