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Land und Bahn einigen sich:
Früh-ICE nach Hamburg bleibt – Einigung nach langem Streit

Der Früh-ICE von Rostock über Schwerin nach Hamburg bleibt. Nach monatelangem Streit und politischem Druck einigen sich Land und Bahn. Pendler profitieren, doch Kritik an Wirtschaftlichkeit und Zukunft bleibt.

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  • Veröffentlicht Februar 24, 2026
Die Frühverbindung nach Ham­burg bleibt. Lan­desregeirung und Bahn haben sich darauf ver­ständigt.
Foto: Mihail Cioini­ca auf Unsplash

Nach langem Rin­gen ste­ht fest: Auch nach der Gen­er­al­sanierung der Bahn­strecke Hamburg–Berlin soll es wieder eine frühe ICE-Verbindung von Ros­tock über Schw­erin nach Ham­burg geben. Darauf haben sich die Lan­desregierung Meck­len­burg-Vor­pom­mern und die Deutsche Bahn ver­ständigt. Die Spätverbindung von Ham­burg nach Ros­tock bleibt eben­falls beste­hen.

Die Züge sollen ab dem ersten Tag nach Aufhe­bung der Streck­ensper­rung wieder verkehren. Min­is­ter­präsi­dentin Manuela Schwe­sig (SPD) und Bahn-Vor­stand­schefin Eve­lyn Pal­la erziel­ten die Eini­gung in einem Gespräch in Berlin, an dem auch Wirtschaftsmin­is­ter Wolf­gang Blank teil­nahm.

Schwe­sig sprach von ein­er „guten Lösung für Bürg­erin­nen und Bürg­er in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, ins­beson­dere für die Pend­lerin­nen und Pendler“. Es werde „auch nach der Sanierung der Bahn­strecke Hamburg–Berlin einen Früh-ICE von Ros­tock über Schw­erin nach Ham­burg geben“. Per­spek­tivisch solle geprüft wer­den, ob Früh- und Spätverbindung auch mit Deutsch­landtick­et sowie Nahverkehrs- und Zeitkarten nutzbar wer­den kön­nen.

Auch die Bahn bew­ertet die Ver­ständi­gung pos­i­tiv. Vor­stand­schefin Eve­lyn Pal­la erk­lärte: „Wir haben eine tragfähige Lösung für die ICE-Frühverbindung gefun­den. Das bedeutet eine spür­bare Verbesserung für unsere Kundin­nen und Kun­den.“

Politischer Druck auch aus Schwerin

Der Durch­bruch kommt nach monate­lan­gen Diskus­sio­nen und ungewöhn­lich bre­it­em poli­tis­chen Druck, auch aus Schw­erin. Parteipoli­tisch über­greifend hat­ten Stadtvertreter den Erhalt der frühen ICE-Züge gefordert. Für viele Pendler sind sie ein fes­ter Bestandteil des All­t­ags.

Die Schw­er­iner Stadtvertre­tung beschloss sog­ar einen Dringlichkeit­santrag: Der amtierende Ober­bürg­er­meis­ter Bernd Not­te­baum (CDU) sollte Gespräche mit Bahn und Lan­desregierung führen, um die Verbindung zu ret­ten. Die Sorge: Ohne Früh-ICE dro­ht­en län­gere Fahrzeit­en, über­füllte Region­alzüge und mehr Autos auf den Straßen.

Pendler wie der Schw­er­iner Stadtvertreter Diet­mar Tack­mann (FDP)  schilderten die prak­tis­che Bedeu­tung. Sollte der ICE weg­fall­en, wür­den viele Beruf­stätige wohl ins Auto wech­seln. Region­alzüge seien bere­its jet­zt „sehr voll“, zudem ver­län­gere sich die Reisezeit um bis zu 40 Minuten.

Bahn verwies auf geringe Auslastung

Noch vor der Eini­gung hat­te die Deutsche Bahn die Stre­ichung der Frühzüge mit wirtschaftlichen Grün­den begrün­det. Nach eige­nen Angaben nutzten zulet­zt nur rund 50 bis 60 Fahrgäste die mor­gendlichen ICE-Verbindun­gen zwis­chen Ros­tock und Ham­burg. Bei bis zu 376 Sitz­plätzen entspreche das ein­er Aus­las­tung von etwa 15 Prozent – „bei weit­em keine aus­re­ichende Nach­frage“ für eigen­wirtschaftlich betriebe­nen Fer­n­verkehr.


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Anders als im Region­alverkehr werde der Fer­n­verkehr nicht von den Län­dern bestellt oder finanziert, son­dern müsse sich selb­st tra­gen. Zudem habe sich das Mobil­itätsver­hal­ten verän­dert: Durch das Deutsch­landtick­et nutzten viele Reisende häu­figer den gün­stigeren Nahverkehr.

Als Alter­na­tive ver­wies die Bahn auf Regional­ex­press-Verbindun­gen, etwa ab Schw­erin um 5.06 Uhr, 6.09 Uhr und 7.06 Uhr, mit ein­er meist nur rund 30 Minuten län­geren Reisezeit. Der erste reg­uläre ICE Rich­tung Ham­burg sollte nach den ursprünglichen Pla­nun­gen kün­ftig erst um 7.04 Uhr in Ros­tock starten und gegen 9.12 Uhr den Ham­burg­er Haupt­bahn­hof erre­ichen.

Unterschiedliche Reaktionen aus der Politik

Im Land­tag wird die nun gefun­dene Lösung über­wiegend begrüßt – allerd­ings mit unter­schiedlichen Akzen­ten.

Der verkehrspoli­tis­che Sprech­er der Links­frak­tion, Hen­ning Foer­ster, sprach von einem „wichti­gen Sig­nal für Pendler in Meck­len­burg-Vor­pom­mern“. Die Beibehal­tung der Früh- und Spätverbindung sei „über­fäl­lig“. Pos­i­tiv bew­ertet die Linke auch die geplante Nutzung mit Nahverkehr­stick­ets: „Nun gilt es, diese Pläne zügig auf Umset­zbarkeit zu prüfen, um Pendler:innen Pla­nungssicher­heit zu gewähren.“

Kri­tis­ch­er äußerte sich die AfD. Ihr Verkehrspoli­tik­er Stephan J. Reuken beze­ich­nete die Entschei­dung als möglich­es „früh­es Wahlgeschenk“. Es sei zwar gut, dass die Verbindung bleibe, doch „ganz und gar nicht gut“, dass über­haupt über ihre Stre­ichung debat­tiert wor­den sei. Zudem stellte er die langfristige Finanzier­barkeit infrage.

CDU dankt Bundesverkehrsminister

Nach der nun verkün­de­ten Eini­gung meldete sich auch die CDU Meck­len­burg-Vor­pom­mern zu Wort. Die Partei  hat­te sich in den ver­gan­genen Wochen mehrfach für den Erhalt der Verbindung einge­set­zt. „Mein beson­der­er Dank gilt dem Bun­desverkehrsmin­is­ter Patrick Schnieder für seinen Ein­satz und seinem klaren Beken­nt­nis zur Stärkung des Schienen­verkehrs. Ich danke auch der Vor­standsvor­sitzen­den der Deutschen Bahn, Eve­lyn Pal­la, für die kon­struk­tive Zusam­me­nar­beit bei der Sicherung dieser wichti­gen Verkehrsverbindung“, so der CDU-Lan­desvor­sitzende Daniel Peters.

Die Eini­gung sei „der Beweis, dass kon­struk­tive Poli­tik für ver­lässliche Infra­struk­tur Früchte trägt“. Weit­er heißt es: „Wir freuen uns mit den Pend­lerin­nen und Pendlern, die kün­ftig weit­er­hin direkt und kom­fort­a­bel in Rich­tung Ham­burg reisen kön­nen. Diese Entschei­dung stärkt nicht nur den Fer­n­verkehr, son­dern auch die Attrak­tiv­ität unseres Lan­des als Wohn- und Arbeits­stan­dort. Für die CDU MV ist klar: Gute Mobil­ität ist Leben­squal­ität.“

Verbesserungen auch für Ludwigslust

Neben der ICE-Verbindung kündigte die Bahn weit­ere Änderun­gen im Fer­n­verkehr an: Ab 14. Juni 2026 sollen auf der Strecke Rostock–Leipzig wieder Inter­ci­ty-Züge in Lud­wigslust hal­ten, jew­eils zweimal täglich pro Rich­tung. Schwe­sig nan­nte die Stadt einen „wichti­gen Verkehrsknoten“ und sprach von ein­er „guten Lösung für unser Land“.

Gle­ichzeit­ig fordert die Lan­desregierung von der Bahn einen ver­lässlichen Zeit­plan für Bau- und Inbe­trieb­nahme im Kor­ri­dor Berlin–Hamburg, damit das voll­ständi­ge Ange­bot im Nah- und Fer­n­verkehr nach der Sper­rung wieder sta­bil läuft.

Bahnanschluss sensibles Thema

Rund 1.200 bis 1.400 Men­schen pen­deln laut Pendler­at­las grund­sät­zlich zwis­chen Schw­erin und Ham­burg – allerd­ings über alle Verkehrsmit­tel hin­weg. Nur ein Teil davon nutzt regelmäßig die Bahn und noch weniger den Fer­n­verkehr.

Ob die Eini­gung langfristig trägt, wird sich erst nach Abschluss der Bauar­beit­en zeigen. Klar ist: Der Stre­it um die Frühverbindung hat gezeigt, wie sen­si­bel das The­ma Bah­nan­schluss im Nor­dosten ist – für Pendler, Kom­munen und die Lan­despoli­tik gle­icher­maßen.