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Brandmauer-Streit spaltet erneut UB/FDP-Fraktion:
Unabhängige Bürger distanzieren sich scharf von Bressels Brandmauer-Äußerungen

FDP-Kreischef Bressel sorgt erneut für Unruhe in Schweriner UB/FDP-Fraktion – seine Forderung nach Ende der AfD-Brandmauer stößt auf heftige Kritik der Unabhängigen Bürger.

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  • Veröffentlicht Mai 15, 2025
Der FDP-Stadtvertreter Paul Bressel muss die FDP/UB-Stadtvertretung verlassen.
Der FDP-Stadtvertreter Paul Bres­sel sorgt für Unruhe in der UB/FDP-Stadt­frak­tion. Foto: Dario Rochow

In der UB/FDP-Stadt­frak­tion rumort wieder ein­mal und wieder ist der Stadtvertreter Paul Bres­sel, der auch FDP-Kreisvor­sitzen­der ist, Stein des Anstoss­es.

In ein­er Pressemit­teilung hat­te der FDP-Kreisvor­stand Anfang Mai mit­geteilt, dass der Ver­band eine bun­desweite Mit­glieder­be­fra­gung unter­stütze. Diese hat­te zuvor der frühere FDP-Frak­tionsvor­sitzende im Land­tag Nor­drhein-West­falen, Ger­hard Pap­ke, ins Spiel gebracht.

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Der FDP-Kreisvor­sitzende Bres­sel wird in der Pressemit­teilung mit den Worten zitiert:

„Vielfach wur­den Entschei­dun­gen in den ver­gan­genen Jahren auf der Basis von Ide­olo­gie statt anhand von Fak­ten getrof­fen. Wenn Deutsch­land inter­na­tion­al wieder einen Spitzen­platz bele­gen will, muss damit Schluss sein. Dafür muss sich die FDP ein­set­zen. Dabei darf es für die FDP keine Brand­mauern geben.”

Ins­ge­samt zehn Punk­te führten die Freien Demokrat­en in ihrer Pressemit­teilung auf, die aus Sicht des Kreisvor­standes die „grundle­gende poli­tis­che Wende zurück zu ihren frei­heitlichen Wurzeln” vol­lziehen soll.

Es ist wichtig im Dialog zu bleiben

Unter Punkt 10 schreibt die Schw­er­iner FDP, dass die Partei für die „Zusam­me­nar­beit mit allen demokratisch gewählten Parteien, mit denen die genan­nten Ziele ver­wirk­licht wer­den kön­nen” ein­treten will. Dabei möchte man „Kon­takt- und Koop­er­a­tionsver­boten eine klare Absage zu erteilen, weil solche Ver­bote nur dem undemokratis­chen Zweck dienen, unlieb­same poli­tis­che Konkur­renten vom Wet­tbe­werb auszuschließen”.

Dass FDP-Kreis­chef Bres­sel wenig von ein­er ‚Brand­mauer‘ gegenüber der AfD hält, hat­te er bere­its im Feb­ru­ar in einem Inter­view mit unser­er Redak­tion deut­lich gemacht. Auf die Frage, ob er die ‚Brand­mauer‘ in Rich­tung AfD abschaf­fen wolle, sagte Bres­sel damals:

„Ja, genau! Das State­ment ruft dazu auf, aktiv nach neuen Wegen zu suchen, um den gesellschaftlichen Zusam­men­halt zu stärken und die Demokratie zu schützen. Wenn das Sou­verän ignori­ert und Mehrheit­en moral­isiert oder aus­ge­gren­zt wer­den, kann das zu Radikalisierung führen.

Daher ist es wichtig, offen für Dia­log zu bleiben, unter­schiedliche Mei­n­un­gen ernst zu nehmen und
kon­struk­tive Lösun­gen zu find­en.”

Allerd­ings machte Bres­sel damals auch deut­lich, dass seine Ablehnung ein­er „Brand­mauer” gegen die AfD nicht bedeutet, dass er sich nicht gegen die AfD abgren­zen möchte. Bres­sel im Inter­view:

Nein, ich gren­ze mich auch von der AfD ab! Solange ein Björn Höcke, der für mich ein absoluter Antikap­i­tal­ist und völkisch­er Sozial­ist ist, sein Unwe­sen in dieser Partei treibt, ist mit dieser Partei nichts anz­u­fan­gen. Wenn die AfD es wirk­lich ernst meint, muss sie anfan­gen, sich von den völkischen, antikap­i­tal­is­tis­chen und sozial­is­tis­chen Flügeln und Per­so­n­en zu tren­nen.

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Bei den UB-Stadtvertretern in der gemein­samen Frak­tion, stösst das Ansin­nen von Bres­sel nun auf Ablehnung, zumal das Bun­de­samt für Ver­fas­sungss­chutz ger­ade erst die AfD als „gesichert recht­sex­trem” eingestuft hat. Wenig später hat­te das Bun­de­samt aber  eine „Still­hal­tezusage” abgegeben, bis zu ein­er Gericht­sentschei­dung über ein Eil­ver­fahren nicht mehr öffentlich die AfD als „gesichert recht­sex­trem­istis­che Bestre­bung” zu beze­ich­nen.

FDP-Kreis­chef Paul Bres­sel sieht die Ein­stu­fung der AfD durch den Ver­fas­sungss­chutz als „poli­tisch motiviert” an. Auf seinem X‑Account schreibt er:

 

Die Wäh­lerge­mein­schaft Unab­hängige Bürg­er (UB) bezieht in ein­er Pressemit­teilung von gestern nun deut­lich Stel­lung: Sie dis­tanziert sich klar von Bres­sels Forderung, das Kon­takt- und Koop­er­a­tionsver­bot mit der AfD aufzuheben, und betont ihre Treue zu demokratis­chen Grundw­erten.

Klar gegen extremistische Positionen

Die drei Stadtvertreter der UB – Ste­fanie Pohlner, Man­fred Strauß und Rolf Stein­müller machen in der Mit­teilung deut­lich: „Seine (Paul Bres­sel – Anm. d. Red.) Aus­sagen entsprechen nicht unserem Ver­ständ­nis von ver­ant­wor­tungsvoller Poli­tik“. Man set­ze auf „Dia­log, Tol­er­anz und den Erhalt unser­er demokratis­chen Grun­dord­nung“.

„Wir ver­trauen darauf, dass die FDP als eine freie demokratis­che Partei ihre inter­nen Prozesse klärt und die richti­gen Entschei­dun­gen im Sinne der demokratis­chen Grun­dord­nung trifft“, so Ste­fanie Pohlner, Vor­standsmit­glied der Unab­hängi­gen Bürg­er und Stadtvertreterin. „Wir, die Unab­hängi­gen Bürg­er, wer­den weit­er­hin unab­hängig und bürg­er­nah für die Mitte der Gesellschaft ein­treten und ste­hen für eine Poli­tik, die auf Fak­ten, Dia­log und demokratis­ch­er Ver­ant­wor­tung basiert. Wir posi­tion­ieren uns klar gegen extrem­istis­che Strö­mungen.“

Jörn Osterode, Vor­sitzen­der der Wäh­lerge­mein­schaft Unab­hängige Bürg­er ergänzt: „Wir set­zen auf den demokratis­chen Geist und die Ver­ant­wor­tungs­bere­itschaft unser­er Part­ner in der FDP. Es ist wichtig, dass interne Kon­flik­te und Mei­n­ungsver­schieden­heit­en inner­halb der Partei gek­lärt wer­den, ohne dass dies auf Kosten der demokratis­chen Grundw­erte geht. Wir ver­trauen darauf, dass die FDP diese Her­aus­forderung meis­tern wird.“

Konflikt im letzten Sommer eskaliert

Den Kon­flikt zwis­chen den Unab­hängi­gen Bürg­ern und FDP-Chef Bres­sel gibt es schon länger. Bere­its im ver­gan­genen Jahr war er vorüberge­hend aus der gemein­samen Frak­tion aus­geschlossen wor­den – damals wegen „unüber­wind­bar­er Diskrepanzen“ in wirtschaft­spoli­tis­chen Fra­gen und sein­er Nähe zur AfD, wie UB-Stadtvertreter Man­fred Strauß betonte.

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FDP-Stadtvertreter Diet­mar Tack­mann erk­lärte nach dem Rauswurf seines Parteifre­un­des den Aus­tritt aus der gemein­samen Frak­tion mit den Unab­hängi­gen Bürg­ern. Daraufhin zer­brach die Frak­tion.

Nach der Som­mer­pause im let­zten Jahr beschloss man dann über­raschend sich als Frak­tion doch wieder neu zu formieren. „Wir haben in den let­zten Wochen inten­siv über unsere Pri­or­itäten und Ziele nachgedacht und sind zu dem Schluss gekom­men, dass wir gemein­sam mehr erre­ichen kön­nen. Unser Ein­satz für das Gemein­wohl ste­ht im Fokus unser­er poli­tis­chen Arbeit“, begrün­dete Man­fred Strauß (UB) damals die Neube­ginn mit der FDP.

Ein ent­gültiger Bruch in der Zusam­me­nar­beit mit der FDP scheint angesichts der aktuellen Entwick­lun­gen nun allerd­ings nicht mehr aus­geschlossen.