Flüchtlingshilfe stellt zum Jahresende Arbeit ein

Der Verein Flüchtlingshilfe Schwerin stellt zum Ende des Jahres 2018 seine Arbeit ein. Das teilte der Verein in einer Presseaussendung mit. Die Mitglieder hätten auf der vergangenen Jahreshauptversammlung einstimmig die Vereinsauflösung beschlossen. 

Archivbild: Die damalige Bundessozialministerin Manuela Schwesig und Landessozialministerin Birgit Hesse besuchen 2016 anlässlich der Verleihung des Engagementpreises der Deichmann-Stiftung die Flüchtlinghilfe Schwerin.

 

Immer wieder hatte der Verein seit der Gründung den vorübergehenden Charakter seiner Tätigkeit betont. Inzwischen sei die Unterstützung für die Geflüchteten überwiegend institutionalisiert: Stadt, Jobcenter und die Wohlfahrtsverbände agierten auf der Grundlage von rechtlichen Vorgaben. Mit Fördermitteln aus verschiedenen Töpfen werden Projekte aller Art durchgeführt. „Diese Entwicklung ist notwendig und positiv, führt aber gleichzeitig zu einer Verdrängung des ehrenamtlichen Engagements, obwohl es aus unserer Erfahrung an vielen Stellen noch Lücken in der Förderung der Integration gibt.“, heißt es weiter. 

 

Eindruck, dass Arbeit von Institutionen zuletzt als Last empfunden wurde

 

Die Aktivisten der Flüchtlingshilfe weisen darauf hin, dass immer noch ausreichende Angebote für Menschen, die rechtlich keinen Anspruch auf einen Deutschkurs haben, fehlen. Es fehle aber auch seit Jahren an Kindergartenplätzen. Es fehle eine ausreichende Begleitung in den Arbeitsprozess. Es fehle an Angebote für Jugendliche, die nicht mehr schulpflichtig sind. Insbesondere für junge Familien brauche es auch Angebote zur Gesundheits- und Erziehungsberatung. Hier sehen die Ehrenamtler nach vor einen großen Handlungsbedarf. 

„Immer häufiger hatten die Ehrenamtlichen zuletzt jedoch den Eindruck, dass ihre Arbeit von Seiten der Institutionen eher als Last denn als Bereicherung empfunden wird.“, schriebt die Flüchtlingshilfe. Auch aus diesem Grund sehe die Flüchtlingshilfe Schwerin e.V., als Hilfsverein für „schnelle und unkomplizierte Hilfe“, ihre Aufgabe als erfüllt.  Die Auflösung des Vereins sei die Konsequenz dieser Entwicklung. Viele Mitglieder blieben auch weiterhin auf verschiedene Weise in der Stadtgesellschaft aktiv. 

 

Zeitweise mehr als 400 Helfer organisiert

 

„Schweriner helfen unkompliziert und schnell. Organisiert über das Internet und soziale Netzwerke“, unter diesem Motto schlossen sich im August 2015 zahlreiche Menschen zusammen, die den Geflüchteten helfen wollten, die zu dieser Zeit in großer Zahl auch in Schwerin ankamen. Die Initiative Flüchtlingshilfe, seit 2016 Flüchtlingshilfe Schwerin e.V., rief zu Sach-, Geld- oder Zeitspenden auf. Das Engagement von Schwerinerinnen und Schweriner war überwältigend: Zeitweise halfen mehr als 400 Freiwillige ehrenamtlich beim Aufbau von Kleiderkammern, erteilten Erste-Hilfe-Deutschunterricht, transportierten Möbel, brachten Kindern im Vorschulalter spielend Deutsch bei, begleiteten Familien zu Ämtern, Banken, Ärzten, halfen bei der Suche und Einrichtung von Wohnungen. Mit Vorträgen, Musik  und Speisen wurde die bisher fremde Kultur den Schwerinerinnen und Schwerinern näher gebracht. Der „Tanz der Kulturen“  wurde aus der Taufe gehoben, eine Kulturveranstaltung, die am 30.04. jeden Jahres immer mehr Menschen auf dem Marktplatz versammelt. Auch der internationale Lesetag „10-10-10“, der im September 2018 erneut mit großem Erfolg stattfand, geht auf eine Initiative der Flüchtlingshilfe zurück.

Anfangs war das Verhältnis zur Stadt von Wohlwollen geprägt. Zuletzt kam es immer wieder zu Spannungen. So kritisierte die Flüchtlingshilfe beispielsweise die Vorgehensweise der Stadt bei der Erarbeitung eines Integrationskonzeptes für Schwerin. Entsprechende Anfragen an die Stadtverwaltung blieben über Monate unbeantwortet. 

Henning Kobs

Journalist. Wohnt in Braunschweig. Schreibt seit der Gründung im Jahr 2013 als freier Mitarbeiter gelegentlich für unsere digitale Tageszeitung. Er arbeitet vor allem im Back-Office der Redaktion.

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