Fahrraddemo in Schwerin -
“Wer einen SUV hat, muss dafür auch einen eigenen Parkplatz haben!”
Eine Fahrraddemo und der Start der “Tour de Verkehrswende” und zwischendrin noch eine Prüf-Demo. Das war in der Innenstadt los.

Auch diesen Samstag (08. August 2026) wurde in Schwerin demonstriert. Diesmal aber ohne “Generation Deutschland” und “Generation Antifa”. Dafür mit dem Fahrrad. Erst gab es eine Fahrraddemo rund um die Innenstadt, Ziel und Start war der Alte Garten. Laut Polizeiangaben nahmen 80 Menschen an dieser Versammlung teil. Zwischenfälle gab es nicht. Danach ging die Versammlung über in die monatliche Prüf-Demo und um 14 Uhr startete die “Tour de Verkehrswende”. Bei dieser Tour fährt auch ein Schweriner ein Stück mit.
Fahrraddemo rund um die Innenstadt
Die Fahrraddemo wurde von Johannes angemeldet. Er kommt aus Ludwigslust und sagt von sich selbst: “Ich bin ein Aktivist der auf vielen Hochzeiten tanzt.” Für die Fahrraddemo hatte er bis zu 150 Radfahrerinnen und Radfahrer erwartet. Der Demo-Zug war am Ende rund 200 bis 300 Meter lang und es kam nur zu leichten Verkehrseinschränkungen.

Die Demo sollte sich für einen Umbau der Städte einsetzen. Johannes erklärt das so: “Autos verbrauchen viel Fläche. Dabei sind auch Flächen, die für ökologische Sachen genutzt werden können. Stadtbegrünung zum Beispiel. Und eben auch mehr Fahrradwege. Und es geht auch darum Möglichkeiten für Menschen und Kinder zu schaffen um den öffentlichen Raum zu nutzen, anstatt für Autos.”
Changing Cities
Viele der Teilnehmer der Fahrraddemo trugen graue T‑Shirts von der Organisation “Changing Cities”. Unter dem Dach von “Changing Cities” werden viele Projekte gesammelt, die sich für eine Veränderung von Städten in Deutschland einsetzen. Die Organisation kommt aus Berlin und ist aus dem dortigen Radentscheid von 2018 hervorgegangen.

“Changing Cities” organisiert jedes Jahr die “Tour de Verkehrswende”. In diesem Jahr geht es von Schwerin bis in die Region um Magdeburg. Dabei wird durch Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gefahren. Das Motto in diesem Jahr: Straßen fair teilen. Mit der “Tour de Verkehrswende” fordern die Radfahrerinnen und Radfahrer, dass alle Verkehrsteilnehmer auf öffentlichen Straßen gleichberechtigt werden und allen die gleiche Menge an Fläche zur Verfügung steht.
Christoph aus Schwerin fährt mit
Von Schwerin über Lüneburg bis nach Hannover fährt Christoph aus Schwerin bei der “Tour de Verkehrswende” mit. Wie steht es um die Infrastruktur für Radfahrer in Schwerin? Christophs Antwort: „Touristische Wege sind okay. Zum Beispiel der Franzosenweg. Aber durch die Innenstadt ist es schwer. Entweder ist die Straße eine Fußgängerzone oder hat Kopfsteinpflaster, das ist nicht gut. Die aktuelle Lösung mit der Schrittgeschwindigkeit auf dem Marienplatz, die ist ganz gut.”

Einige Leute sagen: „Ohne Auto klappt für mich alles nicht. Wir brauchen eher mehr Parkplätze in der Stadt.” Das sieht der Radfahrer anders: “Wir haben immer größere Autos, damit parken wir die Innenstadt zu. Und dann werden mehr Parkplätze gefordert, wenn ein SUV soviel Platz wie zwei Kleinwagen braucht. Wer einen SUV hat, muss dafür halt einen eigenen Parkplatz haben. Ansonsten ist das irgendwo auch ungerecht.”
Kennzeichen und rote Ampeln
Fahrradfahrer, die über rote Ampeln fahren, oder Autofahrer, die Radfahrer mit zu geringem Abstand überholen: Solche Situationen kennt auch Christoph. Er betont, dass individuelles Fehlverhalten unabhängig vom Verkehrsmittel vorkommt. „Menschen sind nicht perfekt, alle machen Fehler“, sagt er dazu. Mit einem Kennzeichen am Fahrrad hätte er kein Problem: „Dafür bräuchten wir eben eine Halterhaftung – beim Auto wie auch beim Fahrrad. Dann kann sich niemand mehr herausreden und behaupten, er sei nicht selbst gefahren.“

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