Hilfe für Mädchenfußball in Schwerin:
Schweriner Fußballerinnen suchen Sponsoren – Zonta und Kiwanis helfen
Der FSV 02 Schwerin sucht Unterstützung für seinen Mädchen- und Frauenfußball. Bei einem Benefiztreffen kamen Politik, Unternehmer und Serviceclubs zusammen. Mit einem konkreten Ziel.

Ein Vereinsbus ist das erste konkrete Ziel, langfristig geht es um mehr: Der FSV 02 Schwerin will die finanzielle Basis seines Mädchen- und Frauenfußballs verbreitern und dafür neue Unterstützer gewinnen. Bei einem Benefiztreffen am Freitag, 28. August, kamen auf der Sportanlage des Vereins Spielerinnen, Unternehmer, Serviceclubs und Vertreter aus der Politik zusammen.
Mit dabei waren unter anderem der Landtagsabgeordnete Henning Förster (Linke), die Bundestagsabgeordnete Ina Latendorf (Linke) und Petra Federau (AfD). Auch Vertreter der Serviceclubs Zonta und Kiwanis sowie Unternehmer waren der Einladung gefolgt.
Angeregt worden war das Treffen von der Vorsitzenden des Zonta Clubs Schwerin, Astrid Rochow. Sie hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass der Serviceclub die Arbeit des FSV 02 und insbesondere dessen Engagement für Mädchen und Frauen unterstützen möchte. Zonta ist Teil eines internationalen Netzwerks von Frauen, das sich für eine Verbesserung der Lebenssituation und der gesellschaftlichen Stellung von Frauen und Mädchen einsetzt.
„Beim FSV 02 erleben Mädchen, dass Fußball genauso ihr Sport sein kann und dass sie ihren Platz auf dem Spielfeld haben. Dieses Engagement möchten wir als Zonta Club Schwerin unterstützen. Uns war wichtig, Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam dazu beitragen können, dass diese Arbeit auch langfristig gute Bedingungen hat“, so Rochow.
Tausende Kilometer zu Auswärtsspielen
Vereinsvorsitzender Matthias Bach machte bei dem Treffen deutlich, warum der FSV zusätzliche Partner sucht. Besonders sichtbar werden die Herausforderungen bei den Fahrten zu Spielen und Turnieren. Nach seinen Angaben kommen allein für eine Mannschaft in dieser Saison im regulären Spielbetrieb rund 6400 Kilometer zusammen. Hinzu kommen Turniere und Einladungen anderer Vereine. Zu Auswärtsspielen seien deshalb häufig drei oder vier private Autos notwendig.

Diese Belastung wolle der Verein nicht dauerhaft auf die Familien der Spielerinnen abwälzen. „Deswegen suchen wir schon lange einen Vereinsbus“, sagte Bach. Mit dem Treffen wolle der FSV einen neuen Anlauf unternehmen und zugleich Kontakte zu möglichen Unterstützern aufbauen. Perspektivisch schwebt dem Vorsitzenden ein Pool aus mehreren Sponsoren vor.
Zonta und Kiwanis spenden 750 Euro
Die ersten Beiträge für das Bus-Projekt kamen noch während der Veranstaltung. Der Zonta Club Schwerin übergab dem FSV 02 eine Spende in Höhe von 500 Euro. Weitere 250 Euro steuerte der Kiwanis-Club Schwerin bei. Zusammen kamen damit 750 Euro für das Vorhaben hinzu. Auch die beiden
Markus Juhls von Kiwanis betonte bei der Übergabe die gesellschaftliche Bedeutung des Sports: „Sport vermittelt Werte wie Respekt oder Fairness und verbindet junge Menschen. Dafür stehen wir von Kiwanis.“

Bei der einmaligen Unterstützung soll es nicht bleiben. Kiwanis verknüpft das Bus-Projekt mit seinem traditionellen Advent am zweiten Advent. Mitglieder und Unterstützer des FSV können Weihnachtsbäume für die Veranstaltung vermitteln. Die Hälfte des Erlöses aus diesen Verkäufen soll der Mädchenfußballabteilung und damit dem Bus-Projekt zugutekommen.
„Je mehr Weihnachtsbäume der FSV 02 vermittelt, desto mehr Geld fließt in das Bus-Projekt der jungen Kickerinnen“, so Juhls.
Ausschließlich Mädchen und Frauen
Der FSV 02 nimmt in der Schweriner Fußballlandschaft eine besondere Rolle ein. Der Verein konzentriert sich ausschließlich auf Mädchen- und Frauenfußball. Dabei versteht er sich nach den Worten seines Vorsitzenden nicht als reiner Leistungsverein.
„Wir schicken keine Mädchen nach Hause“, sagte Bach. Zwar spiele der Verein mit seinen Mannschaften möglichst leistungsorientiert, zugleich übernehme er aber bewusst eine soziale Aufgabe. Auch Mädchen, die sportlich zunächst nicht auf dem Niveau anderer Spielerinnen seien oder aus schwierigeren Lebenssituationen kämen, sollten ihren Platz im Verein finden. Die Trainer hätten deshalb neben der sportlichen Arbeit eine besondere Verantwortung für die Integration neuer Spielerinnen.
Aktuell arbeiten nach Angaben Bachs zwölf Trainer mit sieben Mannschaften. Hinzu kommen zwei Schiedsrichter. Vieles werde ehrenamtlich und mit Unterstützung der Eltern geleistet.
Sponsoren häufig im Männerfußball
Eine der größten Herausforderungen bleibt nach Einschätzung des Vorsitzenden die Suche nach Geldgebern. Im Wettbewerb um Sponsoren habe es der Frauenfußball weiterhin deutlich schwerer als Männervereine.
Bach berichtete, dass viele potenzielle Unterstützer bereits im Männerfußball engagiert seien. Bei Gesprächen werde zudem immer wieder nach Zuschauerzahlen gefragt. Für einen Verein, dessen Schwerpunkt auf Mädchen- und Frauenmannschaften liegt, sei es deshalb schwierig, über klassische Reichweitenargumente Sponsoren zu gewinnen.

Genau an diesem Punkt soll das von Zonta angeregte Treffen ansetzen. Unternehmer, gesellschaftliche Organisationen, Politik und Verein miteinander ins Gespräch zu bringen, soll neue Kontakte schaffen und im besten Fall längerfristige Partnerschaften ermöglichen.
Auch Bach hofft auf ein Netzwerk von Menschen und Unternehmen, die gezielt Mädchen und Frauen im Fußball unterstützen. Die Benefizveranstaltung sollte dafür nach seinen Worten ein Anfang sein.
Neue Ligastrukturen erhöhen den Druck
Hinzu kommt eine sportliche Entwicklung, die den Verein in den kommenden Jahren vor zusätzliche Aufgaben stellen könnte. Bach verwies auf Veränderungen im Ligensystem des Frauenfußballs. Soll der FSV perspektivisch höherklassig spielen, würden die Anforderungen an Organisation und Finanzierung deutlich steigen.
Auswärtsspiele könnten dann unter anderem nach Jena, Erfurt, Leipzig oder Berlin führen. Mit den derzeitigen Vereinsstrukturen sei das nach Einschätzung Bachs kaum zu bewältigen. Mittelfristig brauche der FSV deshalb nicht nur zusätzliche Sponsoren, sondern auch weitere Personen im Vorstand und in der sportlichen Organisation.

Dass der Verein sportliche Ambitionen hat, machte Bach bereits zur Eröffnung deutlich. Die Mädchenmannschaften sollen sich nach Möglichkeit mit leistungsstarken Gegnerinnen messen. Gleichzeitig will der FSV den Mädchenfußball in Mecklenburg insgesamt stärken und Mannschaften dort unterstützen, wo ein eigenständiger Spielbetrieb möglich ist.
Für Bach hängt die Zukunft des Vereins deshalb nicht allein von Ergebnissen auf dem Platz ab. Entscheidend sei, rechtzeitig Strukturen aufzubauen, mit denen Mädchen und Frauen auch künftig leistungsorientiert Fußball spielen können.




